Hallo Zusammen,
ich habe eine kurze Frage, die für die meisten von euch wahrscheinlich
ziemlich klar ist.
Ich habe eine Relaismatrix (10x12) entworfen und dafür eine
4-Lagen-Platine designed. Im Grunde kann diese gedanklich in zwei
aufgeteilt werden:
Auf der linken Seite der der Platine befindet sich die Steuereinheit
(µC, Schaltregler, Ethernet-PHY, CAN-Transceiver, etc.).
Auf der rechten Seite befinden sich 120 Relais, die bis zu 15A Strom
schalten können. Vor jedem Relais habe ich als Treiber einen MOSFET den
ich gegen Masse schalte um die Relaisspule durchzuschalten. Die Spule
zieht dann etwa 90mA. Über die ganze Platine habe ich eine Massefläche
gezogen (Layer 1 und 4)
Angenommen ich würde nun bspw. 100 Relais gleichzeitig schalten wollen,
dann würden 100 MOSFETS einen Strom von 90mA gegen Masse schalten. Da
aber mein µC auch an der Massefläche angeschlossen ist , habe ich mich
gefragt ob sich das negativ auf den µC auswirkt (z.B. durch plötzliche
Resets o.ä.).
Nun meine Frage : Macht es sinn zwei einzelne Masseflächen (für die
linke und rechte Seite) zu ziehen und diese kurz vorher am
"Hauptmasse"-Anschluss (In dem Fall der Stecker des Labornetzteils)
wieder zu verbinden?
Puuh.. ich hoffe das ist einigermaßen verständlich ..
Würde mich über Antworten freuen.
Viele Grüße,
Mathi
was für eine Frage ohne Layout ohne Details,
Matthi schrieb:> Da> aber mein µC auch an der Massefläche angeschlossen ist , habe ich mich> gefragt ob sich das negativ auf den µC auswirkt (z.B. durch plötzliche> Resets o.ä.).
kann alles passieren, meine Glaskugel ist zum C&C
OT: Der zweite Beitrag in jedem Thread dieses Forums lautet immer
(sinngemäß): "Ich kann nichts sinnvolles zum Thema beitragen, weil nicht
jedes kleinste Detail veröffentlicht wird"
Zum Thema: Die Relais stellen eine Induktivität dar und an
Induktivitäten kann sich der Strom nicht abrupt ändern. Wenn also die
Versorgung ausreichend dimensioniert ist, sollte das Einschalten der
Relais keine Probleme bereiten.
Kannst es ja mal simulieren und den Spannungs und Stromverlauf
untersuchen.
MikeH schrieb:> OT: Der zweite Beitrag in jedem Thread dieses Forums lautet immer> (sinngemäß): "Ich kann nichts sinnvolles zum Thema beitragen, weil nicht> jedes kleinste Detail veröffentlicht wird">> Kannst es ja mal simulieren und den Spannungs und Stromverlauf> untersuchen.
wenn du meinst dein Beitrag war sinnvoller?
jede Simmulation wurde oft genug von der Realität eingeholt, ohne
Musterbau und Versuch wird das eh nix.
> Die Relais stellen eine Induktivität dar und an> Induktivitäten kann sich der Strom nicht abrupt ändern.
Kommt auf den Blickwinkel an. Aus Sicht der Spannungsversorgung ändert
sich der Strom durchaus Sprunghaft, wenn die Transistoren abschalten.
Stefan U. schrieb:> Spannungsversorgung ändert> sich der Strom durchaus Sprunghaft, wenn die Transistoren abschalten
Freilaufdioden für das abschalten sind natürlich vorausgesetzt, denn die
Energie des Magnetfeldes muss ja irgendwo hin.
Allerdings gebe ich dir Recht, dass "sprunghaft" alles im Bereich von
Pico- bis Millisekunden bedeuten kann.
Matthi schrieb:> Nun meine Frage : Macht es sinn zwei einzelne Masseflächen (für die> linke und rechte Seite) zu ziehen und diese kurz vorher am> "Hauptmasse"-Anschluss (In dem Fall der Stecker des Labornetzteils)> wieder zu verbinden?
Machen tut es keinen Sinn, aber haben hat es Sinn.
Joachim B. schrieb:> kann alles passieren, meine Glaskugel ist zum C&C
Dann antworte doch erst, wenn Du Deine Kugel wieder zur Verfügung hast.
Joachim B. schrieb:> wenn du meinst dein Beitrag war sinnvoller?
Ja, ich meine auch, daß sein Beitrag sinnvoller als Deiner war. Das ist
beim Inhalt Deines Beitrages aber auch kein Kunststück.
Christian S. schrieb:> Schalte doch mehrere dicke Elkos parallel zu der Relaisversorgung.
Theoretisch kann man sich damit einen dicken Schwingkreis einhandeln. Er
sollte auf jeden Fall mal checken, ob bei seiner Auswahl mit einer oder
120 geschalteten Spulen und der gewählten Kapazität (inklusive der im
Netzteil) der aperiodische Grenzfall des Schwingkreises oder besser der
Kriechfall der Anordnung sichergestellt ist. Rechnen oder Simulation
beruhigt zumindest erstmal ;).
