Gast
#4778140
Hallo, als ich im Radio über mturk gehört habe, war mein erster Gedanke "oje, die Entwertung der Arbeit geht weiter, bald bin auch ich Tagelöhner der Computerwelt..." Aber als ich dann etwas recherchiert habe, wurde ich dabei stutzig, daß viele Auftragnehmer von mturk "ihre Arbeit auch für umsonst machen würden und über $1,45 pro Tag super happy sind." Wenn man drüber nachdenkt, stimmt es, gerade in der IT: Die Arbeitsentwertung ist ein hausgemachtes Problem, weil viele von uns mehr als bereit sind, ihre Arbeitskraft für ein Danke oder ein like in die Welt zu stellen, nicht selten in Ausmassen, die dabei den Markt für professionelle Entwickler kaputtmacht (z.B. Open Source Projekte). Auch die Expertise, die auf Foren wie diesen gerne für umsonst zur Verfügung gestellt wird, spart manchen Firmen viel Geld, das sonst in Eigen- oder Fremdkapazitäten zur Problemlösung investiert werden müßte. Vielleicht ist mturk umgekehrt ein Weg dazu, diese Entwertung zu kontern - indem nämlich den bislang umsonst dargebotenen Leistungen ein (verhandelter, also Markt) Wert zugeordnet wird. Das funktioniert natürlich nur dann, wenn die Auftragnehmer irgendwann mal verstehen, daß sie etwas wertvolles bislang unter Wert weggegeben haben und damit den Preis hochtreiben (und im Umkehrschluss ihre bisherige Nullpreispolitik aufgeben oder sehr bedächtig auf die sie verdienende Zielgruppe - peers - beschränken). Ganz neu ist das Modell nicht; in Foren wie experts exchange scheint es auch für Spezialisten Möglichkeiten zu geben, ihr Wissen zu Geld zu machen (obwohl ich z.B. dort noch nicht verstanden habe, wie die Bezahlung im Live Modus funktioniert). In jedem Fall kassiert der Plattformprovider fett ab - dafür, dass bei ihm keinerlei Risiko, Investition oder Logistikaufwand anfällt, sind die Margen, die er draufschlägt, enorm lukrativ. Was denkt ihr? Ist das MTurk Modell ein Weg, Arbeit aufzuwerten, oder wertet es sie weiter ab? Ich bin noch unschlüssig... Verdient Jemand von Euch echtes Geld über solche Kanäle?
