Hallo!
Ich würde gerne in unserem Garten einen kleinen Edelstahl-Kasten (10 cm
breit, 5 cm hoch, 5 cm tief) mit Maschinenschrauben und Muttern auf
einer größeren Aluminium-Platte montieren, die dann z.B. mit
Spax-Schrauben am Holz-Gartenzaun montiert werden soll. Ich habe aber
gelesen, dass es da bei Regen anscheinend Korrosion geben soll. Der
Edelstahl ist vermutlich V2A AISI 304 und das Alu ist voraussichtlich
eloxiertes AlMg1.
An welchen Stellen könnte es hier zu deutlich sichtbarer Korrosion
kommen und in welchen Zeiträumen spielt sich so etwas ab?
Vielen Dank!
Volker
Volker schrieb:> Ich habe aber> gelesen, dass es da bei Regen anscheinend Korrosion geben soll. Der> Edelstahl ist vermutlich V2A AISI 304 und das Alu ist voraussichtlich> eloxiertes AlMg1.
Steht bei mir seit 15 Jahren draußen, und korrodiert nicht. Es gibt auch
keinen Grund, warum es korrodieren sollte.
Andrew T. schrieb:> Es gibt auch keinen Grund, warum es korrodieren sollte.
Doch: unterschiedliche Elektronegativitäten. ;-)
Allerdings haben beide Seiten einen recht guten Eigenschutz durch
Oxidschichten.
Andrew T. schrieb:> Es gibt auch> keinen Grund, warum es korrodieren sollte.
Doch, den gibt es. Das Stichwort ist galvanische Korrosion. Alu ist
deutlich unedler als der Edelstahl und wird korrodieren. Es ist zwar
durch die Eloxalschicht passiviert, dass funktioniert aber nicht ewig.
Ob es zu einem Problem wird, hängt von vielen Faktoren ab.
Ungünstig ist:
- kleine Oberfläche des Alu im Verhältnis zum Edelstahl
- hohe Temperatur
- hohe Feuchtigkeit (z.B. Tropen)
- hoher Salzgehalt (Küstennähe)
Du kannst das Problem vermeiden, wenn du die Teile elektrisch isolieren
kannst (Zwischenbuchsen und Unterlegscheiben aus Kunststoff)
Hallo
Geeignetes Silikon und Lack ("Farbe") kann auch die Korrosion sehr
verzögern - wobei es natürlich von Belang ist wie viel Wert auf aussehen
gelegt wird , oder ob alleine der Schutz vom Belang ist.
Volker schrieb:> An welchen Stellen könnte es hier zu deutlich sichtbarer Korrosion> kommen und in welchen Zeiträumen spielt sich so etwas ab?
Deutet leider darauf hin das wohl vor allem das Aussehen von Belang ist
- das macht es nicht unbedingt einfacher...
Nebenbei: Edelstahl ist eine Strafe was die Verarbeitung mit den
normalerweise im privaten Umfeld zu Verfügung stehenden Werkzeugen
angeht - wenn es dann noch gut aussehen soll... alles andere als einfach
und sehr anstrengend.
Da ist Alu eine Kindergartenbastelarbeit im Vergleich - wobei das auch
relativ ist wenn es wirklich gut aussehen soll und auf den 1/10mm und
genau die gewünschten Winkeln ankommt, was leider viel zu oft notwendig
ist, ist auch bei Alu nicht so einfach wie man erst mal oft annimmt.
Der Kasten ist schon vorhanden?
Eventuell ein fachgerecht zugeschnittene (und gebohrte) Edelstahlplatte
nutzen?
Obacht - ist sicherlich Unsinn aber vom Gefühl her kommt die Bezeichnung
Edel beim Edelstahl ausschließlich vom Preis - besonders wenn z.B. so
ein Blech auch noch optisch was hermachen soll...
Praktiker
Auf unserer Segelyacht steht ein Mast aus Aluminium mit etlichen
Spaxschrauben und Popnieten aus Niro. Hält schon weit über 20 Jahre.
Vorsicht ist jedoch geboten wenn die Aluminiumlegierung Kupfer enthält.
Wird gerne für Aluminiumgussteile verwendet.
Grüße von petawatt
Was bei den meisten Edelstahl-Basteleien vergessen wird, ist eine
ordentliche Passivierung nach der Bearbeitung vom Edelstahl. Eine gute
Passivierung macht einen Großteil der Korrosionsbeständigkeit aus.
butsu schrieb:> Alu ist> deutlich unedler als der Edelstahl und wird korrodieren. Es ist zwar> durch die Eloxalschicht passiviert, dass funktioniert aber nicht ewig.
Es ist sogar noch schlimmer! Alu korrodiert sofort, auch beim kleinsten
Kratzer.
