Ich möchte für einen Retrocomputer den IC TMS9918A für die Bildausgabe
verwenden. Der Chip liefert am Ausgang ein NTSC composite Video signal
(Bild TMS9918_comp.png).
Im Manual und in Beispielschaltungen wird für den Takt ein 10,738635 MHz
Quarz verwendet. (Bild TMS9918_crystal.png und TMS9918_doc1.png)
Etwas weiter unten im Datenblatt steht als Quarz 10,7 + MHz. (Bild
TMS9918_doc2.png) Das verstehe ich nicht ganz. Kann ich die Frequenz in
gewissen Grenzen frei wählen? z.B. 10,7 MHz statt 10,738635 MHz
verwenden? Eigentlich müsste doch die Frequenz fix sein, um die Vorgaben
von NTSC zu erfüllen.
Dazu steht dann auch im Datenblatt: der pixel clock von 5.3 MHz wird im
IC erzeugt, indem der master clock durch 2 geteilt wird. Da der master
clock aber 10,738635 ist, ergibt sich ein pixel clock von 5,3693 MHz.
Vermutlich passt das aber bei NTSC, da der Quarz ja so empfohlen wird,
oder doch nicht?
Den Abschnitt 3.6.1 verstehe ich so, dass durch das Teilen des master
clock von 10,738635 MHz durch 3 (Abschnitt 3.6) der Takt für die
Codierung der NTSC Farbinformation gewonnen wird.
Mit was für Problemen müsste ich rechnen, wenn ich 10,7 MHz statt den
10,738635 MHz verwende? Stimmt dann nur die Farbe nicht oder gibt es
noch andere Effekte? Hintergrund ist, den 10,7 MHz gibt es bei Reichelt
zu kaufen, den anderen nicht.
john doe schrieb:> Etwas weiter unten im Datenblatt steht als Quarz 10,7 + MHz.> Das verstehe ich nicht ganz. Kann ich die Frequenz in> gewissen Grenzen frei wählen?
Natürlich nicht. Also wenn du Wert auf die korrekte Funktion legst.
Aber der Verfasser des Dokuments war wohl der Meinung, daß er nicht an
allen Stellen die Frequenz auf das Hertz (oder gar Bruchteile davon)
genau angeben muß. Denn schließlich ist ja (allen außer dir) klar, was
gemeint ist. Übrigens begehst du den gleichen "Fehler"
> Da der master clock aber 10,738635 ist, ergibt sich ein pixel> clock von 5,3693 MHz
Denn 10.738635 MHz geteilt durch 2 ergibt 5.3693175 MHz.
Wenn schon, denn schon!
H. H. schrieb:> john doe schrieb:>> Mit was für Problemen müsste ich rechnen, wenn ich 10,7 MHz statt den>> 10,738635 MHz verwende?>> Keine Farbe.
NTSC.
Steht ja (unter anderem) auch für
Never The Same Color
Andrew T. schrieb:> H. H. schrieb:>> john doe schrieb:>>> Mit was für Problemen müsste ich rechnen, wenn ich 10,7 MHz statt den>>> 10,738635 MHz verwende?>>>> Keine Farbe.>> NTSC.> Steht ja (unter anderem) auch für> Never The Same Color
Gabs da nicht immer noch ein Poti im TV, mit dem man noch mal nachregeln
konnte? Gerade bei NTSC?
> ein Poti
Das m.W. spaeter durch eine "Automatik" ersetzt wurde.
Zumindest konnte mein Videorecorder NTSC-Videos im NTSC-Format
abspielen, und man musste/konnte nicht hinterherdrehen.
Und die Farbqualitaet war subjektiv nicht schlechter als bei
PAL oder SECAM.
PittyJ schrieb:> ein Poti im TV
Das stellt die "Null Phase" des Farbhilfsträgers ein, die gesamte
Farbbalance. Das Problem bei der abweichenden Quarzfrequenz ist, dass
die FHT PLL nicht rasten wird und damit gibt es überhaupt keine Farbe.
Die Toleranzen an der Stelle sind recht eng.
Hat heute echt noch einer nen analogen NTSC TV in der Bude stehen?
Das ist doch ein Fall fuers Museum.
Wenn man aber sowieso irgendwas digitales dazwischen hat das erstmal
wieder sampelt und Protokolle wandelt, koennte es dann nicht sein
das die etwas falsche Frequenz akzeptable ist?
Olaf
PittyJ schrieb:> Andrew T. schrieb:>> H. H. schrieb:>>> john doe schrieb:>>>> Mit was für Problemen müsste ich rechnen, wenn ich 10,7 MHz statt den>>>> 10,738635 MHz verwende?>>>>>> Keine Farbe.>>>> NTSC.>> Steht ja (unter anderem) auch für>> Never The Same Color>> Gabs da nicht immer noch ein Poti im TV, mit dem man noch mal nachregeln> konnte? Gerade bei NTSC?
Für die Phase, nicht die Frequenz!
