Hallo,
bin gerade dabei eine Bestückungsliste meines Grundigsverstärkers zu
erstellen, dabei stellt sich mir die Frage:
Könnte man die Keramik- und Folienkondensatoren wie
"Elektrolytkondensator" bedandeln/austauschen nach dem Motto: "(weitaus)
höhere Kapazitäten? Wird schon passen"
Besonderst bei den Sonderlinge wie: 39p, 6.8n und 18n
Grüße
Nein, würde ich nicht tun. Das sind i.d.R. keine Glättungs- /
Pufferkondensatoren. Falls die im Signalzweig liegen, verfälscht du den
Frequenzgang. Weder Keramik- noch Folienkondensatoren sind meines
Wissens nach kritisch beim Altern. Wenn, dann mit dem gleichen Wert
ersetzen (bzw nachschauen, wofür der ist --> Schaltplan).
Maxi M. schrieb:> dabei stellt sich mir die Frage:>> Könnte man die Keramik- und Folienkondensatoren wie> "Elektrolytkondensator" bedandeln/austauschen nach dem Motto: "> (weitaus) höhere Kapazitäten? Wird schon passen"
1. Hat der Verstärker irgendwelche Probleme/Fehlfunktion?
2. Grundig (allgemein jeder Hersteller) hat sich sicherlich Gedanken
gemacht, warum gerade DER Kapazitäts-Wert eingebaut wurde. Viel hilft
eben nicht viel... ^^
3. Elkos im Signalweg könnten natürlich durch altersbedingten
Kap.-Verlust schon einen Fehler verursachen. Aber bei intaktem Gerät:
Finger weg. Ansonsten: ERST MESSEN.
4. Nur keramische Kondensatoren haben im direkten Signalweg nichts zu
suchen (Mikrofonie-Effekte).
Fazit: Never touch running systems. ;-)
Joe S. schrieb:> Folienkondensatoren sind meines> Wissens nach kritisch beim Altern.
Es gibt einige durchaus hygroskopische Folienkondensatoren, die sich im
Laufe vieler Jahrzehnte vollsaugen und zerbröseln. Auch mit Teer
vergossene Kondensatoren haben mittlerweile durchaus das Ende ihrer
Lebensdauer erreicht.
https://www.dampfradioforum.de/viewtopic.php?t=2700
Michael M. schrieb:> 1. Hat der Verstärker irgendwelche Probleme/Fehlfunktion?> 2. Grundig (allgemein jeder Hersteller) hat sich sicherlich Gedanken> gemacht, warum gerade DER Kapazitäts-Wert eingebaut wurde. Viel hilft> eben nicht viel... ^^> 3. Elkos im Signalweg könnten natürlich durch altersbedingten> Kap.-Verlust schon einen Fehler verursachen. Aber bei intaktem Gerät:> Finger weg. Ansonsten: ERST MESSEN.> 4. Nur keramische Kondensatoren haben im direkten Signalweg nichts zu> suchen (Mikrofonie-Effekte).
zu 1.) Ja, Kratzen, egal ob Line oder Phono Input sowie im
Kopfhöhrerausgang und Line Input viel zu leise :(
zu 2.) bei manch anderen Elko wird, in andere Foren, moniert z.B. 40v
47u - Halt! Einschaltspannung 58v, lieber gegen 63v 47u auswechseln.
zu 3.) Optik: die meisten sehen aus wie, alsob ein X1 in "Magic Smoke"
aufgegangen wäre
zu 4.) Keramik wurden gerne als Entstörkondensator verbaut, wie ich
sehe/herausinterpretiere
Es handelt sich um den Grundig SV-2000
Maxi M. schrieb:> bin gerade dabei eine Bestückungsliste meines Grundigsverstärkers zu> erstellen, dabei stellt sich mir die Frage:>> Könnte man die Keramik- und Folienkondensatoren wie> "Elektrolytkondensator" bedandeln/austauschen nach dem Motto: "(weitaus)> höhere Kapazitäten? Wird schon passen"
Nein.
Mal ganz abgesehen davon, daß man das auch bei Elkos nicht so
handhabt.
> Besonderst bei den Sonderlinge wie: 39p, 6.8n und 18n
Gerade diese "krummen" Werte haben sicherlich ihren Grund. Ein
Kondensator in - sagen wir mal - einem RIAA Entzerrungsnetztwerk muß
den berechneten Wert haben. Keinen anderen.
Ersetzt werden sollten nur defekte Bauteile. Dann kann es manchmal
sinnvoll sein, das äquivalente Bauteil im anderen Stereo-Kanal
mitzutauschen, auch wenn es noch nicht defekt ist. Und in seltenen
Fällen kann es sein, daß der Hersteller Bauteile granzwertig
dimensioniert hat. Z.B. Elkos mit knapper Spannungsfestigkeit. Oder
(Ausnahme) Siebelkos im Netzteil mit knapper Kapazität. An diesen
Stellen kann man nachbessern, muß aber nicht.
Maxi M. schrieb:> zu 1.) Ja, Kratzen, egal ob Line oder Phono Input sowie im> Kopfhöhrerausgang und Line Input viel zu leise :(> zu 2.) bei manch anderen Elko wird, in andere Foren, moniert z.B. 40v> 47u - Halt! Einschaltspannung 58v, lieber gegen 63v 47u auswechseln.> zu 3.) Optik: die meisten sehen aus wie, alsob ein X1 in "Magic Smoke"> aufgegangen wäre
->1.
Das müsste man dann schon mit Messgeräten ran, wie z.B. Tongenerator +
Signalverfolger...
Kratzen kann natürlich von verdreckten/verschlissenen Potis (Lautst.,
Klangsteller) oder Umschaltkontakten kommen; genausogut sind kalten
Lötstellen möglich, die nur noch bei Vollmond+Gewitter ein Bisschen
Kontakt haben.
