Hallo,
ich möchte mit einem ADC das Ausgangsignal eines Verstärkers abtasten.
Dabei kenne ich sowohl den Aussteuerbereich des Verstärkers und das RMS
Rauschen am Ausgang des Verstärkers habe ich auch gemessen. Die Frage
ist nun wie man die notwendige ADC Auflösung gut begründen kann.
Meine Frage ist: Welches ist der kleinste sinnvoll zu messende Wert bei
bekanntem RMS Rauschen?
Nehme ich für die notwendige Dynamik einfach den Wert den RMS Rauschens
und setze ihn mit der Aussteuerung ins Verhältnis oder reduziere ich den
RMS Wert dazu noch? Und wenn ja um welchen Faktor sinnvollerweise? (Bin
eher an einer theoretischen als praktischen Antwort interessiert ;) )
Besten Dank
Steffen
Steffen schrieb:> Also reicht es tatsächlich dem RMS Wert des Rauschens nur ein LSB zu> spendieren?
Das ist Geschmacksfrage.
Manche finden Musik mit -12dB Rauschabstand noch schön, andere nicht.
Diese Annahme scheint mir auf den ersten BlicK recht wagemutig.
Allenfalls waere die Anwendung noch interessant. Wir haben ja bisher
keine Ahnung davon. Im Falle von keinerlei Verarbeitung genuegt's. Falls
man ein Signal aus dem Rauschen hervorkorrelieren moechte, braucht man
etwas mehr.
dünnwandiger Trog schrieb:> Diese Annahme scheint mir auf den ersten BlicK recht wagemutig.> Allenfalls waere die Anwendung noch interessant. Wir haben ja bisher> keine Ahnung davon. Im Falle von keinerlei Verarbeitung genuegt's. Falls> man ein Signal aus dem Rauschen hervorkorrelieren moechte, braucht man> etwas mehr.
Mir erscheint es auch etwas gewagt, darum meine Frage die leider bisher
noch nicht wirklich eine Antwort bekam.
Am liebsten wäre mir auch eine Antwort die von der Anwendung weitgehend
unabhängig ist. Aber falls es hilft: Es handelt sich um das Signal eines
Sensors das zeitlich aufgelöst zum Messspektrum führt.
Wenn ich etwas hervorkorrelieren möchte, dann würde ich als untere
Grenze für die Dynamik das im Rauschen verborgene Signal ansetzen, damit
ist das eigentlich auch leicht zu beantworten.
Ich tue mich momentan etwas schwer damit das RMS Rauschen einfach so zu
behandeln als wäre es ein statischer Pegel den ich erkennen möchte.
Steffen schrieb:> Am liebsten wäre mir auch eine Antwort die von der Anwendung weitgehend> unabhängig ist.
Du fragst also nach dem besten Sprit, der sowohl für Traktoren als auch
für Weltraumraketen verwendbar ist.
Steffen schrieb:> Aber falls es hilft: Es handelt sich um das Signal eines> Sensors das zeitlich aufgelöst zum Messspektrum führt.
Nein das hilft nicht.
Es ist eine zu allgemeine Aussage.
Joe F. schrieb:> Du fragst also nach dem besten Sprit, der sowohl für Traktoren als auch> für Weltraumraketen verwendbar ist.
Nein, ich frage nach einer Beschreibung des Sprits mit dessen Hilfe ich
dann die entsprechenen Variablen so setze, dass sie entweder zu einem
Traktor oder zu einer Rakete passen.
Naja, am Ende sieht es mit dem Sensorsignal aber exakt so aus. Aber ich
kann gerne mehr Details geben, wenn es helfen sollte:
Sagen wir mal ich habe ein Monochromator der von einem
drehzahlstabiliserten Motor angetrieben wird. Es gibt dabei ein Signal,
wenn der Motor seine Nullstellung überstreift. Dies triggert dann die
Datenerfassung. Daraufhin wird das Stromsignal der Fotodiode mit dem
hier angesprochenem Verstärker verstärkt und soll mit einem ADC
aufgezeichnet werden.
Ich kenne das Rauschen des Verstärkers durch Dunkelmessungen. Nun möchte
ich darlegen welche Auflösung sinnvoll ist um ein einzelnes Spektrum
aufzuzeichnen. Und dabei geht es mir halt nicht um eine "-12dB finden
einige noch schön" Antwort, sondern um eine Darlegung wie man zu einer
sinnvollen Aussage anhand des gemessenen RMS Rauschens kommt.
