Zu diesem Zeitpunkt war er technologisch schon so weit abgehängt, da war
an eigene Entwicklung gar nicht mehr zu denken. Es waren nur noch
verzweifelte Versuche, dem ganzen etwas entgegen zu setzen. Wir erinnern
uns noch mit einem Lächeln an den U61000 ...
Eigene Entwürfe würde ich das noch nicht nennen, sondern eher
Nachnutzung von Wissen mit Unterstützung aus Japan. Trotzdem Hut ab bei
der Mangelwirtschaft.
Nano schrieb:> oder haben die nur alle Prozessor Westprodukte kopiert?
In den 50ern haben sie noch nicht kopiert. Beispielsweise MESM, BESM:
https://en.wikipedia.org/wiki/BESM
Highlight: https://en.wikipedia.org/wiki/Setun. Hat es im Westen jemals
einen ternären Computer gegeben?
Die Intelligenz sollte man nicht unterschätzen, die war da. Und solange
man keine Skaleneffekte über hochintegrierte Fertigungstechnik
einrechnen musste, also in eher geringen Gerätestückzahlen Röhren,
Transistoren und Ringkerne verdrahtete, war auch die Herstellung nicht
so viel anders.
Danke für eure antworten.
Wenn die aber in ihrer eigenen Ostblock Inselwelt lebten, warum haben
die dann nicht mit der Entwicklung eigener Architekturen einfach weiter
gemacht?
Das mit dem ternären Computer war mir bekannt. Der hat sich nur nicht
durchgesetzt und ich schätze mal, dass es dafür einen guten Grund gibt.
Nano schrieb:> Wenn die aber in ihrer eigenen Ostblock Inselwelt lebten, warum haben> die dann nicht mit der Entwicklung eigener Architekturen einfach weiter> gemacht?
Bis in die 60er war man sich voll der "Überlegenheit des Sozialismus"
bewusst, später dürfte das intern bereits gebröckelt haben. Danach tippe
ich auf die Erkenntnis, dass man neben der Weiterentwicklung auch einen
Schwerpunkt auf wirtschaftliche Effizienz legen muss, zumal man ja auch
mehr und mehr Software benötigte. Nachempfinden oder direkt klauen ist
billiger.
Nano schrieb:> Wenn die aber in ihrer eigenen Ostblock Inselwelt lebten
Eben nicht. Es wurde da wohl ziemlich schnell klar, dass es deutlich
sinnvoller ist, die Hardware so zu bauen, dass man vorhandene Software
darauf nutzen konnte. Daher dann als Nachbauten bspw. von PDP-11 – nicht
notwendigerweise Clones übrigens, der K1630 benutzte zwei
Bit-Slice-CPUs, während die originale PDP-11 ja ein TTL-Grab war. Ich
weiß nicht, wie die sowjetischen SM4 aufgebaut waren, die slowakischen
SM52 benutzten meines Wissens 1-Bit-Bitslice-CPUs auf S-TTL-Basis und
waren dadurch recht schnell.
Bei den 8086-PCs gab es bei robotron anfangs noch "selbst gestrickte"
Architekturen, die sich nicht 1:1 am IBM-PC orientierten, sondern
BIOS-kompatibel waren. Aber auch hier: wenn ein großer Teil vorhandener
Software am MS-DOS und BIOS vorbei agierte, dann lief das Zeug natürlich
darauf nicht (ohne Anpassungen), also hat man danach dann doch
1:1-Kompatible gebaut (ES1834).
> Wenn die aber in ihrer eigenen Ostblock Inselwelt lebten, warum haben> die dann nicht mit der Entwicklung eigener Architekturen einfach> weiter gemacht?
Weil sie je länger je mehr darauf angewiesen waren, Hardware aus dem
Westen zu beschaffen. Da ist es dann schon blöd genug, wenn ICs und
Stecker zwar gleich belegt sind und fast gleich aussehen, aber statt
1/10“ ein 2.5mm Raster haben…
Christoph Z. schrieb:> 1/10“ ein 2.5mm Raster
Die Differenzen fallen erst bei 40 Beinen richtig auf. Allerdings waren
einige Leute nach der Wende schwer enttäuscht, wie steinzeitlich in
mancher großen West-Firma noch mit Karteikarten gearbeitet wurde und
kaum ein PC dort zu finden war. Wahrscheinlich hätte Robotron dort noch
viel verkaufen können, wenn nicht die Treuhand vieles sabotiert hätte.
oszi40 schrieb:> wie steinzeitlich in> mancher großen West-Firma noch mit Karteikarten gearbeitet wurde
Wenn ich mir die inflationären Meldungen über lahmgelegte Unternehmen
und Behörden ansehe frage ich mich allerdings, ob wir nicht zu den
Karteikarten zurück sollten, statt die letzten Reste krisenfester
Organisation auch noch zu digitalisieren.
(prx) A. K. schrieb:> ob wir nicht zu den Karteikarten zurück sollten
Bis dieser Beschaffungsauftrag die Zuständigkeiten durchlaufen hat, sind
wir in Rente. Dann stellen sie fest, dass sie die Karten, aber keine
Kästen dafür bestellt haben?
Nano schrieb:> Danke für eure antworten.>> Wenn die aber in ihrer eigenen Ostblock Inselwelt lebten, warum haben> die dann nicht mit der Entwicklung eigener Architekturen einfach weiter> gemacht?>> Das mit dem ternären Computer war mir bekannt. Der hat sich nur nicht> durchgesetzt und ich schätze mal, dass es dafür einen guten Grund gibt.
In einer sich verstärkenden Mangelwirtschaft verringert man nicht den
Mangel indem man Ressourcen in Bereiche bindet, bei denen es einfacher
ist sich legal/illegal auf dem Weltmarkt zu bedienen bzw. ein
langfristiger Erfolg nicht absehbar ist. Ausnahmen waren
prestigeträchtige Bereiche, der Ideologie dienliche oder der Erhalt von
Staat- und Machtstrukturen.
Nano schrieb:> Wenn die aber in ihrer eigenen Ostblock Inselwelt lebten
Glaubst du wirklich dass der Osten vom Westen komplett abgeschnitten
war, das es unmöglich war westliche Technik zu kaufen? Das ist Unsinn.
Man konnte sehr wohl westliche Technik kaufen, lizensieren, nachbauen.
Polnischer Minikomputer von 1970, gebaut in Zusammenarbeit mit den
Britten.
https://en.wikipedia.org/wiki/K-202
Die Rechner Odra 1304 und Odra 1305 waren Lizenznachbauten von ICL,
wobei diese den Originalen bei Stromverbrauch, Größe und Leistung
überlegen waren.
https://pl.wikipedia.org/wiki/Odra_1304
Alle polnische Computer:
https://pl.wikipedia.org/wiki/Kategoria:Polskie_komputery> wenigstens welche dabei, die eine nennenswerte Stückzahl und Bekanntheit
erreichten?
Nein, das lag am System - ein Computer war doch nicht etwas für den
Durchschnittsbürger, ein Computer war eine industrielle Maschine, die
man für einige Betriebe (nicht alle...) gebraucht hat (das entschied der
Genosse, der eh nicht so richtig wusste, was ein Computer ist)- es
wurden also nur Stückzahlen nach Gebrauch produziert.
https://pl.wikipedia.org/wiki/R-32
IBM 360 Nachbau, wobei 4 Mal kleiner, 1973: 6 Stück gebaut, 1974: 8
Stück usw.
Es wurde viel nachgebaut und manches wird man nie erfahren, weil
kyrillische Buchstaben viel versteckt haben (wie ein bulgarischer
Kollege behauptete).
Ende der DDR war der 80286 nachgebaut.
Und in Chip gegossen.
Es war aber nie anders.
Es wurde immer nachempfunden.
Die BRD hat ja auch kein eigenes Computersystem entwickelt.
Sondern konnte, da ohne Embargo, voll die AMI-Entwicklungen nutzen.
Heute findet der Bruch zwischen USA und China statt.
China ist vielleicht ein anderes Kaliber als die damalige DDR.
michael_ schrieb:> Die BRD hat ja auch kein eigenes Computersystem entwickelt.
Doch. Telefunken beispielsweise, 1969 mit dem Grossrechner TR440. Der
landete allerdings praktisch nur an staatlichen Institutionen und Unis.
Davor Zuse in den 50ern/60ern. Daneben gab es natürlich Nixdorf, mit
Schwerpunkt auf kleineren Geräten.
Solange man keinen eigene Entwicklungen hat, sondern immer nur
abkupfert, hängt man logischerweise immer hinterher.
Dazu kommt dann die generelle Mangelwirtschaft wenn man bestimmte
Rohstoffe nicht oder nicht in ausreichender Menge beschaffen kann. Die
Nachbauten solcher Schaltkreise haben die Fertigungstechnologien an ihre
Grenzen gebracht, entsprechend schlecht war die Ausbeute und Qualität.
Die DDR hat's immer erst geschafft, ihr ersten gerade so
funktionsfähigen Nachbauten zu erhalten, wenn die Originale im Westen
bereits in sehr großen Stückzahlen und entsprechend billig zu bekommen
waren und man sich dort bereits mit dem Nachfolger beschäftigte.
Der letzte Sargnagel war dann noch das Militär und der Staat (in Form
der Stasi), dort dürfte fast die komplette Produktion hingegangen sein.
Den KC85 gab es noch an ausgewählten Bildungseinrichtungen, für die
breite Masse war der nicht verfügbar. Wenn man auf Geld keine Rücksicht
nehmen brauchte, dürfte es in den letzten Jahren der DDR einfacher
gewesen sein, einen westlichen C64 zu bekommen als einen ostdeutschen
KC85.
michael_ schrieb:> Hast du eigentlich verstanden, um was es geht?
Hast du eigentlich verstanden, was du gefragt hast?
Und um näher zum Forennamen zu kommen: Der erste weit verbreitete
Mikrocontroller, der Fairchild F8, kam zwar aus den USA, basierte aber
auf einem Design aus Deutschland, von Olympia/AEG.
Ben B. schrieb:> Solange man keinen eigene Entwicklungen hat, sondern immer nur> abkupfert, hängt man logischerweise immer hinterher.
Zum Problem gehörte freilich auch, dass die Fertigungstechnik immer
weiter hinterher hinkte. Das hat natürlich viel mit Geld zu tun, den
erwähnten Skaleneffekten. Der westliche Markt war derart viel grösser
als der Ostblock-Markt, dass im Osten die Ressourcen fehlten.
