Gast
#382301
Hallo, bin gerade beim Umzugskartongs packen. Meine Frau und ich wandern nach Schweden aus. Ich bin jetzt Ende 40 und gehöre damit in Deutschland aus Altersgründen schon zu den schwer Vermittelbaren. In Schweden sieht man das anders und schätzt die Erfahrung und Gelassenheit dieser Altersgruppe. Und was soll ich mir dort bei 4% Arbeitslosigkeit große Sorgen machen, die 4% kommen durch die Job-Fluktuation. Ein schönes, freistehendes Einfamilienhaus in ruhihger Waldrandlage haben wir uns schon gekauft. Dafür bekommt man bei uns gerade mal eine kleine, hellhörige Eigentumswohnung. Die Nachbarn sind nette, hilfsbereite Leute. Und sonst geht alles schön gemütlich ab, keine hektischen Autofahrer, wenig Verkehr, angenehmes Klima (ist Geschmacksache), viel Natur und viel Ruhe. Dafür darf man dann bis 67 arbeiten, aber das nehme ich gerne in Kauf, denn das Arbeitsklima ist angenehm und im Endeffekt auch produktiver. Den meisten macht das Arbeiten Spaß, was eigentlich eine Selbstverständlichkeit sein soll. Bei uns wird in vielen Firmen wichtigtuerisch nur sinnlos Druck gemacht bis man reif für die Frührente ist, die nicht mehr finanzierbar ist. Hier in Deutschland habe ich immer mehr das Gefühl, dass man Steuern zahlt ohne eine Gegenleistung zu bekommen. Kein Wunder bei der Haushaltsüberschuldung und 10,5% Arbeitlosenquote. Ich warte die ganze Zeit auf den genialen Einfall eines Politikers noch eine Bearbeitungsgebühr für die Einkommenssteuererklärung zu verlangen, damit der Verwaltungsaufwand bei unserem komplizierten Steuerrecht finanziert werden kann. Über die Reformunfähigkeit Deutschlands könnte man ein ganzes Buch schreiben. Besonders miserabel ist unser dreigliedriges Schulsystem, das schon von der UNO kritisiert wurde. Aber das würde hier alles den Rahmen sprengen. Im Vergleich zu Skandinavien ist Deutschland kinderfeindlich. Wir haben weltweit die niedrigste Geburtenrate, weil für Frauen Beruf und Kinder schwer vereinbar sind. Schweden hatte Anfang der 90er ähnliche Probleme wie wir jetzt in DL und eine hohe Arbeitslosigkeit. Nur haben sie ihre Hausaufgaben konsequent gelöst, den Sozialstaat von Volkasko auf Teilkasko umgestellt, eine Renten- und Gesundheitsreform durchgeführt. Wer das mit dem Auswanderungsgerede nicht glaubt, hier ein paar Links: http://www.spiegel.de/wirtschaft/0,1518,423009,00.html http://www.manager-magazin.de/magazin/artikel/0,2828,422775,00.html http://www.faz.net/s/RubCF3AEB154CE64960822FA5429A182360/Doc~EDD019C11020D4C77A46935D11B561580~ATpl~Ecommon~Scontent.html Eines sollte ich noch erwähnen, wenn man mit dem Gedanken spielt nach Schweden auszuwandern: Man muss schon gute Sprachkenntniss mitbringen und sich fließend auf Schwedisch verständlich machen können. Und dann sollte man nicht nur aus Frust auswandern, sondern das Land seiner Wahl und die Lebensart, Denkweise und die Menschen seiner neuen Wahlheimat mögen. Auch wenn im Ausland vieles besser ist, darf man nirgends das Paradies erwarten. Deutschland hat natürlich auch seine schönen und liebenswürdigen Seiten, die man dann im Ausland so richtig schätzen lernt.