Steffen schrieb:> Wenn ich etwas hervorkorrelieren möchte, dann würde ich> als untere Grenze für die Dynamik das im Rauschen> verborgene Signal ansetzen,
Das waere aber nur in grober Naeherung richtig.
> damit ist das eigentlich auch leicht zu beantworten.
Nicht wirklich.
Wenn das Rauschen deutlich groeszer als eine Quantisierungsstufe
ist, lassen sich mittels Korrelation noch Signale erkennen, die
DEUTLICH kleiner als eine Quantisierungsstufe sind.
> Ich tue mich momentan etwas schwer damit das RMS Rauschen> einfach so zu behandeln als wäre es ein statischer Pegel> den ich erkennen möchte.
Das ist auch berechtigt. Was naemlich in Deinen Betrachtungen
bisher voellig fehlt, ist die ZEIT.
Letztlich muss die Signal-Rausch-Betrachtung bei Energien
ansetzen und Signalenergie, Rauschenergie und die durch die
Quantisierungsverzerrungen des ADC hervorgerufene Energie
in Relation setzen.
Um von den elektrischen Leistungen zur Energie zu kommen,
geht die Zeit (in Form von Grenzfrequenzen, Messzeiten,
Mittelungshaeufigkeiten usw.) ein.
Possetitjel schrieb:> Wenn das Rauschen deutlich groeszer als eine Quantisierungsstufe> ist, lassen sich mittels Korrelation noch Signale erkennen, die> DEUTLICH kleiner als eine Quantisierungsstufe sind.
Gilt das auch im Zeitbereich? Ich würde ja zB einen Peak (in erster
Näherung ein Gauß) an einer bestimmten Stelle erwarten. Dieser wäre aber
nur wenige Samples breit. Eine normale Kreuzkorrelation würde hier also
nicht so einfach greifen. Oder?
Possetitjel schrieb:> Das ist auch berechtigt. Was naemlich in Deinen Betrachtungen> bisher voellig fehlt, ist die ZEIT.>> Letztlich muss die Signal-Rausch-Betrachtung bei Energien> ansetzen und Signalenergie, Rauschenergie und die durch die> Quantisierungsverzerrungen des ADC hervorgerufene Energie> in Relation setzen.> Um von den elektrischen Leistungen zur Energie zu kommen,> geht die Zeit (in Form von Grenzfrequenzen, Messzeiten,> Mittelungshaeufigkeiten usw.) ein.
Ahh, vielen Dank nun kommen wir der Sache näher :). Als ersten Ansatz
würde ich hier immer von einem ungemittelten Signal ausgehen. Das wird
teilweise leider benötigt und sollte des worst-case darstellen.
Durch Deine Argumente rückt jetzt die Samplerate auch mit ins Licht.
Hier geht es jetzt ja nicht mehr einfach nur darum Nyquist gerecht zu
werden, sondern man kann mit Überabstastung auch mehr Dynamik bekommen.
Nun habe ich auf jeden Fall neue Buzzzwords zum googeln :)
Mal abgesehen davon, dass die Frage vermutlich gar nicht auf der
gewünschten Basis zu beantworten ist, lohnt vielleicht ein eher
praktischer Ansatz.
Fangen wir doch mal bei dem Sensor an, darüber wurde noch nicht genug
gesprochen. Es gibt ganz wenige Sensoren, die einen ADC besser als 16
bit notwendig machen - und die sind kaum in einer Motorregelung verbaut.
Also: Was ist das für ein Teil?
ths schrieb:> Mal abgesehen davon, dass die Frage vermutlich gar nicht auf der> gewünschten Basis zu beantworten ist, lohnt vielleicht ein eher> praktischer Ansatz.
Der praktische Ansatz ist hier bereits als 16bit ADC gewählt worden der
ein vielfaches des Rauschens auflösen kann. Mir geht es hier darum gute
belegen zu können wie weit man die Auflösung ggf. noch reduzieren
könnte.
ths schrieb:> Fangen wir doch mal bei dem Sensor an, darüber wurde noch nicht genug> gesprochen. Es gibt ganz wenige Sensoren, die einen ADC besser als 16> bit notwendig machen - und die sind kaum in einer Motorregelung verbaut.> Also: Was ist das für ein Teil?
Der Sensor ist eine Fotodiode. Die hat erst mal nichts mit der
Motorregelung zu tun. Ich kann den Motor auch auf einer Wellenlänge
stehenlassen. Dann ist der Motor ganz raus. Mir geht es darum wie man
die Dynamik des Systems Fotodiode-Verstärker beschreibt, wenn man zum
einen den maximalen Aussteuerbereich kennt sowie das RMS Rauschen.
ths schrieb:> Ach herrje. Wird das Rechnen schwierik, versuch es mit Empirik.