Wobei das mittlerweile weltweit zutrifft. Die Schwierigkeiten absoluter
Highend-Fertigung führen zu einer Konzentration auf mittlerweile nur
noch 3 Unternehmen: TSMC, Samsung und Intel, wobei Intel in den letzten
Jahren auch etwas abgehängt wirkte.
Solange die Wirtschaft international funktioniert, ist das egal. Wenn
Intel künftig manches bei TSMC in Taiwan fertigt, wie AMD das sowieso
schon tut, juckt das kaum jemanden ausser ein paar Politikern. Erst wenn
eiserne Vorhänge fallen wird das zum Problem. Wie damals im Ostblock.
Und wie nun wieder in Russland, wo deren eigene Designs aufgrund der
Sanktionen keinen Hersteller mehr finden.
Nano schrieb:> oder haben die nur alle Prozessor Westprodukte kopiert?
Da Du allgemein nach "Prozessor-Produkten" fragst und nicht
speziell nach MIKRO - Prozessoren: Nein, es wurde bei
weitem nicht alles kopiert. OPREMA, die BESM-Linie von den
Russen, vmtl. auch der R300 und die kleinen Kisten aus
Zella-Mehlis waren m.W. Eigenentwicklungen.
> Und waren bei den eigenen Entwürfen, sofern es diese gab,> wenigstens welche dabei, die eine nennenswerte Stückzahl> und Bekanntheit erreichten?
Ja, die BESM-6 von den Russen zum Beispiel, die war relativ
verbreitet in der DDR. Die kleinen transistorisierten
Kisten aus Zella-Mehlis sind (lt. Technischen Sammlungen
Dresden) z.B. in Vietnam in nennenswertem Umfang in
dortigen Banken eingesetzt worden.
(prx) A. K. schrieb:> Zum Problem gehörte freilich auch, dass die Fertigungstechnik> immer weiter hinterher hinkte.
Das "immer weiter" bedarf meiner Meinung nach zweier Ergänzungen:
Erstens wurde die eigene Forschung und Entwicklung in der Mikro-
elektronik m.W. in Form der "Arbeitsstelle für Molekuralelektronik
Dresden" begründet. (Ich habe als Schüler selbst vor dem Eingangstor
mit diesem Schild gestanden und mir den Kopf zerbrochen, was
"Molekularelektronik" sein soll...) Der Tarnname war notwendig,
weil die Mikroelektronik -- im Gegensatz zum Schwermaschinenbau
oder der Chemie-Industrie -- der politischen Führung anfangs als
dekadenter westlicher Schnickschnack galt. Das änderte sich erst,
als man bereits einen satten Rückstand angehäuft hatte.
Zweitens erlaube ich mir, mal ganz dezent daran zu erinnern,
dass westliche Politiker seit je her Meister darin waren,
absichtlich erzeugten Mangel beim Feind gewandt als
politische Waffe gegen eben diesen Feind einzusetzen -- die
COCOM-Liste lässt grüßen. Es ist ja nicht so, dass die DDR
nicht hätte im Westen kaufen WOLLEN , und die eine oder
andere West-Mark war dafür ja auch vorhanden. (Und es wurde
Dank Schalck-... ja auch im Westen gekauft.)
> Das hat natürlich viel mit Geld zu tun, den erwähnten> Skaleneffekten.
Auf jeden Fall; das kommt noch dazu.
Der Kapitalismus ist auch in der Zentralisierung und der
Schaffung schädlicher strategischer Abhängigkeiten der
Ostzone WEIT voraus -- auf Malaysia (oder wo war das?)
gibt's ein Erdbeben, und weltweit gehen die Preise für
Festplatten durch die Decke.
> Der westliche Markt war derart viel grösser als der> Ostblock-Markt, dass im Osten die Ressourcen fehlten.
Das mag stimmen, aber... ich weiss nicht. Das klingt mir
doch sehr nach "Frühling, Sommer, Herbst und Winter --
die vier Feinde des Sozialismus."
Ich halte den ökonomischen Unverstand für wirkungsmächtiger.
Wie lehrte schon Genosse Lenin sinngemäß? "Entscheidend für
den Sieg der neuen Gesellschaftsordnung ist in letzter
Instanz die höhere Arbeitsproduktivität."
Und? Hatte er Unrecht?
oszi40 schrieb:> Eigene Entwürfe würde ich das noch nicht nennen, sondern eher> Nachnutzung von Wissen mit Unterstützung aus Japan.
Unterstützung v. Japan jajaja, dazu zwei Anekdoten:
-in Werkzeugmaschinen aus der DDR wurden in Japan die elektronik
entfernt und japanische eingesetzt: Mechanik aus der DDR gur, Elektronik
eben veraltet
-bei robotron in Riesa lief einen THT-Bestückanlage aus Japan, deren
Bestückgeschwindigkeit extra halbiert wurde weil die Mädels sonst nicht
hinterkammen die bestükten Platinen zu entnehmen und
weiterzuverarbeiten.
Abgesehen davon das zwar mit Bleistift und papier gut entwerfen kann
aber für eine Massenproduktion benötigt man erhelich mehr Infrastruktur
(Arbeitsplatz-PC's) hochqulalifizierte Arbeitskräfte, flexible
Lieferanten, Telefonsystem bis zum kleinsten Zulieferer, all das fehlte.
Dazu die Schnappsidee vom Siliziumreinstwerk mit einem
Katastrophenpotential wie Tschernobyl mitten in einer Grossstadt
(Dresden-Gittersee) zu planen statt Zivilisationsfern in der märkischen
Krüppelkieferpampa ...
oszi40 schrieb:> wie steinzeitlich in> mancher großen West-Firma noch mit Karteikarten gearbeitet wurde und> kaum ein PC dort zu finden war. Wahrscheinlich hätte Robotron dort noch> viel verkaufen können, wenn nicht die Treuhand vieles sabotiert hätte.
Scherzkeks, das einzige was robotron vor Treuhandzeiten in den Westen
verkaufen konnte waren lärmende "president" Nadeldrucker. (ob die zum
Ausfüllen der erwähnten Karteikarten benutzt wurden entzieht sich meiner
Kenntniss).
Ansosnten befand sich das Ingenieurswesen der DDR noch im
Taschenrechner/Papierzeitalter, bspw. wurden Diplomabschlussarbeiten
überwiegend handschriftlich oder auf Schreibmaschine erstellt, aber
nicht per Wordstar auf (eigenen) Computer. Ohnehin war es einfacher
einen C64 o.ä. zu beschaffen als einen Rechner aus DDR-Produktion,
Ausnahme noch Eigenbau-fabrikate aufgebaut aus Bastlertypen (IC minderer
Qualität) http://www.robotron-net.de/eigenbau.html .
Da quälte man sich mit 8-bit Computer wie den atari 800 XE, während
bspw. Studenten in der Schweiz auf Atai ST (16/32 bit) Maschinen
studierten und für die Abschlussarbeit sich 'einen IBM' ausliehen ...
Ben B. schrieb:> Der letzte Sargnagel war dann noch das Militär und der Staat (in Form> der Stasi), dort dürfte fast die komplette Produktion hingegangen sein.
Aber keine KC85 … die gingen eher in die Industrie stattdessen, nachdem
diese bemerkt hat, dass man auch damit Dinge automatisieren konnte.
Fpgakuechle meinte:
> Da quälte man sich mit 8-bit Computer wie den atari 800 XE, während> bspw. Studenten in der Schweiz auf Atai ST (16/32 bit) Maschinen> studierten und für die Abschlussarbeit sich 'einen IBM' ausliehen ...
Wieviel Studenten haben eigentlich in Westdeutschland
auf eigenen in Westdeutschland entwickelten und in Großserie
hergestellten 16 Bit- Homecomputer ihre Abschlußarbeit geschrieben?
mfg
A.K. schrieb
>Zum Problem gehörte freilich auch, dass die Fertigungstechnik immer>weiter hinterher hinkte. Das hat natürlich viel mit Geld zu tun, den>erwähnten Skaleneffekten. Der westliche Markt war derart viel grösser>als der Ostblock-Markt, dass im Osten die Ressourcen fehlten.>Wobei das mittlerweile weltweit zutrifft. Die Schwierigkeiten absoluter>Highend-Fertigung führen zu einer Konzentration auf mittlerweile nur>noch 3 Unternehmen: TSMC, Samsung und Intel, wobei Intel in den letzten>Jahren auch etwas abgehängt wirkte.
Wenn ich es recht weiß, versucht die USA gerade die Chipfertigung ins
Land zurück zu holen und unterstützt das mit 100 Milliarden.
Europa hat eine ähnliche Idee und ich meine etwas von 40 Milliarden
Support gehört zu haben.
Meiner Befürchtung nach wird das aber ähnlich erfolgreich wie der vor
Jahren geförderte Plan einer europäischen Suchmaschine oder die Idee
sich von der US-Cloud Industrie mit Gaia-X unabhängig zu machen und dazu
mittlerweile Microsoft mit ins Boot geholt hat.
chris_ schrieb:> Wenn ich es recht weiß, versucht die USA gerade die Chipfertigung ins> Land zurück zu holen und unterstützt das mit 100 Milliarden.
Aus strategischen Gründen, nicht wirtschaftlichen. Solange die globale
Wirtschaft funktioniert, ist das ökonomischer Unsinn. Aber wenn Taiwan
als Fertigungsort ausfällt, dann werden die neuen Handys knapp
(natürlich nicht nur die).
(prx) A. K. schrieb:> Die Schwierigkeiten absoluter Highend-Fertigung führen zu einer> Konzentration auf mittlerweile nur noch 3 Unternehmen
Dass ein einziger Halbleiterhersteller (die ja damals noch alles vom
Entwurf bis zur kompletten Fertigung selbst gemacht haben) das künftig
nicht mehr selbst stemmen kann, war als Erkenntnis schon vor 35 Jahren
während meines Studiums klar. Allerdings war damals natürlich die
Annahme, dass das zu einer Art joint venture führen würde, wie
beispielsweise bei PowerPC.
Dass sich die Fabs mal komplett als eigenständige Unternehmen abtrennen,
die dann wiederum dank des massiven Volumens auch die Investitionen
selbst aufbringen können, hätte damals wohl keiner geahnt.
Fpgakuechle K. schrieb:> Ansosnten befand sich das Ingenieurswesen der DDR noch im> Taschenrechner/Papierzeitalter, bspw. wurden Diplomabschlussarbeiten> überwiegend handschriftlich oder auf Schreibmaschine erstellt, aber> nicht per Wordstar auf (eigenen) Computer.
