Hallo zusammen!
Ich Designe gerade eine Platine auf der ein Strom in der Größenordnung
30-100A gemessen wird. Gemessen wird der Spannungsabfall über einem
Shunt.
Ich plane eine sehr kurze Leiterbahn als Shunt zu verwenden, vor allem
aus Kostengründen. Der Messpfad besteht dabei hauptsächlich aus Vias,
diese machen ca. 50% des Weges des Stroms aus.
Hat jemand Erfahrungen, wie "gleichmäßig" Vias gefertigt sind?
Unterscheidet sich die Dicke der Kupferschicht (und damit der
Widerstand) von Via zu Via? Platine zu Platine? Charge zu Charge?
Wie Temperaturabhängig ist Kupfer als Shunt-Material?
Hat jemand Erfahrungswerte, welchen Widerstand ein Via mit 0.5mm Bohrung
hat?
Vielen Dank und liebe Grüße;
Hans
Hans schrieb:> Hat jemand Erfahrungen, wie "gleichmäßig" Vias gefertigt sind?> Unterscheidet sich die Dicke der Kupferschicht (und damit der> Widerstand) von Via zu Via? Platine zu Platine? Charge zu Charge?> Wie Temperaturabhängig ist Kupfer als Shunt-Material?
Das ist durchaus Schwankungen unterlegen. Normal gefertigte Platinen
haben eine Lochwandungsstärke von 20-25µm. Mit erhöhten Anforderungen
bis 30µm. Allerdings ist das nicht bei jedem Via so. Es gibt hier
physikalisch bedingt im Abscheidungsprozess Unterschiede. Auch ist die
Wandung nicht so glatt wie ein Rohr. Es gibt auch Schwankungen von
Platine zu Platine, von Fertigungslos zu Fertigungslos, von Fertiger zu
Fertiger. Allerdings sollten die Änderungen im µOhm Bereich liegen. Das
hat also eher keinen Einfluss.
Auf die Strommessung sowieso nicht, da der Strom so oder so komplett
durch den Shunt muss. Egal wie viel Widerstand die Leitung dahin hat,
geht halt die Gesamtspannung hoch. Am Shunt selbst misst man
üblicherweise mittels OPV den Spannungsfall. Dem ist das ebenfalls egal,
da allein die Bauteile, welche du zum OPV benötigst, sowie dieser
selbst, viel höheren Schwankungen unterliegen als die LP das tut. Wenn,
dann ist das ein rein akademisches Problem.
Hans schrieb:> Ich plane eine sehr kurze Leiterbahn als Shunt zu verwenden, vor allem> aus Kostengründen. Der Messpfad besteht dabei hauptsächlich aus Vias,> diese machen ca. 50% des Weges des Stroms aus.
Das würde ich mir nochmal gut überlegen. Das wird vermutlich nichts. Die
Vias sind in dem Fall nicht das Problem, allein die Leiterzüge haben
einen Kupferauftrag, welcher eine Toleranz von +100% hat. Als Shunt ist
eine Leiterbahn genauso wenig zu gebrauchen wie als Sicherung.
Versteh mich nicht falsch, das kann schon funktionieren aber dazu
brauchst du mehr als ein Versuchsmuster. Spare lieber an anderer Stelle
und nutze einen dedizierten Shunt. Notfalls ein Stück definierten
Kupferdraht (viel anderes sind die Shunts auch nicht). Andernfalls musst
du dich darauf Einstellen, dass du jede Platine bei der Inbetriebnahme
abgleichen musst. Der Zeitaufwand dafür ist vermutlich höher als die
gesparten Cent.
Temperaturkoeffizient von Kupfer liegt bei 0,4% pro Kelvin
Temperaturunterschied.
Wenn deine Temperatur am Shunt aufgrund Umgebungsschwankungen oder auch
Eigenerwärmung 20K schwankt, hast du schon 8% Abweichung.
Bei den hohen Strömen benötigst du außerdem Vierpolmessung.
Und eine Lötstelle für einen 1210 Shut hat so um di 80uOhm Widerstand.