->2.
Betriebsspannungen von Elkos dürfen natürlich beim Austausch derselben
überschritten werden, wenn die Kapazität und Temperaturbereich stimmt.
->3.
(Scharfe) Bilder?
Michael M. schrieb:> ->1.> Das müsste man dann schon mit Messgeräten ran, wie z.B. Tongenerator +> Signalverfolger...> Kratzen kann natürlich von verdreckten/verschlissenen Potis (Lautst.,> Klangsteller) oder Umschaltkontakten kommen; genausogut sind kalten> Lötstellen möglich, die nur noch bei Vollmond+Gewitter ein Bisschen> Kontakt haben.>> ->2.> Betriebsspannungen von Elkos dürfen natürlich beim Austausch derselben> überschritten werden, wenn die Kapazität und Temperaturbereich stimmt.>> ->3.> (Scharfe) Bilder?
Zu 1.) Tongenerator ... wenn man sein Telefon dazu nötigt: vorhanden,
jedoch kein Verfolger (Ozsi?)
Und woher könnte das Leisesein herrühren? Phono scheint normal zu sein,
sodaß der Lautstärkeregler auf ein minimum zurückgedreht werden muß.
Zu 2.) Alle Arten oder nur explizit Elektrolyt?
zu 3.) wenig bearbeitet, Weißabgleich -- C303 / C309 finde ich wenig
seltsam aussehend sowie die auf dem grünen PCB
Ha ist schon wieder einer auf die Mär des Kondensatortauschens
reingefallen.
Kondensatoren egal ob Elko, Folie oder Keramik gehen seltener kaputt als
manche glauben.
Es gibt zwar bestimmte Typen wo einem die Erfahrung sagt das diese zu
Ausfällen neigen. Im Osten waren das z.B die roten Arbeiterfahnen
(sowjetische Keramik C's) oder die Schneemänner (Elkos im weißen
Kunststoffgehäuse). Allerdings wäre auch hierzu zu sagen, das selbst
wenn diese Typen als anfällig gelten sie nicht unbedingt defekt sein
müssen. Ich habe hier gerade einen kleinen Mikrofonpreamp (das Teil ist
mittlerweile knapp 40 Jahre) in der Mache und da sind auch 2 der
genannten Schneemänner verbaut und die sind definitiv in Ordnung.
Was will ich damit sagen, man sollte erst mal prüfen ob ein Bauteil
wirklich defekt ist bevor man es austauscht. Dabei sollte man beachten
das die alten Bauteile oftmals höhere Toleranzen als heute üblich
hatten. 20% des Nennwerte waren keine Seltenheit. Also ein Kondensator
mit 100nF kann da durch aus 120nF oder 80nF haben und wäre immer noch in
Ordnung.
Wenn dann die Bauteile auch noch mechanisch/optisch in Ordnung sind
werden sie nicht getauscht. Allerdings meine ich bei Deinen geposteten
Bilder (speziell auf dem 3.) ein paar aufgeplatzte Folien C's zu
erkennen. Die gehören natürlich ausgetauscht.
Der Fehler mit dem Kratzen wird sehr wahrscheinlich nicht von einem C
kommen. Da sind oftmals, wie Michael schon richtig bemerkte, die Potis
verdreckt oder mechanisch defekt. Da kann man reinigen probieren.
Es kann aber auch ein oxydierter Kontakt (Steckverbinder, Schalter)
sein.
Blindes Tauschen von Bauelementen nur weil man das mal so gehört hat ist
definitiv nicht der richtige Weg. Und wenn man dann Bauelemente tauschen
muß, dann macht nimmt man da den gleichen Widerstandswert bzw. den
gleichen Kapazitätswert.
Zeno schrieb:> Allerdings meine ich bei Deinen geposteten> Bilder (speziell auf dem 3.) ein paar aufgeplatzte Folien C's zu> erkennen.
Nö. Das sind die typischen Siemens MKH. Die gibt es nackt oder (hier zu
sehen) mit einer Schrumpfschlauch-Umhüllung. Die sperrt dann an der
Stirnseite mal mehr, mal weniger weit auf.
Maxi M. schrieb:> Zu 1.) Tongenerator ... wenn man sein Telefon dazu nötigt: vorhanden,> jedoch kein Verfolger (Ozsi?)> Und woher könnte das Leisesein herrühren? Phono scheint normal zu sein,> sodaß der Lautstärkeregler auf ein minimum zurückgedreht werden muß.
Oszi geht natürlich auch.
Zu wenig Pegel kann durchaus -w.o. gesagt- von kalten Lötstellen kommen
(das hatte ich mal auf der Eingangsplatine eines Mischpults; um 30-40dB
zu wenig Signal, schwankend mit Rauschen und Kratzen).
Weitere Hilfsmittel: Kältespray und Fön (max. ca. 50°C). Kälte
vorsichtig dosieren, nicht dass du eine kompl. Rauhreif-Schicht auf den
Bauteilen hast. Vorsicht: Bei Erfolg mit Kälte nicht erschrecken; der
Effekt könnte dir die Pappen aus den Boxen hauen... :-(
Und eine gute Lupe + viel Licht, um die Lötstellen anzugucken...
Ich habe wohl (schätze ich) über 50% der Fehler im Bereich
Rundfunk/TV-Reparaturen "optisch" repariert. ;-)
> Zu 2.) Alle Arten oder nur explizit Elektrolyt?
Gilt auch für Folien/Keramik, aber die sind eh spannungsfest genug.
Wenn die roten Roederstein-Töpfchen (EK) irgendwo weiß/gelbliche
Verkrustungen am/um's Gehäuse zeigen sollten, sind sie meist "fällig".