Es ist Freitag, aber die wirklichen Klopper gibt es nur im wahren Leben.
Gestern kam eine Mail seitens des Sicherheitsbeauftragten rum, dass um
die Schnittverletzungen zu reduzieren, alle Messer mit Photo, Messertyp,
Beschreibung vom Hersteller, Art der Nutzung und Abteilung in eine
Tabelle (na wenigstens nicht SAP) einzutragen sind.
Außerdem soll für jede Abteilung ein Ansprechpartner für diese Messer
benannt werden.
Müsst ihr euch auch mit so nem Scheiß beschäftigen oder dürft ihr noch
produktiv arbeiten?
>> Müsst ihr euch auch mit so nem Scheiß beschäftigen oder dürft ihr noch> produktiv arbeiten?
Ja ! Zweimal wurde bei uns der gesamte Messerbestand ausgetauscht.
Nun haben wir Sicherheitsmesser mit selbst einziehender Klinge sobald
ein Schnitt gemacht wurde. Die Dinger werden seit dem kaum noch benutzt.
Ich möchte sehen, wie jemand mit diesen "Sicherheitsmessern" versucht,
eine 0,5 mm Leiterbahn am Fine-Pitch IC zu durchtrennen.
Es ist natürlich korrekt, dass im Wareneingang/ausgang das geeignete
Schnittwerkzeug und weitere Schutzmaßnahmen zu verwenden sind. Das kann
man aber über die Vorgesetzen der jeweiligen Abteilungen regeln.
Daraus jedoch einen Aufriss zu machen und nach dem Gießkannen-Prinzip
über 500 Leute mit so einem Mist zu belästigen (leider nicht einzige
Mail ihrer Art) ist nicht produktiv!
Ich freue mich schon auf die nächste Eskalationsstufe, wenn sich mal ne
Sekretärin an nem Blatt Papier schneiden. Wahrscheinlich gibt es dann
eine Tabelle, in der man Format und Gewicht des Papiers nebst
Verwendungszweg und Anzahl der Blätter einzutragen sind. Völlig gaga!
Edward mit den Scherenhänden schrieb:> Daraus jedoch einen Aufriss zu machen und nach dem Gießkannen-Prinzip> über 500 Leute mit so einem Mist zu belästigen (leider nicht einzige> Mail ihrer Art) ist nicht produktiv!
IMHO ist es kein guter Stil und wenig hilfreich sich über den
unprofessionellen Umgang mit dem Mail-system durch Kollegen aufzuregen.
Sag dem Versender (Telefon, Pausengespräch) was du von dem 'Mist' hälst
und gut ist.
Ich habe auch mal in einem großen amerikanischen Konzern mit
entsprechender Sicherheitsmentalität gearbeitet.
An den Handläufen im Treppenhaus waren Aufkleber mit "Wer hier anfasst
hat's begriffen!" angebracht.
Auch bei uns gab's "Messerscheine" und Einweisungen.
Im Lager und Versand gab es nur noch Sicherheitsmesser, mit denen man
Pakete und Tüten öffnen kann (wie Gurtschneider im Prinzip) und auch
ansonsten wurde geschaut, wo Messer wirklich nötig sind. Schien ganz gut
zu funktionieren.
Edward mit den Scherenhänden schrieb:> Ich möchte sehen, wie jemand mit diesen "Sicherheitsmessern" versucht,> eine 0,5 mm Leiterbahn am Fine-Pitch IC zu durchtrennen.
Bei mir in der Entwicklung durften auch nur eingewiesene Techniker mit
Messern arbeiten. Um Vergussmasse aufzuschneiden, Leiderbahnen zu
durchtrennen,... hatten wir auch Sicherheitskalpelle, allerdings ist die
Klinge nicht von allein wieder in den Griff gesprungen, man musste es
schon aktiv einklappen. Damit ließ sich schon recht gut arbeiten.
Also das Konzept des "Messerbeauftragten" ist nicht so unüblich und
zumindest dort, wo ich es kennen gelernt habe, hat man schon darauf
geachtet, dass die Messer für den Zweck geeignet sind.
Da fand ich "Löten mit Schutzbrille" und "Dremel nur mit Schutzbrille
und Gesichtsvisier" etwas fragwürdiger.
Was mir bis heute niemand verbindlich sagen konnte ist ob die
Anti-Messer Schriften der DGUV, BGs etc. verbindlich sind oder nicht.
Das wird zwar immer behauptet, besonders "Cuttermesser sind verboten!"
aber ich kann das aus den ganzen Schriften nicht heraus lesen.
Da steht immer nur drin Messer sind gefährlich weil sie scharf sind und
man sich mit ihnen schneiden und stechen kann ...
Edward mit den Scherenhänden schrieb:> alle Messer mit Photo, Messertyp,> Beschreibung vom Hersteller, Art der Nutzung und Abteilung in eine> Tabelle (na wenigstens nicht SAP) einzutragen sind.
