Kapazitive Last: linear laden oder takten?

Gast #5720444
Lesenswert?

Hallo Leute.

Wir lädt man am besten eine kapazitive Last in einer Baugruppe auf, ohne 
einen zu hohen Eingangsstrom zu erhalten?

Im konkreten Fall muss ich ca. 800mikrofarad an einen 48Vdv Netz 
versorgen. Die Baugruppe darf niemals mehr als 15A aus den Netz nehmen 
und braucht im Mittel schon ca. 8A.
Sie erst "einzuschalten" wenn der Kondensator oder besser gesagt, das 
Kondensatornetzwerk geladen ist, ist kein Problem! Aber eben das laden 
der Kondensatoren ist aktuell das größte Problem. Wir löst man sowas am 
besten? Ein FET der getaktet wird und dann voll durchschaltet oder 
besser ein FET, der zuerst linear betrieben wird und danach voll 
durchgeschaltet wird?

Bei letzterem ist vermute ich deutlich mehr Aufwand in den Treiber zu 
stecken als bei der ersten Version, oder? Dafür verursacht die erste 
Variante bestimmt eher ein EMV-klingeln?

Was ist da besser? Gibt es da einen Std. ?
Gast #5720468
Lesenswert?

Frickel schrieb:
> Ein FET der getaktet wird und dann voll durchschaltet

Ein FET der getaktet wird ergibt bei jedem Einschalten einen Stromstoß 
in voller Höhe, aber keine Strombegrenzung.

Man könnte einen Aufladewiderstand nehmen und den dann überbrücken. Oder 
einen stromgeregelten StepDown-Wandler, der am Ausgang auf die volle 
Eingangsspannung läuft und dann durchgeschaltet bleibt.
#5720473
Lesenswert?

Wie wäre es mit einem Lastwiderstand (>3.2Ohm für <15A) + FET/Relais 
parallel dazu welches dann den Widerstand überbrückt, entweder nach Zeit 
oder wenn die Spannung am Kondensator stimmt?

Frickel schrieb:
> Ein FET der getaktet wird
sorgt ohne Induktivität nur für starke Stromstöße und mit für andere 
Probleme

Frickel schrieb:
> ein FET, der zuerst linear betrieben wird
geht schneller als mit Widerstand, aber der FET muss die Verlustleistung 
wegstecken können und passend angesteuert werden

Frickel schrieb:
> Dafür verursacht die erste
> Variante bestimmt eher ein EMV-klingeln?
und wird auch mehr als 15A ziehen ohne Kondensatoren 
(+Spulen/Widerstände) als Filter, und die müssten dann auch erstmal 
geladen werden...
#5720479
Lesenswert?

Frickel schrieb:

> Im konkreten Fall muss ich ca. 800mikrofarad an einen 48Vdv Netz
> versorgen. Die Baugruppe darf niemals mehr als 15A aus den Netz nehmen
> und braucht im Mittel schon ca. 8A.

Naja.

> Sie erst "einzuschalten" wenn der Kondensator oder besser gesagt, das
> Kondensatornetzwerk geladen ist, ist kein Problem! Aber eben das laden
> der Kondensatoren ist aktuell das größte Problem.

Wieso? Ein passender Vorwiderstand tut das.

> Wir löst man sowas am
> besten? Ein FET der getaktet wird und dann voll durchschaltet

Nö.

> oder
> besser ein FET, der zuerst linear betrieben wird und danach voll
> durchgeschaltet wird?

Das schon eher.

> Bei letzterem ist vermute ich deutlich mehr Aufwand in den Treiber zu
> stecken als bei der ersten Version, oder?

Machst du dir gleich in die Hose?

> Dafür verursacht die erste
> Variante bestimmt eher ein EMV-klingeln?

Vor allem geht sie (ohne Reihendrossel) nicht.
Gast #5720569
Lesenswert?

Vermutlich ist der Kondensator fest mit dem zu versorgenden Verbraucher 
verlötet. Bei einem Verbraucher, der potentiell 8 A aufnimmt, kann ein 
zu gering belastbarer Widerstand schnell zur Schmelzsicherung werden.
Aus praktischer Erfahrung wäre mir das zu heiß!

Anders würde es aussehen, wenn der Elko separat geladen werden kann und 
nach seiner Aufladung zum Verbraucher zugeschaltet wird. Das ist hier 
wohl aber nicht der Fall.
Gast #5720571
Lesenswert?

Bauform B. schrieb:
> Aber, falls es doch ein FET sein soll: wie kann
> man aus dem SOA-Diagramm ablesen, ob der abbrennt? Mir scheint, so
> kräftige FETs gibt es fast nicht?

Da die Last nach der Aufladung angeschaltet werden darf, kann man sich 
mit der Aufladung beliebig Zeit lassen, also den Strom klein halten. 
Dann kann das praktisch jeder Leistungs-FET, der die Spannung aushält.

Wenn es schnell gehen muss, dann den größten Strom den die DC-Kurve im 
SOA zulässt (etwas Reserve lassen und die Kühlung beachten).
Gast #5720614
Lesenswert?

(48V^2 * 0,0008)/2  = 0.92j(Ws) diese brachiale Energie müsste der 
Widerstand beim
einmaligen Laden/Entladen verkraften. Ich gehe Mal nicht von aus das 
dies im zyklus
benötigt wird. Mit 3,2 ohm würdest 15A in der Spitze haben, das Laden 
wäre in etwa
13ms um und die Leistung über genau diese 13ms wären 72W.. da brauchts 
kein 50W
oschi.
Gast #5720690
Lesenswert?