Das scheint mir hier leider auch das allgemeine Vorgehen zu sein. Dabei
ist es doch wirklich ein nahezu alltägliches Problem zu entscheiden wie
viel des Rauschens ich noch mitnehmen möchte und dann zu entscheiden ob
ich am Ende ggf. den 16bit Wandler einsetze oder ein paar Euro spare und
auf zB 14bit gehe.
In diesem Fall ist das doch ganz eindeutig.
Es ist ein Labormessgerät, vermutlich Einzelstück.
Da will man nicht am ADC sparen.
Oftmals viel entscheidender ist allerdings die Vorverstärkerstufe. Da
sollte man auch nicht am falschen Ende (bei den Op-Amps und einer
sauberen Stromversorgung) sparen.
Joe F. schrieb:> Nimm 16.
Großartige Begründung!! Die ehrlichere Antwort wäre hier wohl einfach
"ich habe keine Ahnung"
Das ist doch keine Diskussionsgrundlage. Es ist ja in Stückzahl nicht
unwahrscheinlich, dass man 14bit Wandler sehr sehr viel günstiger
bekommt als 16bit (ggf. einfach weil die 14bit schon in großer Stückzahl
gekauft werden, die 16bit aber nicht). Dann braucht es schon mehr als
ein Bauchgefühl um zu entscheiden, dass man hier nun einen weiteres
Bauteil einsetzt.
Bevor man damit in Serie geht, würde man einen Prototypen mit einem
16-bit Wandler oder besser aufbauen, und macht dann Messungen.
Wenn sich herausstellt, dass man auf die unteren 2 Bit ohne
Qualitätsverlust verzichten kann, kann man den Optimierungsschritt auf
14-Bit Wandler machen.
Im Laborbereich bin ich allerdings eher eine großzügige
Überdimensionierung bei Bauteilen gewohnt.
Und mit großzügig meine ich nicht nur 2 Bits.
Nachtrag:
Es kann ja auch sein, jemand optimiert zu einem späteren Zeitpunkt den
Vorverstärker und senkt das Rauschen drastisch.
Dann möchte man ja nicht, dass der Wandler plötzlich das schlechteste
Teil in der Kette ist.
Aber woran willst Du dann festmachen ob es mit 2 Bits weniger auch geht?
Das ist ja nichts Binäres was dann irgendwann umkippt und nicht mehr
geht. Funktionieren würde das Spektrometer auch noch mit 8bit, aber man
verschenkt halt Dynamik.
Und welche Informationen fehlen noch, wenn man das RMS Rauschen kennt um
so eine Überlegung (wenn auch erst mal nur theoretisch) nicht vorher
schon zu machen?
Joe F. schrieb:> Nachtrag:> Es kann ja auch sein, jemand optimiert zu einem späteren Zeitpunkt den> Vorverstärker und senkt das Rauschen drastisch.> Dann möchte man ja nicht, dass der Wandler plötzlich das schlechteste> Teil in der Kette ist.
Das ist auf einem Board sehr unwahrscheinlich. Und wenn man das tun
würde, dann kann man beim Anfassen des Verstärkers auch den ADC mit
anfassen. Du legst den Eingangsspannungsbereich des ADC ja auch nicht 5
mal größer aus, falls man den Verstärker ändert.
Steffen schrieb:> Das ist auf einem Board sehr unwahrscheinlich.
Das würde ich nicht so sehen.
Und das sind wir wieder beim Punkt: es kommt auf die Anwendung an.
Einen Audio-Verstärker bekommt man mit einigem Sachverstand durchaus so
hin, dass er einen Rauschabstand von <-120dB erreicht. Das sind mehr als
20 Bit.
Darum ist der heutige Standard für Audio i.d.R. auch 24 Bit.
Wobei hier fast ausschließlich Delta-Sigma Wandler eingesetzt werden,
und die untersten Bit daher mit "Vorsicht" zu geniessen sind.
Bei einem Messgerät und einer Fotodiode als Sensor sieht das natürlich
wieder anders aus. SNR ist geringer, und man benutzt in der Regel SAR
Wandler, die auch in den unteren Bits sehr genau sind.
Steffen schrieb:> dann kann man beim Anfassen des Verstärkers auch den ADC mit> anfassen.
D.h. dann aber oft auch, dass man die Firmware anfassen muss, da der
Wertebereich geändert ist, evtl. auch die Host-Software, und der Aufwand
wird gleich sehr groß.