Ist beim "V2A" genauso, nur nicht so schnell. Es bildet eine sehr
stabile Oxidschicht. Ist wie beim Corten-Stahl. Der rostet ja auch
(wunderbar) aber hört dann auf damit.
Es wird nichts passieren.
Wenn Du für alle Schrauben und Muttern V4A verwendest gelten die
Materialpaarungen mit Al an sich schon als unkritisch.
Und wenn Du bei der Montage die Kontaktflächen auch noch mit
Säureschutzfett einschmierst ist keine Korrosion zu erwarten.
Praktiker schrieb:>> Geeignetes Silikon und Lack ("Farbe") kann auch die Korrosion sehr> verzögern - wobei es natürlich von Belang ist wie viel Wert auf aussehen> gelegt wird , oder ob alleine der Schutz vom Belang ist.
Silikonprodukte und Alu vertragen sich nicht!
> Nebenbei: Edelstahl ist eine Strafe was die Verarbeitung mit den> normalerweise im privaten Umfeld zu Verfügung stehenden Werkzeugen> angeht - wenn es dann noch gut aussehen soll...
Nö, ist es nicht. Scharfes Werkzeug (sehr scharf), langame Berarbeitung
(beim Bohren also wenig Drehzahl), keinesfalls ölen (zum Kühlen nur
Wasser) und ordentlich Vorschub (beim Bohren durchaus kräftig zupacken).
Edelstahl ist wie Gummi, es will dem Bohrer ausweichen, bei wenig
Vorschub reibt dieser nur auf dem Material und glüht aus.
Old-Papa
Old P. schrieb:> Silikonprodukte und Alu vertragen sich nicht!
Vermutlich verwechselst du Messing / Bronze mit Alu.
Acetatvernetzte Silikone sind dafür ungeeignet.
Dass man bei VA nicht schmieren darf, ist eine ganz neue Theorie.
Nick M. schrieb:>> Vermutlich verwechselst du Messing / Bronze mit Alu.> Acetatvernetzte Silikone sind dafür ungeeignet.
Kann sein, doch meine Erfahrung sagt: Sili auf Alu und schon wird es
weiß. Nicht sofort, doch da wo in meinen Wohnwagen die Aluhaut mit
Silikon geflickt wurde, ist sie erst recht weggegammelt.
> Dass man bei VA nicht schmieren darf, ist eine ganz neue Theorie.
Nö, gelebte und erlebte Praxis von meinereiner und auch von Metallern in
meinem Umfeld.
Das mag im industriellen Umfeld mit teuren Werkzeugen vielleicht anders
sein, beim Frickler zuhause stimmt das aber.
Old-Papa
Offtopic:
Old P. schrieb:> Nö, gelebte und erlebte Praxis von meinereiner und auch von Metallern in> meinem Umfeld.
Dann haben diese Leute wenig Ahnung von diesen Materialien.
Es muss gerade bei Handbearbeitung bei allen zähen Edelstählen
geschmiert und(!) gekühlt werden, daher ist reines Öl wirklich nicht
gut, aber mit KSM geht das tadellos und viel, viel besser als ohne. Das
verlängert die Standzeit der Werkzeuge erheblich.
> Das mag im industriellen Umfeld mit teuren Werkzeugen vielleicht anders> sein, beim Frickler zuhause stimmt das aber.
Weil der Frickler zu Hause nur wenig Ahnung und noch weniger Erfahrung
hat ("Hauptsache, das Loch is drin"), dafür aber Zeit um die Bohrer alle
fünf "Löcher" nachzuschleifen ;-). Da ist es doch schlauer, sich an die
Leute im industriellen Umfeld zu halten, die am Tag tausende Löcher
bohren und fräsen und nicht immer nach drei grausamen Löchern das
Werkzeug wechseln und neu einmessen wollen.
Sehr scharf dürfen Schneiden bei zähen Materialien (wie vielen
Edelstählen) übrigens nicht sein, weil die dann sofort ausbrechen.
Einfach mal Schneidplatten für verschiedene Materialien genauer angucken
(gern auch unterm Mikroskop). Wirklich scharf sind nur Platten für
Weiche Materialien: Alu- und Kunststoffschneidplatten. Platten für zähe
Materialien müssen vor allem stabil sein (daher oft negatives Profil),
denn am wichtigsten ist dabei eine große Zustellung. An der
Säulenbohrmaschine heisst das bspw.: wenig Drehzahl, viel Druck und KSM
. Dann geht das auch mit 1.4301 problemlos und auch ein HSS-Bohrer
bleibt lange in seinem originalen Zustand. Noch besser sind freilich
bessere für Zerspanung geeignete Edelstähle: 1.4305
Habe seit Jahren eine Mülltonnenabdeckung aus Alu-Riffelblech auf
Edelstahlrahmen draußen stehen, keinerlei Korrosion sichtbar. Das Zeug
verträgt sich offensichtlich.
Old P. schrieb:> beim Frickler zuhause stimmt das aber.
