Was ist das?

Gast #7019298
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Hallo liebe Community.

Kann mir zufällig einer von euch Experten erzählen, um was für ein 
historisches Bauteil es sich auf dem Bild handelt? Wozu wurde es 
gebraucht? Wie alt könnte es sein? Es stammt aus einer ehemaligen 
Schreinerei und soll nur noch zur Ausstellung dienen. Das Gehäuse 
besitzt noch einen Deckel, was auf dem Foto nicht zu erkennen ist.
Vielen Dank schonmal für jeden Hinweis.

MfG Olli.
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Gast #7019334
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Olli schrieb:

> Kann mir zufällig einer von euch Experten erzählen, um was für ein
> historisches Bauteil es sich auf dem Bild handelt?

Also du meinst wohl den Zweck der BauGRUPPE oder des Geräts. Bauteile 
sind nämlich mehrere zu sehen...

Die beiden in der Mitte sind leicht zu identifizieren, das sind 
einstellbare Widerstände. Offensichtlich in Potentiometer-Schaltung und 
zur Erhöhung der möglichen Verlustleistung parallel geschaltet.

Das dicke lange Teil rechts dürfte ein Zugmagnet sein.

Rest: keine Ahnung. Das ist Mechanik. Müßte man sich aus der Nähe und 
verschiedenen Winkeln ansehen, dann könnte man vielleicht dahinter 
kommen, was das mal gemacht hat oder machen sollte.
#7019353
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Der Fundort "Schreinerei" könnte auf einen Sanftanlauf (für einen 
Gleichstromnebenschlußmotor?) hinweisen.

Aufbau wie eine Waage:

Das "Nagelbett" oben rechts scheint in einer Flüssigkeit gestanden zu 
haben (waagerechte Linie = Kalkspur?)

Nägel (= Elektroden) tauchen mehr oder weniger ein = veränderlicher 
Widerstand

Der große Zylinder scheint keine Anschlüsse zu haben = pneumatischer 
Dämpfer?

Der kleine Zylinder könnte mit dem Motor in Reihe geschaltet das 
bewegende Magnetfeld erzeugen

Über die Widerstände könnte die Anlaufzeit/Trägheit einstellbar sein?
Gast #7019692
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Habs etwas bearbeitet und eine Rückwärtsbildersuche spuckt ein 
Schnellregler einer anderen Firma aus.

Vmtl. Motor oder Generator - in einem Kraftwerk ähnliches gesehen.

Lass raten, die Schreinerei ist in Wassernähe und die Maschinen wurden 
von kleinem Wasserkraftwerk mit Turbinengenerator betrieben - also 
Tirillregler?

https://de.wikipedia.org/wiki/Tirillregler

hier ist ein großer Vielfachregler zu stolzem Preis - vmtl. überzogen, 
denn es gibt noch genügend, die rausfliegen weil sie modernisiert 
werden.

https://www.ebay.de/itm/274185812609

Wer sowas sammelt fragt bei Turbinenbauer nach und darf sie selbst 
abbauen.
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#7019748
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Kasperle schrieb:
> Die Harfe rechts oben hinterm Schauglas ist eine Resonanzanzeige zum
> eichen des Vibroreglers mittels des mittigen Rheostats in L-Schaltung.
>
> Diese Bauart ist sehr interessant, denn diese Anzeigen sind
> normalerweise äußerst langweilig:
>
> https://de.wikipedia.org/wiki/Zungenfrequenzmesser

Das stimmt so nicht.
Die Stifte, die in den, normalerweise mit Quecksilber gefüllten 
Glasbehälter eintauchen, sind mit Widerständen auf der Rückseite des 
Tirrillreglers verbunden und ändern damit die Erregung des Generators.

Ich besitze so einen ähnlichen Regler aus einem kleinen Wasserkraftwerk
(siehe Bilder im Anhang). Die Beschreibung(pdf) stammt aus dem 
AEG-Hilfsbuch Handbuch der Elektrotechnik 10.Auflage von 1967

Über die Schreibweise des Namens Tirrill sind sich die Experten nicht 
einig. In Patentschriften wird der Name überwiegend mit einem "r" 
geschrieben
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Gast #7019903
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Fintelwudelwix schrieb:

> exzellenter Beitrag, Dieter. Vi!

Ich hätt aber eine kleine Kritik/Nachfrage anzubringen, das mit de 
Standardfüllung Quecksilber im offen  Behältnis mag ich nicht ganz 
glauben und es finden sich auch Angaben zu einer Verwendung von Öl. Was 
gleich die Frage aufbringt, was für leitfähiges Öl das wäre.
Gast #7019935
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Skelettsortiere schrieb:
> das mit de
> Standardfüllung Quecksilber im offen  Behältnis mag ich nicht ganz
> glauben und es finden sich auch Angaben zu einer Verwendung von Öl.
Ach das mit dem Quecksilber hat man früher nicht so eng gesehen. Habe 
hier noch rein altes Relais, das in einer Alarmanlage verbaut war.
Kurz zur Funktion: Die zwei linken (senkrechten) Spulen lösen das Ding 
aus. Dabei fällt der Hebel mit den 2 Stiften nach unten. Unterhalb der 2 
Stifte sind kleine Becher, die etwa bis zur Hälfte mit Quecksilber 
gefüllt waren. Die Becher werden dann über die Stifte elektrisch 
verbunden. Mit den zwei rechten (waagerechten) läßt sich das Ganze 
wieder zurück stellen.
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Gast #7019939
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Skelettsortiere schrieb:

> Lösungsvorschlag: das Quecksilberbehältnis mit einer Schicht Öl
> abdichten. Dann verdunstet das Hg nicht und die Harfe taucht trotzdem
> leitfähig ein.

ist vielleicht auch eine Frage des Alters der Anlage, 1976 wie oben 
genannt sollten die Gefahren des Quecksilbers bekannt gewesen sein, 
während 90 Jahre früher noch munter mit dem 'Teufelszeug' geplanscht 
wurde:

https://www.heise.de/newsticker/meldung/Heinz-Nixdorf-Museumsforum-zeigt-Hollerithmaschine-177399.html

"
... originalgetreuen funktionsfähigen Nachbau einer Hollerithmaschine 
aus dem Jahr 1890 zur öffentlichen Besichtigung in einer kleinen 
Sonderschau zur Lochkartentechnik freigegeben.
...
Ganz originalgetreu ist der Nachbau übrigens nicht: Schutzbestimmungen 
verbieten heute das Quecksilberbad, in das die unter Spannung stehenden 
Stifte der Kontaktpresse eintauchten, wenn sie durch ein Loch der 
Datenkarte fielen.
... Über der Quecksilberwanne sitzend inhalierten sie Dämpfe und 
Papierstaub bei der harten Arbeit.  ... Um Verschnaufpausen zu bekommen, 
pusteten die Frauen mitunter Papierstaub in die Quecksilberschale, damit 
der Strom gestört wurde. Dann musste der Maschineneinrichter kommen und 
die Schale neu befüllen. Das verdreckte Quecksilber wurde häufig einfach 
auf den Boden geschüttet "
Gast #7020327
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Dieter J. schrieb:
> Das stimmt so nicht.
> Die Stifte, die in den, normalerweise mit Quecksilber gefüllten
> Glasbehälter eintauchen, sind mit Widerständen auf der Rückseite des
> Tirrillreglers verbunden und ändern damit die Erregung des Generators.

OK, auch dazu gelernt - danke.

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