Matthi schrieb:> Angenommen ich würde nun bspw. 100 Relais gleichzeitig schalten wollen,> dann würden 100 MOSFETS einen Strom von 90mA gegen Masse schalten. Da> aber mein µC auch an der Massefläche angeschlossen ist , habe ich mich> gefragt ob sich das negativ auf den µC auswirkt (z.B. durch plötzliche> Resets o.ä.).
Das hängt sicher auch von der Leitungsführung ab. Wenn der µC, seine
Resetbeschaltung, seine Blockung, der GND-Bezug der Eingangssignale usw.
sich räumlich eng mit dem GND-Pin des µC verbunden sind, wird kaum etwas
passieren. Sollte sich die Masse jedoch so stark anheben, dass die
Differenz an seiner Spannungsversorgung unter den Brown-Out-Level fällt,
dann schon.
Das hängt aber auch davon ab, ob der µC und die Relais von der selben
Versorgungsspannung getrieben werden bzw. wie der Regler für den µC an
das System platziert ist.
Andererseits sind die angenommenen 9A für eine große Cu-Fläche auch
nicht gerade dramatisch viel. Da werden dann kaum 100mV-200mV (einfach
mal grob geschätzt, da ich die Abmessungen und die Cu-Dicke nicht kenne)
an GND-Lifiting zusammenkommen.
Falsch ist es auf jeden Fall nicht, wenn du die beiden Massen an einem
Referenzpunkt zusammenführst. Falsch ist es auch nicht, wenn die Massen
großflächig und damit niederimpedant sind. Sie können durchaus auf einem
Layer liegen.
Die Einspeisung der Versorgung sollte man, wie bei Audioverstärker, von
der Leistungsseite her machen.
Vielen Dank für eure Antworten. Ist halt nun die Frage ob ich die
Massefläche weiterhin über die ganze Platine "überzogen" lasse (und
somit Gefahr laufe, dass ich andere Bauteile beim mehrfachen Schalten
der MOSFETs beeinflusse) oder teile ich die Masse lieber auf. Habt ihr
da Erfahrungswerte auf die ich zurück greifen darf ?
Grundsätzlich : lieber auf Nummer sichergehen, Massefläche auf zwei
aufteilen und kurz vor Masseanschluss wieder zusammen führen. So ist
sichergestellt, dass der Strom der FETs , der gegen Masse abfließen
soll, den direkten weg zum Masseanschluss nimmt und nicht an die
Steuereinheit kommt. Zumindest so mein Gedankengang ..
MikeH schrieb:> Freilaufdioden für das abschalten sind natürlich vorausgesetzt
sind vorhanden.
Joachim B. schrieb:> wenn du meinst dein Beitrag war sinnvoller?
ja war er.
Joachim B. schrieb:> ohne> Musterbau und Versuch wird das eh nix.
ich hab die große Befürchtung, dass das die einzige Methode ist um eine
zufriedenstellende Antwort zu bekommen. Interessant wäre ob jemand schon
einmal solch einen ähnlichen Fall hatte wie ich
Mathi schrieb:> ich hab die große Befürchtung, dass das die einzige Methode ist um eine> zufriedenstellende Antwort zu bekommen
Ehrlich gesagt, finde ich deine Herangehensweise schon ganz OK so.
Erstmal nachdenken und ein paar Meinungen einholen und bewerten. Da
kannst du schonmal ein paar Fehler ausräumen, die dich beim sinnfreien
"Ausprobieren" dann eh eingeholt hätten.
Viel Erfolg bei deinem Projekt.
HildeK schrieb:> Das hängt aber auch davon ab, ob der µC und die Relais von der selben> Versorgungsspannung getrieben werden
Die Relais werden direkt vom Labornetzteil mit 12 V betrieben während
die Steuereinheit über einen Schaltregler (Recom R-7833-10) versorgt
wird.
Mich würde halt brennend interessieren was passiert, wenn ich die
Flächen nicht auftrenne. Ich denke ich riskiere es einfach mal , nur
um die Möglichkeit einer einfachen Analyse zu haben und somit etwas zu
lernen.
MikeH schrieb:> Viel Erfolg bei deinem Projekt.
vielen Dank!
Mathi schrieb:> Mich würde halt brennend interessieren was passiert, wenn ich die> Flächen nicht auftrenne.
Meine Einschätzung ist: es wird funktionieren. Die Ströme sind nicht so
riesig und eine Cu-Massefläche ist schön niederohmig.
>Grundsätzlich : lieber auf Nummer sichergehen, Massefläche auf zwei>aufteilen und kurz vor Masseanschluss wieder zusammen führen. So ist>sichergestellt, dass der Strom der FETs , der gegen Masse abfließen>soll, den direkten weg zum Masseanschluss nimmt und nicht an die>Steuereinheit kommt. Zumindest so mein Gedankengang ..
