MatthiasB schrieb:
> ich möchte ein Meßobjekt mit unterschiedlichen Anschlußbuchsen (N und
> SMA) messen und zur Kalibrierung 'Adapter Removal' benutzen.
Wie schon von Bernd gesagt, bietet sich UOSM an, wenn der VNA das
hergibt; das benötigt allerdings einen vierkanaligen VNA.
Wenn der nicht zur Verfügung steht, läuft das Problem darauf hinaus, die
S-Matrix des Adapters zu bestimmen. Dann kann er auf die übliche Weise
de-embedded werden.
Dazu gibt es im Prinzip zwei Möglichkeiten, für die ein dreikanaliger
VNA reicht, und die mehr oder weniger verwandt sind. Beide benötigen die
Annahme, dass der Adapter reziprok ist (benötigt UOSM übrigens auch).
Bei der ersten Methode wird zunächst ein Port kalibriert. An den kommt
dann eine Seite des Adapters. Auf die andere Seite kommen drei bekannte
Impedanzen (d.h. deren Reflexionsfaktor muss bei der jeweiligen Frequenz
bekannt sein), und die bei jeder zu messenden Frequenz in der
Reflexionsfaktorebene möglichst weit auseinander liegen; Open Short und
Load aus einem Cal Kit bieten sich an. Für diese drei Impedanzen wird
das jeweilige S_11 gemessen. Aus dem sich ergebenden Gleichungssystem
können dann
des Adapters bestimmt werden. Mit der Reziprozität findet man dann S_12
= S_21. Durch die komplexe Wurzel ergibt sich eine Mehrdeutigkeit der
Phase, die man anderweitig festlegen muss (z.B. durch Betrachtung des
DC-Verhaltens).
Eine Variante von Methode 1 ist, zuerst mit dem Adapter zu kalibrieren,
ihn zu entfernen, und dann die drei bekannten Impedanzen zu messen.
Bei der zweiten Methode wird der Adapter mit der Seite 1 an Port 1
angeschlossen, und es wird auf der Seite 2 des Adapters mittels OSM
kalibriert. Dann wird der Adapter mit Seite 2 an Port 2 angeschlossen,
und auf der Seite 1 mittels OSM kalibriert. Aus den Fehlertermen der
beiden OSM-Kalibrierungen und der Annahme der Reziprozität bekommt man
die S-Matrix des Adapters durch Lösen eines Gleichungssystems. Es gibt
auch wieder eine mehrdeutigkeit bei der Phase. (Diese Methode
funktioniert im Prinzip auch, genau wie die erste Methode, mit nur einem
Port.)
Letzteres ist oft das, was hinter "Adapter Removal" Funktionen in der
VNA-Firmware steckt.
> Verbinde ich einfach den Adapter mit dem
> jeweiligen Stecker wie in Bild 5 gezeigt (quasi ein Flush-Thru oder
> Zero-length Thru) oder füge ich einen Through-Kalibrierstandard ein
> (Bild 6)?
Ja, das kalibriert man mit Flush Thru. Es gibt durchaus Cal Kits, die
einen m-f-Adapter haben (ich habe hier mehrere solche). Der ist aber
nicht charakterisiert, d.h. im Cal-Kit-File stehen dafür kein Delay und
Loss. Das Ding ist also nur als Adapter gedacht, und nicht als
Kalibrierstandard.