Wenn man gleich von vorne herein mit Standardgrößen wir 8, 16, 24 oder
32 Bit arbeitet, erspart man sich späteren Aufwand.
Du legst den Eingangsbereich eines ADC ganz bestimmt nicht aus.
Und ein (Massen?) Spektrometer ist ein Produkt, welches in riesigen
Stückzahlen geht, und gleichzeitig so unglaublich billig, dass die
Kosten durch 2 unnötige Bits richtig durchschlagen. Aha.
ths schrieb:> Du legst den Eingangsbereich eines ADC ganz bestimmt nicht aus.
Ich lege den Bereich der gemessen werden soll sehr wohl durch die
Beschaltung des ADC aus. Das fängt mit dem Eingangsbuffer an, der
entweder verstärkt oder abschwächt und geht dann mit der Wahl der
Referenzspannung weiter.
ths schrieb:> Und ein (Massen?) Spektrometer ist ein Produkt, welches in riesigen> Stückzahlen geht, und gleichzeitig so unglaublich billig, dass die> Kosten durch 2 unnötige Bits richtig durchschlagen. Aha.
Es geht nicht um ein Massenspektrometer (habe ich auch geschrieben),
aber selbst da kommt es natürlich auf Preise an. Und es kann sehr viel
ausmachen tausende gleicher ADCs zu kaufen (in so einem Gerät ist ja
nicht nur einer) oder man mehrere verschiedene braucht und damit die
Stückzahlen für die einzeln Bauteile runter gehen. (ja ja, ich weiß ihr
würdet dann einfach überall 16bit verwenden)
Joe F. schrieb:> D.h. dann aber oft auch, dass man die Firmware anfassen muss, da der> Wertebereich geändert ist, evtl. auch die Host-Software, und der Aufwand> wird gleich sehr groß.> Wenn man gleich von vorne herein mit Standardgrößen wir 8, 16, 24 oder> 32 Bit arbeitet, erspart man sich späteren Aufwand.
Software nicht anfassen zu müssen ist ein sehr gutes Argument. Aber die
meisten Hersteller machen es einem da recht einfach und liefern ADC und
DACs mit unterschiedlichen Bitbreiten und ansonsten identischem
Digitalverhalten.
Und auch bei einem Laborgerät ist es oft ja nicht nur einfach Geld
welches ein höher auflösender Wandler kostet. Meistens sind die nicht so
hoch auflösenden dann ja auch noch schneller. Und da kann man sich dann
auch fragen ob das nicht wieder vorteilhafter sein kann.
ths schrieb:> Die periphere Beschaltung ändert nicht den ADC.
Es ändert sehr wohl den Pegel den ich mit dem ADC verarbeiten kann.
Selbst wenn du nun drauf rumreiten willst, dass der Buffer ja am Ausgang
immer wieder das gleiche zur Verfügung stellen muss, so ändert die
Referenz direkt den Eingangsbereich. Aber ich habe nun auch keine Lust
auf sinnlose Nebenschaufplätze auszuweichen.
Vielen Dank an Possetitjel für den einzigen hilfreichen Beitrag in
diesem Thread
Steffen schrieb:> für den einzigen hilfreichen Beitrag
Ah, so siehst du das.
Ich glaube ja, du wärst in einem studentischen Diskutierclub besser
aufgehoben. Dort hat man Spaß an philosophischen Untersuchungen
praxisferner Dinge.
Hier bekommst du Antworten von Praktikern, die dir aber offenbar nicht
gefallen.
Joe F. schrieb:> Steffen schrieb:>> für den einzigen hilfreichen Beitrag>> Ah, so siehst du das.
Sorry, das kam vielleicht etwas harsch rüber. So war es aber nicht
gemeint. Die Diskussion war äußerst interessant und auch lehrreich für
mich, aber mir ging es um meine Eingangsfrage:
Steffen schrieb:> Meine Frage ist: Welches ist der kleinste sinnvoll zu messende Wert bei> bekanntem RMS Rauschen?
Und in dem Punkt ging es in diesem Thread leider nicht wirklich weiter.
Und ich sehe es als keineswegs praxisfern an die Dinge zu hinterfragen.
Es mag sein, dass man einiges aufgrund seiner Ausbildung weiter
hinterfragt als notwendig (10 Jahre Uni gehen nicht spurlos an einem
vorbei..), aber am Ende sind wir doch Ingenieure und sollten genau das
bauen was gebraucht wird und für mich gehört zu einem guten engineering
auch das Glas nur so groß zu machen wie man es auch vollschenken wird.