Ja, vor 1970.
Da hast du natürlich schon deine Abschlußarbeit auf einem C64 mit einem
Tintenstrahldrucker gemacht.
michael_ schrieb:> Die BRD hat ja auch kein eigenes Computersystem entwickelt.> Sondern konnte, da ohne Embargo, voll die AMI-Entwicklungen nutzen.
Der MSP430 ist eine Entwicklung aus Deutschland.
Zwar von Texas Instruments, aber in Deutschland entwickelt.
Und dann gibt es da noch die Computer von Konrad Zuse.
Dass man in Deutschland die Computerindustrie nicht vorangetrieben hat,
liegt hauptsächlich an der Politik, wie bspw. den Grünen, die das sogar
aktiv zu verhindern versuchten.
Nano schrieb:> Dass man in Deutschland die Computerindustrie nicht vorangetrieben hat,> liegt hauptsächlich an der Politik, wie bspw. den Grünen, die das sogar> aktiv zu verhindern versuchten.
Quelle??
chris_ schrieb:> Wenn ich es recht weiß, versucht die USA gerade die Chipfertigung ins> Land zurück zu holen und unterstützt das mit 100 Milliarden.> Europa hat eine ähnliche Idee und ich meine etwas von 40 Milliarden> Support gehört zu haben.> Meiner Befürchtung nach wird das aber ähnlich erfolgreich wie...
Chipfertigung in Deutschland macht bei diesen Energiepreisen keinen
Sinn.
Beim Endkundenpreis einer SSD besteht ein großer Batzen, ca. 30 % aus
den reinen Energiekosten.
Da bei uns die Energie aufgrund einer völlig fehlgeleiteten
Energiepolitik (Stichwort: keine moderne Kernenergie) viel zu viel
kostet, wird man rein wirtschaftlich immer im Nachteil sein und deswegen
haben wir auch die PV Industrie an China verloren.
Um da etwas zu ändern müssten wir also erst einmal die neuen Generation
4 Kernreaktoren erforschen und dann bauen. Diese würden uns super
günstige Energie geben und damit könnte man dann auch eine Chipindustrie
stemmen.
So aber wird das nichts.
(prx) A. K. schrieb:> chris_ schrieb:>> Wenn ich es recht weiß, versucht die USA gerade die Chipfertigung ins>> Land zurück zu holen und unterstützt das mit 100 Milliarden.>> Aus strategischen Gründen, nicht wirtschaftlichen. Solange die globale> Wirtschaft funktioniert, ist das ökonomischer Unsinn. Aber wenn Taiwan> als Fertigungsort ausfällt, dann werden die neuen Handys knapp> (natürlich nicht nur die).
China hat ja bereits angekündigt, dass sie sich spätestens bis 2050
Taiwan einverleiben werden und wenn es politisch nicht geht, dann wird
sich China Taiwan mit Gewalt holen.
Sollte Taiwan also ausfallen, dann haben wir ganz andere Probleme, denn
das wird die ganze Welt betreffen.
Rainer Z. schrieb:> Nano schrieb:>> Dass man in Deutschland die Computerindustrie nicht vorangetrieben hat,>> liegt hauptsächlich an der Politik, wie bspw. den Grünen, die das sogar>> aktiv zu verhindern versuchten.>> Quelle??
Die ARD und das ZDF hat ein Archiv an alten Sendungen. Da kannst du dir
die Grünen dann angucken, wie sie argumentieren, dass die Computer die
Arbeitsplätze wegnehmen würden und elektrischen Strom benötigen, während
eine alte mechanische Schreibmaschine und Karteikartensystem keinen
Strom braucht und so die Umwelt geschützt werden würde.
Nano schrieb:> Chipfertigung in Deutschland macht bei diesen Energiepreisen keinen> Sinn.
Ah ja. Das hat offenbar Bosch keiner gesagt, die gerade erst ihre
300-mm-Fab hier eröffnet haben …
Die dicksten Kosten bei der Chipfertigung sind weder die Arbeitskräfte
noch die Energie (wenngleich die sicher eine Rolle spielt). Wenn du dir
die Preise für die Ausrüstung anschaust, dann dürfte die Abschreibung
dafür den Löwenanteil ausmachen.
Nano schrieb:> Um da etwas zu ändern müssten wir also erst einmal die neuen Generation> 4 Kernreaktoren erforschen und dann bauen. Diese würden uns super> günstige Energie geben und damit könnte man dann auch eine Chipindustrie> stemmen.
Natürlich wäre das so. Aber Fusionsreaktoren werden früher kommen...
Reinhard S. schrieb:> Nano schrieb:>> Um da etwas zu ändern müssten wir also erst einmal die neuen Generation>> 4 Kernreaktoren erforschen und dann bauen. Diese würden uns super>> günstige Energie geben und damit könnte man dann auch eine Chipindustrie>> stemmen.>> Natürlich wäre das so. Aber Fusionsreaktoren werden früher kommen...
Gibt es ja schon seit reichlich 4 Milliarden Jahren. Sonst wäre es hier
ganz schön kühl. ;-)
Hallo,
chris_ schrieb:> Europa hat eine ähnliche Idee und ich meine etwas von 40 Milliarden> Support gehört zu haben.
Laut der neuen c´t plant Intel in der Nähe von Magdeburg eine Chipfabrik
zu bauen. Mit EU-Fördermittelunterstützung soll dem auf einem 2,5 Km^2
großem Gelände mindestens eine Fabrik entstehen, Platz wäre aber für
mehrere Fabriken, Zitat "von denen jede rund 10 Milliarden Euro kostet".
rhf
(prx) A. K. schrieb:> Die Intelligenz sollte man nicht unterschätzen, die war da.
Das auf jeden Fall. Allerdings kann ich mich noch gut daran erinnern,
als die Grenze aufgemacht wurde, wie ein paar Jugendliche sich über eine
einfache Digitaluhr freuten.
So ganz grob kann man sich in etwa vorstellen, dass der
Expertise+Hardware Verbund ähnlich schnell wie die Berliner Mauer
verschwunden ist.
Der Commodore C16 im Abverkauf (
https://de.wikipedia.org/wiki/Commodore_16 ) hatte aber auch seine
Freunde, hüben wie drüben.
Rainer Z. schrieb:> Nano schrieb:>> Dass man in Deutschland die Computerindustrie nicht vorangetrieben hat,>> liegt hauptsächlich an der Politik, wie bspw. den Grünen, die das sogar>> aktiv zu verhindern versuchten.>> Quelle??
Hier hast du noch eine weitere Quelle.
Das Grundsatzprogramm der Grünen von 1987.
https://www.boell.de/sites/default/files/assets/boell.de/images/download_de/publikationen/1987_Wahlprogramm_Bundestagswahl.pdf
Ein Ausschnitt daraus:
" DIE GRüNEN w1terstützen den
Widerstand gegen IuK-Techniken und fordern:
• Ausweitung der Mitbestimmungsrechte über Be
triebe und Branchen hinweg, um der übergreifen
den technischen Vernetzung begegnen zu können.
• Verbot von Personalinformationssystemen und
sonstiger Systeme, die geeignet sind, die Beschäftig
ten zu verdaten.
• Keine Digitalisierung des Fernsprechnetzes.
• Keine Dienste- und Netzintegration im Fern
sprechnetz (ISDN).
• Keine Glasfaserverkabelung (Breitband-ISDN).
• Stopp des Kabel- und Satellitenfernsehens.
• Wirksame parlamentarische Kontrolle der Post.
DIE GRÜNEN sind für Boykottmaßnahmen ge
gen Erzeugnisse der IuK-Industrie wie Bildschirm
text und sind für die Entwicklung alternativer Tech
nologien und nicht-technologischer Alternativen.
"
Seite: 42
Und:
"Mitsprache- und Vetorecht der Belegschaften bei
der Einführung von Dateien und computergestütz-
ten Systemen in den Betrieben."
Seite 13
Wenn der Chef also Computer einführen wollte, um den Betriebsauflauf
ökonomischer zu gestalten und zu rationalisieren, dann sollten die
Belegschaften ein Vetorecht haben, die Einführung der Computer zu
verhindern.
Und das war 1987. Da war der Weg zu den Computern eigentlich schon
absehbar und im Prinzip nicht mehr verhinderbar.
Die älteren Grundsatzprogramme der Grünen dürften noch IT Feindlicher
sein, leider habe ich keine Link dazu gefunden.
Jörg W. schrieb:> Nano schrieb:>> Chipfertigung in Deutschland macht bei diesen Energiepreisen keinen>> Sinn.>> Ah ja. Das hat offenbar Bosch keiner gesagt, die gerade erst ihre> 300-mm-Fab hier eröffnet haben …>> Die dicksten Kosten bei der Chipfertigung sind weder die Arbeitskräfte> noch die Energie (wenngleich die sicher eine Rolle spielt). Wenn du dir> die Preise für die Ausrüstung anschaust, dann dürfte die Abschreibung> dafür den Löwenanteil ausmachen.
Einfach mal abwarten.
So manche Chefentscheider sind nicht immer die klügsten und treffen auch
mal falsche Entscheidungen.
Wir haben nicht nur die PV Fertigung verloren, sondern auch die RAM
Herstellung hat sich auch nicht gelohnt.
https://de.wikipedia.org/wiki/Qimonda
Wenn es eng wird, dann zählen auch die Energiekosten ganz viel, denn die
entscheiden, wie weit man die Preise gegenüber der Konkurrenz drücken
kann.
Unsere Energiepreise im weltweiten vergleich:
https://www.globalpetrolprices.com/electricity_prices/
Hinweis:
Auf der Seite auf den Button "for households" drücken und durch "for
business" ändern.
Währung könnt ihr auch auf Euro anpassen, falls euch das lieber ist.
Deutschland, also Germany, ist ziemlich weit unten, also sehr teuer und
das für kommerzielle Kunden.
Die Arbeitskräfte dürften in dem Sektor überall gleich viel kosten, denn
man braucht überall entsprechend qualifiziertes Personal und von der
Anzahl im Vergleich zur Fertigungskapazität einer FAB fallen die nicht
so sehr ins Gewicht, wie die Energiepreise.
Nano schrieb:> Und das war 1987.
Ohne Worte.
