Deine Frage ist spannend, die Antwort enthält das Wort "ANKI". Das
grundsätzliche Problem beim Vokabellernen ist, dass die Beziehungen
zwischen den Konstruktionen zweier Sprachen nie eindeutig umkehrbar
sind. Vielmehr haben wir es mit sich überlappenden Bedeutungsfeldern zu
tun. Das fällt umso stärker auf, je tiefer man sich in die neue Sprache
einarbeitet.
Für ein Karteikartensystem bedeutet das, dass Vorder- und Rückseite
nicht gegeneinander austauschbar sind. Abhängig vom Kontext erhält die
Vokabel eine andere Bedeutung.
Der Nutzen eines Vokabellernsystems hängt massiv von der zu lernenden
Sprache und dem gewünschten Grad der Sprachbeherrschung ab. Für die
meisten Sprachen wird man möglichst schnell versuchen, Vokabeln im
Kontext zu sehen, sprich versuchen, Texte zu lesen.
Seit einigen Jahren bin ich mein eigenes Versuchskaninchen, was das
Erlernen einer neuen Sprache angeht. Da die Auswahl deutscher
Lehrbücher, inkl. dem was ich im Japanologiestudium gesehen habe, eher
schwach ist, lerne ich seit ein paar Jahren Japanisch, basierend auf
englischsprachigem Material. Aus dem Anglistikstudium habe ich noch
einen sehr engen Kontakt zu einem amerikanischen Sprach- und
Phonetikdozenten, mit dem ich seit Jahren gemeinsam Japanisch lerne.
Wir verwenden beide ANKI, allerdings auf unterschiedliche Art. Wir haben
unterschiedliche Ansätze, entsprechend unserer Vorgeschichte. Auf der
einen Seite ein Elektroingenieur, auf der anderen Seite ein
amerikanischer Doktor der deutschen Sprache.
Seit dem Ende der ersten Lernphase verwende ich ANKI nur noch als
bedarfsoptimiertes Wörterbuch, in dem ich Begriffe sammle, die ich beim
Lesen von Texten nachschlagen musste.
Ich halte ANKI für ein herausragendes Werkzeug. Allerdings sollte man
sich nicht scheuen, dieses auf die eigenen Bedürfnisse anzupassen.
http://www.harerod.de/nihongo/anki.html