Mal eine ganz generelle Frage zu einer Situation während einer
Promotion. Ich bin an der Uni angestellt und mein Promotionsprojekt
kommt einfach nicht richtig voran. Auch die Nebenarbeiten am Institut
werden durch gewisse Umstände vermutlich nicht während meiner Zeit
fertig. Daran hängen natürlich Fördergelder, die bewilligt wurden und
Projektziele vereinbart wurden. Kann mir da persönlich eigentlich
Schadensersatz drohen wenn etwas nicht fertig wird oder am Ende nicht
funktioniert? Wie klagefreudig sind Universitäten in der Hinsicht.
Das wird von der Uni und deinem Vertrag abhängen. Bei meiner Freundin in
Physik war dem nicht so..sie hat die zusätzliche Arbeit einfach nicht
bezahlt bekommen.
Um Schadensersatz muss sich eigentlich kein Angestellter Sorgen machen,
wenn er nicht nachweislich sabotiert. Die Schaffbarkeit ist Problem des
Arbeitgebers.
Um die Promotion würde ich mich sorgen. Professoren können echte
Problemfälle sein.
Das "können" ist als "sind meist" zu lesen.
Moin, -
der persoenliche GAU waere die nicht-Promotion. Nicht fuer die
Arbeitszeit (befristeten Arbeitsvertrag) aber der Doktor-Vater/Mutter
kann einem das Leben richtig schwer machen (Lustiges Anekdote: Was ist
schlechter: Diplom/Master/PhD mit vier oder endgueltig nicht
bestanden?). Und wenn die Leistung mich promovierbar ist, ist das nicht
so gut.
Wir hatten in der Uni eine Doktorandin deren politische Ansichten nicht
ganz kompatibel zum Doktorvater waren (es ging um Mittelverteilung
innerhalb der Uni, also Hochschulpolitik). Sie hatte einen anderen
Doktorvater bekommen/gesucht und, am Ende, eine schlechtere Note.
Gruesse
Th.
Thorsten H. schrieb:> Ich bin an der Uni angestellt und mein Promotionsprojekt> kommt einfach nicht richtig voran.
Darüber würde ich mir Sorgen machen. Woran liegt es?
Die Nebentätigkeit am Institut vermittelt dem Prof einen gewissen
Eindruck von dir. Wer einen guten Eindruck macht bekommt bessere Noten.
> Wie klagefreudig sind Universitäten in der Hinsicht.
Staatliche Uni? Wann hast du mal erlebt, dass in einer Behörde jemand
für eine Minderleistung verklagt wurde? Ich würde es nicht drauf
anlegen, aber solange du keine silbernen Löffel klaust halte ich es für
unwahrscheinlich.
Das ist normal kein Problem.
Bei den meisten ergibt sich erst gegen Ende des dritten Jahres ein
(echtes) Thema über das sie schreiben können. Da folgen dann zielstrebig
Messungen, dann wird zusammengeschrieben.
Die meisten sagen kurz vor diesem Zeitpunkt, dass sie keine Ahnung haben
wie sie fertig werden sollen.
Waerest Du jetzt Frau, dann koenntest Du zu Gleichstellungsbeauftragten
gehen. Dein Doktorvater wird Dir zu wenig Zuarbeiten durch die
Nebenarbeiten anderer nicht mehr anlasten koennen. Er musd dann eine
Bericht mit Begruendungen schreiben. Da winkt er lieber durch. Kannst
auch keine Babypause machen, so dass die Gelder auf den laengeren
Zeitraum angrpasst werden.
>Waerest Du jetzt Frau, dann koenntest Du zu Gleichstellungsbeauftragten
gehen.
Mit der Konsequenz, dass dir noch schlechter mitgespielt wird und du
sicher sein kannst, dass das Auswirkung auf die Note hat.
Alles einfacher in der Vorstellung, wenn man selbst nicht betroffen ist
Lothar M. schrieb:> Worauf stützt sich die Annahme, dass bei anderem Verlauf die Note besser> gewesen wäre?
