Einphasenmotor an einem 3 Phasen Frequenzumrichter?

(Firma: matzetronics) #6909363
Lesenswert?

Ich hänge den Motor zwischen 2 Phasenausgänge. Wenns ein 
Kondensatormotor ist, kann man dann sehr eingeschränkt steuern. Andere 
Motoren steuert man besser über die Spannung und nicht über die 
Frequenz.
Mein Mitsubishi FU findet das auch ok, ganz ohne Fehlermeldung. Bei dem 
ist auch ein Phasenausgang defekt, arbeitet aber trotzdem.
#6909392
Lesenswert?

Im Prinzip kann das man machen, aber

Der Stellbereich ist relativ klein. Insbesondere wenn man die Drehzahl 
reduzieren möchte ist vom Drehmoment schnell nicht mehr viel vorhanden 
da der Strom der Hilfswicklung vom frequenzabhängigen Widerstand des 
Kondensators abhängt. Ein Lüfter sollte aber, aufgrund der quadratischen 
Kennlinie, einigermaßen steuerbar sein.
Ich habe auch schon meinen Hochdruckreiniger mit ca63Hz und 265V 
betrieben. Da konnte man natürlich Klasse damit arbeiten. Auch bei mir 
tut da immer mal wieder ein alter 11kW Mitsubishi Umrichter seinen 
Dienst dafür. Der hat auch noch nicht so viel Überwachungsfirlefanz.

Alledings muss man sich bei solchen Aktionen im Klaren darüber sein, 
dass man die Motortemperatur beobachten muss und der Betriebskondensator 
einem erhöhten Verschleiß unterliegt.
Auch muss die Motorspannung und -nennfrequenz entsprechend am Umrichter 
eingestellt bzw parametriert werden.

MfG
(Firma: matzetronics) #6909434
Lesenswert?

Harald W. schrieb:
> Vielleicht kommt die eingeschränkte Steuerbarkeit ja von dem falschen
> Phasenwinkel.

Wenn man den Motor zwischen zwei Phasen hängt, dann sieht er normalen 
(übrigens echten, da auf beiden Leitungen) Sinus-Wechselstrom mit der 
Frequenz und Spannung, die am FU eingestellt ist. Ein unmodifizierter 
Kondensatormotor wird dann bei 50Hz/230V so arbeiten wie gewohnt. Ändert 
man die Frequenz, gerät der durch Kondensator und Hilfswicklung 
bestimmte Phasenwinkel aus dem Bereich der 90°. Das geht in einem 
gewissen Bereich. Wie gross der Bereich ist, hängt vom Motor ab.

Aber wir wissen nichts genaues über den Motor des TE und warum er ihn an 
einem FU anschliessen möchte.
(Firma: Funkenflug Industries) #6909558
Lesenswert?

> Arbeitet der dann auch mit der von Kondensatormotoren
> benötigten Phasenverschiebung von 90°?
Nein, der Motor braucht weiterhin seinen Kondensator wenn man keinen 
speziellen Frequenzumrichter verwendet.

Die schlechte Steuerbarkeit bei Einphasenmotoren kommt daher, daß die 
eine Phase im Bereich der Nulldurchgänge nur wenig bzw. gar keine 
Leistung liefert. Der Motor beginnt daher bei geringer Frequenz und 
geringer Drehzahl sehr ruppig zu laufen. Daß dazu noch der Strom durch 
den Kondensator für die Hilfsphase sinkt und sich die Phasenlage 
verschiebt, machts nicht besser. Aber wenn der TE den Motor im Bereich 
von vielleicht 40..70Hz regeln möchte, könnte er Glück haben, daß es 
überraschend gut funktioniert, vielleicht auch schon ab 30Hz.

Das Problem haben z.B. auch ältere Elektrolokomotiven mit ihren 
Einphasen-Reihenschlussmaschinen. Wenn die mit hoher Leistung (bzw. 
hohem Drehmoment) aus dem Stand anfahren, vibriert der Bahnsteig wegen 
den 16,7Hz/33,4Hz Leistungsschwankungen, noch bevor sich der Zug 
nennenswert in Bewegung gesetzt hat.
Gast #6909963
Lesenswert?

Ben B. schrieb:
> Das Problem haben z.B. auch ältere Elektrolokomotiven mit ihren
> Einphasen-Reihenschlussmaschinen. Wenn die mit hoher Leistung (bzw.
> hohem Drehmoment) aus dem Stand anfahren, vibriert der Bahnsteig wegen
> den 16,7Hz/33,4Hz Leistungsschwankungen, noch bevor sich der Zug
> nennenswert in Bewegung gesetzt hat.

Das ist dann ja bei einer Dampflock noch viel schlimmer.
Also irgendwie muss das ja gelöst sein, weil ich bin
mal mit einer gefahren.
Gast #6910469
Lesenswert?

