Nur so ein kleines Stimmungsbarometer, ich habe den Eindruck das da, wo
Meetings Überhand nehmen, ist die eigendliche Motivation für die
Meetings nicht, die zu erledigende Arbeit zu organisieren, sondern durch
Selbstdarstellung und gegenseitiges Schuterklopfen die eigene Karriere
zu fördern. Die Leute, die organisatorische/technische Belange
besprechen wollen werden aus den Meetings rausgedrängt, da sie ja nur
über "Probleme" jammern statt die Großartigkeit des Projekts/der Firma
herauszustellen. Kommt natürlich bei entsprechend orientierten
Vorgesetzten gut an, da sie ja auch ihre Position in der Firma festigen
wollen.
Schema F "gutes Meeting":
Status der bereits verteilten Aufgaben wird durch Leiter abgefragt,
entsprechender Fortschritt fachlich bewertet, weitere Aufwände werden im
Zeitplan eingearbeitet.
Leiter verteilt neue Aufgaben an entsprechend qualifizierte Personen im
Raum, die neue Aufgaben annehmen können.
Leiter holt Feedback der Personen im Raum ein.
Das nächste Meeting findet erst statt wenn lt. Zeitplan auch mit dem
Abschluss der aktiven Aufgaben gerechnet wird.
Schema F "schlechtes Meeting":
Leiter fragt "sind wird fertig ?"
Personen im Raum schwurbeln um eine Begründung herum warum alles länger
dauert. Viele neue Aufgaben und andere Projekte haben die Bearbeitung
der Aufgaben dieses Projekts vereitelt, man muss auf Feedback warten um
weiter arbeiten zu können.
Leiter weist darauf hin das er gleich pünktlich zum nächsten Meeting
muss, darum keine Details zu den Problemen, nur ein Datum wann alles
fertig ist.
Der Leiter hat natürlich noch ein offenes Ohr für Problemlösungen wie
"wir brauchen neue Tools wie z.B. "dasunddas" so lange dieses Tool
kostenlos ist. Buzzwords wie Cloud, Team und Agil usw. muss das Tool
natürlich können. Dann die Frage in die Runde wer sich um das neue Tool
"dasundas" kümmern kann. Es meldet sich natürlich nach einigem Zögern
eine Person in der Runde, die die aktuellen Aufgaben nicht abschliessen
kann und das Tool "dasunddas" vorgeschlagen hat. Diese Person wird nun
vom Leiter gelobt für den Einsatz die neue Aufgabe zu übernehmen. Sofort
fällt dem Leiter ein das jetzt der nächste Termin drängt und erinnert
daran das morgen beim nächsten Meeting alle offenen Punkte besprochen
werden und endlich die offenen Aufgaben erledigt werden. Beim nächsten
Meeting grüßt das Murmeltier.
Schema F "Karriere Meeting":
Es sind nur Leiter im Meeting, ausführende Personen wurden zeitig
herausgedrängt, es wurde zu technisch. Der straffe Terminplan lässt eine
Teilnahme der ausführenden auch gar nicht zu. Jeder meldet erreichte
Milestones und den grandiosen Projektfortschritt, bei dem jede
ausführende Person laut protestiert hätte.Es folgt gegenseitiges
Schulterklopfen, das erklimmen einer weiteren Sprosse auf der
Karriereleiter. Sollt es ein Kunde geschafft haben sich über schlechte
Qualität, geplatzte Termine usw. an oberster Stelle zu beschweren, dann
folgt ein mahnendes Kopfschütteln der Runde, man wird eine Sprosse
kollektiv nach unten gedrückt. Das ist nur zu kompensieren in dem man
neue Terminvorgaben widerspruchslos akzeptiert und willig weitere neue
unbeliebte Aufgaben übernimmt. Aufgaben sind unbeliebt wenn sie
risikoreich sind oder keinen Ruhm bringen bei erfolgreichem Abschluss.
Es folgt eine ausufernde Sebstdarstellung in der Rangfolge der Leiter
bis die Meetingzeit abgelaufen ist. Es kommt meist nur das Alphatier der
Runde zu einem Monolog zu Wort. Anbiedernde Zustimmung ist
selbstverständlich.
Ein Leiter kompensiert seinen Misserfolg im Karrieremeeting mit den
ausführenden Personen durch einen Rollenwechsel. Er will jetzt das
Alphatier sein und erwartet entsprechendes Schulterklopfen. Ausführende
Personen wollen aber nicht über erledigte Aufgaben reden (Milestones
sammeln), sondern über Probleme bei der Ausführung der offenen Aufgaben.