In dem Falle war die Doktorandin sicherliche nicht auf der gleichen
Linie im Hinblick auf die Mittelverteilung wie die
Gleichstellungsbeauftragte.
Lothar M. schrieb:> Worauf stützt sich die Annahme, dass bei anderem Verlauf die Note besser> gewesen wäre?
Erfahrung und Beobachtung in der Arbeitsgruppe.
Schadenersatzforderungen hast Du nicht zu befürchten.
Aber über den erfolgreichen Abschluss der Promotion solltest Du Dir
Gedanken machen. Das wäre ein Thema für Dein nächstes Gespräch mit
Deinem Doktorvater. Natürlich hast Du Terminpläne dabei und Ideen, wie
Du Deine Arbeit ändern kannst.
Harfner schrieb:> Schadenersatzforderungen hast Du nicht zu befürchten.> Aber über den erfolgreichen Abschluss der Promotion solltest Du Dir> Gedanken machen. Das wäre ein Thema für Dein nächstes Gespräch mit> Deinem Doktorvater. Natürlich hast Du Terminpläne dabei und Ideen, wie> Du Deine Arbeit ändern kannst.
Es geht dabei nicht um meine Promotion. Ja die kann gescheitert sein
sondern um Entwicklungsprojekte, mit denen ich betraut wurde (Im Rahmen
meines Dienstvertrages an der Uni)
Solche Situationen sind leider nicht zu selten. Zwingend einmal mit den
Betreuern zusammensitzen, und definieren was zu tun ist, welche
Messungen gemacht werden muessen, usw. Top Prioritaet hat die
Fertigstellung der Promotion. Das ist eigentlich die Hauptaussage des
Titels. Der Kandidat hat aller Widrigkeiten zum Trotz ein komplexes,
umfangreiches Projekt beendet.
Den Rest interessiert in der Nicht-Akademina niemanden mehr.
Und dann knallhart die Nebenarbeiten sein lassen. "Sorry - geht nicht -
keine Zeit." Sollte der zustaendige Betreuer auf zicking schalten, mit
Intrigen, Bremsmanoevern und so ... einen neuen Betreuer anfordern.
Würde mich mal generell interessieren wie sowas in der Arbeitswelt
gehandhabt wird. Mal angenommen man ist bei einer Firma, die Arbeit wird
nicht rechtzeitig fertig und der Vertrag mit dem Kunden kann nicht
eingehalten werden. Es muss nun Strafe gezahlt werden. Kann das auf
Arbeitnehmer übertragen werden? Das kann ja nun leicht den finanziellen
Ruin bedeuten. Wenn z.B. in der Automobilbranche nicht geliefert wird
ist dann Ende für den Arbeitnehmer.
Thorsten H. schrieb:> die Arbeit wird> nicht rechtzeitig fertig
Dann gibt es X Eskalationsgespräche mit deinen "netten" Chefs und
Kunden,
letztlich wächst das Gras aber nicht schneller wenn einer dran zieht.
Wenn es deine Nerven mitmachen wird also letztlich das Projekt
verlängert oder wenn man es eh nicht braucht abgebrochen. Natürlich
wirst Du gezwungen sein dich immer schön arbeitswütig und fleissig zu
zeigen nach oben hin. Wenn du zu nervenschwach dafür bist, bist du
früher oder später freiwillig raus.
Thorsten H. schrieb:> Es geht dabei nicht um meine Promotion. Ja die kann gescheitert sein> sondern um Entwicklungsprojekte, mit denen ich betraut wurde (Im Rahmen> meines Dienstvertrages an der Uni)
"Das Arbeitsrecht gibt dem Arbeitnehmer zunächst nur eine bestimmte
Arbeitsleistung vor, aber keinen bestimmten Arbeitserfolg."
Das ist also nicht Dein Problem.
Thomas W. schrieb:> Lustiges Anekdote: Was ist> schlechter: Diplom/Master/PhD mit vier oder endgueltig nicht> bestanden?
Ist die Frage ernstgemeint? Die Note ist total egal, sieht hinterher
niemand.
Es gibt genügend Doktoren, die "wegpromoviert" wurden, einfach damit sie
weg sind.
