Hallo,
ich verstehe nicht ganz die Funktionalität von virtuellen Festplatten.
Ich habe eine SQL Datenbank diese soll eigentlich immer auf einer
eigenständigen Festplatte laufen.
Heißt das: A ich binde eine physikalische Festplatte für die VM ein?
oder B kann ich auch eine zweite virtuelle Festplatte einbinden?
Danke
Apfel schrieb:> Ich habe eine SQL Datenbank diese soll eigentlich immer auf einer> eigenständigen Festplatte laufen.
Sagt wer? Obacht: Manche bezeichnen D: als Festplatte, egal wo und
worauf es liegt, verwechseln das also mit einem Filesystem.
Ich würde es mal so formulieren: Eine intensiv genutzte Datenbank, die
auf einer HDD platziert wird, sollte wenns geht nicht zusammen mit
anderen intensiv auf Disk zugreifenden Anwendungen auf der gleichen HDD
landen. Wenn die VM aber eine VDisk auf SSD verwendet, kannst du solche
Tips von anno dunnemal getrost ignorieren.
Kommt auf die Datenbank an, die gibt es von klein bis riesig.
Eine große, produktive Datenbank würde ich ohnehin niemals in einer VM
laufen lassen, weil die VM leicht selbst ein Flaschenhals werden kann.
Von Ausfallsicherheit und Managementproblemen ganz zu schweigen...
Natürlich kann eine VM auch mehrere vDisks haben, die auch als
virtuelles RAID konfiguriert sein können. Manche Hostsysteme können auch
dedizierte Hardware an die VMs "durchreichen", z.B. Netzwerkkarten oder
auch Laufwerke. Das ist allerdings immer von vielen Faktoren abhängig,
u.a. OS, Treiber, Hardware und nicht zuletzt der
Virtualisierungssoftware selbst.
Wenn die Datenbank langfristig gebraucht wird, dann würde ich von
Virtualisierungen stark abraten, zumal die ganze Software meistens mehr
kostet als ein zusätzlicher physischer Server.
Für Testumgebungen oder kleine, wenig belastete Systeme (die aus welchen
Gründen auch immer getrennt werden sollen) hingegen ist die
Virtualisierung ideal.
Eine virtuelle Festplatte ist nichts weiter als eine Datei, die wiederum
auf einem physischen Laufwerk des VM-Hostes liegt. Auf welchem
Hostlaufwerk, läßt sich i.d.R. frei konfigurieren oder später auch
verschieben, der virtuelle Server bekommt davon nichts mit. Es kann
durchaus Sinn machen, die virtuellen Platten auf verschiedene physische
Hostlaufwerke zu legen, wenn die virtuellen Server sehr plattenlastig
arbeiten. Wie A.K. schon richtig bemerkt hat, spielen die Zugriffszeiten
bei SSDs kaum eine Rolle, aber bei klassischen HDDs sieht das anders
aus. Und wenn häufig sehr große Dateien bewegt werden müssen, rückt auch
die Dauertransferrate ins Licht. Das Ganze ist extrem
verwendungsabhängig, Pauschaltips sind eher schwierig.
svensson schrieb:> zuletzt der Virtualisierungssoftware selbst.
Er sprach doch explizit von Hyper-V.
Und ja, das kann auch komplette physikalische Laufwerke in den Gast
reinreichen, was bei einer DB aus Performancegründen durchaus sinnvoll
sein kann. Für große DBs würde sich eventuell sogar SAN anbieten.
svensson schrieb:> Eine große, produktive Datenbank würde ich ohnehin niemals in einer VM> laufen lassen, weil die VM leicht selbst ein Flaschenhals werden kann.> Von Ausfallsicherheit und Managementproblemen ganz zu schweigen...
Was ist für dich "gross"? Zudem sind "gross" und "hoch belastet"
unabhängige Parameter.
Ausfallsicherheit und Management kann in VMs einfacher implementiert
sein, als direkt auf realer Hardware.