An die Anfänge bei den Grünen erinnere ich mich selber. Heute sind es
hingegen angepasste Politiker, dass mir unheimlich wird. Für die neuen
Werte, die 1987 keine Rolle spielten (Umweltschutz, Gleichberechtigung)
möchte ich sie nicht missen. Wir erinnern uns an die Politiker vor 35
Jahren: (fast) alle alte weiße Männer.
Reinhard S. schrieb:> Nano schrieb:>> Um da etwas zu ändern müssten wir also erst einmal die neuen Generation>> 4 Kernreaktoren erforschen und dann bauen. Diese würden uns super>> günstige Energie geben und damit könnte man dann auch eine Chipindustrie>> stemmen.>> Natürlich wäre das so. Aber Fusionsreaktoren werden früher kommen...
Gen 4 Reaktoren könnten in 10 Jahren fertig entwickelt sein.
Bauzeit 5 Jahre.
Macht zusammen also 15 Jahre.
https://www.youtube.com/watch?v=nG8Q5BXvIZI
Die Fusionsreaktoren werden deutlich länger brauchen.
DEMO wird man da wahrscheinlich erst in Angriff nehmen und das ist noch
ein Prototyp:
https://de.wikipedia.org/wiki/DEMO
Außerdem sind Fusionsreaktoren sehr aufwendig und damit teuer und somit
ist auch die Energie daraus teuer. Kernspaltung ist dagegen sehr
einfach.
Bitte nicht falsch verstehen, ich bin auch für die Kernfusion, aber ich
bin der Meinung, dass wir mit neuen Kernreaktoren schneller klimaneutral
werden und die Energie daraus günstiger sein wird.
Natürlich muss man in beide Richtungen forschen.
Nano schrieb:> Einfach mal abwarten.> So manche Chefentscheider sind nicht immer die klügsten und treffen auch> mal falsche Entscheidungen.
Wie alle Menschen.
> Wir haben nicht nur die PV Fertigung verloren, sondern auch die RAM> Herstellung hat sich auch nicht gelohnt.> https://de.wikipedia.org/wiki/Qimonda
Was spricht hier für dich gegen falsche Entscheidungen im Management?
> Wenn es eng wird, dann zählen auch die Energiekosten ganz viel, denn die> entscheiden, wie weit man die Preise gegenüber der Konkurrenz drücken> kann.
Prinzipiell zählen da alle Kosten... Von Globalfoundries in Dresden hört
man da aber auch nix zu.
> Die Arbeitskräfte dürften in dem Sektor überall gleich viel kosten, denn> man braucht überall entsprechend qualifiziertes Personal und von der> Anzahl im Vergleich zur Fertigungskapazität einer FAB fallen die nicht> so sehr ins Gewicht, wie die Energiepreise.
Hast du Zahlen, die das belegen? Energieverbrauch einer Fab, Angestellte
mit entsprechenden Kosten...
Schön OT übrigens.
Reinhard S. schrieb:>> Wenn es eng wird, dann zählen auch die Energiekosten ganz viel, denn die>> entscheiden, wie weit man die Preise gegenüber der Konkurrenz drücken>> kann.>> Prinzipiell zählen da alle Kosten... Von Globalfoundries in Dresden hört> man da aber auch nix zu.
Die AMD CPUs haben neben denen von Intel ein Alleinstellungsmerkmal und
der Preis wird ja durch die anderen Fabs in den USA nivelliert.
Bei RAM Chips, PV Modulen usw. also Massenware ohne
Alleinstellungsmerkmal sieht das aber anders aus. Da hat man Konkurrenz.
>> Die Arbeitskräfte dürften in dem Sektor überall gleich viel kosten, denn>> man braucht überall entsprechend qualifiziertes Personal und von der>> Anzahl im Vergleich zur Fertigungskapazität einer FAB fallen die nicht>> so sehr ins Gewicht, wie die Energiepreise.>> Hast du Zahlen, die das belegen? Energieverbrauch einer Fab, Angestellte> mit entsprechenden Kosten...>> Schön OT übrigens.
Manche Chiphersteller geben ab und zu mal bekannt, wieviel Energie ihre
Chipherstellung pro cm² Fläche kostet.
Damit kann man rechnen und verschiedene Preise aus verschiedenen Ländern
ansetzen.
Das macht beim Endprodukt dann eine zweistellige Differenz in Euro aus,
wenn man weiterrechnet.
Nano schrieb:> Um da etwas zu ändern müssten wir also erst einmal die neuen Generation> 4 Kernreaktoren erforschen und dann bauen. Diese würden uns super> günstige Energie geben
Klar, so wie alle neu gebauten AKWs der 3, Generation in Europa
inzwischen so in den Kosten explodiert sind, dass der BER wie Peanuts
aussieht.
Von der Entsorgung ganz zu schweigen. Die Mär daß man in moderne
Reaktoren da allen radiakativen Müll reinwirft und der dann einfach
verschwindet kannst du stecken lassen. Das funktioniert schon in der
Theorie nur für bestimmte Stoffe und nicht für die jetzt schon
vorhandenen vielen tausenden Tonnen an mittel und schwachaktiven Müll.
Reaktoren der 4, Generation (Thoriumreaktor und viele weitere Typen und
Subtypen) werden durchaus mit Mittel aus Deutschland erforscht (über den
Umweg Euratom).
Leider liegt auch da das Übel im Detail.
Einen ganz guten Überblick gibt es hier:
https://de.wikipedia.org/wiki/Generation_IV_International_Forum
und
https://en.wikipedia.org/wiki/Thorium-based_nuclear_power
Ist also alles nix für mal schnell super günstige Energie bekommen.
Die günstigste Energie ist und bleibt die die von der Sonne kommt. Wir
müssen nur bessere Methoden finden sie zu nutzen, zu speichern und zu
transportieren.
Und diese Energie hat keinerlei Nebenwirkungen wie radiaktiver Müll,
endliche Ressourcen(Brennstoffe) oder Emittierung schädlicher Stoffe.
Nano schrieb:> Reinhard S. schrieb:>> Nano schrieb:>>> Um da etwas zu ändern müssten wir also erst einmal die neuen Generation>>> 4 Kernreaktoren erforschen und dann bauen. Diese würden uns super>>> günstige Energie geben und damit könnte man dann auch eine Chipindustrie>>> stemmen.>>>> Natürlich wäre das so. Aber Fusionsreaktoren werden früher kommen...>> Gen 4 Reaktoren könnten in 10 Jahren fertig entwickelt sein.> Bauzeit 5 Jahre.> Macht zusammen also 15 Jahre.> https://www.youtube.com/watch?v=nG8Q5BXvIZI
Denkbar einseitige Quelle. Wenns so einfach wäre, wieso machts keiner?
Deutschland ist nicht das einzige Land mit einem Energieverbrauch.
> Die Fusionsreaktoren werden deutlich länger brauchen.
Gen4 wäre das erste Projekt in-time und das war auch der eigentliche
Witz an meinem Beitrag.
Laut Wiki ist die Idee seit mindestens 2013 vorhanden, das Ding könnte
also schon fast ausgeforscht sein. Die Kosten dafür waren ja recht
gering angegeben worden (1 Milliarde).
> Bitte nicht falsch verstehen, ich bin auch für die Kernfusion, aber ich> bin der Meinung, dass wir mit neuen Kernreaktoren schneller klimaneutral> werden und die Energie daraus günstiger sein wird.
Dafür hat man halt längere Probleme mit dem Rest.
Reinhard S. schrieb:> Denkbar einseitige Quelle. Wenns so einfach wäre, wieso machts keiner?
Es fehlte das drängende Motiv. Im Krieg oder so ähnlich überspringt man
unnötige Denk- und Testphasen und baut gleich für Produktion. Eventuelle
Gegner werden eingesammelt und an die ukrainische Front
zwangsverschickt. Dann gehts viel schneller. So rettet man Demokratie
und Rechtsstaat!
(prx) A. K. schrieb:> Reinhard S. schrieb:>> Denkbar einseitige Quelle. Wenns so einfach wäre, wieso machts keiner?>> Es fehlte das drängende Motiv. Im Krieg oder so ähnlich überspringt man> unnötige Denk- und Testphasen und baut gleich für Produktion.
Der Energiebedarf war damals schon steigend, Klimawandel ebenso ein
Thema. Also scheiterte es damals wohl eher am Wollen oder die Geldgeber
haben keinen Sinn darin gesehen.
Udo S. schrieb:> Nano schrieb:>> Um da etwas zu ändern müssten wir also erst einmal die neuen Generation>> 4 Kernreaktoren erforschen und dann bauen. Diese würden uns super>> günstige Energie geben>> Klar, so wie alle neu gebauten AKWs der 3, Generation in Europa> inzwischen so in den Kosten explodiert sind, dass der BER wie Peanuts> aussieht.
Hast du da Quellen bzw. genauere Zahlen?
Udo S. schrieb:> Nano schrieb:>> Um da etwas zu ändern müssten wir also erst einmal die neuen Generation>> 4 Kernreaktoren erforschen und dann bauen. Diese würden uns super>> günstige Energie geben>> Klar, so wie alle neu gebauten AKWs der 3, Generation in Europa> inzwischen so in den Kosten explodiert sind, dass der BER wie Peanuts> aussieht.
und
> Von der Entsorgung ganz zu schweigen.
Informiere dich doch erst einmal worüber du redest.
Du vergleichst Äpfel mit Birnen.
Bezüglich Energieeffizienz ist wie ARM vs. ENIAC.
https://de.wikipedia.org/wiki/Arm-Architekturhttps://de.wikipedia.org/wiki/ENIAC
Oben hast du ein Video über einen neuen Reaktor, damit kannst du
anfangen.
Bist dahin brauchen wir nicht weiter diskutieren, da du auf dem
technischen Stand von vor 40 Jahren bist.
> Die günstigste Energie ist und bleibt die die von der Sonne kommt.
Energiespeicher für den Saisonspeicher sind schweine teuer, guck die
deutschen Energiepreise an, das kommt alles vom Zappelstrom, der eine
Bereitschaftshaltung von Kohlemeilern erfordert, die nicht effizient und
ökonomisch laufen dürfen, weil die EE Voreinspeiserecht bekommen, wenn
sie denn mal liefern.
Wirkungsgrad Power2Gas 25 %.
Das bedeutet, guckt man sich diese Liste nochmal an:
https://de.globalpetrolprices.com/electricity_prices/
Der Power2Gas Betreiber kauft 4 kWh zum Preis von 0,225 Euro/kWh ein und
macht daraus 1 KWh die er dann jederzeit zur Verfügung stellen kann.