Hans schrieb:> Ich plane eine sehr kurze Leiterbahn als Shunt zu verwenden, vor allem> aus Kostengründen. Der Messpfad besteht dabei hauptsächlich aus Vias,> diese machen ca. 50% des Weges des Stroms aus.
Wie kommt man nur auf so einen Mist?
Meiner Meinung nach gehört jemand, der auf solche Pfuschideen kommt, aus
der Entwicklung ausgeschlossen. Von dir können ja selbst die Chinesen
noch lernen.
100A...magst du noch wenigstens verraten, was für Geräte deine Firma
baut? Damit ich da künftig einen großen Bogen darum machen kann?
https://www.mouser.de/ProductDetail/IRC-TT-Electronics/LRMAP3920B-R0003FT/?qs=PRtH0mD6DWaQePst61Gsvg%3D%3D
300µΩ, 1%, 5W, kosten <50Ct pro 50Stck.
Hallo Hans.
Hans schrieb:> Ich plane eine sehr kurze Leiterbahn als Shunt zu verwenden, vor allem> aus Kostengründen. Der Messpfad besteht dabei hauptsächlich aus Vias,> diese machen ca. 50% des Weges des Stroms aus.
Das ist eine doofe Idee. Kupfer hat natürlich Temperaturgang, und wenn
Du den Shunt als Via auch noch mit Platinenmaterial isolierst, läuft Dir
der Wert bei Belastung extra stark weg.
Für Messzwecke sieht man z.B. zu, dass der Shunt an einen dicken
Kühlkörper geschraubt ist, um ihn dichter an der Umgebungstemperatur zu
halten, und das Wegdriften über die Wärmeträgheit des Kühlkörpers zu
verlangsamen.
Vias streuen von ihren Eigenschaften eh ser stark. Du müstest jeden
Shunt einzeln kalibrieren, unabhängig davon, dass er Dir thermisch
wegdriftet.
Du für Deine 30-100A solltest schon in einen einen 1% CuNi44
Metallbandwiderstand von 0,0002 Ohm Wiederstand in 3920 SMD Bauform
verwenden.
Für ungenaue Betriebsmesszwecke kannst Du auf explizite Kelvinanschlüsse
am Widerstand verzichten, und behelfsmäßige Kelvinanschlüsse innen an
den Längstseiten der Pads vorsehen. Aber dann merkst Du schon deutliche
Unterschiede im Verhalten in Abhängigkeit davon, wie gut die Teile
verlötet
sind.
> Hat jemand Erfahrungen, wie "gleichmäßig" Vias gefertigt sind?
Wie gleichmäßig werden "Bohrungen" die Du mit einer Schrotflinte in eine
Sperrholzplatte schießt? Ähnlich gleichmäßig fällt der Widerstand von
Vias aus.
> Unterscheidet sich die Dicke der Kupferschicht (und damit der> Widerstand) von Via zu Via? Platine zu Platine? Charge zu Charge?
In der Kupferschicht sind ein dutzend u drin. 35u Kupferauflage kann an
schlechten Stellen auf 20 u heruntergehen und auf 50 u ansteigen.
Vias sind noch ungenauer.
> Wie Temperaturabhängig ist Kupfer als Shunt-Material?
Nimm CuNi44 (Isotan, Konstantan)
Mit freundlichem Gruß: Bernd Wiebus alias dl1eic
http://www.l02.de
Bernd W. schrieb:> Das ist eine doofe Idee. Kupfer hat natürlich Temperaturgang
Das ist nur EIN Problem. Zudem muss man davon ausgehen, dass man in
einer Serienfertigung JEDES Exemplar mit 100 A kalibrieren muss, weil
bei galvanisch abgeschiedenen Schichten Variationen von +- 50 % völlig
normal sind. Und selbst bei den Kupferauflagen für Innenlagen sind
Toleranzen von weniger als 20 % nur gegen hohen Aufpreis erhältlich,
wenn überhaupt.
Aber wenns einem Spass macht...
Georg