> Wenn die Datenbank langfristig gebraucht wird, dann würde ich von> Virtualisierungen stark abraten, zumal die ganze Software meistens mehr> kostet als ein zusätzlicher physischer Server.
Man sollte die Gesamtsituation betrachten. Hat man hunderte von VMs auf
einer Handvoll Virtualisierungshosts laufen, mit VDisks auf NAS/SAN?
Oder geht es um 2 Server insgesamt, mit lokalen Disks?
Wir haben mittlerweile sämtliche selbst gehosteten DBs auf einem
zentralen hochverfügbaren Storage-System und sämtliche DB-Server in der
Virtualisierung. Teils über VDisks auf NFS, teils über NFS direkt.
svensson schrieb:> Eine große, produktive Datenbank würde ich ohnehin niemals in einer VM> laufen lassen, weil die VM leicht selbst ein Flaschenhals werden kann.
Virtualisierung ist Stand der Technik und funktioniert mittlerweile sehr
stabil und performant. Ich habe gerade erst ein konventionelles System
aus mehreren (Blech-)Servern (1x DC/Fileserver, 1x SQL-Server, 4x
Terminalserver) virtualisiert. Jetzt läuft alles auf einem einzigen
physischen Server, ohne Performanceeinbußen. Im Gegenteil, die gefühlte
Arbeitsgeschwindigkeit hat sich sogar verbessert, wozu die SSDs für
System und Programme sicher beitragen. Als Datengrab dient aus
Kostengründen ein RAID10 aus 8 klassischen HDDs.
> Von Ausfallsicherheit und Managementproblemen ganz zu schweigen...
Das ist eher ein Argument PRO Virtualisierung. Redundanz läßt sich
wesentlicher einfacher realisieren und das Management erst recht. Mal
schnell einen (virtuellen) Server sichern? Einfach die virtuellen
Festplatten irgendwohin kopieren. Geht problemlos auch per Fernwartung.
Keine Turnschuhadministration mit Imaging-Software oder Streß mit
RAID-Controllern mehr. Hardwaretausch nötig? Virtuelle Maschinen und
Platten sichern, Host neu aufsetzen, alles zurückkopieren, fertig. Kein
Streß mit nicht booten wollenden Maschinen oder Treiberinstallationen.
> Wenn die Datenbank langfristig gebraucht wird, dann würde ich von> Virtualisierungen stark abraten, zumal die ganze Software meistens mehr> kostet als ein zusätzlicher physischer Server.
Siehe vorstehend, Performanceprobleme sind nicht zu befürchten. Und
Kosten auch nicht. Hyper-V ist Bestandteil jeder Standard Windows-Server
Lizenz. Mit einer einzigen Lizenz dürfen sowohl der Host als auch zwei
virtuelle Server betrieben werden. Und eine weitere Lizenz kostet nicht
mehr als ein Desktop-Rechner.
Apfel schrieb:> Ich habe eine SQL Datenbank diese soll eigentlich immer auf einer> eigenständigen Festplatte laufen.
Immer sinnvoll: Produktive potentiell wachsende Daten mitsamt ihrer
Temp- und Logfiles sollten auf einem separaten Filesystem liegen. Also
in Windows sowas wie C: fürs System und D: (oder mehr) für die Daten.
Weil voll laufende Daten dann nicht zum Problem für die Wartung vom
System werden.
A. K. schrieb:> Immer sinnvoll: Produktive potentiell wachsende Daten mitsamt ihrer> Temp- und Logfiles sollten auf einem separaten Filesystem liegen. Also> in Windows sowas wie C: fürs System und D: (oder mehr) für die Daten.
Und das Ganze natürlich auch auf getrennten virtuellen Festplatten,
nicht etwa als Partitonen auf einer.
Ich habe nur meine Erfahrungen wiedergegeben.
Zu Zeiten des Virtualisierungshype habe ich auch mit Servern gearbeitet,
deren Datenfestplatten im SAN lagen. Sogar Systeme mit virtuellen
Bootplatten waren geplant. Alle nur 1HE hoch.