Diese kostet somit mindestens 4 * 0,225 €/kWh = 0,90 €/kWh, also 90
Cent/kWh.
Das sagte aber auch schon Hans Werner Sinn in folgendem Vortrag:
https://www.youtube.com/watch?v=jm9h0MJ2swo
Man sollte einem Ökonomen halt auch mal zuhören und die Marktprinzipien
verstehen.
> Wir> müssen nur bessere Methoden finden sie zu nutzen, zu speichern und zu> transportieren.
Aha und diese bezahlbaren Energiepreise mit hohem Wirkungsgrad, die dann
zu günstigen Cent/kWH Preisen führen sind dummerweise noch viel mehr
Märchen und Wunschdenken, als die Kernfusionsreaktoren.
So sieht die Realität aus. Sorry, wenn ich dir die Wahrheit sagen
musste. Aber auch du musst mal aufwachen.
> Und diese Energie hat keinerlei Nebenwirkungen wie radiaktiver Müll,> endliche Ressourcen(Brennstoffe) oder Emittierung schädlicher Stoffe.
Wie lange reichen die nuklearen Brennstoffe?
https://www.youtube.com/watch?v=BmcHoKswqUA
Nano schrieb:>> Wir>> müssen nur bessere Methoden finden sie zu nutzen, zu speichern und zu>> transportieren.>> Aha und diese bezahlbaren Energiepreise mit hohem Wirkungsgrad,
Korrektur:
Sorry, ich wollte Energiespeicher schreiben, nicht Energiepreise.
Jörg W. schrieb:> Leute, es geht hier nicht um die drölfzigste Diskussion über> Kernkraftwerke.>> Das nur an alle die, die irgendwie den Threadtitel verpasst haben.
Ja, sorry.
Jetzt sind wir etwas vom Thema abgekommen.
Eines noch:
(prx) A. K. schrieb:> Von den EPRs ist das noch keiner, deren Kosten sind also noch> ausbaufähig.
Das ist nicht korrekt, seit 4 Jahren schon im kommerziellen Betrieb:
https://de.wikipedia.org/wiki/Kernkraftwerk_Taishan
Er wird lediglich nicht EPR genannt, da das E früher für europäisch
stand. Ist aber technisch gesehen ein EPR und somit baugleich zu den
bereits genannten.
Gerald B. schrieb:> In der damaligen Sowjetunion wurde und wird der Abakus verwendet.
Habe ich 1989 auch noch gesehen, aber nicht mehr sehr häufig, war wohl
da schon mehr Legende als Realität. Als ich so vor 15 … 20 Jahren in
Petersburg und Moskau war, habe ich keinen einzigen davon mehr gesehen.
Nano schrieb:> michael_ schrieb:>> Die BRD hat ja auch kein eigenes Computersystem entwickelt.>> Sondern konnte, da ohne Embargo, voll die AMI-Entwicklungen nutzen.>> Der MSP430 ist eine Entwicklung aus Deutschland.> Zwar von Texas Instruments, aber in Deutschland entwickelt.
Ja, ja, fremde Federn.
Und hier geht es doch um moderne Computer mit CPU in Chipform.
> Und dann gibt es da noch die Computer von Konrad Zuse.
Zuse ist doch wohl gesamtdeutsch.
https://zuse-computer-museum.com/
Was ist mit der Siemens 2002 war wohl Westdeutsch.
Wo sind die geklauten IBM Schaltpläne hingekommen. (Bei jedem
ausgelieferten Rechner war der komplette Schaltplan) Einige
verschwanden. Quelle MAD
Die Nixdorf/Müller Kombination war bis zur Trennung Deutsch. (Badisch)
Lotta . schrieb:> Fpgakuechle meinte:>> Da quälte man sich mit 8-bit Computer wie den atari 800 XE, während>> bspw. Studenten in der Schweiz auf Atai ST (16/32 bit) Maschinen>> studierten und für die Abschlussarbeit sich 'einen IBM' ausliehen ...>> Wieviel Studenten haben eigentlich in Westdeutschland> auf eigenen in Westdeutschland entwickelten und in Großserie> hergestellten 16 Bit- Homecomputer ihre Abschlußarbeit geschrieben?
Ich kenn da schon mal einen, Sohn eines Siemens Ingenieurs aus München.
Der hat sogar zwar Computer gebaut, den zweiten aus Transputern während
seiner Promotion in der Festkörperphysik.
Und natürlich muss dann auch Andreas v. Berchtholsheim erwänht werden,
der wegen seiner Bequemlichkeit ins Rechenzentrum der Uni zu gehen die
SUN-Workstation erfand und baute:
https://de.wikipedia.org/wiki/Andreas_von_Bechtolsheim
Und da wären im weiteren Umfeld noch so tragische Gestalten wie Boris
Floricic die als Studenten erbarmungslos mit Verschlüsselungshardware
herumspielten. Im WDR Computerklub wurden auch öfters
Wahnsinns-Fädelcompter (Apple II) Ecke vorgestellt, SBC Computer auf
mailorderbasis sind keine DDR-Erfindungen.
rbx schrieb:> wie ein paar Jugendliche sich über eine> einfache Digitaluhr freuten.
Ja klar freuten die sich, weil in der Ex-DDR so etwas zwischen 500 und
600Mark kostete. So viel hat manch einer nicht (regulär) verdient.
Im Schnitt hat ein Arbeiter 1000 - 1100 Mark Brutto verdient. Nach Abzug
von Lohnsteuer (ca. 5%) und Sozialversicherung (60M) blieben ca. 950M
Netto - da hatte man dan andere Dinge als ne Digitaluhr im Kopf.
Ein Lehrling - also ein typischer Jugendlicher - hatte im letzten
Lehrjahr max. 200M Lehrlingsentgeld. Auch mit diesem finanziellen Budget
hat wohl ehr nicht an eine Digitaluhr gedacht.
Gerald B. schrieb:> In der damaligen Sowjetunion wurde und wird der Abakus verwendet. Der> läuft auch ohne Strom und ist EMP fest
Oftmals stand da aber eine zur damaligen Zeit moderne Registrierkasse
daneben, in die aber nur die Endsumme eingetippt wurde. Die Damen an der
Kasse waren mit dem Abakus oftmals viel schneller als mit der
Registrierkasse.
Ich habe auch schon gesehen, das erst mit der Registrierkasse alles
berechnet wurde und danach wurde der Kassenzettel noch mal mit dem
Abakus durchgerechnet - dieses Verfahren war aber eher sehr selten.
michael_ schrieb:> Fpgakuechle K. schrieb:>> Ansosnten befand sich das Ingenieurswesen der DDR noch im>> Taschenrechner/Papierzeitalter, bspw. wurden Diplomabschlussarbeiten>> überwiegend handschriftlich oder auf Schreibmaschine erstellt, aber>> nicht per Wordstar auf (eigenen) Computer.>> Ja, vor 1970.
Ganz sicher hat man vor 1970 nicht mit dem Taschenrechner als Ingenieur
gearbeitet, weil dieser erst 1975 erschien. Es sei denn, einer hat seine
in die Hosentaschen versenkten Abzählfinger scherzhaft als
'Taschenrechner' bezeichnet.
> Da hast du natürlich schon deine Abschlußarbeit auf einem C64 mit einem> Tintenstrahldrucker gemacht.
Tintenpisser kamen erst in der Zeit nach dem DDR-Exitus unters Volk und
auf einer 8 bit Kiste deren Adressraum grad mal Platz für einen Paar
Normseiten bot, schrieb keiner freiwillig mhr als ein zwei Briefseiten.
Textprocessing zog erst mit WYSIWYG-Fähigkeiten und mind. 20 Bit
Addressierung ein. Und natürlich sollte das Speichermedium auch flotter
sein als eine 300 baud Datasette. Also war da eim IBM-XT mit
Herculeskarte die Schwelle, ab der man sinnvollerweise die Erstellung
einer 100 Seiten Arbeit erwog.
--
> Und waren bei den eigenen Entwürfen,
Ein Eigenentwurf hätte kein einziges DDR Problem gelöst. Eher im
Gegenteil, bei solch komplexen Unterfagen wie eigenes Computersystem auf
eigenem Silizium brachte ein nachbau en passant den 'proof of concept'
gleich mit.
Keiner wollte Millionen in eine Designidee investieren, die sich mglw.
am Ende nicht mit hoher Ausbeute fertigen lässt. Den Schlamassel in der
deep sub micron Hölle musste dann beispielsweise AMI erleben, bei dem
Übersprechen, Architekturvorteile auffraß. Ohnehin hat man sich beim
Nachbau einen grossen Teil der Grubdlagenforschung erspartt, indem man
sich die Mühen des Layouts schenkte und gleich durch Abschleifen die
einzelnen Fotomasken nachkonstruierte.
Ohnehin war das DDR-Ingennieurswesen mehr auf Technologie/Betreuung
Massenproduktion (Rationalisierungsmittelbau) statt auf Neu-Entwicklung
fokussiert. Und baut man Zilog nach kann ggf Zilog als 2nd source
heranziehen, wenn es mal wieder mit bei den eigenen Planzielen klemmt
;-)
michael_ schrieb:> Die BRD hat ja auch kein eigenes Computersystem entwickelt.> Sondern konnte, da ohne Embargo, voll die AMI-Entwicklungen nutzen.
Auch in "neuerer" Zeit würd ich das nicht so sagen.
Die Siemens und deren Rückstände haben uns z.b. den C164,C166, Tricore
und div. Securityprozessoren beschert, die in ihrem Marktsegment auch
heute noch erheblichen Anteil haben.
Das sind auch echte Eigenentwicklungen, nicht nur Erweiterungen
existierender Designs wie die div. MCS51 Derivate.
Fpgakuechle K. schrieb:> Scherzkeks, das einzige was robotron vor Treuhandzeiten in den Westen> verkaufen konnte waren lärmende "president" Nadeldrucker. (ob die zum> Ausfüllen der erwähnten Karteikarten benutzt wurden entzieht sich meiner> Kenntniss).> Ansosnten befand sich das Ingenieurswesen der DDR noch im> Taschenrechner/Papierzeitalter, bspw. wurden Diplomabschlussarbeiten> überwiegend handschriftlich oder auf Schreibmaschine erstellt, aber> nicht per Wordstar auf (eigenen) Computer. Ohnehin war es einfacher> einen C64 o.ä. zu beschaffen als einen Rechner aus DDR-Produktion,> Ausnahme noch Eigenbau-fabrikate aufgebaut aus Bastlertypen (IC minderer> Qualität) http://www.robotron-net.de/eigenbau.html .>> Da quälte man sich mit 8-bit Computer wie den atari 800 XE, während> bspw. Studenten in der Schweiz auf Atai ST (16/32 bit) Maschinen> studierten und für die Abschlussarbeit sich 'einen IBM' ausliehen ...
