Guten Tag,
Ich weiß zwar die Eigenschaften des P- und des I-Reglers, kann mir diese
aber nicht wirklich erklären/herleiten.
Hat jemand Erklärungen dafür, dass der P-Regler schnell aber ungenau ist
und der I-Regler langsam aber genau ist???
Der P-Regeler ist ja nur die Regelabweichung x Proportionalfaktor. Damit
hast du sofort die größte Änderung des Stellgrades.
Da die meisten Regelstrecken Energie in die Umgebung verlören bzw. bei
einem Stellgrad von 0 nicht "laufen" kann der P-Regler seinen Sollwert
nicht erreichen.
Der I Regler integriert die Regelabweichung über die Integrationszeit
und braucht damit länger, behält aber bei einer Regelabweichung den
Stellgrad und damit erreicht der I-Regler seinen Sollwert.
Gruß JackFrost
Ich stelle das Regelverhalten mal in einfachen Beispielen dar; daraus
sollte es eigentlich klar werden:
P-Regler:
Temperatur weicht um 2 K vom Soll ab -> Heizung auf 20%
Temperatur weicht um 4 K vom Soll ab -> Heizung auf 50%
I-Regler:
Messung nach einer Minute, Temperatur weicht um 2 K vom Soll ab ->
Heizleistung um 5% steigern
Messung nach einer weiteren Minute, Temperatur weicht immer noch um 2 K
vom Soll ab -> Heizleistung um weitere 5% steigern.
Ob die Geschwindigkeit oder Genauigkeit besser oder schlechter ist,
hängt immer nur davon ab, wie gut der Regler zur Regelstrecke passt.
(Aber ja, bei Temperaturreglern ist es meist, wie von dir beschrieben.
Hallo
hier im Forum gab es schon einige sehr gute Beiträge zur Regeltechnik -
und obwohl es schon mehrfach mit wirklich guten Beispielen aus der
Praxis oder auch mit für einen "normalen" ;-) Menschen besser
nachvollziehbare Beispiele aus der Mechanik versucht wurde zu erklären
wie ein Regler in Detail funktioniert und was all diese Regelprameter
bewirken, fällt es nicht nur mir sehr schwer diese Regelparameter
allgemein, unabhängig von den sehr gut verständlichen Einzelbeispielen
zu verstehen.
Scheinbar muss eine art "Knoten" im Gehirn überwunden werden um zu
verstehen wie die Regeltechnik mit all ihren Parametern funktioniert.
Und dieser Knoten ist wohl nicht nur bei mir sehr fest geknüpft.
Die typische Lehrliteratur und erst Recht Wikipedia verwirren eigentlich
nur noch mehr.
Meine bewunderung an die welche Regeltechnik wirklich vollständig in
Theorie und der Umsetzung in die Praxis verstehen und eventuell sogar
einen echten Laien in jeden Detail verständlich und trotzdem korrekt
weitergeben können.
Praktiker
Praktiker schrieb:> Meine bewunderung an die welche Regeltechnik wirklich vollständig in> Theorie und der Umsetzung in die Praxis verstehen.....
Es gab früher den Ausbildungsberuf eines BMSR-Techniklers
(Betriebs- Meß- Steuer- und Regelungstechnik), den man mit nach Abschluß
der 10 klassigen polytechnischen Oberschule erlernen konnte. Dazu
brauchte man weder ein Abitur noch ein nachfolgendes Studium.
Der Beruf ist verschwunden. Dafür sind Legionen von händeringenden
Fachkräftemanglern aufgetaucht.
:-((
Praktiker schrieb:> Scheinbar muss eine art "Knoten" im Gehirn überwunden werden um zu> verstehen wie die Regeltechnik mit all ihren Parametern funktioniert.> Und dieser Knoten ist wohl nicht nur bei mir sehr fest geknüpft.
Mein Problem war immer, dass das alles so theoretisch und
zusammenhanglos war. Da wurde die ganze Mathematik erklärt, alles
theoretisch betrachtet, Übertragungsfunktion, Zustandsraumdarstellung,
Reglerauslegung und alles sonst besprochen, aber ohne jeden
Zusammenhang. Erst am Ende gab es dann mal ein Beispiel.
Viel mehr hat es mir gebracht, ein Beispiel anzusehen und Schritt für
Schritt zu verfeinern. Das wurde aber in den Vorlesungen nie so gemacht.