Es wurde damals sogar von oben vorgeschlagen, die DC zu virtualisieren,
wovon selbst M$ abgeraten hat.
Ausfallsicherheit, Hochverfügbarkeit, Cluster. Alles schön und gut,
jedenfalls solange bis der berühmte Murphy den single-point-of-failure
gefunden hat, dann gibt es aber lange Gesichter.
Jedenfalls bin ich wieder zurück zu ganz stinknormaler Hardware von der
Stange mit ganz stinknormalen RAID-Controllern und handelüblichen
Festplatten. Sind natürlich immer noch CTO, aber aus lauter
handelsüblichen Komponenten, die ggf. auch nachbeschaffbar sind.
Vielleicht werde ich aber auch langsam alt...
Das wird sicherlich kein zentrales Argument von Virtualisierung sein,
aber angenehm ist es: Ein virtueller Linux-Server legt in 20 Sekunden
einen vollständigen Reboot hin. Der Virtualisierungshost selbst braucht
dafür 5 Minuten, die meiste Zeit geht in Selbsttests und Firmware von
I/O-Modulen drauf.
Das erspart so manche Überstunde. Etliche VM kann ich bei dieser kurzen
Unterbrechung zu günstigen Zeiten tagsüber aktualisieren, ohne dass es
gross auffällt. Um den Host selbst zu aktualisieren, schiebe ich seine
VMs unterbrechungsfrei auf seine Kollegen und habe ihn dann frei.
svensson schrieb:> die DC zu virtualisieren, wovon selbst M$ abgeraten hat.
Ja, aber das ist Vergangenheit. Heute kein Problem mehr. Einer der
AD-Server liegt bei uns nur deshalb direkt auf übrig gebliebener alter
Hardware, damit man im Extremfall kein Münchhausen sein muss. Bei AD/DNS
und DHCP wärs besser, wenn man vorneweg rankommt. Wir werden diese
redundanten Sekundärserver aber wahrscheinlich auf einen separaten und
voll selbständigen kleinen Virtualierungshost konzentrieren.
> jedenfalls solange bis der berühmte Murphy den single-point-of-failure> gefunden hat, dann gibt es aber lange Gesichter.
Mit Virtualisierung löst man die Verfügbarkeitsfrage einmal, indem man
Virtualisierungsplattform bis runter zu Storage und Netzwerk
entsprechend auslegt. Ohne Virtualisierung löst man sie für jeden Server
erneut, und möglicherweise bei jedem auf andere Art. Ist natürlich eine
Frage der Grösse der Umgebung.
> Wir werden diese Funktionen aber wahrscheinlich auf einen separaten und> voll selbständigen Virtualierungshost konzentrieren.
Die Ironie in diesem Satz bleibt Dir hoffentlich nicht verborgen...
Da kann man eben auch gleich einen physischen Server nehmen, bei dem die
Komplexität mit der Virtualisierung entfällt.
Und ich würde gerne sehen, wie die 50 TB eines Fileservers schnell von
einer VM zur anderen transferiert werden.
> Mit Virtualisierung löst man die Verfügbarkeitsfrage einmal, indem man> Virtualisierungsplattform bis runter zu Storage und Netzwerk> entsprechend auslegt.
Klingt nach Consultant, da ist immer alles kein Problem.
> Ist natürlich eine Frage der Grösse der Umgebung.
Und vor allem eine Frage des Geldes.
svensson schrieb:>> Wir werden diese Funktionen aber wahrscheinlich auf einen separaten und>> voll selbständigen Virtualierungshost konzentrieren.> Die Ironie in diesem Satz bleibt Dir hoffentlich nicht verborgen...
Wenn man mehrere ADCs und DHCPs hat, und jeweils einer davon auf Blech
liegt, kann man dieses Blech auf einen separaten Virtualisierungshost
mit lokalen Disks legen, ohne dass die Verfügbarkeit zu riskieren.
