Eteler schrieb:
> sagt mal, haben Jobs im Bereich Leistungselektronik eine echte Zukunft,
> oder sind das eher so kurze Dinge die mal schnell entwickelt werden und
> dann dreht man Däumchen?
Der Bereich ist realtiv egal, Hardwareentwicklung unterliegt immer einem
Schweinezyklus.
Man bekommt die Anforderungen und die Arbeit geht mit 100% los: Gedanken
über die Umsetzung machen, erste Schaltungsideen mit der
Mechanikabteilung und Software abklären, dann ggf. neue Bauteile anlegen
bis der Schaltplan steht. Anschließend kommt das Layout. Auslastung bis
hier hin ca. 90%.
Dann kommt die Zeit der Prototypenbestellung: Hier hat man aktiv gar
nichts mehr zu tun, evtl. etwas administrativ. Also kümmert man sich in
der Zeit um die Vorbereitung der Inbetriebnahme, fertigt ggf.
Verifizierungspläne an, zieht die Dokumentation glatt. Arbeitsauslastung
maximal 30%.
Dann kommen die Prototypen. Hier kommt es nun drauf an, wie erfahren der
Entwickler und wie kompliziert die Entwicklung ist. Auf jeden Fall hat
man erstmal 100% zu tun, bis die Platinen betriebsbereit in ein erstes
Funktionsmuster gepflanzt sind und an die Softwareabteilung übergeben
wurden.
Nun kommt erfahrungsgemäß immer mal wieder ein Änderungsvorschlag,
Arbeitsauslastung vielleicht 20%. Dann wird das FuMu dem Vertrieb
vorgestellt. Dieser hat jetzt eine relativ klare Vorstellung davon, was
er eigentlich nicht will. Dummerweise ist es genau das, was da vor ihm
steht.
Also fängt die Sowftwareabteilung mit der Hardwareabteilung das
Feilschen an, welche Funktionen wer übernimmt. Wobei, zumindest in
meiner Firma, die Softwareabteilung durch die Bank beim Aufruf:
"Freiwillige vor!" lieber 2 Schritte zurück gehen, damit die, die nur
einen Schritt rückwärts machen dann die Gelackmeierten sind, welche die
Funktionen dann eben in Hardware einbauen müssen.
Arbeitsauslastung schnell 120%, denn nun hat der Vertrieb natürlich
wegen der nur kleinen Änderungen des eigentlich schon fertigen Gerätes
den Releasetermin vorgezogen und schon eine große Show mit den
wichtigsten Kunden vereinbart. Hat man das überstanden, dümpelt man
wieder so bei 5% Auslastung herum (Vorbereiten der Unterlagen für die
Serienfertigung im weitesten Sinne), bis der Vertrieb angelaufen ist und
die ersten Meldungen aus dem Feld kommen, dann steigt die Auslastung
schnell auf 180% wenn man eine Strategie braucht, um ein so nicht vorab
gefundenes neues (aber leider ungewolltes) Feature der Elektronik zu
beseitigen. (Am besten mit Bordmitteln, ohne Hardware- Änderung an den
Geräten)
So in etwa kann ich das aus meiner Erfahrung schildern. Nach dem, was
ich aus Gesprächen mit Kollegen anderer Firmen herausbekommen habe ist
das aber in vielen Firmen ähnlich.
p.s.: Produktpflege bestehender Fertigungen sind natürlich parallel.
Neue Entwicklungen können zu jedem Zeitpunkt in der Abarbeitungskette
eintreffen und eine neue Kette generieren.