Guten Morgen,
ich würde gerne einen AD-Wandler dimensionieren und habe da eine Frage
bzgl. des Abtasttheorems. Und zwar:
DasShannoon-Nyquist-Theorem besagt ja, dass die Abtastrate > f/2 sein
soll. Warum wird dann aber in der Praxis meistens deutlich höher
abgetastet ? Im Grunde kann ich doch jede Sinusschwingung der maximalen
Frequenz mit 3 Abtastpunkten rekonstruieren.
VG
> DasShannoon-Nyquist-Theorem besagt ja, dass die Abtastrate > f/2 sein> soll. Warum wird dann aber in der Praxis meistens deutlich höher> abgetastet ?
Weil es halt praktikabel ist. Es gibt ja nicht immer genau die
Abtastrate für genau die abzutastende Frequenz. Will man halt ein
Signal mit 1 kHz abtasten, braucht man einen 2kHz ADC. Wenn es aber
keine 2 kHz ADC gibt, nimmt man halt das nächsthöhere. Wenn man jetzt
schon mit meinetwegen 4 kHz abtastet, dann wirft man entweder jeden
zweiten Abtastwert weg, oder verwendet die eh schon vorhandenen Daten
halt.
> Im Grunde kann ich doch jede Sinusschwingung der maximalen> Frequenz mit 3 Abtastpunkten rekonstruieren.https://upload.wikimedia.org/wikipedia/commons/thumb/9/9c/Nyquist_Aliasing.svg/370px-Nyquist_Aliasing.svg.png
Das sollte die Frage beantworten.
AD schrieb:> Warum wird dann aber in der Praxis meistens deutlich höher> abgetastet ?
man muss dem AD-Wandler einen Tiefpas vorschalten, welches garantiert,
das eben keine Frequenzen an den AD-Wandler gelangen, welche das
Abtasttheorem verletzen.
Der Tiefpass muss um so steiler sein, je näher die maximal zu
digitalisierende Frequenz an die Abtastfrequenz kommt, und je breiter
der Wertebereich des digitalen Datenstromes ist.
wenn du 20KHz mit einen AD-Wandler, welches 16Bit breit ist und mit
44KHz abgetastet wird, abtasten willst, benötigst du einen Tiefpass,
welches
bei 24KHz eine Dämpfung von 98db besitzt, aber 20KHz noch ungehindert
durchlässt. Das sind enorme Flankensteilheiten, welche nur schwer zu
erfüllen sind.
Um die 44KHz Abtastfrequenz entstehen zwei Seitenbänder ( 44KHz -20KHz =
24KHz und 44KHz +20KHz = 64KHz). Das untere Seitenband ist nur noch 4KHz
vom Eingangssignal entfernt, und sie darf sich auch beim Aussteuern von
nur 1 LSB nicht überlappen.
Die 98db setzen sich zusammen aus den 16Bit mal 6db + 2db
Setzt man die Abtastfrequenz jetzt wesentlich höher, wird die
Anforderung an den Tiefpass entsprechend entschärft.
Diese ganzen Delta sigma Wandler , welche heute im Audiobereich
verwendet werden arbeiten mit Abtastfrequenzen von mehreren Megahertz.
Da genügt als Tiefpassfilter dann oft ein Filter dritter Ordnung.
Ralph Berres
Alles klar, danke euch.
sofern meine mein Signal nur noch Anteile < 25 kHz enthält ist es also
egal ob ich mit >50 kSps oder mit 1 MSps Sample. Die Nutzdaten wären
nach meinem Verständnis ja die gleichen. Ich hatte nur gedacht dass ich
da irgendwo etwas übersehen habe, sodass es doch Sinn macht deutlich
höher abzutasten als f*2
Danke und VG
Du musst doppelt so schnell abtasten, wie deine höchste Frequenz ist,
nicht das Nutzsignal! Das ist ein Unterschied.
Wenn zu große Frequenzen enthalten sind, können sich Interferenzen
bilden!
Martin S. schrieb:> Du musst doppelt so schnell abtasten, wie deine höchste Frequenz> ist,> nicht das Nutzsignal! Das ist ein Unterschied.