So, da gehst du jetzt in eure Kaffeeküche und macht die Besteckschublade
auf. In der findet sich sicher ein schönes Sammelsurium von
Tafelmessern. Vielleicht ist auch das ein oder andere Kuchenmesser oder
Küchenmesser dabei.
Dann machst du von jedem ein schönes Bild und packst die lyrischen
Beschreibungen der Hersteller von Tafelmessern hinzu. Zum Beispiel
>> Das Menümesser Palma aus dem Hause WMF eignet sich aufgrund des edlen>> und schlichten Designs ideal als Tafelmesser für festliche Anlässe mit>> Familie und Freunden. Das Messer besteht aus rostfreiem Edelstahl und>> ist daher sehr robust in der Verwendung, es kann sogar in der>> Spülmaschine gereinigt werden. Das Menümesser Palma verfügt über ein>> ausgewogenes Gewicht, bei dem der Schwerpunkt im Handbereich liegt.>> Durch die Form der Klinge lassen sich mühelos Lebensmittel>> verschiedener Härtegrade schneiden.
Als Art der Nutzung:
Zerteilen von Lebensmitteln. Abtrennen von Schalen, Rinden etc. von
Speisen. Aufhäufen von Speisen und als Schub- und Haltewerkzeug. Herr
Müller schaufelt sich damit gelegentlich sein Essen in den Mund.
> Außerdem soll für jede Abteilung ein Ansprechpartner für diese Messer> benannt werden.
Frau Mayer, weil sie die besten Kuchen backt.
> Müsst ihr euch auch mit so nem Scheiß beschäftigen oder dürft ihr noch> produktiv arbeiten?
Solange man dafür bezahlt wird, easy money.
Hallo,
bei uns wurden im Betrieb fast alle Cuttermesser durch
„Sicherheitsmesser“ ersetzt. Nur ausgesuchte Personengruppen (WE,
Versand, Elektriker (Elektrikermesser), Labor (Skalpell)) durften
weiterhin ihre gewohnten Werkzeuge nutzen.
Das Problem bei den Sicherheitsmessern ist aber, dass die Klinge
automatisch einklappt sobald kein Zug mehr auf der Klinge ist. Ein Paket
zu Öffnen das mit glasfaserverstärktem Klebeband verpackt ist, ist ein
Ding der Unmöglichkeit.
Da die Mitarbeiter dann mehr damit beschäftigt waren, darauf zu achten,
dass die Klinge nicht ständig einklappt (statt wohin sie schneiden)
haben sich bei uns erstmal die Schnittunfälle erhöht. Gleich in der
ersten Woche nach Einführung als Beispiel - einfach gruselig.
Dafür nutzen jetzt alle irgendwelche Gegenstände um Sachen zu Öffnen
(selbst mitgebrachte Cutter, eigene Schweizer Taschenmesser, Schlüssel,
Schraubendreher, angeschliffene Schraubendrehen…).
Ein typischer Fall von „Thema völlig verfehlt“ aber die SiFa feiert
sich.
Grüße
Sascha
Wir haben auch sehr vieles auf Sicherheitsmesser umgestellt.
Das sind aber welche, die fahren die Klinge aus sobald man den
2-geteilten Griff zusammendrückt.
Lässt man das Messer los, fährt die Klinge wieder ein.
Diese Messer sind sogar beliebter als die alten Schiebemesser, da sie
schnell und einfach zu bedienen sind.
(Bis auf den Einen, der die Pakete immer noch mit seinem Crocodile
Dundee Messer aufmacht)
Harald W. schrieb:> Sind "Messer" nicht all die Menschen, die mit Meßgeräten arbeiten?Edward mit den Scherenhänden schrieb:> alle Messer mit Photo, Messertyp,> Beschreibung vom Hersteller, Art der Nutzung und Abteilung in eine> Tabelle (na wenigstens nicht SAP) einzutragen sind.
Das scheint mir dann aber problematisch hinsichtlich Privatsphäre und
Datenschutz.
Hallo
Tja auf das der AG schön kräftig in die BG Kasse (bzw. ähnlichen
Pflichtversicherungen) einzahle - und zwar nicht wenig und diese mit
"Menschenfreundlichen" Vorschriften mit aller Kraft vermeide dafür da zu
sein wofür eine Versicherung nun mal da ist:
Behandlungskosten, Ausfälle, Gegenstände zu bezahlen die durch Unfälle
welche beim normalen Arbeitsablauf nun mal vorkommen einfach zu
bezahlen.
Und ja - was der AG bei der BG bezahlt ist ein Teil dessen was es nicht
an Lohnerhöhung gibt und was wir alle als Kunden gerade im
Dienstleistungsbereich teuer bezahlen müssen und entsprechend öfter auf
"kreative" Alternativen ausweichen lässt - von der über lang gesehen
keiner was hat (das Geld und die Belastungen nehmen nur einen anderen
Verlauf und kommen "etwas" später- Sozialkassen und letztendlich Steuern
und Beiträge zu diversen Pflichtversicherungen bzw. das mit 67 Jahren
nicht wirklich Schluss mit den aktiven Malochen gemacht werden kann) und
wo jede Wette tatsächlich viele vermeidbare Unfälle auftreten...
