Energiekostenmessgerät Brennenstuhl PM 231 E mit Eigenleben

OP #8088053
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Um den Thread mit der Frage nach einem guten Energiekostenmessgerät nicht offtopic wandern zu lassen, siehe Beitrag "Re: Gutes Energiekostenmessgerät?", hier meine sehr speziellen Erfahrungen mit dem im Betreff genannten Gerät, welches ich vor wenigen Tagen bei einem Büromittelinternethändler erstanden habe.

Hintergrund des Phänomens ist vermutlich ein seltsamer Effekt rund um die Initialisierung von Schaltkreisen im Gerät. Da ich das Thema in keine der Katogieren einordnen konnte (am ehesten zu jeder Form von Messgeräten, aber wo gehört das hin) hier in Offtopic. Aber der Reihe nach.

Das Brennenstuhl PM 231 E (Test 2013 c't) scheint - vom Display und der Bedienung - ein enger Verwandter des guten TS45-25111 (folgend kurz TS45 genannt), getestet 2021 von der c't, zu sein. Die Verwandtschaft zeigt sich beim Öffnen: Die Power-Platinen beider Geräte scheinen zu 100% gleich zu sein, bis zum Aufdruck auf der Platine. Sie tragen den Messchip, den Shunt, die Hilfsenergieerzeugung und den EPROM (24C02). Das Display ist identisch, die Platinen haben einen geringfügig anderen Formfaktor, aber die gleichen Tasten.

Während das TS45-25111 seit Jahren zuverlässig auch ohne Knopfzellen als Backup arbeitet, zeigt das folgend kurz PM231E genannte Gerät zunächst eine Abweichung bei der Spannungsmessung von -3,6% (z.B. 225 statt realer 233), die Stromwerte sind deutlich niedriger, die ermittelte Leistung weicht um -82,3% vom TS45-25111 ab (praktisch linear von 1-1073 Watt). Reklamation, Geld erstattet, Rücksendeverzicht. Also aufgemacht und reingeschaut. Der Leistungsmesschip ist abgeschliffen. Sonst sieht alles ziemlich mistig aus, Flussmittelrückstände, lieblos verkleckster Heißkleber. Auf der Displayplatine befindet sich ein Taster. Keine Auffälligkeiten gesehen.

Zusammengebaut, Kontrollmessung gemacht: PM231E zeigt plötzlich Leistung +100% (also doppelt so viel wie real).

Bei solchen Effekten schwanke ich immer zwischen Neugier und Verzweiflung. Nach zwei Dutzend Umsteckereien und einem Dutzend Resets des Gerätes zeigt sich reproduzierbar folgendes Verhalten:

  1. Die eingangs erwähnte Abweichung ist nie wieder aufgetreten
  2. Stattdessen wechselt das Gerät nun zwischen zwei Settings: a) beim Einstecken des Gerätes in die Steckdose werden nach der Initialisierung des Messchips Spannung x 1,4 (z.B. 325 statt 233 V) und Leistung etwa -72% gemessen (6,8 statt 25 W) Drückt man nun den Resetknopf: b) wird die Spannung mit -1% (z.B. 229 statt 231 V) und die Leistung um den Faktor +2 falsch gemessen (von 0,6 statt 0,3 bis ca 2100 statt 1050 W). Dabei erkennt das Gerät sogar das Einstecken eines kleinen USB-Netzteils mit +0,1W (real dann 50 mW), worauf das TS45 noch nicht einmal reagiert (0,0). Der Eigenverbrauch des TS45 wird mit 0,6 statt 0,3 W ermittelt. Alles siehe Fotos. Ziehe ich das PM231E aus der Steckdose, warte 10 Sekunden und stecke es wieder ein, werden wieder die Werte wie bei a) angezeigt. Ein Reset bringt zurück zu b).

Mit dem Setting b) habe ich jetzt ein Energiekostenmessgerät, dass Standbyverbräuche von 50 mW erkennen kann. Meine nächste Option wäre die Platinen nochmal gründlich zu reinigen, aber ich kann mir nicht vorstellen, dass die Verschmutzungen die Datenübertragung vom Eprom so reproduzierbar falsch beeinflussen können.

Ich freue mich auf viele möglichst sinnvolle Orakel. Vielleicht ist morgen auch alles schon wieder anders.

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