Armin X. schrieb:
> Warum eigentlich dicht beieinander?
Die Frage ist berechtigt und hat mich auch schon umgetrieben.
Grundsätzlich wird bei der Kelvin/Vierpol-Widerstandsmessung der Strom
und die Spannung direkt am zu messenden Widerstand ermittelt und per
R=U/I berechnet. Bei einer Zweipolmessung wie beim Standard-Multimeter
würde die Spannungsmessung durch den vom Strom bewirkten Spannungsabfall
in den Messleitungen verfälscht, so dass die Kelvin-Messung mit hierfür
getrennten Leitungen erfunden wurde.
Dabei würde es bei reellen Widerständen reichen, wenn die Messspitzen
nicht "dicht beieinander" wären. Es würde reichen, die Spannung exakt an
dem Punkt abzunehmen, wo man den Widerstand messen möchte. Je nach
Kontaktierpunkt auf den Anschussbeinchen misst man deren Widerstand mit.
Die Einspeisungsstelle vom Strom ist dagegen egal, weil überall im
Stromkreis derselbe Strom fließt. Es ist somit im Widerstand derselbe
wie in der Quelle und im Strommessgerät. Man müsste dann vier Stellen
haben, wo man kontaktieren kann. Für handgehaltene Messspitzen fehlen
dann die hierzu notwendigen vier Hände. Jedoch je zwei "dicht
beieinander" sind mit zwei Händen handhabbar.
Wenn ich einen SMD Widerstand messen möchte, habe ich nur zwei kleine
Flächen auf denen ich je zwei Spitzen unterbringen muss. Auch hier
müssen je zwei Spitzen "dicht beieinander" sein.
Das gerade Gesagte gilt auf jeden Fall für reelle Widerstände. Mich
treibt die Frage um, ob diese entfernte Kontaktierung von Strom und
Spannung bei einer Kelvin-/Vierpolmessung auch bei komplexen
Widerständen sprich Kondensatoren und Spulen korrekt funktioniert. Hier
wird laut Norm mit Wechselspannung gemessen, wenn man Kapazität und
Induktivität sowie den Verlustwinkel (Verlustfaktor, Qualityfaktor, ESR)
messen möchte. Da geht es dann auch um die Messung von teilweise
winzigen Phasenverschiebungen. Ich bin mir nicht sicher, ob die
entfernte Kontaktierung von Strom und Spannung dabei keine störenden
Phasenverschiebungen produziert. Wenn ja, dann wäre hier "dicht
beieinander" nicht nur aus Handhabungsgründen, sondern auch aus
messtechnischer Sicht zwingend.
"Dicht beieinander" ist laut Aussage eines Herstellers von
Kelvin/Vierpol-L/C Messgeräten auf der Electronica Messe bei
Kondensatoren und Spulen ein Muss. Die Theorie dahinter ist mir aber
nicht klar.