Im Numerik Werk in Karl-Marx Stadt waren schon 1984 HP Rechner und
Bestückungsautomaten aus dem "Westen" Ebenso gab es THT Automaten aus
den USA...Ersatzteile wurden mit Kurier aus Berlin dafür herangeschafft.
Wir waren also schon damal sdie längere Werkbank des Westens...;-)
A. M. schrieb:> Wir waren also schon damal sdie längere Werkbank des Westens...;-)
War definitiv so. Schalck-Golodkowski's Job war es, Devisen, Devisen,
Devisen ranzuschaffen, D-Märker oder Dollars.
Und bei Meckermann und Qualle konnte der westdeutsche Konsument die
ostdeutschen Werkbankprodukte im Katalog bestellen.
Fpgakuechle K. schrieb:> Ohnehin war das DDR-Ingennieurswesen mehr auf Technologie/Betreuung> Massenproduktion (Rationalisierungsmittelbau) statt auf Neu-Entwicklung> fokussiert.
Diesbezüglich hast Du wirklich keine Ahnung.
Die Ingenieure waren durchaus sehr kreativ, allerdings wurde das
Potential ihrer Ideen/Entwicklungen von den alten Herren im ZK nicht
erkannt und damit als nicht förderungswürdig eingestuft bzw. viele
Entwicklungen eingestellt. Es soll sogar Fälle gegeben haben, wo man
Ideen/Patente für harte Währung verkauft hat, um dann ein paar Jahre
später festzustellen, das dies ein Fehler war.
Norbert T. schrieb:> D32PRORainer Z. schrieb:> Nano schrieb:>> Und das war 1987.>> Ohne Worte.>> An die Anfänge bei den Grünen erinnere ich mich selber. Heute sind es> hingegen angepasste Politiker, dass mir unheimlich wird. Für die neuen> Werte, die 1987 keine Rolle spielten (Umweltschutz, Gleichberechtigung)> möchte ich sie nicht missen. Wir erinnern uns an die Politiker vor 35> Jahren: (fast) alle alte weiße Männer.
Und jetzt ist die Grünenscheffin mehr Quotenfrau als alle anderen
zusammen.
Mit einer Bildung....
Zeno schrieb:> Die Ingenieure waren durchaus sehr kreativ, allerdings wurde das> Potential ihrer Ideen/Entwicklungen von den alten Herren im ZK nicht> erkannt
Und genau da spielt der Unterschied der Systeme hinein. Das beschriebene
Problem war (und ist) auch im Westen verbreitet. Eine Idee ist da, wird
aber hartnäckig ignoriert. Sei es, weil die Chefs nichts davon halten,
zu verknöchert sind, sei es, weil die Idee das bisherige Geschäft
bedrohen könnte, sei es, weil sie kein Risiko eingehen wollen.
Der Unterschied: Fairchild entstand, indem einige Leute von Shockley
absprangen. Später entstand Intel, indem einige Leute von Fairchild
absprangen. Später entstand Zilog, indem Faggin bei Intel abhaute. Sowas
kann funktionieren, oder (meist) auch nicht. Die Kunst der Flüchtlinge
besteht darin, Geld aufzutreiben, Risikokapital. War sowas im
Sozialismus vorstellbar? Eher nicht, erst recht nicht im
Altherren-Sozialismus.
(prx) A. K. schrieb:> War sowas im Sozialismus vorstellbar?
Auf andere Weise. Konnte gut gehen, siehe Prof. Hartmann. Auch wenn er
später geschasst worden ist, hatte er ganz offensichtlich den „richtigen
Riecher“ um zu erkennen, dass das, was da bei Fairchild & Co. entstand,
die Welt revolutionieren könnte – und er hat es geschafft, zu einer
Zeit, da die Schwerindustrie der politischen Führung des Landes das Ein
und Alles erschien, sein Labor aufbauen zu können. Ich habe in meinem
Leben zwei Leute kennen gelernt, die damals dabei waren. Einer war mein
Professor, der andere ein Funkamateur, mit dem ich später mal einen
Funkkontakt hatte und danach ins Schwatzen gekommen bin am Telefon. Er
hatte sein weiteres Arbeitsleben in der Chip-Schmiede in Erfurt
verbracht.
Meistens gingen solche enthusiastischen Versuche aber halt auch bloß
schief, so wie es bei den von dir genannten eben auch meist nicht
aufging. Die Gründe waren unterschiedlich (Geldmangel bei den einen,
keine gesellschaftliche/politische Akzeptanz bei den anderen), der
Fehlschlag sicher ähnlich schmerzlich für die Beteiligten.
Irgendwo hat sich bei mir der Textima-Prozessor festgehakt. Textima ist
damit hausieren gegangen, um andere Anwender außerhalb des Kombinates
Textima dafür zu begeistern. Bei mir standen sie auch auf der Matte (ca.
1988).
Was daraus geworden ist, habe ich nicht mehr verfolgt und kann auch auf
die Schnelle keine Quellen mehr finden.
Meines Wissens war das eine komplette Eigenentwicklung aus dem
Entwurfszentrum von Textima. Das BS war wohl was Selbstgestricktes.
Lang ist es her - Oppa erzählt vom Krieg.
Fpgakuechle K. schrieb:> michael_ schrieb:>> Fpgakuechle K. schrieb:>>> Ansosnten befand sich das Ingenieurswesen der DDR noch im>>> Taschenrechner/Papierzeitalter, bspw. wurden Diplomabschlussarbeiten>>> überwiegend handschriftlich oder auf Schreibmaschine erstellt, aber>>> nicht per Wordstar auf (eigenen) Computer.>>>> Ja, vor 1970.
### Hast du die Jahreszahl verstanden? ###
> Ganz sicher hat man vor 1970 nicht mit dem Taschenrechner als Ingenieur> gearbeitet, weil dieser erst 1975 erschien. Es sei denn, einer hat seine> in die Hosentaschen versenkten Abzählfinger scherzhaft als> 'Taschenrechner' bezeichnet.>>> Da hast du natürlich schon deine Abschlußarbeit auf einem C64 mit einem>> Tintenstrahldrucker gemacht.>> Tintenpisser kamen erst in der Zeit nach dem DDR-Exitus unters Volk und> auf einer 8 bit Kiste deren Adressraum grad mal Platz für einen Paar> Normseiten bot, schrieb keiner freiwillig mhr als ein zwei Briefseiten.
Du hast den Sinn und die Ironie in meiner Antwort nicht verstanden.
Du hast doch so eine abstruse Feststellung und Verallgemeinerung
gemacht.
Jörg W. schrieb:> Auf andere Weise. Konnte gut gehen, siehe Prof. Hartmann. Auch wenn er> später geschasst worden ist, hatte er ganz offensichtlich den „richtigen> Riecher“ um zu erkennen, dass das, was da bei Fairchild & Co. entstand,> die Welt revolutionieren könnte – und er hat es geschafft, zu einer> Zeit, da die Schwerindustrie der politischen Führung des Landes das Ein> und Alles erschien, sein Labor aufbauen zu können.
Wie schafft man es, in einer Planwirtschaft völlig außerplanmäßig einen
eigenen Industriezweig aufzubauen; bzw, wie mogelt man sein Projekt in
den Plan?
Wenn ich mich nichtt irre, hat zB Zuse seinen Rechner in seiner Freizeit
zu Hause erbastelt, in seiner kargen Freizeit.; und erst spät wurde der
Nutzen für die Wehrwirtschaft erkannt.
Percy N. schrieb:> Wie schafft man es, in einer Planwirtschaft völlig außerplanmäßig einen> eigenen Industriezweig aufzubauen
Bis zum Industriezweig war es noch ein langer Weg; das war ein
Forschungslabor.
So langsam wird der Thread dem hohen Anspruch dieses Boards
angemessen. :-P :-)))
Percy N meinte:
> Wie schafft man es, in einer Planwirtschaft völlig außerplanmäßig einen> eigenen Industriezweig aufzubauen; bzw, wie mogelt man sein Projekt in> den Plan?
Rein Theoretisch...
In dem man sich wie der Kaufhauserpresser "Dagobert" verhält:
Man schafft sich mit meheren Enthusiasten in ner Garage oder auf dem
Dachboden ein Labor.
Dazu wird Material und Geräte beschafft (Erich Honecker: "Wir müssen
mehr
aus den Betrieben herausholen... :-P) und ne Menge selbst gebaut.
Denn Kaufen kann man in der Planwrschaft nix.
Da und dann dient man sich der millitärischen Abwehr mit nem Prototypen
an...
Nur die Armee kann in der Planwirtschft unbürokratisch Neuheiten
durchsetzen. Natürlich müssen diese dem Militär auch gefallen.
mfg
Jörg W. schrieb:> Bis zum Industriezweig war es noch ein langer Weg; das war ein> Forschungslabor.
Auch das muss man den Entscheidungsträgern erst einmal schmackhaft
machen. Von Braun hatte damals zB Unterstützung in Militärkreisen und
SS, Horten war mit Galland befreundet, usw.
Vitamin B scheint also Grundvoraussetzung zu sein.
Ein Szenario:
Wenn Du im Osten weitekommen wolltet, mußtest Du in der SED
sein. Das war die Grundlage für Alles. Und in der Stasi.
Der MAD und die Stasi waren sich spinnefeind. So wie jetzt in der BRD:
Mit Umsturzambitionen.
Ein zweiter Weg wäre, nen guten Freund in Politbüro zu haben,
oder den Schalck zu kennen.
Nur-
Inzwischen sid 30 Jahre vergangen und die Münder der Überlebenden
sind versiegelt. Sogar innerhalb der Familien. :-(
mfg
Ach Lotta, ich glaube, du hast die DDR nicht wirklich selbst erlebt.
Das strotzt vor Klischees.
Prof. Hartmann war nicht in der SED. Ob ihn eine solche Mitgliedschaft
davor gefeit hätte, später geschasst zu werden, darf man auch
bezweifeln. Mein Professor war es übrigens auch nicht, weshalb er auch
nach dem Ende der DDR noch weiter Professor sein durfte.