Wichtig ist dabei nur, dass dieser Host unabhängig von NAS und der
übrigen VMware-Infrastruktur ist.
> Da kann man eben auch gleich einen physischen Server nehmen, bei dem die> Komplexität mit der Virtualisierung entfällt.
Wenn es bei einem einzigen bleibt...
> Und ich würde gerne sehen, wie die 50 TB eines Fileservers schnell von> einer VM zur anderen transferiert werden.
Der Fileserver ist ein hochverfügbares NAS, das sich redundant auf 2
getrennte Gebäude verteilt. Als Fileserver wird er direkt verwendet, die
VDisks der VMs liegen dort via NFS. Crasht ein Virtualisierungshost,
werden dessen kritische VMs automatisch auf den anderen Hosts neu
gestartet.
Verschoben wird für Wartung eines Hosts nur der laufende Kontext einer
VM, nicht deren Disks, so dass es bei einer laufenden VM je nach
Aktivität nur Sekunden bis wenige Minuten dauert und dabei vom Anwender
nicht bemerkt wird. Solche Migration findet zwecks Load Balancing auch
automatisch im Normalbetrieb statt.
> Klingt nach Consultant, da ist immer alles kein Problem.
Bin Anwender seit VMware ESXi 1.5
>> Ist natürlich eine Frage der Grösse der Umgebung.>> Und vor allem eine Frage des Geldes.
Grösse und Geld gehen Hand in Hand. Neben Beschaffungs- und
Wartungskosten spielen aber auch Gehälter eine Rolle. Virtualisierung
spart Admins. In grösseren Umgebungen ist das günstiger als hunderte
Server in Blech.
Zudem spielt natürlich auch eine Rolle, mit welcher Ausfallzeit man
leben kann. Wenn einem Bäcker abends zentrale Geräte abrauchen und
sämtliche Filialen tags drauf nix zum beissen anbieten können, fällt das
unangenehm auf. Stellt man Streichhölzer her, kann man das gelassener
angehen.
svensson schrieb:> Ausfallsicherheit, Hochverfügbarkeit, Cluster. Alles schön und gut,> jedenfalls solange bis der berühmte Murphy den single-point-of-failure> gefunden hat, dann gibt es aber lange Gesichter.
Man kann die Systeme durchaus vollständig redundant auslegen, sodaß der
Ausfall einer beliebigen Komponente nicht zur Beinträchtigung des
laufenden Betriebes führt. Ja, das kostet Geld und ja, das kostet
Hirnschmalz. Deswegen wird es nur in Umgebungen gemacht, wo
Hochverfügbarkeit wirtschaftlicher ist als die Inkaufnahme von
Ausfallzeiten. Alle anderen Systeme haben ganz zwangsläufig SPOFs. In
einer virtualisierten Umgebung streikt die Hardware des VM-Hostes,
System fällt aus. In einer konventionellen, nicht redundanten Umgebung
streikt der Domänencontroller, System fällt aus. Der Datenbankserver
streikt, alle darauf basierenden Anwendungen fallen aus (geht also nicht
mehr viel außer im Internet surfen). Der Terminalserver streikt, System
fällt aus, außer man hat mehrere TS. Macht für die Verfügbarkeit also
keinen Unterschied, ob virtualisiert oder Blech. Interessant wird es bei
der Wiederherstellung des Systems. Habe ich Carepacks für die
Serverhardware, rufe ich beim Support an und die kümmern sich um die
Reparatur. Habe ich keine Carepacks, muß ich bei klassischem Blech
entweder Ersatzteile vorhalten oder diese kurzfristig beschaffen können.
Letzteres kann schon nach wenigen Jahren zum Problem werden. Besorg mal
Ersatz für ein drei Jahre altes Servermainboard. Inzwischen haben sich
die CPU-Sockel geändert und meist sind auch die RAM-Module nicht
kompatibel. Du mußt also neuere Hardware verbauen, die andere Treiber
erfordert und hast oft Streß, den Server wieder zum Hochfahren zu
überreden (ja, ich kenne das). Hast du obendrein keine
Baremetal-Sicherung und es geht richtig schief, dann gute Nacht.
