Zu meiner Studienzeit in den 1990ern gab es schon Autorouter und -placer. Allerdings sahen die Platinen dann aus wie der Stall des Minotaurus. Ich war etwas verwundert, als mir jemand erzählte, dass heute Platinen immer noch von Hand geroutet werde. Anscheinend sind die Autorouter zu dumm, um z.B. Stützkondensatoren direkt neben den ICs zu platzieren. Das müsste doch mit KI heutzutage besser gehen. Warum gab es da so wenig Fortschritt? Oder gibt es da doch inzwischen Brauchbares?
... das war doch eher der Stall des Augias und das Labyrinth des Minotauros.
Anscheinend sind die Autorouter zu dumm, um z.B. Stützkondensatoren direkt neben den ICs zu platzieren.
Wenn dem Autorouter keiner sagt, das die Cxx und Cyy nah an den Pins Vcc des IC U_zx zu platzieren isind. Das schreibt man sogar direkt in den Schaltplan, das der menschliche Router weiß, was gemeint und was zu ma chen ist.
Oder gibt es da doch inzwischen Brauchbares?
Es gibt idiotensichere Module mit den kritischen Parts (bspw. Speicheranbindung, schnelles USB, ...) die man in seinem eigenen Design verwenden sollte, bspw. Raspberry.
Wenn dem Autorouter keiner sagt, das die Cxx und Cyy nah an den Pins Vcc des IC U_zx zu platzieren sind.
Macht der Autorouter nicht das was man im Schaltplan vorgibt?
Der Schaltplan ist vergleichbar mit Noten in der Musik. Prinzipiell ja, aber die Interpretation des Künstlers entscheidet ob es funktioniert oder nicht.
Der Schaltplan enthält in der Regel nicht alle Informationen, die benötigt werden, um ein fertiges Gerät zu bauen. Das ist eher eine Gedankenstütze oder eine Reparaturhilfe.
Der Schaltplan enthält in der Regel nicht alle Informationen, die benötigt werden
Könnte man überhaupt alle Informationen reinpacken?
Sicher. Dann wäre aber der Sinn eines Schaltplans, nämlich die Reduktion auf die wesentliche Funktionweise der Schaltung nicht mehr gegeben, weil alles mit Text vollgepackt ist. Die Erfahrung und das Wissen des PCB-Designers spielt hierbei noch eine große Rolle. Was nicht heisst, dass sich das nicht irgendwann ändern könnte. Das Medium "Schaltplan auf Papier" hat aber soweit ich weiss andere Einsatzzwecke als ein PCB-Design vollautomatisiert zu erstellen. Nachtrag: Datenblätter der verwendeten Komponenten sind auch wichtig.
Gerade eswas so vermeindlich Profanes, wie ein Stützkondensator ist eine Wissenschaft für sich.
Nur allein nahe, reicht nicht. Das Ding muß so breit, wie möglich, an Masse und +Ub hängen. Eher dichter und direkter an Masse, das es bei dynamischen Spitzen keine Potentialverschiebung masseseitig gibt, denn rin Ripple an plus ist eher verschmerzbar, als masseseitig.
Bringe diese Regeln mal alle einem Autorouter bei.
Die Erfahrung eines Entwicklers lässt sich noch nicht in Formeln gießen ;-)
Im Netz liest man auch, dass erfahrene Entwickler von Autoroutern eher abraten, weil sie zu ineffizienten oder fehlerhaften Leiterbahnen führen können, und weil das manuelle Lernen behindern (können). Autorouter waren wohl nie für komplexe Schaltungen gedacht?!
