Heizdraht verdampfen

OP #6392329
Lesenswert?

Ich möchte für ein heimischen Projekt eine 100 nm Schicht aus Silber auf 
einen Siliziumwafer aufdampfen. Nun hat meine Vakuumröhre keine 
passenden einlässe, dass ich einen Tigel anbringen kann. Ich wollte 
wissen, ob es möglich ist, wenn ich aus Silberdraht(0,3mm, 2 Meter) eine 
Spule wickeln und diese dann gespannt unter den Wafer anbringe, das der 
Silberdraht dann verdampft. Der Draht erreicht eine Temperatur von 800 
Grad. Oder ob es zu lange dauert, damit den Wafer zu bedampfen. Ich 
wollte das vorher gerne in Erfahrung bringen, bevor ich es final teste. 
Ich weiß, dass sich bei Glühbirnen über die Zeit Niederschlag bildetet. 
Der Spule hat eine länge von ca. 20 cm.
OP #6392347
Lesenswert?

Das Silber sollte bei meiner Vakuumröhre ab ca. 700 grad anzufangen zu 
verdampfen, aufgrund des Vakuums. Ich hab die Temperatur höher gewählt, 
damit ich sicher gehen kann. Die Verdampfungstemperatur des Silbers ist 
etwas höher bei dem Druck, es sollte sich aber aufgrund des 
thermodynamischen Gleichgewichts schon früher ablösen(Quelle aus einem 
anderem Forum).
Ich wollte danach die Silberschicht mit PMMA beschichten.
OP #6392354
Lesenswert?

Das habe ich schon gelesen, aber die Sputterraten sind ja dicker und 
ungleichmäßiger als 100nm. Zum Sputtern habe ich alles da, HF und 
Magnetron. Ich hab gelesen dazu nutzt man die Molekularestrahlenepaxie. 
Mir geht es nur darum ob die Abtragraten des Silbers groß genug sind, so 
das ich keine Stunden warten muss.
Gast #6392361
Lesenswert?

An den Anlagen die ich kenne wurde das Material immer in einem 
Schiffchen verdampft. Man könnte z.B. aus Wolfram eine konisch 
zulaufende Spule wickeln und dort das Silber einlegen, welches dann 
hoffentlich verdampft. Die Quelle muss auch nicht groß sein. Deine 20 cm 
Spule halte ich für etwas übertrieben.

Wie willst du denn die Schichtdicke kontrollieren? 100 nm sind beim 
thermischen Bedampfen und etwas zu hoher Temperatur in wenigen Sekunden 
erreicht.
OP #6392376
Lesenswert?

Für die Schichtdicke wollte ich den Wafer erst mit Fotolack beschichten 
um einzelne Bereiche in mehreren Durchläufen zu beschichten. Ich wollte 
während des Prozess mit einem Schwingquarz die Beschichtung berechnen, 
obwohl ich nicht sagen kann ob das von Erfolg gekrönt ist. Sonst habe 
ich noch ein Rasterkraftmikroskop da, ich entferne den Lack neben der 
Silberschicht und messe dann den Übergang. Ich habe sonst noch ein REM 
da, aber damit wäre es nicht ganz so einfach.

Ich dachte es werden immer nur dickere schichten, ab 500nm gesputtert. 
Sonst teste ich das HF sputtern auch mal.

Ich kann den Wafer während des Beschichten per Verschluss direkt 
trennen.
(Firma: Schweigstill IT) Persönliche Seite #6392385
Lesenswert?

Unter dem nachfolgenden Link findet man einige interessante 
Informationen zum Verdampfen von Silber. Auch hier wird die Verwendung 
eines Schiffchens o.ä. aus einem anderen Material empfohlen.

Die dort genannte Arbeitstemperatur beträgt 1.105 °C, wobei ein 
Dampfdruck von 10^-4 Torr erreicht wird. Bei 847 °C sind es nur noch 
10^-8 Torr, d.h. vier Größenordnungen weniger. Nochmal 47 °C weniger 
dürften sich ebenfalls drastisch auf den Dampfdruck auswirken, 
vermutlich um noch eine Größenordnung.

Wenn Du in Deinem Gefäß auch kein ordentliches Hochvakuum erzeugt hast, 
dürfte zum einen der Silberdampf mit dem Restgas reagieren und zum 
anderen der nicht hinreichend heiße Silbervorrat ordentlich oxidieren.

https://de.lesker.com/newweb/deposition_materials/deposition-materials-notes.cfm?pgid=ag1
OP #6392402
Lesenswert?

okay, soll ich dann die röhre mit Argon/Sauerstoff spülen, dann mit der 
Membranpumpe den Vordruck machen, und per Titansputtern den Sauerstoff 
aus der Röhre entfernen? Oder brauche ich dafür eine Turbomolekularpumpe 
vorher? Die Röhre ist ziemlich groß (40 cm lang 15 cm Durchmesser, 3cm 
Edelstahl), so dass ich darin bei bedarf einzelne Bereiche trennen kann.
OP #6392417
Lesenswert?

