Forum: Analoge Elektronik und Schaltungstechnik Reverse-Engineering-Schaltungsanalyse


von J. V. (janvi)



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beiliegend habe ich ein Gerät zur Reparatur bekommen, welches in der 
Zeit zwischen 1980 und 1990 von einem zwischenzeitlich verstorbenen 
relativ genialen Bastler in der Stückzahl 1 gebaut wurde. Relativ genial 
deshalb, weil er als Ein-Mann Show die Kompetenzen von Mechanik, 
Elektronik und Software eigentlich ganz gut vereint hat. Es handelt sich 
um ein Messgerät, welches mit mechanischem Kreisel unabhängig vom 
Erdmagnetfeld absolute Richtung und Neigung von einer Bewegten Sonde 
aufzeichnen kann. Kann man heute möglicherweise auch mit Mems machen 
aber in der Stückzahl 1 entwickelt sowas natürlich niemand mal nebenbei.

Am System gibt es eine Motorwinde mit Drahtseil und ein feststehendes 
Steuergerät mit 6502 Prozessor. Dieser ist seriell an einem MS-Dos PC 
angeschaltet. 1995 wurde das Basic Programm  noch von Basic auf Turbo 
Pascal Programm mit grafischer Visualisierung umgeschrieben. Durch 
Kommunikation mit der Sonde am anderen Drahtseilende kann damit dann 
dort zurückgelegten Weg auf einer Hercules VGA Karte grafisch 
visualisieren.

Der heutige Betreiber hat nun auf der Winde ein neues Drahtseil 
aufgezogen, womit die Sonde aber leider nicht mehr richtig erkannt wird. 
Zuvor war ein eigentlich baugleiches Drahtseil mit ebenfalls etwa 600m 
in Betrieb. Auf einer anderen Winde mit nur 200m Drahtseil läuft die 
Sonde aber wie erwartet.



Zur Funktion: Rechts oben bei „Kabel“ ist das einpolige Drahtseil 
welches zusammen mit einer getrennten Stahlrohr-Masse Strom und Daten 
überträgt. Das Steuergerät auf der Gegenseite beinhaltet eine 24 Volt 
kurzschlussfeste Stromquelle, auf welche zur Datenübertragung schmale 
Impulse auf beiden Enden kapazitiv aufmoduliert werden. 1980 bestand das 
System zunächst nur aus einem einfachen Impeller dessen Drehrate mit 
Hall-Sensor einfach eine direkte Frequenz zum aufmodulieren erzeugt hat. 
Später gab es einen Pt100 dessen Temperatur mit einem VCO gewandelt 
wurde.
Um es vorwegzunehmen: Der ohmsche Widerstand des neuen Drahtseils ist 
nicht ausschlaggebend. Möglicherweise aber die Kapazität. Die 12Volt der 
Sonde werden an der Zenerdiode einwandfrei erzeugt und auch der 2W 
Widerstand hat entsprechend zu tun.

Die vorliegende Schaltung ist nun in der Lage zum gleichen Empfangsgerät 
mehr als eine analoge Größe durch entsprechende Pulspakete 
aufzumodulieren. Eine Sache wofür das ursprüngliche Konzept von 1980 der 
seriellen Kommunikation mit dem 6502 uC wohl gar nicht gedacht war. Die 
Impulse werden durch T2 über den nachtgeschalteten 2u2 Tantal 
aufmoduliert. Die Analogsignale werden vom Multiplexer IC4 eingesammelt. 
Der Zähler IC3 schaltet die einzelnen analogen Kanäle auf. Der Takt ist 
nicht äquidistant sondern hängt von den analogen Werten ab.  Hierzu ist 
mit T3 an einem 37,4 nF Styroflex Kondensator eine Art VCO mit IC1 und 
IC11 über Q3 aufgebaut. Je nach Pausenlänge auf dem Kabel lädt sich der 
Styroflex über 392kOhm auf. IC6 dient als Komparator mit variabler 
Schwelle welcher dann im korrekten Zeitpunkt den nächsten Impuls vom 
Monoflop aufmoduliert.

