Sind Spiegelfrequenzen nur beim heruntermischen vorhanden?

#6455624
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Warum liest man dann immer nur beim Heruntermischen von 
Spiegelfrequenzen?

Hier mal ein Beispiel:

runtermischen:
RF: 1000 MHz
LO: 900 MHz
ZF: 100 MHz

f_RF-f_LO=f_ZF  (Nutzsignal)
f_LO-f_IM=f_ZF
f_IM ist in diesem Fall 800MHz und muss also unterdrückt werden, weil es 
auch direkt auf ZF gemischt wird.

hochmischen:
RF: 500 MHz
LO: 2000 MHz
ZF: 2500 MHz

f_ZF+f_LO=f_RF  (Nutzsignal)
f_IM-f_LO=f_RF  für f_IM=4500 MHz
f_LO-f_IM=f_RF  für f_IM= -500 MHz

f_IM= -500 MHz ist negativ und fällt weg. Wäre dann f_IM=4500 MHz die 
Spiegelempfangstelle, die unterdrückt werden muss?
#6455666
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Ja genau, ich könnte 2500MHz und 1500MHz im Spektrum messen.

Aber ich dachte es geht um:
f_LO-f_IM=f_RF  für f_IM= -500 MHz
2000 MHz - (-500 MHz) = 2500 MHz

Theoretisch wären ja dann f_IM= -500 MHz die Spiegelfrequenz.
"Mixa" meinte sie tritt trotzdem als positive Frequenz auf. Wenn sie das 
tut, dann ist sie ja direkt mein Nutzsignal mit 500 MHz und das stört 
mich ja nicht weiter, weil ich das sowieso mischen möchte.

Oder ist da ein Denkfehler?
Gast #6455683
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Ja, Spiegelfrequenzen sind immer bei reellen Mischern vorhanden, da 
reelle Zeitsignale ein konjugiert gerades Spektrum haben, d.h. Signale 
bei positiven und negativen Frequenzen*) die gleiche Information tragen.

Darum gibt es eben auch neben zwei "Zielfrequenzen" (f_nutz und 
f_spiegel) und zwei ZFs eben auch zwei mögliche Oszillatorfrequenzen 
f_O1 und f_O2, deren WErte zyklisch vertauschbar sind.
Darum muss man leider bei der Speiegelfrequenzformel diese unglücklichen 
Betragsstriche konsequent mitschleppen, was die meisten unroutinierten 
Leute eher verwirrt.

Es gilt jedoch immer:
f_O = |f_nutz +/- f_ZF|
f_spiegel = |f_nutz -/+ 2 f_ZF|

Beispiel:
Downconversion in niedrigere ZF, als das Nutzsignal
f_nutz := 100 MHz
f_ZF := 10 MHz
f_O = |f_nutz +/- f_ZF| = |100 +/- 10| MHz = {110 MHz; 90 MHz}
Denn ein 110 MHz-LO mischt das Nutzsignal von 100 MHz in eine gewünschte 
ZF von 10 MHz, aber auch in eine unerwünschte von 110 MHz. Da man 
meistens ein schmalbandiges ZF-Filter verwendet, ist die unerwünschte ZF 
meist kein Problem.
Das gleiche Resultat liefert aber auch ein 90 MHz-LO, dieser mischt das 
100 MHz-Signal ebenfalls in die gewünschte 10 MHz-ZF, aber auch in die 
190 MHz.

f_spiegel = |f_nutz +/- 2*f_ZF| = |100 +/- 2*10| MHz = |100 +/- 20| MHz 
= {120 MHz; 80 MHz}
Denn der gleiche 110 MHz-LO würde ebenfalls auch ein unerwünschtes 120 
MHz-Signal in die 10 MHz-ZF mischen und damit das erwünschte Nutzsignal 
von 100 MHz unwiederbringlich stören.
Das Selbe gilt für einen 90 MHz-LO, der ein unerwünschtes Signal von 80 
MHz in die ZF von 10 MHz herabmischt.


Beispiel:
Upconversion in höhere ZF, als das Nutzsignal
f_nutz := 100 MHz
f_ZF := 500 MHz
f_O = |f_nutz +/- f_ZF| = |100 +/- 500| MHz = {600 MHz; |-400 MHz|} = 
{600 MHz; 400 MHz}
f_spiegel = |f_nutz +/- 2*f_ZF| = |100 +/- 2*500| MHz = |100 +/- 1000| 
MHz = {1100 MHz; |-900 MHz|} = {1100 MHz; 900 MHz}
Denn ein 600 MHz-LO mischt auch ein unerwünschtes 1100 MHz-Signal in die 
ZF von 500 MHz. Ebenso mischt der 400 MHz-LO ein unerwünschtes 900 
MHz-Signal in die ZF.

Q.E.D.: Spiegelfrequenzen treten ebenfalls auch beim hochmischen auf!

Ja, die Schreibweise mit den Betragsstrichen ist umständlich und 
verwirrend, führt aber zum richtigen Ergebnis, genauer: zu den 
richtige*n* Ergebnisse*n*. Reelle Mischer, bzw. die Produkte von reellen 
Zeitsignalen sind eben nicht eindeutig!