Thorsten H. schrieb:> Ich bin an der Uni angestellt und mein Promotionsprojekt> kommt einfach nicht richtig voran.
Das ist ungünstig für dich. Geht es gar nicht voran oder brauchst du nur
länger? Letzteres ist gar nicht mal so selten.
> Auch die Nebenarbeiten am Institut> werden durch gewisse Umstände vermutlich nicht während meiner Zeit> fertig.
Kommt vor.
> Daran hängen natürlich Fördergelder, die bewilligt wurden und> Projektziele vereinbart wurden. Kann mir da persönlich eigentlich> Schadensersatz drohen wenn etwas nicht fertig wird oder am Ende nicht> funktioniert?
Wenn du begründete Angst hast, z.B. aufgrund Äußerungen deines Profs,
dann lasse dich anwaltlich beraten.
Mich würde es aber wundern. Ihr habt einen Arbeitsvertrag. Dort steht
drin wieviel Stunden in der Woche du arbeitest. Es ist aber kein
Projekterfolg versprochen, oder? Besonders im Forschungsbereich ist es
oft so, dass völlig unklar ist, ob das geforderte überhaupt technisch
machbar ist.
> Wie klagefreudig sind Universitäten in der Hinsicht.
Das habe ich noch nie gesehen und auch noch nie davon gehört. Ich würde
eher damit rechnen, dass dein Vertrag nicht verlängert wird, wenn deine
Projekte nicht laufen.
Der einzige Fall, wo wirklich mal Geld zurückgefordert wurde, war bei
einer Person die NACHWEISLICH (=den eigenen Angaben nach) deutlich zu
wenig Stunden gearbeitet hatte. Projekt lief nicht, beim Nachfragen kam
heraus dass die Person etliche Tage weniger (2-stellig innerhalb einiger
Monate) gearbeitet hatte als vereinbart.
Thorsten H. schrieb:> Würde mich mal generell interessieren wie sowas in der Arbeitswelt> gehandhabt wird. Mal angenommen man ist bei einer Firma, die Arbeit wird> nicht rechtzeitig fertig und der Vertrag mit dem Kunden kann nicht> eingehalten werden. Es muss nun Strafe gezahlt werden. Kann das auf> Arbeitnehmer übertragen werden?
Auf wen willst du es den übertragen? Mir fallen da mehrere Optionen ein:
- Den Mitarbeiter, der es machen sollte
- Seinen disziplinarischen Vorgesetzten, der den eingestellt hat aber
nicht passend kontrolliert hat.
- Seinen fachlichen Vorgesetzten, der den Projektverlauf nicht
ausreichend überwacht hat.
- Den Projektleiter, der sein Projekt nicht im Griff hat
- Die Einkaufsabteilung, die Komponenten zu spät bestellt hat
- Das Controlling, das nicht ordentlich geprüft hat
- Den Kunden, der unmögliches forderte und unklar kommunizierte
- Die Bahn, weil du oft zu spät warst aufgrund von Zugausfällen
Ich denke, es wird sehr schwer, dir etwas konkret nachzuweisen. Bei
Vorsatz (du zündest den Prototypen an) mag das etwas anders aussehen wie
bei Fahrlässigkeit (unerwartete Lieferschwierigkeiten von Bauteilen).
> Das kann ja nun leicht den finanziellen> Ruin bedeuten. Wenn z.B. in der Automobilbranche nicht geliefert wird> ist dann Ende für den Arbeitnehmer.
Bei manchen SEHR kritischen Entscheidungen kann es eine persönliche
Risikoübernahme geben. Das wird aber individuell mit Personen
vereinbart, die dann ggf auch mit Privatvermögen haften müssen. Selbst
noch nicht gesehen, aber von früheren Kollegen gehört. Aber das gilt
nicht per-default.
Vor allem aber: Was würde es einer Firma bringen, dich in den Ruin zu
treiben? Rechnen wir das doch mal durch: Schaden sind 10 Mio. Du hast
eine 2 Zimmer Wohnung zu Miete und ein ranziges Auto (Restwert =
Schrottwert = 50 Euro). Aufm Konto liegen 5k€.
