Hi Leute,
leider finde ich im Internet nichts zu diesen Begriffen. Zwar steht
immer, dass es keine Monopolstrahlung gibt, aber es steht nie irgendwo
erklärt, was es eigentlich genau ist....
Wisst ihr zudem was eine sphärische Phasenfront ist? Wie würdet ihr das
mit eigenen Worten erklären?
Vielen Dank im Voraus :)
nerd schrieb:> Wisst ihr zudem was eine sphärische Phasenfront ist? Wie würdet ihr das> mit eigenen Worten erklären?
ich verstehe unter Phasenfront von einer Quelle aus gesehen alle Punkte
einer Welle, die die gleiche Laufzeit Phase)aufweisen. Ist die Quelle
punktförmig und strahlt kugelförmig gleichmäßig ab, ist die Phasenfront
sphärisch.
Heinrich schrieb:> nerd schrieb:>> Wisst ihr zudem was eine sphärische Phasenfront ist? Wie würdet ihr das>> mit eigenen Worten erklären?>> ich verstehe unter Phasenfront von einer Quelle aus gesehen alle Punkte> einer Welle, die die gleiche Laufzeit Phase)aufweisen. Ist die Quelle> punktförmig und strahlt kugelförmig gleichmäßig ab, ist die Phasenfront> sphärisch.
Ja -- was genau das ist, was nicht existiert, der "isotrope Strahler".
Vielleicht ist es so plausibel: um elektromagnetische Strahlung zu
erzeugen, muss ein Strom fließen, also Ladung muss sich bewegen. Das
muss in irgendeine bestimmte Richtung erfolgen und funktioniert weder
auf der Stelle noch irgendwie "gleichmäßig verteilt auf einer
Kugeloberfläche" (im Endeffekt vermutlich wegen dieses Satzes?
https://de.wikipedia.org/wiki/Satz_vom_Igel). Entsprechend kann auch die
entstehende Strahlungsfront nicht kugelsymmetrisch sein.
Sven B. schrieb:> Ja -- was genau das ist, was nicht existiert, der "isotrope Strahler".> Vielleicht ist es so plausibel: um elektromagnetische Strahlung zu> erzeugen, muss ein Strom fließen, also Ladung muss sich bewegen. Das> muss in irgendeine bestimmte Richtung erfolgen und funktioniert weder> auf der Stelle noch irgendwie "gleichmäßig verteilt auf einer> Kugeloberfläche"
Etwas einfacher ausgedrückt: Man kann zeigen, dass für jede (auch
zeitveränderliche) kugelsymmetrische Ladungsverteilung mit Gesamtladung
Q das Feld außerhalb der Ladungsverteilung zu jedem Zeitpunkt ein
statisches elektrisches Feld mit dem Potential
im Punkt x ist (Ladungsverteilung im Ursprung). Insbesondere ist dann
das elektrische Feld außerhalb der Ladungsverteilung das einer
Punktladung, und das magnetische Feld verschwindet.
> (im Endeffekt vermutlich wegen dieses Satzes?> https://de.wikipedia.org/wiki/Satz_vom_Igel)
Ja. Vereinfacht gesagt: Im Vakuum bilden aufgrund der homogenen
Maxwell-Gleichungen das elektrische und magnetische Feld mit dem
Wellenvektor zu jedem Zeitpunkt ein orthogonales Dreibein. Betrachtet
man eine Kugeloberfläche um die Ladungsverteilung, so ist für einen
(hypothetischen) isotropen Strahler der Wellenvektor in jedem Punkt der
Kugeloberfläche orthogonal zu dieser, und das elektrische und
magnetische Feld dementsprechend tangential. Der Satz vom Igel sagt
dann, dass das elektrische (und damit auch das magnetische) Feld in
mindestens einem Punkt der Kugeloberfläche verschwinden muss, im
Widerspruch zur Isotropie.
Man kann natürlich auch direkt mithilfe der Maxwell-Gleichungen zeigen,
dass ein isotropes sphärisches Wellenfeld verschwindet.
Ich würde den Begriff "sphärische Phasenfront" in erster Näherung mit
"Fernfeldbedingungen" gleichsetzen.
Wenn die Antenne aus einem genügend grossen Abstand betrachtet wird,
kann man nicht mehr wirklich unterscheiden, ob es sich um einen
Punktstrahler oder einer Antenne mit endlichen Abmessungen handelt.
Punktuell betrachtet stellt das Feld zudem eine gute Näherung einer
ebenen Welle dar und wenn man sich eine Oberfläche um die Antenne
vorstellt, in der die Phase konstant ist, sieht sie praktisch
kugelförmig (bzw. sphärisch) aus. In der Nähe der Antenne würde diese
Oberfläche hingegen eher kartoffelförmig aussehen.
Mario H. schrieb:> Der Satz vom Igel sagt> dann, dass das elektrische (und damit auch das magnetische) Feld in> mindestens einem Punkt der Kugeloberfläche verschwinden muss, im> Widerspruch zur Isotropie.