Mit virtualisierten Servern ist neue Hardware völlig unkritisch.
Lediglich der Host muß installiert werden, das dauert im Normalfall
keine Stunde. Danach die VMs wieder drauf und los gehts. Im Extremfall
kann ich sogar einen Notbetrieb auf Desktophardware improvisieren.
Die technischen Vorteile der Virtualisierung überwiegen ganz klar. Und
sie spart noch dazu Kosten. Denn ich brauche sowohl weniger physische
Maschinen als auch weniger Lizenzen, denn auf Blech benötigst du für
jeden Server eine separate Lizenz, bei VMs genügt eine für zwei
virtuelle Server.
Mir fällt echt kein Argument ein, weshalb man heutzutage nicht
virtualisieren sollte.
> In einer konventionellen, nicht redundanten Umgebung streikt der> Domänencontroller, System fällt aus.
Falsch DC, DHCP und DNS existieren redundant als physische Maschinen.
Ja, einzelne Dienste können ausfallen, aber die meisten bleiben
funktionsfähig. Und die HPC-Server zu virtualisieren wäre völlig absurd.
> Ersatzteile vorhalten oder diese kurzfristig beschaffen können
Genau deshalb habe ich z.B. die Festplatten lagernd. Gerade habe ich
vier Maschinen ausgemustert, die satte 10 Jahre in Betrieb waren - okay,
die meisten Platten waren nicht so alt.
> Mit virtualisierten Servern ist neue Hardware völlig unkritisch.
Und dann ist die neue Hardware plötzlich nicht mehr für die alten
Versionen zertifiziert (oder es fehlen gar Treiber) und für die neuen
braucht man neue Lizenzen, die dann aber leider die alten OS nicht mehr
unterstützen. Auch hier gibt es viele Fallstricke.
> Und sie spart noch dazu Kosten.
Was zu beweisen wäre. Meist ist die "ausfallsichere Hardware" deutlich
teurer als zwei Standardgeräte. Lizenzen bekomme ich umsonst, das ist
kein Argument. Wenn womöglich noch "Externe" eingekauft werden müssen,
dann wird das richtig teuer.
svensson schrieb:> Falsch DC, DHCP und DNS existieren redundant als physische Maschinen.
Natürlich kann man auch in virtualisierter Umgebung noch einen
physischen Backup-DC integrieren. Da sind wir aber schon auf dem Weg
Richtung Redundanz.
> Ja, einzelne Dienste können ausfallen, aber die meisten bleiben> funktionsfähig.
Bei den meisten meiner Kunden bewirkt schon der Ausfall nur eines
wichtigen Servers annähernde Arbeitsunfähigkeit. Ohne Fileserver keinen
Zugriff auf Userprofile und allgemeine Daten, ohne Datenbankserver keine
Arbeit mit der Branchensoftware und ohne Terminalserver auch nicht. Mit
einem Backup-DC können sich die Leute noch anmelden, es nützt ihnen aber
nichts.
> Genau deshalb habe ich z.B. die Festplatten lagernd.
Festplatten sind nicht das Thema, da leicht beschaffbar. Größer als die
alte geht immer. Aber hast du auch Mainboards, Speicherriegel und
Controller auf Lager?
> Und dann ist die neue Hardware plötzlich nicht mehr für die alten> Versionen zertifiziert (oder es fehlen gar Treiber)
Der Supportzeitraum für Betriebssysteme ist i.d.R. wesentlich länger als
der Produktlebenszyklus von Hardware. CPU- und Mainboardgenerationen
werden gewöhnlich nach 2-3 Jahren obsolet und baugleiche Mainboards sind
oft schon nach wenigen Monaten nicht mehr erhältlich. Für Windows
Betriebssysteme läuft die Unterstützung mindestens 5 Jahre, praktisch
eher 10 Jahre. Für die virtuellen Maschinen spielt es außerdem keine
Rolle, auf welcher Hardware und unter welchem OS der Hypervisor läuft,
solange er die gleiche virtuelle Umgebung emuliert.