Wenn man dich auf die 10 Mio verklagt, woher sollen die kommen? Allein
die 5050 Euro reichen nicht mal für die Anwälte.
Ich denke du machst dir viel zu viele Gedanken.
Thorsten H. schrieb:> Wie klagefreudig sind Universitäten in der Hinsicht.
Staatlich oder privat?
Falls staatlich, dann hast du nichts zu befürchten. Bis das der gemeine
Beate bemerkt ist das schon verjährt.
Es ist eine stattliche Uni. Es geht auch nicht darum, dass ich gar
nichts gemacht habe und einfach nur abkassiert habe, sondern es nicht
wie erwartet fertig wird und nicht alles funktioniert.
Thorsten H. schrieb:> Es ist eine stattliche Uni. Es geht auch nicht darum, dass ich gar> nichts gemacht habe und einfach nur abkassiert habe, sondern es nicht> wie erwartet fertig wird und nicht alles funktioniert.
Das war glaube ich, nicht die Frage. Eine staatliche Uni kann durchaus
auch stattlich sein, z. B. Architektur nach (Gründerzeit etc.), aber
meistens eher weniger stattlich der Ausstattung nach.
Thorsten H. schrieb:> und nicht alles funktioniert.
Das liegt in der Natur der Forschung. Wenn man vorher wüsste wie es geht
und was raus kommt, kann man sich die Forschung sparen, weil man keine
neuen Erkenntnisse gewinnt.
Thorsten H. schrieb:> Würde mich mal generell interessieren wie sowas in der Arbeitswelt> gehandhabt wird. Mal angenommen man ist bei einer Firma, die Arbeit wird> nicht rechtzeitig fertig und der Vertrag mit dem Kunden kann nicht> eingehalten werden. Es muss nun Strafe gezahlt werden. Kann das auf> Arbeitnehmer übertragen werden? Das kann ja nun leicht den finanziellen> Ruin bedeuten. Wenn z.B. in der Automobilbranche nicht geliefert wird> ist dann Ende für den Arbeitnehmer.
Das unternehmerische Risiko trägt grundsätzlich der Arbeitgeber, der
Arbeitnehmer schuldet nur seine Arbeitskraft. Solange der Angestellte
pünktlich am Arbeitsplatz erscheint und nicht vorsätzlich mauert, kann
ihm nicht viel passieren. Es ist nicht einmal so einfach möglich, einem
notorischen Minderleister zu kündigen. Da wird dann meist nach
irgendwelchen - auch kleinsten - Verfehlungen gesucht. Klassiker sind
Fehler in der Reisekostenabrechnung, falsche Arbeitszeitabrechnungen
oder das Brötchen, das vom Gästebüffet stibitzt wurde.
Mike schrieb:> oder das Brötchen, das vom Gästebüffet stibitzt wurde.
Es wurden schon Leutze aus dem Supermarkt geschmissen, weil sie ein
Pfandbeleg von 1,5 "gestohlen" hatten. Juristen können aus JEDER
Situation ALLES machen!
Da gibt dann schon mal Freispruch oder bestenfalls Bewährung für
mehrfache Intensivstaftäter. OK, das hat jetzt nix mit Arbeitsrecht zu
tun.
Thorsten H. schrieb:> sondern es nicht> wie erwartet fertig wird und nicht alles funktioniert.
ist doch prima - dann hast Du potenziellen Nachfolgern die
Zusammenarbeit mit diesem Unternehmen schon mal erschwert. Jetzt musst
Du nur noch einen Sündenbock finden :-)
Hugo H. schrieb:> Thorsten H. schrieb:>> sondern es nicht>> wie erwartet fertig wird und nicht alles funktioniert.>> ist doch prima - dann hast Du potenziellen Nachfolgern die> Zusammenarbeit mit diesem Unternehmen schon mal erschwert. Jetzt musst> Du nur noch einen Sündenbock finden :-)
Du solltest lesen lernen. Der Fragesteller hat nie was von einer Firma
gesagt.