Hallo!
Ich habe eine Verständnis-/Interessenfrage zu einem Stromverstärker, den
ich aufgebaut habe. Es ist jener, um den es schonmal in diesem
(Beitrag "Zeitverhalten von Stromverstärker optimieren") Thread ging. Ich hänge
das Schaltbild hier auch noch mal an ...
Mich hat die Linearität von dem Verstärker interessiert, deswegen habe
ich einfach mal nacheinander 20 verschiedene Steuerspannungen angelegt
und dann den ausgegebenen Strom (Spannungsabfall am Shunt) gemessen.
Wenn ich die beiden Größen direkt gegeneinader auftrage, bekomme ich
eine schöne Gerade (linker Plot in anängendem Bild). Um etwas genauer
hinzusehen, habe ich einen linearen Fit in die Daten gelegt. Für jede
Steuerspannung kann ich somit den vom Fit vorhergesaten Strom (Annahme
ideal linear) mit dem tatsächlich gemessenen Strom vergleichen. Wenn ich
nun also die Differenz von Fit und tatsächlichen Strömen für jede
Steuerspannung plotte (also sozusagen die Residuals vom Fit), erhalte
ich den rechten Plot (Anhang).
Offensichtlich habe ich also um den Nullpunkt der Steuerspannung den
größten Linearitätsfehler. Rein aus Interesse: kann man dieses Verhalten
irgendwie "qualitativ" erklären? Liegt das am OpAmp selbst oder eher an
der äußeren Beschaltung?
Vielen Dank für alle Ideen dazu!
Ist das jetzt an einem realen Aufbau gemessen? Oder nur irgendwie was
simuliert?
Wenn real, dann hat man schon mal den Offset des OPV, was eine statische
Verschiebung der Linie zur Folge hätte (könnte die 1,1mA bei 0V sein).
Dann kommen Nichtlinearitäten des OPV hinzu, was unterschiedliche
Verstärkungsfehler je nach Aussteuerung verursacht, vor allem, wenn der
OPV intern nicht wirklich vollsymmetrisch aufgebaut ist (was wohl eher
selten der Fall sein dürfte). Das könnte die Krummheit des Fehlers
generell bewirken.
Was aber noch nicht klar ist, ist die Richtung des Fehlers, der für
beide Quadranten in dieselbe Richtung zu gehen scheint. Also egal, ob
nach oben oder unten ausgesteuert wird, der Fehler ist stets zunehmend
negativ.
Auch, wenn ich mir noch kein Szenario vorstellen kann, was das in der
Form verursachen könnte, könnte es evtl. sein, daß die Lastströme bei
Dir über einen Masse-Abschnitt laufen, an denen beide Eingänge und die
Last mehr oder weniger direkt dran hängen, und durch Spannungsabfälle
entsprechende Abweichungen auftreten.
Aber vielleicht ist das wirklich auch nur eine Eigenheit des OPV.
Welchen benutzt Du denn da?
Zumindest bei einem LM324 o.ä. kann ich mir deutliche Nichtlinearitäten
vorstellen, da der schon mal keine ordentliche Endstufe hat.
Dein max. gemessener Fehler ist ca. 0,2% vom Messwert.
Wie genau misst du?
Der Fehler bei 0V könnte ein Offsetfehler des OPs sein.
Welche Temperaturkoeffizient hat dein Rmess? Der ist bei 0V nicht
belastet und wird umso wärmer je mehr Strom durch ihn durch fliesst.
Wenn das jetzt ein Feld Wald und Wiesenwiderstand mit 5% oder auch 1%
Toleranz ist müssen wir über (vieleicht) 0,2% Fehler nicht
weiterdiskutieren.
Ganz vielen Dank für die Antworten schonmal!
Das ist nicht simuliert sondern am "realen Objekt" gemessen. Der OpAmp
ist ein OPA 548, hat also eine integrierte Endstufe. Die Last ist eine
Spule mit ~10 Ohm / ~1 mH. Der Shunt ist 0.47 Ohm groß und ist so einer
(https://www.reichelt.de/widerstand-manganin-470-mohm-to-247-3-w-1--isa-pbh-r470-f1-p237453.html?&nbc=1),
also eigentlich "was Besseres".
Die Genauigkeit meiner Messung kann ich schlecht quantifizieren. Ich
habe mit einem 16 Bit DAC Interface gemessen, der Eingangsverstärker war
einigermaßen auf die Signalamplituden angepasst. Außerdem habe für alle
Werte jeweils über 15 Sekunden gemittelt.
Zum Offsetfehler des Verstärkers: ich hätte jetzt irgendwie intuitiv
erwartet, dass der sich einfach "statisch" zum Ausgangsstrom addiert und
somit eigentlich die Linearität nicht beeinflusst ...