Deutlich eleganter ist der Lösungsweg, wenn man z.B. die Kosinusfunktion 
als Superposition von komplexen Exponentialfunktionen schreibt: cos(x) = 
1/2 (exp(jx) - exp(-jx)), wie sich aus der Eulerschen Relation leicht 
umstellen lässt. Sinus ist ebenfalls möglich, erfordert aber mehr 
Schreibarbeit
Damit erhält man automatisch alle richtigen Signale, die beiden 
möglichen LOs und die unerwünschten Spiefgelfrequenzen.

Oder man malt sich die Spektren auf und führt eine graphische Faltung 
durch.

*) Und lasst euch bloß nicht erzählen, es gäbe keine negativen 
Frequenzen. Sie sind für reelle Zeitsignale eine logische Konsequenz aus 
der Euler-Relation!
Gast #6455687
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Beispiel:

Zwischenfrequenz   ZF = 9MHz
Oszillatorfrequenz OF = 12,5MHz

1. Empfangsfrequenz = OF - ZF    12,5MHz - 9MHz = 3,5MHz
2. Empfangsfrequenz = OF + ZF    12,5MHz + 9MHz = 21,5MHz

Man kann sich nun aussuchen welche Frequenz man
empfangen möchte. Möchte man 3,5MHz empfangen,
macht man ein Vorkreisfilter auf 3,5MHz und unterdrückt
damit die 21,MHz. Die 21,5MHz ist dann die Spiegelfrequenz.
Möchte man 21,5MHz empfangen, macht man ein Vorkreisfilter
auf 21,5MHz und unterdrückt damit die 3,5MHz. Die 3,5MHz
ist dann die Spiegelfrequenz.
Gast #6455692
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Marek N. schrieb:

> *) Und lasst euch bloß nicht erzählen, es gäbe
> keine negativen Frequenzen. Sie sind für reelle
> Zeitsignale eine logische Konsequenz aus der
> Euler-Relation!

Physikalisch gibt es die auch nicht -- systemtheoretisch
aber schon. Dasselbe Wort (hier: Frequenz) kann in
unterschiedlichen Fachgebieten leicht unterschiedliche
Bedeutung haben, das ist nicht ungewöhlich.
Gast #6455704
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Günter R. schrieb:

> Die Frequenz ist

... hier fehlt: "in der Systemtheorie" ...

> ... die Ableitung der Phase nach der Zeit, kann
> also bezogen auf ein Signal durchaus negativ
> sein.

Selbstverständlich.

In der klassischen Physik und der Technik ist die
Frequenz häufig einfach "Anzahl je Zeiteinheit";
diese Frequenz kann i.d.R. nicht negativ sein.

Dasselbe Wort -- abweichende Bedeutungen.
Gast #6455721
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Christoph db1uq K. schrieb:

> Ausgerechnet mit den Beispielfrequenzen fallen die
> beiden Empfangsstellen auf 500 MHz. Mit anderen
> Zahlen gäbe es zwei Empfangsstellen.

???

RF = 500MHz (Eingangssignal am Mischer),
LO = 2000MHz (Eingangssignal am Mischer),
ZF = 2500MHz (Ausgangssignal am Mischer).

Im dargestellten Empfangsfall ist die Spiegelfrequenz
LO + ZF = 4500MHz.
Gast #6455785
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von Marek N. schrieb:
>Egon D. schrieb:
>> Physikalisch gibt es die auch nicht

>Natürlich!
>Wie willst du ein reelles(!) Zeitsignal konstruieren, wenn du nur Zeiger
>hast, die allesamt nur in eine Richtung rotieren?
>Dann wäre ja unsere gesamte Welt komplex!

Ich habe auch Probleme mir eine negative Frequenz vorzustellen.
Ich hätte gern mal einen Schaltplan von einem Oszillator
der eine negative Frequenz erzeugt. Oder wie sieht eine
negative Frequenz auf einem Oszillograf aus.

Aber noch mal ein Beispiel aus der Praxis.
Den englische Langwellensender auf 198kHz gibt es ja noch.
Die AM-Radios hatten ja standardmäßig eine ZF von 455kHz.
Mit einer Oszillatorfrequenz von 653kHz wird nun die
198kHz auf 455kHz hochgemischt.
Gast #6455874
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Christoph db1uq K. schrieb:

> Es geht um Empfang, nicht Senden.

Okay.


> LO (2000) plus Eingangsfrequenz (500) ergibt die
> ZF (2500),

Klar.


> LO (2000) minus Eingangsfrequenz (-500) ebenfalls
> die ZF.

Rechnerisch richtig -- aber sachlich irrelevant.

Bei ZF = 2500MHz und LO = 2000MHz sind die
Empfangsfrequenzen ZF +/- LO, also

RF_1 = ZF + LO = 2500MHz + 2000MHz = 4500MHz,
RF_2 = ZF - LO = 2500MHz - 2000MHz =  500MHz.

Für die Nutzfrequenz von 500MHz ist in dieser
Konfiguration 4500MHz die Spiegelfrequenz, denn
sie liegt "spiegelbildlich" zur ZF von 2500MHz.

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