> Auch hier gibt es viele Fallstricke.
Nicht wirklich viele. Auf jeden Fall um Größenordnungen weniger als bei
physischen Maschinen.
> Was zu beweisen wäre. Meist ist die "ausfallsichere Hardware" deutlich> teurer als zwei Standardgeräte.
Was ist ausfallsicher? Redundante Netzteile und Festplatten sollten bei
Servern selbstverständlich sein, alles andere ist ohnehin nur einmal da.
Natürlich kommt ein fetter, als VM-Host geeigneter Server teurer als ein
anwendungsspezifischer und weniger leistungsfähiger. Aber bei rein
physischer Struktur brauchst du eben für jeden Server ein eigenes Blech.
Und die werden in der Summe wieder teurer als der dicke Brummer.
> Lizenzen bekomme ich umsonst, das ist kein Argument.
Das ist für dich kein Argument, für den normalen Anwender schon. Siehe
meinen oben beschriebenen Praxisfall. Für 6 physische Server müßte ich 6
Lizenzen kaufen. Bei einem physischen Gerät und 6 VMs brauche ich nur
drei. Ergibt eine Ersparnis von fast 2000€ allein bei den Lizenzen.
> Wenn womöglich noch "Externe" eingekauft werden müssen,> dann wird das richtig teuer.
Firmen ohne eigenen Admin müssen das unabhängig von der Struktur
sowieso. Die Zeiten, wo ein Mitarbeiter, "der was von Computern
versteht", das System nebenbei administrieren konnte, sind schon lange
vorbei. Da Virtualisierung den Administrationsaufwand verringert, ergibt
sich auch hier Kostenreduzierung.
Icke ®. schrieb:> Natürlich kommt ein fetter, als VM-Host geeigneter Server teurer als ein> anwendungsspezifischer und weniger leistungsfähiger. Aber bei rein> physischer Struktur brauchst du eben für jeden Server ein eigenes Blech.> Und die werden in der Summe wieder teurer als der dicke Brummer.
Heutige Prozessoren sind sehr oft wesentlich leistungsfähiger als
einzelne Server benötigen. Ob ADC oder DHCP auf 2 Cores oder 4 läuft
merkt niemand, weshalb man auf einem Minimal-Host mit 4 Cores - kleiner
gibts schon lange nicht mehr - etliche VMs betreiben kann. Dicker wird
nur das RAM.
Wenn alle VMs einer nicht-trivialen Umgebung einzeln als Blech
implementiert werden, dann steckt sehr viel mehr Geld drin als in einem
diese Umgebung abdeckenden Virtualisierungshost (*). Jedes Stück Blech
hat dann mindestens 4 sich meist langweilende Cores, 3
Netzwerkanschlüsse (1x Management, 2x Anbindung), 2 Netzteile, genug
Switches für die Netzwerk-Anschlüsse, Racks fürs Blech, Platz für die
Racks, dicke Kabelbündel und Patchpanels, ...
Der Virtualisierungshost dafür hat 1-2 HEs, keine Bootdisk (µSD oder
USB-Stick), 3-5x Netzwerk, dafür aber genug RAM. Als ich das letzte mal
nachsah, kriegte man in einen normalen 1 HE Server 1,5 TB RAM rein. Als
einzelnen Server kriegt man heute wohl kaum etwas unter 8 GB, ob man die
braucht oder nicht. Dem DHCP-Server reichen aber 2 GB locker aus. Somit
ist auch die Summe an RAM virtualisiert geringer als in Blech, noch
völlig ohne Deduplication von RAM und Paging auf Hypervisor-Ebene
gerechnet.
*: Betriebssystem-Kosten auch. Mit Windows als Datacenter-Edition sind
alle VMs eines Hosts abgedeckt, und bei Linuxen wie Redhat oder Suse
sieht es ähnlich aus. Nur Oracle sollte man grossräumig umfahren, deren
Lizenzierung ist einfach nur grotesk.