Von den rein praktischen Arbeitserschwernissen brauche ich wohl nicht
weiter zu sagen - die dürfte jeder überwachte Praktiker wohl zu genüge
kennen - ähnlich aber auch wie es dann (oft - ehrlich sein...)
gemacht wird wenn die Katze aus den Haus ist...
Arbeiter
Hallo
^.^ schrieb:> Wir haben auch sehr vieles auf Sicherheitsmesser umgestellt.> Das sind aber welche, die fahren die Klinge aus sobald man den> 2-geteilten Griff zusammendrückt.
Sind das dann nicht Artverwandte zum Spingmesser und somit gefählich
illegale
Waffen?!
Wobei es gibt bestimmt irgendeinen Schein der irgendwelchen Auserwählten
die Nutzung erlaubt...
;-)
Achim B. schrieb:> Harald W. schrieb:>> Sind "Messer" nicht all die Menschen, die mit Meßgeräten [sic] arbeiten?>> Nein, das sind "Messende".
Und wo ist der Messanfang?
Bei den ganzen Vorschriften, Arbeitsanweisungen kommt man gar nicht mehr
zum Arbeiten.
Nein Fotos von Messern oder anderen gefährlichen Gegenständen mussten
wir noch nicht machen.
Sollte bei Leuten mit einer technischen handwerklichen Ausbildung auch
nicht nötig sein.
Das Schlimmste ist wohl, ja - das ist vorstellbar!
Womöglich mit halbjährlicher Schulung.
Ich schon wieder schrieb:> Sollte bei Leuten mit einer technischen handwerklichen Ausbildung auch> nicht nötig sein.
Offenbar ist es das aber, denn sonst würde sich niemand solche Regeln
ausdenken.
Achim B. schrieb:> Harald W. schrieb:>> Sind "Messer" nicht all die Menschen, die mit Meßgeräten [sic] arbeiten?>> Nein, das sind "Messende".
Ich dachte "Messies"?
Rainer Z. schrieb:> Achim B. schrieb:>> Harald W. schrieb:>>> Sind "Messer" nicht all die Menschen, die mit Meßgeräten [sic] arbeiten?>>>> Nein, das sind "Messende".>> Ich dachte "Messies"?
Das sind Messiahs!
Mit den Messern habe ich das auch noch nicht erlebt. Ich habe mein
eigenes Messer in der Hosentasche dabei. Unglaublich praktisch. Dadurch,
dass ich mit genau diesem Messer erfahren bin, sinkt das
Verletzungsrisiko und es ist in gutem Zustand.
Verwirrt den ein oder anderen nicht-Ingenieur im ersten Moment zwar,
wenn ich mein Messer raus hole (der Apfel schält sich nicht von
alleine!), aber letztendlich werde ich dann doch gern mal gefragt ob ich
denn mal kurz.... Natürlich gerne!
Dafür blödelten sie anderweitig herum: keine Temperaturtests mit mehr
als 30°C (oder 40?) In der temperaturkammer. Weil da dampft dann was aus
dem Gerät aus. Das hat der Bruder von einem Mitarbeiter gesagt!!!
Wir reden hier von Standard fr4+Komponenten. Nix besonderes. Jeder
Rechner wird wärmer mit deutlich mehr Komponenten.
Daraufhin hetzte man die Betriebsärztin auf mein Labor. Hat nicht
funktioniert. Ich hab mich mit ihr nett unterhalten, Bedenken
ausgeräumt, und weiter gings.
Auch das Löten wurde mir mal streitig gemacht. Alles brennbare müsse vom
Tisch weg. No exceptions. Auch nicht für Schaltpläne o.ä.
Tja, dann halt nicht.
Hab das zuerst ignoriert, mich dann aus dem fachlichen zurück gezogen,
und bin letztendlich gewechselt.
Mittlerweile bin ich wieder fachlich unterwegs. Im eigenem Labor zuhause
gibt's keinen Stress.
Q.B.-Qwertzberater schrieb:> Rainer Z. schrieb:>>> Achim B. schrieb:>>> Harald W. schrieb:>>>> Sind "Messer" nicht all die Menschen, die mit Meßgeräten [sic] arbeiten?>>>>>> Nein, das sind "Messende".>>>> Ich dachte "Messies"?>> Das sind Messiahs!
Eher Messdiener, da im Angestelltenverhältnis.
In meiner Zivildienststellle vor 9000 Jahren hat der neu eingestellte
Sicherheitsingenieur der Einrichtung persönlich alle Messer
kontrolliert. Die, deren Griff auf der Rückseite so flach war, dass man
das Messer mit etwas Geschick so auf seinen Rücken legen konnte, dass
die Klinge nach oben zeigt, wurden aussortiert. Eine
Einzelexemplarerfassung mit differenzierter Gefährdungsanalyse wurde
allerdings nicht durchgeführt.