Da denkst Du richtig, schaden kann es nicht. Auch wenn es ohne Trennung
funktioniert (abhängig von der Anordnung der Restlichen Bauelemente)
würde ich da kein Risiko eingehen. Sind wenn alle LEDs geschaltet haben
immerhin 9A, das kann schon einen Masseversatz verursachen. Am
Knotenpunkt einen Elko platzieren schadet auch nie. Versorgung von da
Sternförmig legen.
Aber 4 Lagen und 100 Relais, die Leiterplatte will ich nicht bezahlen
müssen.
MikeH schrieb:> Ehrlich gesagt, finde ich deine Herangehensweise schon ganz OK so.> Erstmal nachdenken und ein paar Meinungen einholen und bewerten. Da> kannst du schonmal ein paar Fehler ausräumen, die dich beim sinnfreien> "Ausprobieren" dann eh eingeholt hätten.
sehe ich auch so.
Wenn er Schaltplan & Layout postet (bitte als Bilder oder PDFs, keine
programmspezifische proprietäre Formate), kommen höchstwahrscheinlich
noch differenziertere Meinungen und Empfehlungen.
HildeK schrieb:> Mathi schrieb:>> Mich würde halt brennend interessieren was passiert, wenn ich die>> Flächen nicht auftrenne.>> Meine Einschätzung ist: es wird funktionieren. Die Ströme sind nicht so> riesig und eine Cu-Massefläche ist schön niederohmig.
Das sehe ich genauso.
Dialektisch sieht das für mich so aus:
Für das Auftrennen spricht, dass der Relaisstrom das Potential der Masse
anheben könnte.
Andererseits: macht das vermutlich wenig. Du kannst ja mit deinem Layout
mal ein paar pessimistische Abschätzungen machen (nicht vermaschte
Leiterbahnen statt der Massefläche, Worst-Case-Szenario eingeschalteter
Relais). Es würde mich wundern wenn das überhaupt in den 3-stelligen
Millivolt-Bereich kommt.
Und wen betrifft diese Spannung: vermutlich hauptsächlich die
Ansteuerung deiner Mosfets. Denen sind 0.1V weniger am Gate vermutlich
egal.
Zudem wurde oben ja schon angemerkt: der Strom steigt wegen der
Relaisinduktivität nicht so sprunghaft.
--> Massefläche wird vermutlich funktionieren.
Gedanken würde ich mir über folgende Punkte machen:
* Das Ausschalten der Relais. Die in der Spule gespeicherte Energie muss
ja irgendwohin. Freilaufdioden parallel zur Spule sind bei monostabilen
Relais nicht so toll weil sie das mechanische Abschalten verlangsamen.
Bei deinen Strömen (AC? DC?) führt das vermutlich zu höheren
Kontaktverschleis.
* Ansteuerleistung und Abwärme. Wir wissen nicht wie viele Relais du
gleichzeitig einschalten willst. Aber wären es 100, dann bräuchten
allein die Relais 9A. Mal 5V. Oder gar 12V? Und dazu kommen dann noch
die Ohm'schen Verluste der geschalteten Leitungen.
Edit: Mist, ich bin zu langsam oder zu langatmig beim Schreiben. Bis ich
meinen Beitrag fertig habe habt ihr schon alle Punkte genannt...
Keksstein schrieb:> Versorgung von da> Sternförmig legen.
Könntest du das etwas genauer erklären ?
Keksstein schrieb:> Aber 4 Lagen und 100 Relais, die Leiterplatte will ich nicht bezahlen> müssen.
Zahle zum Glück auch nicht ich :) Daher darf ich etwa herum
experimentieren.
"der aperiodische Grenzfall des Schwingkreises oder besser der
Kriechfall der Anordnung sichergestellt ist"
Vielleicht können wir diesen nach Abschluß der Entwicklung mal als Bild
zu sehen bekommen, je nachdem wieviele Relais beteiligt sind?
Es dürfte also keine ganze Schwingung erkennbar sein.
mfG
Beachte die Ansteuerleistung, 9A bei 12V sind über 100W!
Also die Relais nicht zu eng anordnen. Evtl. Lüfter vorsehen.
Überlegen, ob bistabil möglich ist oder Reduktion des Haltestromes durch
PWM.
Du kannst die 120 Relais nicht ganz gleichzeitig schalten lassen.
In die Gates 1k in Serie zum Dämpfen von Ringing.
> die bis zu 15A Strom schalten können.
Da würde ich mir eher Sorgen machen, was passiert, wenn 1500 A plötzlich
ein- oder ausschalten. Evtl. Snubber vorsehen.
Ich würde eine durchgehende Gnd-Plane verwenden, da sie die geringste
Induktivität hat.
Ich vermute, daß 120 Schließer der Relais in Reihe liegen und als Last
eine einsame LED zaghaft aus der Fronttür eines Schaltschrankes ragt,
die dadurch geschaltet wird. So etwas nennen BWL-Absolventen: Ökonomie.
Wegtreten!