Das ist mal ein überzeugendes Argument.
Kernproblem bei VA ist die Kaltverfestigung. Einmal drauf rumgerutscht
mit dem Bohrer ohne einen Span zu machen, schon gehts dahin mit dem
Bohrer.
Chris D. schrieb:> Dann haben diese Leute wenig Ahnung von diesen Materialien.
... aber verdienen ihren Lebensunterhalt damit und nichtmal schlecht ;-)
> Es muss gerade bei Handbearbeitung bei allen zähen Edelstählen> geschmiert und(!) gekühlt werden, daher ist reines Öl wirklich nicht> gut, aber mit KSM geht das tadellos und viel, viel besser als ohne. Das> verlängert die Standzeit der Werkzeuge erheblich.
Gekühlt ja, geschmiert nicht.
> Weil der Frickler zu Hause nur wenig Ahnung und noch weniger Erfahrung> hat ("Hauptsache, das Loch is drin"), dafür aber Zeit um die Bohrer alle> fünf "Löcher" nachzuschleifen ;-).
Meine "Edelstahlbohrer" liegen in extra Schachtel und ich nutze sie nur
dafür. Die sind rattenscharf und nie irgendwo ausgebrochen.
Nachgeschliffen habe ich die nach ein paar Jahren mal.
> Da ist es doch schlauer, sich an die> Leute im industriellen Umfeld zu halten, die am Tag tausende Löcher> bohren und fräsen und nicht immer nach drei grausamen Löchern das> Werkzeug wechseln und neu einmessen wollen.
Klar, schlauer ist das, nur diese Werkzeuge hat Kollege Frickler selten
im Haus.
> Sehr scharf dürfen Schneiden bei zähen Materialien (wie vielen> Edelstählen) übrigens nicht sein, weil die dann sofort ausbrechen.
Nö, meine eigene Erfahrung, egal ob Bohren, Fräsen oder Drehen, sagen
exakt das Gegenteil.
> Einfach mal Schneidplatten für verschiedene Materialien genauer angucken> (gern auch unterm Mikroskop). Wirklich scharf sind nur Platten für> Weiche Materialien: Alu- und Kunststoffschneidplatten. Platten für zähe> Materialien müssen vor allem stabil sein (daher oft negatives Profil),> denn am wichtigsten ist dabei eine große Zustellung.
Kann ich ja mal machen, wobei ich für Edelstahl kaum extra die Platten
wechsel. Häufig geht sogar HSS ;-)
> An der> Säulenbohrmaschine heisst das bspw.: wenig Drehzahl, viel Druck und KSM> . Dann geht das auch mit 1.4301 problemlos und auch ein HSS-Bohrer> bleibt lange in seinem originalen Zustand.
Nun, genau das sagte ich doch...
KSM ist was ganz anderes als Öl!
> Noch besser sind freilich> bessere für Zerspanung geeignete Edelstähle: 1.4305
Wenn man sich das aussuchen kann, dann ja.
Old-Papa
Chris D. schrieb:> Sehr scharf dürfen Schneiden bei zähen Materialien (wie vielen> Edelstählen) übrigens nicht sein, weil die dann sofort ausbrechen.
Denke, beim Bohren von Edelstahl kann man das so nicht sagen.
Viel Druck braucht man da nicht, wenn man scharfe Bohrer hat.
Denn das Dilemma sieht ja meistens so aus, daß man halt die Bohrer
verwendet, die häufig im Einsatz sind und dementspr. bereits etwas
lädierte Schneiden haben.
Ganz abgesehen davon, hilft bei VA nicht nur Nachschliff der Bohrer,
sondern auch eine Veränderung der Schneidengeometrie hin zu einem
Facetten-Schliff; d.h. die eigentliche Schneide flacher und höchstens
1mm breit stehen lassen.
> Einfach mal Schneidplatten für verschiedene Materialien genauer angucken> (gern auch unterm Mikroskop). Wirklich scharf sind nur Platten für> Weiche Materialien: Alu- und Kunststoffschneidplatten. Platten für zähe> Materialien müssen vor allem stabil sein (daher oft negatives Profil),> denn am wichtigsten ist dabei eine große Zustellung. An der> Säulenbohrmaschine heisst das bspw.: wenig Drehzahl, viel Druck und KSM> . Dann geht das auch mit 1.4301 problemlos und auch ein HSS-Bohrer> bleibt lange in seinem originalen Zustand. Noch besser sind freilich> bessere für Zerspanung geeignete Edelstähle: 1.4305
Und am allerbesten ist es, wenn man zum Bohren von VA HSS-E Bohrer
verwendet. :D
Mit denen kann man VA deutlich besser als mit HSS bohren.
https://www.haberkorn.com/produkte/werkzeuge-maschinen/vhm-bohrer-vs-hss-bohrer-bedeutung-vorteile-vergleich/