Lassen sich Aufgaben nicht als erreichte Milesones verkaufen werden die
Aufgaben so kleinteilg zerdröselt um doch noch erreichte Milestones
daraus zu generieren. Der Interessenkonflikt lässt das Meeting
wirkungslos verpuffen.
Könnt Ihr da ein bekanntes Schema wiederfinden ?
drm schrieb:> Könnt Ihr da ein bekanntes Schema wiederfinden ?
Ja, das Leerzeichen vor dem Satzzeichen (herausragenderweise das
Fragezeichen) aka. Plenk nimmt überhand.
Nur so aus Interesse: wo lernt man das?
Im Grundsatz kenne ich die Meetings wie von dir beschrieben. Allerdings
hast du die Realität meiner Ansicht nach stark übertrieben dargestellt,
zumindest im Vergleich zu meinem Arbeitsalltag.
Fast alle meetings, an denen ich teilnehme haben einen Sinn, d.h. eine
Agenda die besprochen wird und es nehmen vermehrt Leute daran teil, die
auch was zu dem Thema beizutragen haben. Falls nicht, verabschiede ich
mich nach kurzer Zeit wieder oder das meeting wird nach kurzer Zeit für
alle beendet oder verschoben (wenn ich der Einladende bin).
Was ich noch sagen kann ist, dass meiner Erfahrung die Meetingkultur
- einerseits mit den Vorgaben der Firma zusammenhängt (es wurde bei uns
klar kommuniziert, dass es keine Unhöflichkeit darstellt, bei einem
Meeting abzusagen oder mittendrin zu gehen, wenn es für einen persönlich
Zeitverschwendung darstellt, im Gegenteil fördert das ja die
Arbeitseffizienz)
- andererseits stark von der Person des Einladenden abhängt. Bei
bestimmten Personen weiß ich schon im Vorhinein, dass es schwierig wird
auf einen grünen Zweig zu kommen, unabhängig vom Thema
Ich finde da fehlen aber noch einige Tricks und Kniffe, die den
angehenden Chefs in diesem Forum mit auf den Weg gegeben werden müssen:
Die Selbstdarstellung ist ein Kernpunkt eines jeden Beitrages. Je weiter
das eigenen Können vom Problem weg ist, desto besser. im Grunde hat man
alles schon mal gemacht. Hier gerne direkt in Grundsatzdebatten enden,
insbesondere Dinge hinterfragen, die bereits vor Monaten festgelegt
sind, denn Agilität heißt ja auch, auf dynamische Änderungen eingehen zu
können.
Gut ist auch der Punkt, neue Software oder Hardware vorzuschlagen, die
ja frei oder viel leistungsfähiger ist. Gerne mit 5-minütiger
Selbstbeweihräucherung ausschmücken und komplett als kurzen Abriss der
eigenen Leistungen in völlig irrelevanten Projekten ausschleichen
lassen. Merke: Nur ein Idiot kommt mit konkreten Vorschlägen!
Sollte sich im Meeting irgendjemand dazu berufen fühlen, konkrete
Aufgaben zu verteilen, direkt die Initiative ergreifen um zu erläutern,
warum man eigentlich der Beste für diese Aufgabe wäre (Erfahrung und
so). Das ganze aber damit abschließen, dass man leider überhaupt keine
Zeit hat um das zu machen (eigentlich ist man ja auch viel zu wichtig
für solch profane Aufgaben) aber demjenigen der es macht (möglichst weit
unten in der Hierarchie natürlich) gerne bei Fragen zur Seite steht.
(Man ist ja zum Glück außerhalb von Meetings eh nicht erreichbar)
Wenn ihr euch an diese Tipps haltet, steht einer steilen Karriere nichts
mehr im Wege! Viel Erfolg!!
Karl Georg schrieb:> Wenn ihr euch an diese Tipps haltet, steht einer steilen Karriere nichts> mehr im Wege! Viel Erfolg!!
Ich finde deine Tipps gar nicht so schlecht. Dass ich zwar sehr
kompetent für eine Lösungsfindung bin, aber leider absehbar keine Zeit
dafür erübrigen kann, bringe ich auch häufig erfolgreich in Meetings an.
Das macht einen guten Eindruck, aber wenig Arbeit.
Test schrieb:> Fast alle meetings, an denen ich teilnehme haben einen Sinn, d.h. ...
Meetings werden in das System mit den besten meiner Kollegen eingetragen
damit wir Zeit zum Arbeiten haben und nicht durch andere Termine gestört
werden.
Meetings sind eine gute Sache um den Schlaf morgens nachzuholen.
3 Std. quatschen und wenn alles fertig ist, kommt der Chef bei einen ins
Büro und sagt was gemacht werden soll.
War jedenfalls bei uns so.
Ich musste nur aufpassen der ich nicht geschnarcht habe. ;)