Klausi schrieb:> Das ist nicht simuliert sondern am "realen Objekt" gemessen. Der OpAmp> ist ein OPA 548, hat also eine integrierte Endstufe. Die Last ist eine> Spule mit ~10 Ohm / ~1 mH. Der Shunt ist 0.47 Ohm groß und ist so einer
Dann stimmt aber das linke Diagramm nicht, denn bei 1V über den Shunt
hätten wir 2A, nicht 0,2A.
>
(https://www.reichelt.de/widerstand-manganin-470-mohm-to-247-3-w-1--isa-pbh-r470-f1-p237453.html?&nbc=1),
> also eigentlich "was Besseres".>> Die Genauigkeit meiner Messung kann ich schlecht quantifizieren. Ich> habe mit einem 16 Bit DAC Interface gemessen, der Eingangsverstärker war> einigermaßen auf die Signalamplituden angepasst. Außerdem habe für alle> Werte jeweils über 15 Sekunden gemittelt.>> Zum Offsetfehler des Verstärkers: ich hätte jetzt irgendwie intuitiv> erwartet, dass der sich einfach "statisch" zum Ausgangsstrom addiert und> somit eigentlich die Linearität nicht beeinflusst ...
Ja, deswegen hatte ich ja auch einfach die 1,1mA-Spitze als Offset
betrachtet, und der Rest sind dann eben Nichtlinearitäten.
Wenn man also diesen Offset mal wegdenkt, dann würde die Meßkurve also
nur unterhalb der Ideallinie verlaufen, und berührt nur im Nullpunkt die
Ideallinie. Also leicht unterschiedliche Verstärkung ober-/unterhalb des
Nullpunktes. Kann also alles sein, entweder wirklich der OPV, oder aber
auch Deine Mußapparatur (Nichtlinearitäten in DAC/ADC).
Da hilft eigentlich nur eins: das ganze jetzt mal mit echten Meßgeräten
an Ein- und Ausgang verifizieren - also manuell die Kurve aufnehmen.
Klausi schrieb:> Rein aus Interesse: kann man dieses Verhalten irgendwie "qualitativ"> erklären? Liegt das am OpAmp selbst oder eher an der äußeren> Beschaltung?
wenn sich die Kennlinie näherungsweise als Parabel beschreiben lässt und
die eine gerade anfittest, dann hast du automatisch die maximalen
abweichungen in der Mitte und am Rand. du kannst die Auswertung ja mal
nur für die linke Hälfte deiner Messwerte durchführen und schauen, wo
dann die größte abweichung liegt.
Teil 2 (sorry für die misslungene Formatierung von Teil 1)
Analoges gilt für die Verzerrungen: Nur ausreichend Gegenkopplung kann
diese wegbügeln. Da Spulen im Spiel sind, brauchst die geforderten
Verstärkungen auch bei hohen Spannungen.
Teil 3
Student Manual for the Art of Electronics [Hayes T.C., Horowitz P] [CUP
- Cambridge University Press] [622p] [6-6].pdf (findest du irgendwo im
www), dort
"Class 9: Op Amps II: Depratures from Ideal" sollte auch was her geben.
Evtl ein Fehler im Aufbau?
Shunt Masseleitung wird warm
-> größerer Shuntwiderstand für Deine Schaltung
-> kleinerer Strom (bei großem Strom ;) ) , passt zum Fehlerdiagram :)
Der Sense Eingang des OP lässt sich ja noch einfach als
Vierleitermessung zum Schunt führen (kein Strom drin), bei 'GND' ist es
wichtig zu schaunen, wo der Strom ist, und 'GND' des Eingangs und des
Shunt stromlos zu verbinden.
Ist bei Eingang 'Null' wirklich ein Strom (möglich, da Offsets , siehe
Datenblatt) oder kommt der aus dem 'Best Fit' ?
“ground” is a convenient fantasy ... Zitat aus einer Tektronix Appnote
Oder wird einfach nur dein Shunt warm und ändert seinen Wert?
(Nach Deiner Messbeschreibung würde dieser Fehler jedoch wegfallen,
zweimal Falsch kompensiert sich hier :D )
Klausi schrieb:> Ganz vielen Dank für die Antworten schonmal!> Das ist nicht simuliert sondern am "realen Objekt" gemessen. Der OpAmp> ist ein OPA 548, hat also eine integrierte Endstufe. Die Last ist eine> Spule mit ~10 Ohm /schlecht> ....> Zum Offsetfehler des Verstärkers: ich hätte jetzt irgendwie intuitiv> erwartet, dass der sich einfach "statisch" zum Ausgangsstrom addiert und> somit eigentlich die Linearität nicht beeinflusst ...
Und da die integrierte Endstufe den ich aufheizt,
Und deshalb der Offset deutlich mit der Temperatur geht:
Ist genau das der Fehler in deiner Intuition