> Hardware
In den letzten 10 Jahren hatte ich nur Festplatten (davon aber
reichlich), Netzteile und Lüfter als Ausfälle.* NT+Lüfter bekomme ich am
nächsten Tag. Die Festplatten haben ohnehin 5 Jahre Garantie, d.h. die
lagernden werden eingesetzt und die Austauschplatten kommen am nächsten
Tag.
Und natürlich laufen AD, DHCP und DNS zusammen auf jeweils einer
physischen Maschine. Da sind dann auch noch die PS und die /homes, damit
sich die Maschinen nicht zu sehr langweilen.
Trotzdem bleibe ich bei etwa 20 physikalischen Servern.
> Jedes Stück Blech hat dann mindestens 4 sich meist langweilende Cores
Die HPC haben bis zu 40 Cores.
> 3 Netzwerkanschlüsse (1x Management, 2x Anbindung)
Na und? Die kosten doch nichts, weil auf dem Mainboard enthalten.
Wohingegen eine 4-Port-ESX-fähige schon einmal 1000 Euro kosten kann.
> 2 Netzteile
Zwei Netzteile und zwei Strompfade sind bei uns ohnehin Standard.
> genug Switches für die Netzwerk-Anschlüsse, Racks fürs Blech,> Platz für die Racks
Der Serverraum ist ohnehin vorhanden. Und ein managebarer Switch pro
Rack ist selbst von CISCO aus der Portokasse bezahlbar. Und ein/zwei
Kabel pro Server ist noch kein Kabelbündel...
> Firmen ohne eigenen Admin müssen das unabhängig von der Struktur sowieso.
Ja, aber der "Virtualisierungsexperte" ist eben teurer als der normale
Admin. Und wenn dann alle drei Jahre die teure Hardware erneuert werden
muß, weil ja kein Support mehr da ist und alle Dienste auf einer
Maschine vereint zu gefählich sind, dann landet die ganze Matsche
schließlich in der Cloud -> Admin überflüssig.
* Nur im SAN ist ein Mainboard kaputtgegangen, das dann wochenlang um
den Globus unterwegs war = da standen dann die virtualisierten
Maschinen.
svensson schrieb:>> 3 Netzwerkanschlüsse (1x Management, 2x Anbindung)> Na und? Die kosten doch nichts, weil auf dem Mainboard enthalten.
Auf der Server-Seite nicht. Dafür aber auf der anderen Seite, also in
Form von Switch-Ports und Verkabelung. Das läppert sich.
> Wohingegen eine 4-Port-ESX-fähige schon einmal 1000 Euro kosten kann.
Wenn man unterhalb der oben beschriebenen Enterprise-Umgebung in der
Zentrale bleibt, reicht das aus, was der Server mitliefert. In
Aussenstellen steckt die kleinste Kiste, die damals verfügbar war: 4
gelangweilte Cores und von 3 Ethernets onboard werden nur 2 genutzt.
Die in der Zentrale sind etwas besser ausgerüstet, aber wenn du einige
hundert aktive VMs auf einer Handvoll Hosts laufen lässt, sind auch die
Kosten für 2x 10Gb Ethernet pro Host drin.
> Der Serverraum ist ohnehin vorhanden.
Einer davon wurde vor ein paar Jahren halbiert, weil Platz knapp und
dank Virtualisierung und zentralem Storage halb leer.
> Und ein managebarer Switch pro> Rack ist selbst von CISCO aus der Portokasse bezahlbar. Und ein/zwei> Kabel pro Server ist noch kein Kabelbündel...
Bei einigen hundert Servern?
> Und wenn dann alle drei Jahre die teure Hardware erneuert werden> muß, weil ja kein Support mehr da ist
Gekauft mit 5 Jahren Support. Es gibt Firmen, die Hardware-Service
darüber hinaus anbieten und das nutzen wir auch. Die älteren der
zentralen Hosts haben CPUs von 2012. Dem geplanten Ersatz kam Spectre in
die Quere, statt dessen kamen 2 in anderer Rolle ausgemusterte Altserver
hinzu.