Natürlich habe ich die DDR nicht selbst erlebt.
Und natürich gab es leute, die unter den 2 Kindern einer Klasse war,
die studieren durften und dazu dann auch das Richtige. :-P
Natürlich gabs moralich erstklassige Leute in der DDR.
Etwa Dein Professor oder meine Großellis. Oder die Autokonstrukteure,
die sogar im Westen aufgefallen sind.
Nur, wer nicht streng hinter der Staatsdoktrin war, wurde halt
geschasst.
Übrigens hat natürlich auch der "große Bruder" bestimmt, oder
mitbestimmt, was erfunden werden durfte.
mfg
Lotta . schrieb:> Und natürich gab es leute, die unter den 2 Kindern einer Klasse war,> die studieren durften und dazu dann auch das Richtige. :-P
Die Reinwaschung hat scheinbar bei dir gewirkt.
Du mußt nicht nachplappern, was andere rausgekotzt haben.
So ab 1965 haben aus meiner Klasse mehr als 50% studiert oder den
Meister gemacht.
Darunter welche aus urchristlichen Bauernfamilien, Fleischer,
Handwerker, die mit der soz. Macht nicht viel am Hut hatten.
Man sollte nur von etwas reden, wo man selbst Ahnung hatte.
Nochwas, vor dem Studium wollte ich nicht in die Partei.
Nach dem Studium durfte ich nicht in die Partei, weil ich dann zur
"Intelligenz" gehört habe.
So war das eben.
Heute ist das nicht anders.
Als bekennender Linker kommst du nicht in den Aufsichtsrat der Deutschen
Bank.
Punkt.
Lotta . schrieb:> Natürlich habe ich die DDR nicht selbst erlebt.>> Und natürich gab es leute, die unter den 2 Kindern einer Klasse war,> die studieren durften und dazu dann auch das Richtige. :-P>> Natürlich gabs moralich erstklassige Leute in der DDR.> Etwa Dein Professor oder meine Großellis. Oder die Autokonstrukteure,> die sogar im Westen aufgefallen sind.> Nur, wer nicht streng hinter der Staatsdoktrin war, wurde halt> geschasst.>> Übrigens hat natürlich auch der "große Bruder" bestimmt, oder> mitbestimmt, was erfunden werden durfte.
Ach Lotta der erste Satz Deines Posts sagt doch alles. Nicht alles was
nach der Wende erzählt wurde ist wahr.
Die Chance in der DDR ein Abitur zu machen war sicherlich im Laufe der
Geschichte unterschiedlich. Bei mir war es 1985 in der POS so: für 28
Schüler in meiner Klasse gab es 2 EOS Plätze (erweiterte Oberschule
11./12. Klasse) und 2 für Beruf mit Abitur. Die 2 EOS Plätze gingen an
die Mädels, da nur an den EOS Lateinunterricht verfügbar war, z.B. als
Vorraussetzung für ein Medizinstudium. Außerdem hatten einige Mädels die
besten schulischen Leistungen. Ich konnte einen der Beruf mit Abi Plätze
ergattern (bester Notenschnitt bei den Jungs), der andere ging an einen,
der Berufsoffizier in der NVA werden wollte. Die mit Berufswunsch
Berufsoffizier hatten generell Vorrang. Hätte es noch jemand gegeben,
wäre ich raus gewesen. Das waren die direkten Zugänge zum Abitur bei uns
in der Klasse.
Fakt1: Während sich Ende der Achtziger in Westeuropa selbst im privaten
Bereich im Übergang in die 32bit Welt befabd (bpsw. Homecomputer Atari
ST MC68000 8MHz 512 kByte) befand sich die DDR noch im Zustand der
Erstcomputerisierung durch punktelle Einführung v. 8 Bit
Computersystemen.
Fakt2: die chips/Computer die man angeblich wegen Embargo hätte
gezwungenermaßen selbst produzieren müßen, wurden sehr wohl im Ostblock
vertrieben (intershop, Genex, A&V, Ladengeschäfte Budapest). Das Embargo
betraff HighEnd Elektronik wie reinrassige 32bit Prozessoren, nicht
Büroequipment.
Fakt3: Für eine Computerisierung der DDR (geschätzt: 1 Computer auf zehn
Einwohner, 4 Jahre Nutzungsdauer bis Ausstausch mit leistugsstärkeren
Modell) wäre eine Jahresproduktion von ca. 500 000/Geräten nötig
gewesen. Allerdings wurden selbst beim Top-seller PC1715 (8 bit CPU, 2
MHz, 64kB) nur unter Mühen 20 000 Stk/Jahr produziert. Davon musste noch
die Hälfte in die UdSSR abgegeben werden.
michael_ schrieb:> Fpgakuechle K. schrieb:>>> Ja, vor 1970.>> ### Hast du die Jahreszahl verstanden? ###>>> Ganz sicher hat man vor 1970 nicht mit dem Taschenrechner als Ingenieur>> gearbeitet, weil dieser erst 1975 erschien.>> Du hast den Sinn und die Ironie in meiner Antwort nicht verstanden.> Du hast doch so eine abstruse Feststellung und Verallgemeinerung> gemacht.
Soso, du packst also "ja und Nein", "Ironie und Sinn" in einen einzigen
Satz?! Toller Bauerntrick, dann kann man sich immer herausreden, man
wäre falsch verstanden worden.
Aber das Problem ist doch eher , das Du Dir nicht genehme Fakten nicht
hören willst. Wahrscheinlich willst Du garnichts anderes hören als deine
eigenen Phrasen - dann bist aber in einem öffentlichen Forum reichlich
falsch.
Fpgakuechle K. schrieb:> Fakt2: die chips/Computer die man angeblich wegen Embargo hätte> gezwungenermaßen selbst produzieren müßen, (...)
Lustigerweise fielen Bauteile, die man auch selber produzieren konnte,
nicht mehr unter das Embargo. Die Technologie war ja verfügbar, und dann
kann man das Geschäft gefahrlos mitnehmen.
D.h. sobald man mit Mühe und Not die ersten Mbit-DRAMs fertig hatte,
durfen Siemens und Toshiba auch ganz offiziell liefern.
michael_ schrieb:> So ab 1965 haben aus meiner Klasse mehr als 50% studiert oder den> Meister gemacht.> Darunter welche aus urchristlichen Bauernfamilien, Fleischer,> Handwerker, die mit der soz. Macht nicht viel am Hut hatten.
Sollte in einem "Arbeiter- und Bauernstaat" als den sich die DDR - bzw.
ihre Bonzen - selber gesehen hat, selbstverständlich sein.
Hallo,
Soul E. schrieb:> Die Technologie war ja verfügbar, und dann kann man das Geschäft> gefahrlos mitnehmen.
Und nicht nur das: in dem Moment, indem man den "Gegner" mit den
deutlich billigeren Bauteilen belieferte, bracht dieser Markt für die
ostdeutschen Halbleiterhersteller zusammen. Kein Umsatz, keine Gewinne,
kein Geld für neue Forschung.
Und das Beste aus Sicht des Westens: die Bauteile mussten mit kostbaren
Devisen bezahlt werden, die aber wiederum eigentlich benötigt worden
wären um in neue Produkte zu investieren.
Perfekt!
rhf
Um mal wieder auf die ursprüngliche Frage:
"Hat der Ostblock vor Ende des kalten Kriegs auch eigene
Prozessorarchitekturen entworfen"
zurück zu kommen ...
Ja, hat er. In der DDR - Dresden wurde z.B. das U830-System entwickelt,
was kein Vorbild hatte. Die damit gebauten Rechner waren jedoch weltweit
nicht absetzbar, weil keine Äquivalente zum ggf. Austausch im
Repararurfall existierten. Darum hat die DDR-Geräteindustrie auch immer
darauf gepocht nur solche HL-BE aus eigener Produktion zu bekommen, die
auch weltweit verfügbar sind.
Und die Russen - die große Sowjetunion hatte dutzende Eigenschöpfungen,
die allerdings i.d.R. nur für den Eigenbedarf gedacht waren -
Industriell-Militärischer Komplex!
Zu der anderen Polemik will ich mich hier nicht mehr auslassen. Es zeugt
davon, daß es immer noch genügend Leute gibt, die damals wie heute den
täglichen Meldungen der allzu eifrigen Medien mehr Glauben schenken, als
sich selbst mal damit eingehender zu beschäftigen.
Beispiel "Hartmann" - da gibt es jetzt (!) ein Buch, wo sich ein
Historiker (?) eingehend mit ihm auseinandersetzt ...
Und weil wir gerade bei Büchern sind:
Da gibt es auch "Die Geschichte der Mikroelektronik-Halbleiterindustrie
der DDR" - sollte vielleicht mal von denjenigen gelesen werden, die
solche unsinnigen Behauptungen aufstellen.
Auch im Forum von Robotrontechnik.de gab es schon viele Diskussionen zu
diesem Thema ...
Grüsse aus Berlin
PSblnkd
Peter S. schrieb:> Um mal wieder auf die ursprüngliche Frage:>> "Hat der Ostblock vor Ende des kalten Kriegs auch eigene> Prozessorarchitekturen entworfen"> zurück zu kommen ...>> In der DDR - Dresden wurde z.B. das U830-System entwickelt,> was kein Vorbild hatte.
Auch wenn man kein Vorbild nennen will, könnte man sich 'die Mühe
machen' den historischen Kontext zu erläutern:
Der U830 war kein VLSI-Prozessor im heutigen Verständnis, sondern stammt
aus der Ära der aus mehrenen Steckkarten aufgebauten CPU's. Der 1980 von
Zentrum Mikroelektronik Dresden (ZMD) gabaute Chip realisierte den
'Schnipsel' einer Recheneinheit; ein Schnipsel der am Stück 8 bit
verarbeitet, die sogenannte Bit-slice Technik, wie sie sich
beispielsweise im Kühlschrankgrössen Minirechner PDP-11 fand:
https://de.wikipedia.org/wiki/Bit-Slicehttps://de.wikipedia.org/wiki/PDP-11
Als Standardtyp für diese Bitslicetechnik wird oft die 4bit Bit-slice
Familie AM2900 von AMD genannt die 1975 eingeführt wurde und die auch
von der Sowjetunion fabriziert wurde:
https://ru.wikipedia.org/wiki/%D0%9C%D0%B8%D0%BA%D1%80%D0%BE%D0%BF%D1%80%D0%BE%D1%86%D0%B5%D1%81%D1%81%D0%BE%D1%80%D0%BD%D0%B0%D1%8F_%D1%81%D0%B5%D0%BA%D1%86%D0%B8%D1%8F#%D0%A1%D0%B5%D1%80%D0%B8%D1%8F_1804
Der augenscheinliche Unterschied zwischen den AMD und ZMD Chip ist die
Bitbreite vier versus acht, wobei diese Chipfamilien ohnehin auf
Kaskadierbarkeit ausgelegt sind.