Im Datenblatt steht "10.7 + MHz", nicht "10.7 MHz". Der
Datenblattschreiber wird sich dabei was gedacht haben.
Die Frequenz 10.738635 ist übrigens 3/4 der "Standard"-Frequenz von
14.31818 MHz.
Die findet man quasi überall, weil das der billige massenproduzierte
NTSC-Referenzquarz ist; die 4.77 MHz des Ur-PC sind davon abgeleitet,
und auch in heutigen PCs wird diese Frequenz als Referenztakt für die
CPU-Takt-PLL oft verwendet. Einen mit "14.3" beschrifteten Quarz sollte
man in einem alten PC-Motherboard finden können.
Mit einem Tankkreis sollte man einen 3,579 MHz Quarz auch auf der
dritten Oberwelle anschwingen lassen können. Oder man baut sich den
Oszillator extern auf und speist ihn dann in das TMS Dings ein. Den Chip
gab es übrigens auch für PAL als TMS9929A, aber ohne Video Eingang.
Matthias S. schrieb:> Mit einem Tankkreis sollte man einen 3,579 MHz Quarz auch auf der> dritten Oberwelle anschwingen lassen können. Oder man baut sich den> Oszillator extern auf und speist ihn dann in das TMS Dings ein. Den Chip> gab es übrigens auch für PAL als TMS9929A, aber ohne Video Eingang.
Nur weil es bei REICHELT den passenden Quarz nicht gibt?
Andere Händler haben den...
H. H. schrieb:> Nur weil es bei REICHELT den passenden Quarz nicht gibt?
Dazu kann ich nichts sagen. Ich habe lediglich eine technische
Möglichkeit angeboten, kein Teilebroker hier.
> Hat heute echt noch einer nen analogen NTSC TV in der Bude stehen?> Das ist doch ein Fall fuers Museum.
Dann mach mal. Praktisch alle TV-Empfaenger mit einem (Analog-)Tuner
der heute zumindest noch gelegentlich fuers Kabel gebraucht wird,
haben einen Multinormdekoder der auch NTSC kann.
Das werden eine ganze Menge Geraete fuers Museum.
john doe schrieb:> Das verstehe ich nicht ganz. Kann ich die Frequenz in> gewissen Grenzen frei wählen?
Nein. Aber es hängt vom Empfänger ab, was er verträgt.
john doe schrieb:> Mit was für Problemen müsste ich rechnen, wenn> ich 10,7 MHz statt den 10,738635 MHz verwende?
Da der TMS99x8 das gesamte Video-Timing aus dem Quarz aufbaut, stehen
die Chancen ziemlich gut, dass moderne Fernseher damit kein Problem
haben. Wenn es schlecht läuft, hast du halt keine Farbe.
Zudem besteht eine hohe Wahrscheinlichkeit, dass dein Reichelt "10.7
MHz"-Quarz eigentlich ein "10.738635 MHz"-Quarz ist. Und wenn nicht,
dann kann man den möglicherweise auch weit genug ziehen, bis der
Empfänger zufrieden ist.
Einbauen, gucken, fertig. Mein TMS9929A läuft mit 10.7 MHz (aber ich
werte das Farbsignal nicht aus, daher bei mir nur Graustufen).
Wenn du eine programmierbare PLL oder einen Quarz mit Teiler nehmen
kannst, ginge sicher das hier (FPGA-Video-Design):
IN: 15.000.000 MHz
MUL: 63
OSC: 945.000.000 MHz
DIV: 88
OUT: 10.738.636 MHz
S. R. schrieb:> Zudem besteht eine hohe Wahrscheinlichkeit, dass dein Reichelt "10.7> MHz"-Quarz eigentlich ein "10.738635 MHz"-Quarz ist.
Nö, das sind schon 10,7 MHz. Ist ja nicht nur dieser Takt hier, sondern
auch eine gängige ZF.
> Und wenn nicht,> dann kann man den möglicherweise auch weit genug ziehen, bis der> Empfänger zufrieden ist.
Nö. Hatte vor Jahren mal mit einem Quarzfilter mit solchen 10,7er
Quarzen experimentiert. Ich hätte es ein paar Kilohertz drunter
gebraucht (ich glaube, 10,695 war mein gewünschter Wert), kaum eine
Chance. 38 kHz bekommst du die nie und nimmer gezogen.
Vielen Dank für die vielen Antworten.
Also das einfachste wird sein, den passenden 10,738635 MHz Quarz zu
verwenden. Den gibt es zum Glück noch bei Mouser und bei Digikey. Da
bestelle ich den jetzt dort.
john doe schrieb:> Also das einfachste wird sein, den passenden 10,738635 MHz Quarz zu> verwenden.
Den Quarz derart genau auf der angegebenen Frequenz zu betreiben,
erfordert erheblichen Aufwand - von dem nötigen Frequenznormal für die
Justage einmal ganz abgesehen.
Wie genau muss dein Oszillator WIRKLICH stimmen?