Ich stelle mir so ein Vorgehen gerade in der Grundschule vor. Zuerst
werden die Axiome erklärt, darauf aufbauend die Rechenoperationen
bewiesen und am Ende des Jahre wird kurz gezeigt, dass man mit dem
Gelernten auch Äpfel zusammenzählen kann. :-/
der P Regler lebt von der Regelabweichung, eine Regelabweichung NULL
kann es nicht geben sonst müsste die P Verstärkung unendlich sein und
damit neigt der P-Regler zum Schwingen, unschön.
Entweder schwingt die Kiste, ist aber schnell oder sie hat eine große
Regelabweichung.
Ein P-Regler hat kein Zeitglied ausser seine eigene Begrenzung, optimal
ohne Zeitverzug.
Ein I-Regler nähert sich gemütlich der Regelabweichung NULL braucht aber
Zeit bekommt so aber die Regelabweichung kleiner über die Zeit.
Hallo
" Dussel" deinen Beitrag ist nicht mehr viel hinzuzufügen außer der
Frage:
-Liegt es nur an eine Mischung aus Ignoranz und sich nicht in
"Normalsterbliche" hinein versetzen zu können?
Oder
-An eine Art Standesdünkel: Wer zu "blöd" für ein Abitur ist und sich
Mathematik etwas schwerer tut, soll bloß nichts verstehen - lass "uns"
angehende Akademiker unter sich bleiben indem wir es möglichst
umständlich darstellen und der Weg möglichst steinig ist?
Die Wahrheit liegt wohl dazwischen.
Aber ist es nicht traurig das das in der Jugend und Erwachsenenbildung
nur auf Leistung und Bulimielernen gesetzt wird, warum darf ab einen
bestimmten Alter lernen keinen Spaß mehr machen eventuell auch
Spielerisch und "entdeckerisch" sein ?
Warum nicht moderne Lernkonzepte wie sie teilweise bei Kindern zu Glück
angewandt werden auch mal bei älteren versuchen. Aber das wäre ja
Kindisch und Infantil.
Was hat eigentlich Italien böses verbrochen, das ihre Städtenamen für
diesen beschi... Leistungsdruck und Wettbewerb um jeden Preis herhalten
müssen.
Pisa, Bologna...
Praktiker
Joachim B. schrieb:> der P Regler lebt von der Regelabweichung, eine Regelabweichung NULL> kann es nicht geben sonst müsste die P Verstärkung unendlich sein und> damit neigt der P-Regler zum Schwingen, unschön.
Wenn man mit einer Pumpe einen Behälter füllt dann geht das mit einem
P-Regler.
Für alle anderen Regelstrecken die beim Sollwert Energie brauchen ist es
so wie es Joachim B. geschrieben hat. Kleiner Faktor -> eher eine große
Regelabweichung. Großer Faktor -> Schwingungen um den Sollwert
Zur Not die Deno von Winfact 8 laden und mit Boris bisserl spielen.
Da kann man gut simulieren was da passiert.
Gruß JackFrost
Bastian W. schrieb:> Wenn man mit einer Pumpe einen Behälter füllt dann geht das mit einem> P-Regler.
Dafür würde man ehr einen 1 oder 2 Punkt Regler nehmen und damit eine
Pumpe oder Ventil an- oder ausschalten.
Ein P-Regler würde die Zuflussmenge pro Zeit beeinflussen; also die
Pumpleistung oder einen analogen Ventilöffnungsgrad.
Cheers, Jörg
JJ schrieb:> Bastian W. schrieb:>> Wenn man mit einer Pumpe einen Behälter füllt dann geht das mit einem>> P-Regler.>> Dafür würde man ehr einen 1 oder 2 Punkt Regler nehmen und damit eine> Pumpe oder Ventil an- oder ausschalten.>> Ein P-Regler würde die Zuflussmenge pro Zeit beeinflussen; also die> Pumpleistung oder einen analogen Ventilöffnungsgrad.>>> Cheers, Jörg
Es war nur als Beispiel gedacht das es Strecken gibt mit denen es gehen,
aber bei den meisten geht's halt nicht.
Gruß JackFrost
Bastian W. schrieb:> Wenn man mit einer Pumpe einen Behälter füllt dann geht das mit einem> P-Regler.