Ja eshalb hatte ich von Anteile im Signal gesprochen, besser wäre wohl
Frequenzanteile gewesen.
Martin S. schrieb:> Wenn zu große Frequenzen enthalten sind, können sich Interferenzen> bilden!
Kannst du das genauer ausführen?
Weil sich kein ideales Tiefpass mit unendlicher Flankensteilheit in der
Praxis realisieren lässt. So ein Filter hätte eine unendlich lange
Impulsantwort.
Also muss man die Abtastfrequenz entsprechend höher legen.
Einfaches Beispiel: Dein AD-Umsetzer tastet mit f_s ab und hat eine
Auflösung von 10 Bit, ergo 60 dB Dynamikbereich. Also musst du dein
Tiefpass so konstruieren, dass es bei f_s/2 mindestens 60 dB dämpft, um
die höheren Frequenzen soweit zu unterdrücken, dass sie kein Aliasing
verursachen.
Entweder durch ein steileres Filter (mehr Koeffizienten, längere
Impulsantwort) oder aber durch Hochsetzen der Abtastfrequenz.
Okay, dieser Fall ist ja allerdings nur für Signale zu berücksichtigen,
deren Frequnezanteile höher als f_sample/2 sein können. Sofern mein
Signal (bzw. erzeugt durch einen Frequenzgenerator) ein sauberer Sinus
mit 20 kHz ist, muss ist es egal ob ich mit 50 kSps oder 1 MSps abtaste.
Darum ging es mir.
Sofern das Signal Frequnezanteile >f_sample/2 aufweist, muss gefiletrt
werde. Je nach Güte des Filters muss demnach eine höhere Abtastfrequenz
realisiert werden um bei f_sample/2 unter die Auflösungsgenauigkeit des
ADC zu dämpfen.
AD schrieb:> Warum wird dann aber in der Praxis meistens deutlich höher abgetastet ?
Weil die Filter weniger steil sein müssen und daher leichter
realisierbar sind.
AD schrieb:> ein sauberer Sinus> mit 20 kHz ist, muss ist es egal ob ich mit 50 kSps oder 1 MSps abtaste.
Durch Überabtastung kann man Signal-Rausch-Abstand gewinnen.
GEKU schrieb:> Weil die Filter weniger steil sein müssen und daher leichter> realisierbar sind.
Das ist auch ein Grund. Der eigentliche Grund ist der folgende: Das
Abtasttheorem besagt lediglich, dass ein bandbegrenztes Signal mit
Bandbreite kleiner B exakt rekonstruiert werden kann, wenn die
Abtastfrequenz größer 2B ist, bzw. das Abtastintervall Δt < 1/(2B) ist
(Nyquist-Bedingung). Die Rekonstruktion ist aber akausal. D.h., wenn man
das Signal zu einem Zeitpunkt t rekonstruieren will, benötigt man alle
Sampling-Punkte gleichzeitig. Ein DAC, der z.B. First Order Hold macht,
kann das Signal nicht rekonstruieren, auch wenn die Nyquist-Bedingung
erfüllt ist.
Man kann die Rekonstruktion auch explizit hinschreiben: Wenn x(t) das
Signal ist, gilt
Man sieht, dass man zur Rekonstruktion des Signals zum Zeitpunkt t alle
unendlich vielen Samplingpunkte (d.h. auch solche, die in der Zukunft
liegen) benötigt.
Aus diesem Grund muss man in realen Abtastsystemen mit einer deutlich
höheren Abtastfrequenz als 2B abtasten.
AD schrieb:> Sofern mein> Signal (bzw. erzeugt durch einen Frequenzgenerator) ein sauberer Sinus> mit 20 kHz ist, muss ist es egal ob ich mit 50 kSps oder 1 MSps abtaste.> Darum ging es mir.
Man geht hier aus von der Weiterverarbeitung bzw. Rückwandlung des
abgetasteten Signals. Da ist es in so fern nicht egal, weil du
wesentlich mehr Daten pro Zeiteinheit verarbeiten musst.
Wenn dein Nutzsignal keinerlei Frequenzanteile (0.0% Klirr!) hat, ja,
dann kannst du das gewandelte Signal unverfälscht weiterverarbeiten oder
auch rückwandeln.