Und wie sieht die Rechnung aus, wenn durch eine kurze Unterbrechung der 
Versorgungsspannung der Verbraucher noch aktiv und das Relais schon 
abgefallen ist? Was sagt der Taschenrechner?

An den € 2,50 für einen robusten Leistungswiderstand würde ich nicht 
sparen.
In China gekauft kostet er nur € 0,10 inkl. Versand ;-)
Gast #5720952
Lesenswert?

800 µF von 48 V DC "versorgen" beschreibt nicht
so richtig dein Problem.

- Welche Aufgabe hat der "zu versorgende" Kondensator?
  Abblock-Kondensator, oder, oder ???
- Wie schnell muss er auf Betriebsspannung sein?
- Wie schnell muss er der Betriebsspannung folgen?

Wenn du dafür Antworten hast, lass sie uns wissen.
Wenn nicht, kann dir KEINER helfen.

Wahrscheinlich wirst du aber mit den Antworten darauf
schon die Lösung selbst erkennen...

Manchmal hilft ein Rv, manchmal ein Lv, manchmal nur
die Kombination mit einem "Schalter" z.B. FET, oder einem
"getaktetem Schalter"  ...
#5720953
Lesenswert?

Ein "dicker" MOSFET, der zunächst unter Strombegrenzung linear 
angesteuert und nach Unterschreiten des Stromlimits hart durchgeschaltet 
wird.

Die Ansteuerschaltung dafür gibt's als IC, z.B. von TI und von Analog 
Devices.
Braucht einen Shunt zur Strommessung, einen geeigneten N-Channel MOSFET, 
der per integrierter Lafdungspumpe als High-Side Switch angesteuert 
wird, und etwas "Hühnerfutter" zur Parametrierung.

Suchbegriffe wären:
Hot Swap Controller
Inrush Current Limiter
E-Fuse
(Firma: Schweigstill IT) Persönliche Seite #5721030
Lesenswert?

Die genannten Anforderungen (48V, Spitzenstrom) sehen doch exakt so aus 
wie für einen hot-plugging-tauglichen Einschub in der 
Vermittlungstechnik oder für große Backbone-Netzwerkkomponenten. Meines 
Erachtens gibt es von Linear Technology (mittlerweile Analog Devices) 
hierfür extra einen Haufen Applikationsschriften und 
Power-Management-Controller.
#5722098
Lesenswert?

Andreas S. schrieb:
> Die genannten Anforderungen (48V, Spitzenstrom) sehen doch exakt so aus
> wie für einen hot-plugging-tauglichen Einschub in der
> Vermittlungstechnik oder für große Backbone-Netzwerkkomponenten.

Genau deshalb empfahl ich ja bereits, mal bei Ti oder AD nach Hot Swap 
Controllern zu suchen...

Habe solche Teile von beiden Herstellern bereits in Projekten verwendet.
TI liefert ein praktisches Excel-Sheet zur Dimensionierung der 
Schaltung, das statische und dynamische Grenzwerte berücksichtigt.
#5722893
Lesenswert?

Frickel schrieb:
> Ein FET der getaktet wird und dann voll durchschaltet oder

Wenn D udas mal in z.B. LTspice simulierst,
wirst Du bemerken das Du im wesentlichen Schaltverluste generierst.


> besser ein FET, der zuerst linear betrieben wird und danach voll
> durchgeschaltet wird?

Sofern man da keine trench FET nimmt, sondnern einen der für linearen 
Betrieb ausgelegt ist, z.B.


https://www.infineon.com/cms/en/product/power/mosfet/20v-300v-n-channel-power-mosfet/optimos-and-strongirfet-latest-family-selection-guide/optimos-linear-fet-100v-150v-200v-/

ist das eine elegante Lösung.

In der Simulation:
0.8mF mit 15A sind in unter 10 ms vorgeladen auf >90% der Endspannung.
#5723341
Lesenswert?

Andrew T. schrieb:
> Frickel schrieb:
>> Ein FET der getaktet wird und dann voll durchschaltet oder
>
> Wenn D udas mal in z.B. LTspice simulierst,
> wirst Du bemerken das Du im wesentlichen Schaltverluste generierst.
>
>
>> besser ein FET, der zuerst linear betrieben wird und danach voll
>> durchgeschaltet wird?
>
> Sofern man da keine trench FET nimmt, sondnern einen der für linearen
> Betrieb ausgelegt ist, z.B.
>
>
> 
https://www.infineon.com/cms/en/product/power/mosfet/20v-300v-n-channel-power-mosfet/optimos-and-strongirfet-latest-family-selection-guide/optimos-linear-fet-100v-150v-200v-/
>
> ist das eine elegante Lösung.
>
> In der Simulation:
> 0.8mF mit 15A sind in unter 10 ms vorgeladen auf >90% der Endspannung.

Danke für den Tipp mit den OptoMOS!
Bis maximal 10ms müsste es klappen (SOA-Diagramm des IPB020N10N5LF), 
sagenhafte 320 Watt im Linearbetrieb. Es müsste aber sicher gestellt 
sein, dass die 15A (inkl Betriebslast) erst ab ca 28V fließen, sonst 
bräuchte es sogar von diesem "Prügel" ZWEI Stück parallel.

Als Steuer-IC habe ich den LT1641 ausgesucht. Die Schaltung sieht 
komplizierter aus als sie ist, einiges ist optional.
Angehängte Dateien:

Antwort schreiben

Bitte melde dich an, um einen Beitrag zu schreiben.

oder

Mit Google-Account einloggen

Die Registrierung ist kostenlos und dauert nur eine Minute.

Jetzt registrieren