BTW: Alle Hersteller dieser 'Mini-Computer'-Technik sind um die 90er
schwer von den Desktop-PCs gebeutelt wurden, die meisten haben das
Festhalten an dieser obsoleten Technologie nicht überlebt (Nixdorf
Computer AG, robotron, DEC, Wang Laboratories,...)
> Und die Russen - die große Sowjetunion hatte dutzende Eigenschöpfungen,> die allerdings i.d.R. nur für den Eigenbedarf gedacht waren -> Industriell-Militärischer Komplex!
Ja, da war mal von einer eigenen Schaltkreis-Familie auf 12(?) statt 5V
Basis die Rede, was allerdings wenig über die Leistungsfähigkeit dieser
Elektronik sagt. Russische Militärtechnik klingt gewaltig, ist aber beim
näheren Hinschauen nichts besonderes. Beispielsweis kann man sich in
wollenberg bei Berlin 'Berge' von verbrannten Senderöhren/Klystrons
zeigen lassen die wegen Kühlprobleme frühzeitig verstarben. Oder
computerisierte (U880) Klimatechnik im Bunker
http://www.bunker-wollenberg.eu/index.php/tushurka
Jörg W. schrieb:> Aber keine KC85 … die gingen eher in die Industrie stattdessen, nachdem> diese bemerkt hat, dass man auch damit Dinge automatisieren konnte.
Ich fragte mal auf der Leipziger Messe:
F: Hießen die Dinger nicht mal "HC85"?
Warum jetzt "KC85"?
A: Heimcomputer dürfen wir nicht an die Betriebe
verkaufen. Kleincomputer schon. ...
HC85 --> KC85 = Heimcomputer --> Kleincomputer. ;-)
(Ich hab nie einen bekommmen, hab mir dann einen AC1 gebaut,
Endstadium war ein CP/M-Clone)
Jörg W. schrieb:> Ja, auch bei mir ein CP/M-Clone, stark aufgebohrter AC1.
Mit 63(64) Zeichen pro Zeile .....
Orginal CP/M wären ja 40 oder gar 80 Zeichen pro Zeile gewesen.
Deswegen schrieb ich ja, CP/M-Clone
Aber es war eine geile Zeit
Asko B. schrieb:> Jörg W. schrieb:>> Ja, auch bei mir ein CP/M-Clone, stark aufgebohrter AC1.>> Mit 63(64) Zeichen pro Zeile
Ja, leider, für eine Bildschirmsteuerung mit 80 Zeichen/Zeile war ich zu
faul :), habe dafür 32 Zeilen gehabt (statt nur 16).
Ich habe einen KC85 vom Schrott gerettet als die im dann schon FEZ
Wuhlheide ausgemustert wurden - allerdings erst nachdem ich meinen C64
hatte, entsprechend selten hat der mal Strom gesehen. Der C64 war die
deutlich bessere Kiste und ich hatte für den KC85 auch nie irgendwelche
Peripherie wie ein Diskettenlaufwerk oder so. Dadurch waren alle
größeren Projekte ziemlich schnell raus, weil man die doch irgendwo
speichern können möchte.
Ich kann mich noch erinnern, ab KC85/4 gabs im gleichen
Gehäuse ein 5 1/4" Laufwerk.
Ansonsten hatten die KC85-xyz zwei Einschubschächte.
Wo man Rom-Disketten reinschieben konnte etc.
Nach diesem Vorbild hatte ich auch meinen 3ten AC1 gebaut.
Der KC87 hatte ja zwei vertikale Schächte.
Korrekt, es gab solche Diskettenlaufwerke für den KC85. Allerdings gab
es deutlich mehr KC85 als Diskettenlaufwerke. Daran wurde immer gespart,
üblich war die Verwendung bestimmter kompakter Kassettenrekorder. Ich
habe für meinen leider kein Diskettenlaufwerk abgefasst, weiß aber nicht
mehr genau wieso. Entweder war keines da oder es war zur damaligen Zeit
für einen 10jährigen Halbstarken mit 5km Fahrrad-Weg gar nicht so
leicht, beides zusammen zu transportieren. Wobei ich mir eigentlich
ziemlich sicher bin, daß keines da war. Wenn ich damals irgendwas
wirklich haben wollte, habe ich das eigentlich immer auch irgendwie weg
gekriegt.
Ben B. schrieb:> Korrekt, es gab solche Diskettenlaufwerke für den KC85. Allerdings gab> es deutlich mehr KC85 als Diskettenlaufwerke. Daran wurde immer gespart,
DDR-Floppy-Geräte waren mit 5000 Mark in der selben Preislage wie der KC
selbst, ein Geracord Kassettenrecorder gab es dagegen für ca. ein
Fünftel.
https://www.robotrontechnik.de/html/komponenten/fs.htm
Ausserdem lassen sich Kassetten einfacher Kopieren als Floppies,
Stichwort 'Diodenkabel' auch 'Überspielkabel'
Sinnvoll wäre auch die stärkerer Verbreitung von externen Floppies als
Beistellgeräten gewesen, in der DDR hatt man sich aber eindeutig für
interne Variante entschieden.
Zum Vergleich für den C64: https://de.wikipedia.org/wiki/VC1541
Einfach Transportabel, eigener Prozessor (der auch als Co-prozessor für
den C64 genutztz werden konnte, Preis allerdings auch etwa gleich dem
C64 selbst (700 DM?)
Beim C64 war das Diskettenlaufwerk etwa gleich teuer wie der Computer,
das stimmt. Aber so ein richtiger Coprozessor für den C64 war das eher
nicht, also nicht so wie man das von einem echten Coprozessor erwartet.
Man könnte zwar komplexere mathematische Aufgaben an das Laufwerk
delegieren, aber man muß diese über das Interface senden, das Ergebnis
zurückholen und dabei noch einen Geschwindigkeitsvorteil erzielen. Die
Taktfrequenz der beiden Prozessoren war auch nicht besonders hoch (~1Mhz
beim C64). Außerdem ist das Interface mit dem ROM-Programm extrem
langsam, da der Bus-Controller einen Fehler in der automatischen
seriellen Übertragung enthält und sich die Prozessoren die Bits einzeln
zuschieben um diesen Fehler zu umgehen. Also da wäre viel Rumtrickserei
in der Programmierung erforderlich, um die Rechenaufgaben sinnvoll zu
verteilen und dem lahmen Interface Dampf zu machen.
Ben B. schrieb:> Beim C64 war das Diskettenlaufwerk etwa gleich teuer wie der Computer,> das stimmt. Aber so ein richtiger Coprozessor für den C64 war das eher> nicht, also nicht so wie man das von einem echten Coprozessor erwartet.
Das nicht, das war eben ein 'unerwarteter Nebeneffekt' der Architektur.
Manche reizen diesen 'Nebeneffekt' bis zur 'Multimedia-demo' ;-) aus:
https://youtu.be/zprSxCMlECA?t=144https://www.golem.de/news/c64-die-demo-ist-geladen-den-computer-brauchen-wir-nicht-mehr-2107-158021.html
Davon hätte man aber lernen können, indem man bspw. externe Laufwerke
mit (Eigenbau-) Z80 vertreibt, deren CPU in Floppypausen dem Computer
beim Rechnen hilft. Damit hätte man im Geräteexport gut punkten können
und es hätte wohl nur Kleinigkeiten an Interfaceanpassungen benötigt.
Ben B. schrieb:> Man könnte zwar komplexere mathematische Aufgaben an das Laufwerk> delegieren, aber man muß diese über das Interface senden, das Ergebnis> zurückholen und dabei noch einen Geschwindigkeitsvorteil erzielen. Die> Taktfrequenz der beiden Prozessoren war auch nicht besonders hoch (~1Mhz> beim C64).
Es gab einige Spiele und wohl auch ein Schachprogramm, die Berechnungen
in die Floppy ausgelagert haben. Zu der Zeit funktionierten die meisten
Mathe-Beschleuniger nach diesem Prinzip. Die Aufgabe wurde an ein
Steckmodul (mit 68000, 8088 oder 32032) gesendet und einige Zeit später
das Ergebnis abgeholt. Eine Luxus-Version für den Apple II sah z.B. so
aus:
https://i.pinimg.com/originals/25/b1/32/25b132a4422a038a9e13049d8a97c955.png
1 MHz für den 6502 (ein Bustakt pro CPU-Takt) und 4 MHz für den Z80 (ein
Bustakt pro 4 CPU-Takte) waren jahrelang der Standard. Schneller ging
schon, war aber überproportional teuer und aufwendig.
Ganz so einfach ist das nicht, das Problem hat man ja bei heutigen
Programmen noch, die von 16 HT-Kernen so mancher CPU nur einen einzelnen
Kern/Thread benutzen können. Oder die FPU beim 386... bei den meisten
Kisten war kein Coprozessor eingebaut (es gab später auch beim 486 noch
Varianten ohne FPU) und deswegen hat so gut wie kein Programm die FPU
benutzt. Wenn man ein Programm haben will, was die FPU nutzt und
gleichzeitig auf allen Kisten läuft, braucht man zwei Module - eines mit
FPU und eines ohne. Nur die FPU oder andere Rechenwerke einbauen bringt
nichts, die Software muss das auch benutzen.
Ansonsten ist es nur ein netter Geck, mit der VC1541 zu spielen, indem
man ihren Prozessor programmiert, mit den Schrittmotoren Musik zu machen
oder was auch immer... Oder was z.B. auch ganz ohne diese Tricks geht,
ist eine Diskette formatieren. Nach dem Abschicken des Befehls macht das
Laufwerk den Rest alleine, auch wenn man das Interface-Kabel abzieht.
Daß das mit dem Interface auch schneller geht, haben ja diverse
Fastloader bewiesen. Aber sowas geht halt auf Kosten der Kompatibilität,
die Commodore damals zwischen allen Geräten angestrebt hat. Die VC1541
ist ja ursprünglich für den VIC20/VC20 gebaut worden, der hatte nur 4kB
nutzbares RAM. Das langsame Interface wurde erst mit den 64kB des C64
zum Problem.