Gemäß Satz vom Igel sind das sogar mindestens zwei Punkte. Eng verwandt
ist der Satz vom Frisör mit nur einem solchen Punkt, aber der
zusätzlichen Annahme, dass der zweite Punkt innerhalb des Halses liegt
und daher nicht sichtbar ist. :-D
Mario H. schrieb:> Ja. Vereinfacht gesagt: Im Vakuum bilden aufgrund der homogenen> Maxwell-Gleichungen das elektrische und magnetische Feld mit dem> Wellenvektor zu jedem Zeitpunkt ein orthogonales Dreibein. Betrachtet> man eine Kugeloberfläche um die Ladungsverteilung, so ist für einen> (hypothetischen) isotropen Strahler der Wellenvektor in jedem Punkt der> Kugeloberfläche orthogonal zu dieser, und das elektrische und> magnetische Feld dementsprechend tangential. Der Satz vom Igel sagt> dann, dass das elektrische (und damit auch das magnetische) Feld in> mindestens einem Punkt der Kugeloberfläche verschwinden muss, im> Widerspruch zur Isotropie.
Wenn man genauer darüber nachdenkt, ist es etwas komplizierter. Dieses
Argument setzt natürlich voraus, dass die emittierte Welle kohärent und
linear polarisiert ist.
Lässt man eine dieser Annahmen fallen, gehen isotrope Strahler offenbar
doch. Insbesondere lassen sich wohl auch kohärente isotrope Strahler
realisieren: Phys. Rev. Lett. 111, 133901 (2013), siehe auch hier:
https://www.ece.nus.edu.sg/stfpage/eleqc/PRL_isotropic.pdf
Inkohärente isotrope Strahler sind nicht sehr spannend (Glühbirne).
Das alles bezieht sich auf Wellenfelder im Vakuum mit sinusförmiger
Zeitabhängigkeit. In diesem Zusammenhang ist auch der Satz von Birkhoff
interessant, der besagt, dass sphärisch symmetrische Lösungen der
Maxwell-Gleichungen ganz allgemein immer statisch sind. Hierbei bedeutet
sphärisch symmetrisch, dass die Felder von der Form
sind. (Das ist eine stärkere Voraussetzung als oben, denn E und B sind
in jedem Punkt parallel, was für ebene Wellen nicht erfüllt ist.) Daraus
folgt dann sofort mit den Maxwell-Gleichungen
d.h. die Felder sind statisch.
Unabhängig davon gilt: Führt man die Multipolentwicklung der Greenschen
Funktion der D'Alembert-Gleichung durch, bekommt man bekanntlich nach
Integration über die Inhomogenitäten (d.h. die Quellen, Ladungs- und
Stromdichte) die entsprechenden Multipolentwicklungen für das Skalar-
und Vektorpotential (üblicherweise in Lorentz-Eichung, d.h. entkoppelt).
Es folgt dann, dass der Monopolanteil des skalaren Potentials notwendig
statisch ist, und bei einer sinusförmigen Variation der Quellen
verschwindet. Das wurde oben ja schon gesagt, und ist hier für das
skalare Potential explizit vorgerechnet:
https://en.wikipedia.org/wiki/Multipole_radiation#Electric_monopole_radiation,_nonexistence
Der Monopolanteil in der Multipolentwicklung des Vektorpotentials (d.h.
der Term niedrigster Ordnung in der Entwicklung) ist übrigens gerade
durch den elektrischen Dipolanteil der Quellen gegeben, d.h.
proportional zum elektrischen Dipolmoment
Andreas S. schrieb:> Gemäß Satz vom Igel sind das sogar mindestens zwei Punkte.
Ist das so? Ich meine, man könnte auf der 2-Sphäre ein stetiges
Vektorfeld mit nur einer Nullstelle realisieren.
Antoni Stolenkov schrieb:> "...Wormholes...", alles klar.
"Alles klar" würde ich zumindest für meine Wenigkeit nicht sagen, die
Sache ist nämlich ziemlich kompliziert. Tatsache ist aber, dass nicht
nur die Einstein-Feldgleichungen Wurmloch-Lösungen haben, etwas analoges
gibt es auch für die Maxwell-Gleichungen.
Das wurde vor einigen Jahren in Phys. Rev. Lett. 99; 183901 berichtet,
das Preprint dieses Artikels kann man hier herunterladen:
https://sites.math.washington.edu/~gunther/publications/Papers/wormholeprlfinal.pdf
Die Details dazu stehen in Commun. Math. Phys. 275, 749–789, der Artikel
ist hier frei verfügbar:
https://link.springer.com/content/pdf/10.1007%2Fs00220-007-0311-6.pdf
Dazu sollte man sich aber gut mit Differentialtopologie und
Differentialgleichungen auf Mannigfaltigkeiten auskennen. Und
ausreichend Zeit haben, um das zu lesen.
Im Gegensatz zu gravitativen Wurmlöchern lassen sich elektromagnetische
Wurmlöcher relativ "einfach" realisieren. Für Magnetfelder wurde so
etwas vor ein paar Jahren mit Metamaterialien erreicht, siehe die
Kurzfassung hier:
https://www.nature.com/articles/srep12488.pdf
Mario H. schrieb:> Im Gegensatz zu gravitativen Wurmlöchern lassen sich elektromagnetische> Wurmlöcher relativ "einfach" realisieren. Für Magnetfelder wurde so> etwas vor ein paar Jahren mit Metamaterialien erreicht, siehe die> Kurzfassung hier:>> https://www.nature.com/articles/srep12488.pdf
Das seh' ich mir gar nicht erst an. Da hat sich garantiert wieder Jemand
was zurechtdefiniert.