Ich bin in einer ganz ähnlichen Situation wie der TE. Hatte damals gespannt wie ein Flitzebogen geschaut, was Autoplacer und -Router in Protel99SE machten. Und mich gewundert, wie man einen Algorithmus programmiert, der solch einen Unsinn absondert. Dabei sind die primären Aufgaben doch gar nicht so kompliziert: Setze die Bauteile aufs Board, so dass wichtige Signale gut geroutet werden können (Netzklassen wurden bereits erfunden). Dann verbinde die Netze. Es wäre doch völlig okay, wenn der erfahrene Entwickler am Ende nochmal Hand anlegt und Blockkondensatoren verschiebt und Vias setzt. Genau das wüßte ich auch gerne, ob es so was schon gibt.
Autorouter waren wohl nie für komplexe Schaltungen gedacht?!
Es gibt aber durchaus auch einfache!
Macht der Autorouter nicht das was man im Schaltplan vorgibt?
Und was nicht im schaltplan steht, muss der Hr. ( oder Fr.) Au-To Rou-ter raten.
Stütz-Kondensatoren zeichnet man schon mal in einer Ecke am Block, also so wie man es sicher nicht platzieren will. Ob platziert auf Up- oder Bottom-Seite ist dem schematic auch egal, aber nicht dem Layout insbesonders bei BGA o.ä.
Beispiel siehe Anhang
Stütz-Kondensatoren zeichnet man schon mal in einer Ecke am Block
Gibt es dafür feste Regeln, die einzuhalten jeder verpflichtet ist? Oder ist das "so gewachsen"?
Bradward B. schrieb:
Stütz-Kondensatoren zeichnet man schon mal in einer Ecke am Block
Gibt es dafür feste Regeln, die einzuhalten jeder verpflichtet ist? Oder ist das "so gewachsen"?
Es gibt viel "kann, nichts muß".
Dazu sollte man sich auch mal den Sinn und Werdegang eines Schaltplanes vor Augen führen.
Ein Schaltplan fließt mit in die Serviceunterlagen mit ein. Dann gibt es bereits ein PCB und der Servicefuzzi braucht keine Bauelemente mehr platieren, nur noch auffinden.
Fehlende Infos sind aber ein willkommenes Benefit, der Konkurrenz oder irgendwelchen Kopierern eine Nasenlänge Knowhow voraus zu haben ;-)
Im "Firmendenglisch" heißt das "need to know" - jeder weiß nur soviel, wie er muß, um seine Aufgabe zu erfüllen.
Wenn du was Open Source oder Open Hardware veröffentlichst, wo ja gerade Nachbau und Weiterentwicklung erwünscht sind, da lieferst du diese Infos mit. U.a. Quellcode und Gerberdaten.
Also ist das so gewachsen.
Stütz-Kondensatoren zeichnet man schon mal in einer Ecke am Block, also so wie man es sicher nicht platzieren will
Ich verstehe nicht, warum ihr euch so an den Kondensatoren aufhängt. Man könnte die einfach mit "let me choose" kennzeichnen und dann, nachdem die großen Elemente platziert sind, diese hinschieben, wo ich sie haben will. Natürlich ebenso alle weiteren Elemente, die ich gerne wohin platzieren möchte. Das macht die Sache doch nicht so kompliziert, oder?
Naja ein Schaltplan zeigt die elektrischen Verbindungen aber nicht die räumliche Zuordnung der Bauelemente oder deren Bauform (ob Becher-Elko oder Tantal-Tropfen -> selbes Symbol) derselben, das zeigt vielleicht der Bestückplan. Und der wird beim Prozess des Routings mit gezeichnet/erzeugt.
Beim Z80-Prozessor heisst es war es die Kunst vom Schaltungszeichner Masatoshi Shima das er den schaltplan so zeichnete das man das routing schon abschätzen konnte. Das muss aber nicht unbedingt gut für die "Lesbarkeit" sein.
Natürlich ebenso alle weiteren Elemente, die ich gerne wohin platzieren möchte. Das macht die Sache doch nicht > so kompliziert, oder?
Was ist an einem Auto-router noch "Auto" wenn der Entwickler dann doch alles händisch platziert ?
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