Bis jetzt habe ich noch nichts online gestellt, aber bei wenn ich es 
fertig habe kann ich es mal machen. Jaa meine Hobbies sind bisschen 
anders, ich wollte eine einen Leiter für Plasmonen fertigen und 
verschiedene versuche mit Dielektrikum durchführen. Die Dielektrika kann 
ich per ALD fertigen, dass ist nicht das Problem. Bei bedarf habe ich 
einen Chemiker zur Hand der mir dabei immer etwas über die Schulter 
schaut, aber mit dem Verdampfen hat er es nicht so.

Ich hab S8 Lack für die Strukturierung, und habe zum belichten mein REM 
frisiert. Damit kann ich an 300nm Strukturen rankommen, vllt auch 
weniger.

Das aktuelle Problem ist halt das Verdampfen.
OP #6392427
Lesenswert?

Spannungen und Amper kann ich beliebig erzeugen, ich habe für dieses 
Projekt schon mehrere tausend Euro ausgegeben, mein "Labor" hat alles da 
was man braucht, nur das Verdampfen ist das Ding.

Ich habe halt so gedacht, dass wenn der Silberdraht verdampft, er 
kurzeitig mit dem Argon eine Verbindung eingeht und sobald diese 
Verbindung gegen etwas stößt wieder zerfällt. Ein ähnliches System wird 
ja für Glühbirnen genutzt damit die sich selbst wieder beschichten.

Wenn sich Argon nicht eignet kann ich auch ein anderes Gas nehmen.
#6392438
Lesenswert?

Frank M. schrieb:
> Spannungen und Amper kann ich beliebig erzeugen, ich habe für dieses
> Projekt schon mehrere tausend Euro ausgegeben, mein "Labor" hat alles da
> was man braucht, nur das Verdampfen ist das Ding.
>
> Ich habe halt so gedacht, dass wenn der Silberdraht verdampft, er
> kurzeitig mit dem Argon eine Verbindung eingeht und sobald diese
> Verbindung gegen etwas stößt wieder zerfällt. Ein ähnliches System wird
> ja für Glühbirnen genutzt damit die sich selbst wieder beschichten.
>
> Wenn sich Argon nicht eignet kann ich auch ein anderes Gas nehmen.

Hi.
Ich würde einfach mal bei Aixtron nachfragen . Die bauen die Anlagen für 
CVD-Prozesse. Sollten sich also damit auskennen.
Während meiner Studienzeit durften wir Aixtron mal besuchen. Wir 
erhielten recht tiefe Einblicke in deren Anlagen. Fragen zum Thema 
wurden auch sehr ausführlich beantwortet.
Gast #6392456
Lesenswert?

Frank M. schrieb:
> Ich wollte
> wissen, ob es möglich ist, wenn ich aus Silberdraht(0,3mm, 2 Meter) eine
> Spule wickeln und diese dann gespannt unter den Wafer anbringe, das der
> Silberdraht dann verdampft. Der Draht erreicht eine Temperatur von 800
> Grad. Oder ob es zu lange dauert,

Geht nicht, denn bevor dein Draht verdampft, schmilzt er irgendwo durch, 
die Temperaturverteilung ist nicht gleichmässig.

Bei nur 80 GradC hat Silber gerade mal einen Dampfdruck von 10e-9, da 
wirst du ewig warten, zudem bei deinen dicken Schichtdicken.

Man empfiehlt Verdampfung im Wolframschiffchen oder Molybdänspule.

Elektronenstrahl  Exzellent
Thermische Verdampfungstechniken   Schiffchen:  W
Spule:  Mo
Korb:  Ta, Mo
Tiegel:  Al2O3, W
Elektronenstrahlverdampfer Material Tiegeleinsatz  FABMATE®, Tungsten, 
Molybdenum, Tantalum
Temp. (°C) für gegebenen Dampfdruck Druck (Torr)   10-8:  847
10-6:  958
10-4:  1.105

Antwort schreiben

Bitte melde dich an, um einen Beitrag zu schreiben.

oder

Mit Google-Account einloggen

Die Registrierung ist kostenlos und dauert nur eine Minute.

Jetzt registrieren