Harald W. schrieb:
> Dampfmotoren haben den grossen Vorteil, das sie auch im Stillstand
> das volle Drehmoment haben.

Weil die Schubstangen 90Grad versetzt auf die Achse wirken.
Genau so ist es beim 2P Motor auch.

Zusätzlich ist da viel bewegte Masse. Gegenüber einem
3P Motor hat der 2P Motor bei gleicher Leistung in der Regel mehr
bewegte Masse die als Schwungmasse dient.

Harald W. schrieb:
> Ein Problem bei Dampfloks ist eher das
> durchrutschen der Räder beim Anfahren.

Das ist entweder Show oder der Lockführer dosiert den Druck nicht 
richtig.
Die höchste Traktion hat die Lock, wenn die Räder gerade noch nicht
durchrutschen. Das ist nicht ganz einfach. Auch weil man bei den
Wagons vom Stillstand ein Losbrechmoment überwinden muss.
(Firma: matzetronics) #6910513
Lesenswert?

Armin X. schrieb:
> dass an deren Spezielle "Kondensator-FUs" die Motoren mit
> Kondensator angeschlossen werden.

Ich habe heute mal bei denen geguckt. Die haben keine speziellen FU für 
Kondensatormotoren, sondern lediglich FU mit 2 Ausgangsphasen (U und V) 
statt 3.
Dabei sagen sie, das man mit denen auch Kondensatormotoren steuern kann, 
was aber sowieso klar war. Über den Steuerbereich hingegen ist weder in 
den Datenblättern noch in der Anleitung zur Inbetriebnahme was zu 
finden, ganz zu scheigen von speziellen FU mit 90° Phase.
(Firma: Funkenflug Industries) #6910537
Lesenswert?

Elektromotoren liefern auch aus dem Stand heraus ihr maximales 
Drehmoment. Bei Reihenschlussmaschinen (der beste einfache 
Bahn-Traktionsmotor) muß man nur aufpassen, daß sie binnen ein paar 
Sekunden auch drehen, sonst überhitzt der Kollektor. Lustigerweise führt 
das dazu, daß eine normale Rad/Schiene-Lok aus dem Stand heraus gar 
nicht ihre volle Leistung nutzen kann. Sonst würden zwar die Schienen 
schmelzen, aber der Zug nicht losfahren. Die volle Leistung wird erst 
bei vielleicht 30..50% Höchstgeschwindigkeit erreicht. Darunter bekommt 
man die Kraft einfach nicht auf die Schiene.

Viele Verbrennungskraftmaschinen können aber nicht aus dem Stand heraus 
Leistung liefern. Kolbenmotoren (mit innerer Verbrennung) können es 
nicht, Einwellen-Gasturbinen können es auch nicht. 
Zweiwellen-Gasturbinen können es wieder, da der Gasgenerator mit voller 
Leistung laufen kann während die Arbeitsturbine stillsteht.
#6911750
Lesenswert?

Matthias S. schrieb:
> Ich habe heute mal bei denen geguckt. Die haben keine speziellen FU für
> Kondensatormotoren, sondern lediglich FU mit 2 Ausgangsphasen (U und V)
> statt 3.

Welchen anderen Zweck könnte es haben einen FU mit nur 2 Ausgangsphasen 
zu verwenden als einen Kondensatormotor zu steuern?
Glühlampen dimmen oder Heizungen veränderbar zu machen wäre irgendwie 
wie mit Kanonen auf Spatzen zu schießen.
Wobei, in der Industrie könnte so was schon hinkommen. Bei uns werden 
einfache Drehtischantiebe mit zwei Stellungen von einem servotauglichen 
FU gesteuert, nur weil über diese auch die zugehörigen Eingänge mit 
erfasst werden können.
(Firma: matzetronics) #6911985
Lesenswert?

Armin X. schrieb:
> Welchen anderen Zweck könnte es haben einen FU mit nur 2 Ausgangsphasen
> zu verwenden als einen Kondensatormotor zu steuern?

Z.B. Lüfter? Ich will damit nur sagen, mit den Peter FU kann man den 
Kondensator zwar am Motor lassen, aber steuern kann man damit genauso 
wenig oder viel wie mit einem 3-Phasen FU, bei dem man den Motor 
zwischen zwei Ausgangsphasen legt, wie oben schon erwähnt. Man kann mit 
2 Ausgangsphasen eben auch keine 90° Verschiebung machen, dazu bedürfte 
es einer dritten Phase, die an die Z-Wicklung geht (und zwar ohne C).
Sie haben also auf der Messe zwar die Wahrheit gesagt, aber eben nicht 
die ganze.

Antwort schreiben

Bitte melde dich an, um einen Beitrag zu schreiben.

oder

Mit Google-Account einloggen

Die Registrierung ist kostenlos und dauert nur eine Minute.

Jetzt registrieren