Wenn jedoch dein Nutzsignal durch Klirr o.ä. Anteile oberhalb fa/2
enthält, muss du ein Tiefpassfilter verwenden, das zwischen fa und
fa-f_N (Nutzfrequenz) soviel Dämpfung macht, dass diese Störanteile
soweit unterdrückt werden, dass sie nicht mehr als ein halbes LSB
bewegen können.
Und dann ist es natürlich viel besser, einen gewissen Abstand zwischen
f_N und fa/2 zu haben und die Abtastfrequenz höher zu legen, weil dann
das Filter einfacher wird oder sogar überhaupt erst realisierbar.
Bei Audio z.B. wird meist deutlich höher abgetastet, auch mit größerer
Wortbreite. Man kann dann das Filter auf den Nutzbereich auch in der
digitalen Domain realisieren und die Verarbeitung von Zwischenschritten
(Mischen von Einzelstimmen) mit weniger Verlusten realisieren und macht
dann erst am Schluss die Dezimation auf die gewünschte
Ausgangsabtastrate (CD: 44.1kHz).
Der Filteraufwand wird ja nach der Rekonstruktion erneut notwendig, denn
z.B. bei der CD tauchen dann ab 22.05kHz wieder die Frequenzen unterhalb
von Nutzband (20kHz) auf und die müssen wieder unterdrückt werden.
AD schrieb:> Kannst du das genauer ausführen?
Abtastfrequenz und Signalfrequenz ergeben eine Überlagerung auf f, f1-f2
und f1+f2. Stichwort Seitenband (wurde oben ja schon gesagt).
Du "mischst" Dir damit beim DAC-Wandeln Frequenzen aus f1-f2 voll in
dein Nutzdatenband. Wenn Du aber die Abtastfrequenz deutlich höher
bringst liegen f1-f2 außerhalb des Nutzdatenfrequenzbereiches.
(siehe 2tes Posting)
Das ist vollkommen egal, wenn Du, wie etwas oben schon erwähnt hast, 0%
Klirrfaktor hast. In der Praxis gibt es das aber nicht.
Wirklich sehr kosturktive Beiträge bis jetzt, danke euch da wird einem
einiges klarer!
Eine Abschließende Frage hätte ich noch. Wenn ihr ein ADC für die
Messung einer Spannung "validieren" müsst, welche Faktoren haltet ihr in
dem Fall für die wichtigsten? Mir würden folgende spontan einfallen:
- Phasenversatz (Übetragungsfunktion bei unterschiedlichen f)
- Klirrfakor
- Dämpfung der Eingangsamplitude
- INL / DNL
AD schrieb:> Wenn ihr ein ADC für die> Messung einer Spannung "validieren" müsst,
Was heißt das? Was willst du überprüfen? Eine Gleich- oder
Wechselspannung, die Frequenz, die Amplitude?
> welche Faktoren haltet ihr in> dem Fall für die wichtigsten? Mir würden folgende spontan einfallen:>> - Phasenversatz (Übetragungsfunktion bei unterschiedlichen f)
bezüglich was?
> - Klirrfakor
im Signal oder durch die Verarbeitung hervorgerufen?
> - Dämpfung der Eingangsamplitude
dann ist zumindest dein Pegel mal falsch und falls sie frequenzabhängig
ist, auch schwer herauszurechnen
> - INL / DNL
beide verursachen Fehler, wie problematisch das ist hängt davon ab, was
du an dem Signal validieren willst - s.o.
AD schrieb:> Mir würden folgende spontan einfallen:
Das hängt von der Anwendung ab. Texas Instruments hat mal auf über 30
Seiten die Begriffe definiert, die sie zur Spezifikationen und
Charakterisierungen ihrer ADCs verwenden.
http://www.ti.com/lit/pdf/sbaa147
Darin findest du einen Verweis auf
http://www.ti.com/lit/pdf/SLAA013
Das sind einfacherer Erklärungen der meist wichtigsten Parameter.
Wolfgang schrieb:> Martin S. schrieb:> Wenn zu große Frequenzen enthalten sind, können sich Interferenzen> bilden!>> Ist das jetzt ein neues Wort für Aliasing?
Eigentlich ein altes:-)