Die gesamte Schaltung (welche ich hoffentlich von der Platine 
größtenteils korrekt abgemalt habe), ist nun eine rückgekoppelte 
Schaltung welche „manchmal“ sogar korrekt funktioniert. Das tut sie am 
kurzen Drahtseil immer und am langen Drahtseil manchmal. Das „manchmal“ 
ist sogar reproduzierbar, wenn man mit dem Oszi Tastkopf oder einem 
Schraubendreher an pin 7 von IC1 ranlangt. Tauscht man den Komparator 
IC1 gegen ein neues Exemplar aus, funktioniert gar nichts mehr. Nachdem 
der 6k8 und auch der 4013 ok ist, nehme ich an, daß die Ausgangsstufe 
des Komparators einen Schuß hat und hochohmig ist was zum zufälligen 
Funktionieren durch eingekoppelte Störungen führt.

Woran ich zweifle: Bei T1 habe ich drei mal nachgeschaut aber er ist so 
verbaut wie eingezeichnet. Ich vermute, daß hier Emitter und Kollektor 
vertauscht sind. Beim Spannungspfeil handelt es sich um die positiven 12 
Volt welche oben rechts mit der Zenerdiode erzeugt werden. Baut man nun 
eine „Antenne“ mit einem 50cm langen Messkabel an IC11 pin 3 an, so 
fängt sich das Flipflop Störungen ein,  welche zu einem Reset des 
Zählers führen. Die Schaltung läuft daraufhin los und liefert korrekte 
Messwerte. Dummerweise kann man Emitter und Collektor tauschen und die 
Schaltung verhält sich noch genau gleich.

Kann T1 wie eingezeichnet überhaupt funktionieren??? Uce darf ja 
eigentlich nicht negativ werden oder es fliesst dann eben zumindest kein 
Basisstrom.

Nun ist mir aufgefallen, daß der 6502 am anderen Drahtseilende alle 3 
Sekunden einen Reset Impuls ausgibt welcher die ganze Kommunikation 
offensichtlich anwerfen soll. Ohne daß die Software auf dem PC 
gerstartet wird, läuft die Kommunikation in keinem Fall los. Dieser von 
der PC Software ausgelöste Reset kommt jedenfalls nicht am Zähler IC3 
pin 3 an. Leider auch nicht bei umgedrehtem Transistor T1 und auch der 
1uF Tantal und der 56k Pullup sind völlig ok.



Der gelbe Kanal 1 zeigt das Signal an IC1 Eingang pin 2. Das blaue 
Ausgangssignal hinter dem Komparator an pin 7. Möglicherweise ist 
einfach die Kapazität des neuen Drahtseils etwas kleiner, so daß der 
Reset Impuls zu kurz ist und die Schaltschwelle von IC7 nicht erreicht 
wird.

Dasselbe aber mit blauem Kanal an pin 2 des Komparators IC7. Die 
Schaltschwelle wird relativ knapp nicht erreicht. Es ist mir ein Rätsel 
warum für IC7 ein OP verwendet wird wo doch mit dem LM311 „echte“ 
Komparatoren in der Schaltung vorhanden sind. Ich kann natürlich nicht 
ausschliessen, daß die gesockelten ICs bereits von anderen 
„Reparateuren“ falsch getauscht wurden. Es könnte genausogut sein, daß 
das Zeugs schon immer versehentlich ein wenig verkehrt bestückt war und 
eben trotzdem so lala funktioniert hat. Bevor ich nun die Schaltschwelle 
von IC7 ändere und auch schon Emitter Collector von T1 getauscht habe 
möchte ich mich noch mal hier versichern ob ich bei der Genialität des 
Designs nicht etwas leichtsinnig übersehen habe.



Abschliessend noch Aufnahmen von den Analogsignalen IC9->IC6 und am 
Styroflexkondensator 37,4nF zusammen mit den aufmodulierten Impulsen des 
Datentelegramms.
von H. H. (hhinz)


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Inversbetrieb von Bipolartransistoren funktioniert schon, aber mit 
lausiger Verstärkung und geringer Spannungsfestigkeit.
: Bearbeitet durch User
von J. V. (janvi)


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Das wäre doch die B-E Strecke als reine Diode um den C aufzuladen. Aber 
er kann sich darüber noch nicht mehr gegen GND entladen wenn das kein 
PNP ist?
: Bearbeitet durch User
von Lu (oszi45)


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Bei T1 bin ich mir nicht sicher, ob er nebenbei als Z-Diode missbraucht 
wurde, weil keine 5V-ZD zur Hand war? Da würde ich jedenfalls mal ins 
Datenblatt sehen bevor ich Ersatz beschaffe.
von H. H. (hhinz)


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Lu schrieb:
> Bei T1 bin ich mir nicht sicher, ob er nebenbei als Z-Diode
> missbraucht
> wurde, weil keine 5V-ZD zur Hand war? Da würde ich jedenfalls mal ins
> Datenblatt sehen bevor ich Ersatz beschaffe.

