Rainer schrieb:
> Warum ist eigentlich in HF-Diagrammen neben der Durchlasskurve auch oft
> die Phasenlage eingetragen?
Man fasst zweckmäßigerweise den Amplitudenfrequenzgang |H(ω)| und den
Phasengang φ(ω) zur Übertragungsfunktion
zusammen. Das hat den Grund, dass die komplexwertige Funktion H eine
erschöpfende Beschreibung eines linearen zeitinvarianten Systems
(LTI-System) ist. Also eines, das durch ein lineares
Differentialgleichungssystem mit konstanten Koeffizienten modellierbar
ist. Der Amplitudenfrequenzgang allein liefert keine solche erschöpfende
Beschreibung.
Hintergrund: Man kann relativ leicht zeigen, dass für LTI-Systeme eine
das System charakterisierende komplexe Funktion H(ω) existiert, mit der
man die Antwort y(t) im Zeitbereich des Systems auf eine beliebige
Anregung x(t) berechnen kann: Sind Y(ω) und X(ω) die
Fourier-Transformierten von x und y, so gilt einfach
In den Zeitbereich zurücktransformiert ist das die Faltung
wobei
die inverse Fourier-Transformierte von H ist (h entspricht der
Impulsantwort des Systems). Eine nette Eigenschaft dieser Funktion H ist
die folgende: Bei sinusförmiger Anregung mit Frequenz ω, also
bekommt man durch Einsetzen in die obige Faltungsgleichung
d.h. H(ω) ist die komplexe Amplitude eines LTI-Systems bei sinusförmiger
Anregung mit Frequenz ω (das zeigt auch, dass ein LTI-System bei
sinusförmiger Anregung sinusförmig antwortet). Daher kann man für
Systeme aus konzentrierten Resistanzen/Reaktanzen (R,L,C) die Funktion
H(ω) durch komplexe Wechselstromrechnung ermitteln. Man sieht also, dass
dieses H einfach der oben definierte komplexe Frequenzgang ist, d.h. die
Übertragungsfunktion des Systems.