Der Behälter wird nie voll. Je näher sich der Füllstand dem Ziel nähert,
desto langsamer wird die Pumpe. Mit 0 Förderleistung muss sie am Schluss
zum Ziel kommen. Das geht so nicht.
Ausserdem dauert dieser Vorgang unendlich lange.
Das sieht aus, wie die Ladekurve eines Kondensators. Der wird auch nie
voll, wenn man ihn über einen Widerstand läd.
Bastian W. schrieb:> Es war nur als Beispiel gedacht das es Strecken gibt mit denen es gehen,> aber bei den meisten geht's halt nicht.
Genau mit Deinem Beispiel funktioniert es nicht.
@TO:
Stell Dir einen Tempomaten im Auto vor.
Um eine gewünschte Geschwindigkeit zu halten, muss eine gewisse Menge
Gas gegeben werden. Wenn Du bergauf fährst mehr Gas, bergab weniger Gas.
Mit einem P-Regler würde nun bei theoretischem erreichen der
Geschwindigkeit kein Gas mehr gegeben werden. Tatsächlich würde sich die
Geschwindigkeit einstellen, bei welcher sich gegebene Gasmenge und
Fehler zur Wunschgeschwindigkeit die Waage hielten. Bergauf wird der
Wagen langsamer (größere benötigte Gasmenge = größere Differenz zur
Wunschgeschwindigkeit) bergab schneller. -> schlechte Regelung
Der I-Regler stellt in so einem Moment noch einen Fehler fest und lässt
mit der Zeit die Gasmenge immer weiter anwachsen, bis der Fehler 0 ist.
Die Wunschgeschwindigkeit ist erreicht. Wenn nun eine ansteigende
Strecke kommt, wird der Wagen wieder langsamer, aber der I-Regler
steigert nun wiederum die Gasmenge, bis die Wunschgeschwindigkeit wieder
erreicht ist. Bergab genau umgekehrt.
P-Regler finden so eigentlich nur in der Elektronik (z.B. linearer
Spannungsregler) oder bei Strecken, welche schon I-Charakter besitzen,
Anwendung.
Z.B. elektrisches Thermostat direkt am Heizkörper. Den I-Anteil stellt
der Stellantrieb dar. Ohne Fehler bleibt er dort stehen, wo er steht.
Wird es zu kalt, wird er langsam aufgedreht. Die Sensorelektronik ist
hier nur ein P-Regler. (Allerdings wird nicht stetig geregelt, sonst
wären die Batterien schnell leer.)
Gruß
Jobst
>Der I-Regler stellt in so einem Moment noch einen Fehler fest und lässt>mit der Zeit die Gasmenge immer weiter anwachsen, bis der Fehler 0 ist.
Man sollte sich aber auch im klaren sein, dass im ausgeregelten Zustand,
der I-Anteil die Stellgroesse ist.
Sieht man ab und zu dass der Antiwindup (Integratorlimit) zu klein ist
und dadurch eben doch wieder ein P-Anteil benoetigt wird.
Es gibt ja auch das Konstrukt
Ausgang = Pi * error + Ki * sum(error) + Kd * (error(n) - error(n-1) +
Ks * Soll
Jobst M. schrieb:> Der Behälter wird nie voll. Je näher sich der Füllstand dem Ziel nähert,> desto langsamer wird die Pumpe. Mit 0 Förderleistung muss sie am Schluss> zum Ziel kommen. Das geht so nicht.> Ausserdem dauert dieser Vorgang unendlich lange.> Das sieht aus, wie die Ladekurve eines Kondensators. Der wird auch nie> voll, wenn man ihn über einen Widerstand läd.
Mit einem großen Faktor wird er sogar über den Sollwert gefüllt bzw.
überlaufen.
Mit ein paar Tricks wie minimaler Stellgrad >0 und abschalten der Pumpe
bei erreichen des Sollwertes könnte man den man den Tank mit jedem
beliebigen Füllgrad von 0 - 100 % füllen. Das gilt für einen
Parametersatz nur bei einem Tank bei dem der Zusammenhang zwischen
Füllhöhe und Inhalt linear ist.
Bei ein einer Temperatur oder Drehzalregelung würde das auch mit Den
Tricks nicht gehen.
Ohne De Tricks würde das in der Tat auch bei dem Tank nicht gehen.
Gruß JackFrost
Bastian W. schrieb:> Mit einem großen Faktor wird er sogar über den Sollwert gefüllt bzw.> überlaufen.