Ach wo, der wurde schon aus Versehen falsch eingebaut, und es hat 
dennoch funktioniert.
von H. H. (hhinz)


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J. V. schrieb:
> Das wäre doch die B-E Strecke als reine Diode um den C aufzuladen.
> Aber
> er kann sich darüber noch nicht mehr gegen GND entladen wenn das kein
> PNP ist?

NPN bleibt auch nach vertauschen von Kollektor und Emitter NPN.
von Lu (oszi45)


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H. H. schrieb:
> NPN bleibt auch nach vertauschen von Kollektor und Emitter NPN.
Stimmt, jedoch Verstärkung ändert und nicht jede Diodenstrecke hält die 
gleiche Spannung aus.
von H. H. (hhinz)


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Lu schrieb:
> H. H. schrieb:
>> NPN bleibt auch nach vertauschen von Kollektor und Emitter NPN.
> Stimmt, jedoch Verstärkung ändert und nicht jede Diodenstrecke hält die
> gleiche Spannung aus.

Hatte ich ja schon geschrieben.
von Marek N. (db1bmn)


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Sieht für mich nach einem "Kabellängen-Messgerät" aus aka 
Time-Domain-Reflectormeter (TDR): 
https://de.elv.com/p/digital-kabellaengen-messgeraet-km-1-P202692/
: Bearbeitet durch User
von Rainer W. (rawi)


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J. V. schrieb:
> Screenshot_from_2026-05-28_22-07-53.png
> Screenshot_from_2026-05-28_22-09-34.png
> Screenshot_from_2026-05-28_22-09-15.png

Nur weil ein Photo einen Bildschirm zeigt, ist das noch lange kein 
Screenshot im Sinne der Bildformate

Wichtige Regeln - erst lesen, dann posten!
Manchmal reicht lesen alleine nicht - man muss den Inhalt auch 
verstehen.

Digitale Screenshots vom Oszi gehen anders - ohne Matsch und 
Verzerrungen.

Aber zurück zum Thema:
Bist du sicher, dass das Signal für den Empfänger so abgegriffen wird, 
wie im Schaltplan gezeigt?
So richtig gut wird das Signal nicht über den Tiefpass mit den 180Ω/47nF 
rüber kommen, wenn da außerdem noch ein niederohmig speisendes Netzgerät 
die 12V bereit stellt.
: Bearbeitet durch User
von Manuel K. (18tbx46)


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Nochmal zum Reverse-Betrieb: Das wird manchmal bewusst angewendet um 
eine niedrigere Restspannung zu bekommen. Typische Anwendung ist als 
Muting Schaltung am (Line-) Ausgang von Audiogeräten.
https://www.edn.com/muting-transistor-attenuator-circuits-2sc2878/
von Wastl (hartundweichware)


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J. V. schrieb:
>             Screenshot_from_2026-05-28_22-07-53.png
>             2,7 MB
>             Screenshot_from_2026-05-28_22-09-34.png
>             3 MB
>             Screenshot_from_2026-05-28_22-09-15.png
>             3,3 MB

Manche Händis lassen sich auch parallel zum Bildschirm des
Oszilloskops halten, damit man verzerrungsarme Fotos auf-
nehmen kann.
von Joachim B. (jar)


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Wastl schrieb:
> Manche Händis lassen sich auch parallel zum Bildschirm des
> Oszilloskops halten, damit man verzerrungsarme Fotos auf-
> nehmen kann.

vielleicht ist diese Option bei seinem nicht freigeschaltet.
von Marcel V. (mavin)


Angehängte Dateien:

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Wastl schrieb:
> Manche Händis lassen sich auch parallel zum Bildschirm des
> Oszilloskops halten, damit man verzerrungsarme Fotos auf-
> nehmen kann.

Das birgt aber immer die Gefahr, dass der Fotograf selbst, durch 
Spiegelung auf dem Oszilloskopbildschirm sichtbar wird und somit erkannt 
werden könnte! So wie auf diesem Beispielfoto.

😬
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