Bei den Servern der Aussenstellen lebte die letzte Generation 10 Jahre.
Bei zweistelliger Anzahl hat man dann eben Reserve im Lager.
Ersatzteile und Erweiterungskomponenten für ältere Server gibts günstig
bei Ebay und anderen Leichenfledderern, wenn nicht zu exotisch. Haben
wir auch schon öfter genutzt.
> Maschine vereint zu gefählich sind, dann landet die ganze Matsche> schließlich in der Cloud -> Admin überflüssig.
Yep. Kenne ich aus anderer Firma gleicher Branche und Grössenordnung.
Wer braucht schon immer Festnetztelefonie (ist in der Cloud), notfalls
wird halt gemailt oder gechattet. Und für den Fall, dass das auch in der
Cloud ist gibts Mobiltelefone. Zum fairen Ausgleich ist das teuer als
bei uns und wird mit grösserer Mannschaft betrieben. ;-)
> * Nur im SAN ist ein Mainboard kaputtgegangen, das dann wochenlang um> den Globus unterwegs war = da standen dann die virtualisierten> Maschinen.
Wie Icke schon beschrieb: Wenn Host FUBAR und es ist eilig, dann nimmt
man einen anderen. Muss nicht identische Hardware sein. Egal ob Intel
oder AMD, nur bei der Live-Migration ist das wichtig.
svensson schrieb:> Ja, aber der "Virtualisierungsexperte" ist eben teurer als der normale> Admin.
Kann ich nicht bestätigen. Ob ich ein AD auf einem physischen oder
virtuellen Server aufsetze, nimmt sich vom Anspruch her nichts. Den
Hypervisor zu installieren und die VMs anzulegen, ist jetzt auch nicht
sooo kompliziert. Wer in der Lage ist, Netzwerke auf physischer Struktur
zu administrieren, wird auch kein Problem damit haben, sich das für
Virtualisierung nötige Zusatzwissen nebenbei autodidaktisch anzueignen.
Jedenfalls sind die Stundensätze bei mir die gleichen, egal ob physisch
oder virtuell.
> Und wenn dann alle drei Jahre die teure Hardware erneuert werden> muß, weil ja kein Support mehr da ist und alle Dienste auf einer> Maschine vereint zu gefählich sind, dann landet die ganze Matsche> schließlich in der Cloud -> Admin überflüssig.
Wenn aus Kostengründen Dienste in die Cloud verlagert werden, ist
bestimmt nicht die Virtualisierung schuld. Denn die ist im Endeffekt
billiger als eine Blechfarm. Allerdings könnten sich Admins, die nicht
mit der Zeit gehen, entbehrlich machen ;-)
> aber wenn du einige hundert aktive VMs auf einer Handvoll Hosts laufen> lässt
Da liegt der Hund begraben. Ich rede von 20 Servern und Du von
hunderten.
> Switch-Ports und Verkabelung
Switchports kosten fast nichts, bei unseren Geräten im Rack etwa 10 Euro
pro Port. Selbst der Core-Switch kostete nur 3.500 Euro bei 50 Ports.
Kabel kosten unter 3 Euro, da ist fast schon die Beschriftung teurer als
das Kabel selbst.
> sind auch 2x 10Gb Ethernet drin.
Bekam ich leider nicht genehmigt, da man Angst vor Folgekosten hatte:
"Nachher wollen Sie noch einen Außenanschluß mit 10 Gigabit..."
> Administration
Damit meine ich jetzt nicht eine VM anzulegen und dort Win2012 zu
installieren (einen VM-Server haben wir auch mit derzeit 4 VMs auf
Linux), sondern das ganze Storage auszulegen. Unsere 175 Festplatten
passen halt nicht in ein Home-NAS.
PS: Cloud ist bei uns verboten.