Nicht mit einem P-Regler
> Mit ein paar Tricks wie minimaler Stellgrad >0 und abschalten der Pumpe> bei erreichen des Sollwertes könnte man den man den Tank mit jedem> beliebigen Füllgrad von 0 - 100 % füllen.
Dann ist es kein P-Regler mehr.
Gruß
Jobst
Jobst M. schrieb:> Bastian W. schrieb:>> Mit einem großen Faktor wird er sogar über den Sollwert gefüllt bzw.>> überlaufen.>> Nicht mit einem P-Regler
klar wenn er schwingt, die Regelverstärkung gegen unendlich läuft.
Jobst M. schrieb:> Dann ist es kein P-Regler mehr.
Einen idealen P-Regler gibt es sowieso nicht, denn er müsste unendlich
schnell auf Änderungen reagieren - da ist schon Einstein vor, real
existierende Elektronik leistet das schon garnicht.
Es ist ohne weiteres möglich, dass der P-Regler erst abschaltet, wenn
der Sollwert schon überfahren wurde, was den Regler veranlasst, den
Rückwärtsgang einzuschalten, mit dem gleichen Ergebnis. Daher schwingen
die Regler so gerne.
P, I, D sind mathematische Konstrukte, die es in der Realität nur
näherungsweise gibt.
Georg
Joachim B. schrieb:> klar wenn er schwingt, die Regelverstärkung gegen unendlich läuft.
Dann ist es ein 1-Punkt-Regler
Georg schrieb:> Einen idealen P-Regler gibt es sowieso nicht
Für das befüllen eines Wassereimers wird es wohl ausreichen.
Jobst M. schrieb:> Bastian W. schrieb:>> Mit einem großen Faktor wird er sogar über den Sollwert gefüllt bzw.>> überlaufen.>> Nicht mit einem P-Regler>
Wenn die Streckenverstärkung groß genug ist das erst bei "vollem" Tank
der Stellgrad gesenkt wird und das Stellglied langsam ist wird der Tank
überfüllt werden. Schwingen würde das System nur wenn auch gleich wieder
was entnommen wird.
>> Mit ein paar Tricks wie minimaler Stellgrad >0 und abschalten der Pumpe>> bei erreichen des Sollwertes könnte man den man den Tank mit jedem>> beliebigen Füllgrad von 0 - 100 % füllen.>> Dann ist es kein P-Regler mehr.>> Gruß>
Warum soll das kein P-Regler sein wenn der Stellgrad begrenzt wird. Im
Gegensatz zum Grenzwertschalter der die Pumpe erst beim erreichen des
Sollwertes stoppen würde, würde der Regler die Pumpe vorher verlangsamen
und durch die Begrenzung des Stellgrades läuft die halt mit einer
minimalen Geschwindigkeit bis zum Sollwert und wird dann durch einen
Limitkomperator o.ä. gestoppt. Dafür brauchst nur den Regler , die
Füllstandsmessung und das Stellglied.
Einen Grenzwertschalter wie z.B. einen Liquiphanten bräuchte es hier
nicht.
Gruß JackFrost
Jobst M. schrieb:> Strecken, welche schon I-Charakter besitzen,> Anwendung.> Z.B. elektrisches Thermostat direkt am Heizkörper. Den I-Anteil stellt> der Stellantrieb dar. Ohne Fehler bleibt er dort stehen, wo er steht.
Danke für diese Erklärung!
Mir ist klar, warum der offene Kreis einen I-Anteil benötigt, und wie
man das formelmäßig sieht. Mir hat aber immer der kleine Anstoß gefehlt,
um mir bildlich vorstellen zu können, was der vielbenutzte Ausdruck
"I-Charakter" bedeutet.
Bastian W. schrieb:> Wenn die Streckenverstärkung groß genug ist das erst bei "vollem" Tank> der Stellgrad gesenkt wird und das Stellglied langsam ist wird der Tank> überfüllt werden. Schwingen würde das System nur wenn auch gleich wieder> was entnommen wird.
Korrekt. Dann hat Dein Stellglied aber schon I-Charakter.
Mittlerweile bin ich allerdings der Auffassung, dass wir es im Grunde
genommen ähnlich sehen.
Nur die pauschale Aussage, wie von Dir am Anfang getroffen, kann man so
eben nicht stehen lassen.
Gruß
Jobst