Ungewollt auf die 230-V-Leitung eingekoppelte Daten messen?

OP #8101871
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Hallo zusammen,

ich beschäftige mich aktuell mit der Frage, ob es möglich ist, auf einer 230-V-Netzleitung vorhandene (Kabelgebundene), jedoch nicht absichtlich eingespeiste Datensignale zu messen.

Dabei geht es nicht um klassische Powerline Communication (PLC), bei der Daten gezielt auf die Netzleitung moduliert werden. Stattdessen interessiert mich, ob sich Daten, die eigentlich für andere Leitungen bestimmt sind, ungewollt auf das Stromnetz einkoppeln und dort nachweisbar sind.

Als mögliches Beispiel denke ich an digitale Signale wie USB-Daten, die durch kapazitive oder induktive Kopplung auf die Netzleitung gelangen könnten und anschließend von Unbefugten abgegriffen extrahiert werden könnten.

Hat jemand von euch schon einmal Experimente in diese Richtung durchgeführt oder entsprechende Literatur bzw. Messaufbauten gesehen?

Mich würden insbesondere folgende Punkte interessieren:

  • Welche digitalen Schnittstellen koppeln erfahrungsgemäß am stärksten in das Stromnetz ein?
  • Ist eine Messung solcher Signale mit einem Spektrumanalysator oder Oszilloskop realistisch?
  • Welche Frequenzbereiche wären für solche Untersuchungen besonders interessant?
  • Gibt es bekannte Beispiele, bei denen unbeabsichtigt eingekoppelte Daten über die Netzversorgung nachgewiesen wurden?

Ich freue mich über Erfahrungen, Ideen, Einschätzungen oder Hinweise.

Viele Grüße Finn

#8101898
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Ein normales Stromkabel ist natürlich keine sonderbar gute HF-Leitung! Führe Dein fragliches Kabel durch eine geeignete Spule und sieh Dir die Sachen auf dem Oszi an. Wenn Du Glück und die richtigen Einstellungen hast, wirst Du evtl. etwas sehen.

#8101906
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Wenn irgendein Nachbar am selben Trafo eine billige, schlecht entstörte China-LED-Leuchte oder Powerline betreibt, kannst du das Vorhaben vergessen.

Geschäfts-Idee: den billigsten China-Schrott einkaufen, Aufkleber drauf "ePrivacy Lamp", "Verhindert bis zu 100% oder mehr des Datenabflusses über die Stromleitung". Für 1000-fachen Preis verkaufen.

(Firma: matzetronics) #8101918
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●Des|ntegrator ●. schrieb:

Und wie sollten Daten ungewollt auf die Netzleitung kommen?

so isses, zumal heute so gut wie alle Datenleitungen symmetrisch ausgelegt sind und deswegen so gut wie keine EM Felder erzeugen. Das gilt sowohl für USB, als auch für Ethernet und RS485. Alles andere ist extrem selten. Früher konnte man mal VGA Monitore abhören, hat sich aber mit DVI/HDMI und LCD/TFT erledigt. Aber ins Stromnetz hat da nix eingestreut.

#8101954
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Finn H. schrieb:

Mich würden insbesondere folgende Punkte interessieren:

Welche digitalen Schnittstellen koppeln erfahrungsgemäß am stärksten in das Stromnetz ein?

Mehr oder weniger Alle. Am meisten PLC und primärgetaktete Schaltnetzteile, wobei deren Signale nicht digital sondern analog sind, was sie dennoch nicht daran hindert, zu stören.

Ist eine Messung solcher Signale mit einem Spektrumanalysator oder Oszilloskop realistisch?

Spektrumanalyzer und Messempfänger sind das Mittel der Wahl

Welche Frequenzbereiche wären für solche Untersuchungen besonders interessant?

am besten die, die gestört sind.

Gibt es bekannte Beispiele, bei denen unbeabsichtigt eingekoppelte Daten über die Netzversorgung nachgewiesen wurden?

Nein, du bist wahrscheinlich der Erste.

War'n Witz

Google nach: EMV Leitungsgeführte Emissionen und lasse dich von der Menge an Information erschlagen.

: Bearbeitet durch User
#8101955
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Matthias S. schrieb:

Früher konnte man mal VGA Monitore abhören, hat sich aber mit DVI/HDMI und LCD/TFT erledigt. Aber ins Stromnetz hat da nix eingestreut.

Das, was ins Stromnetz einstreut, sind die Netzteile. Und da kann man am Spektrum durchaus verschiedene Betriebszustände unterscheiden. Ob der PC die Graphikkarte nutzt, ob die Fritzbox Daten überträgt oder das WLAN aktiv ist, usw. Bei vielen Netzteilen kann man die Betriebszustände sogar akustisch erfassen -- die zwitschern, zirpen oder knattern im Ultraschallbereich.

#8101971
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Marek N. schrieb:

Such mal nach "Van Eck phreaking".

Da geht's um die Übertragung durch die Luft. Das ist um Größenordnungen einfacher.

in 10m Entfernung durch Luft kriegst du das Signal aus einem Monitorkabel (DVI, unverschlüsselt) mit einer guten Antenne noch empfangen.

Ein Netzkabel ist keine gute Antenne. Auch wenn das nur cm neben dem Monitorkabel liegt, kommt schon deutlich weniger vom Signal überhaupt im Netzkabel an, als die Vergleichsantenne am anderen Ende des Raumes so empfangen würde.

Dann die Kabeldämpfung. So übliche PVC-Isolierung hat bei den relevanten Frequenzen (300Mhz++) einen sehr hohen Verlustfaktor, dazu Fehlanpassung, Skineffekt, Abstrahlverluste. Wenn das nur 2dB pro Meter verliert, ist's schon gut...

Die ganze Betrachtung macht nur Sinn, wenn über das Netzkabel irgendwie bessere Reichweite erzielbar wäre im Vergleich zur normalen Abstrahlung, und dafür muss man schon sehr abstruse Gedankenexperimente anstellen.

Vielleicht wenn der Computerraum komplett mit mehreren Lagen Alufolie tapeziert ist, aber die Netzleitung ungeschirmt auch im Nachbarraum vorbeikommt? Und man unauffällig eine Antenne an die Netz-Phase klemmen kann, so direkt neben dem Computer...

#8101974
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Matthias S. schrieb:

zumal heute so gut wie alle Datenleitungen

Matthias S. schrieb:

deswegen so gut wie keine EM Felder erzeugen

merkst du was? so gut wie? möglichst wenig? kaum etwas?

Wenn das so ist, warum müssen wir dann mit unserem Geraffel ins EMV-Labor?

●Des|ntegrator ●. schrieb:

Und wie sollten Daten ungewollt auf die Netzleitung kommen?

schrieb er doch:

Finn H. schrieb:

durch kapazitive oder induktive Kopplung

Gibt es noch andere?

: Bearbeitet durch User
#8101991
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Also ich meine mich zu erinnern dass es zur Zeit meiner Abschlussarbeit (vor 15-20 Jahre) eine Ausschreibung einer öffentlichen Stelle (BSI, NSA, oder etwas ähnliches von anderen Ländern) gab wo auf dieses Thema abzielte.

Im speziellen ging es um den Entwurf von Netzfiltern die verhindern sollten über stochastische Verfahren Daten aus dem Stromnetz rückgewinnen zu können.

Also scheinbar scheint es da Ängste zu geben...

#8101993
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Hey Finn, ich finde deine Frage absolut berechtigt. Und die glasklare Antwort ist: Kommt ganz darauf an!

Lu schrieb:

Ein normales Stromkabel ist natürlich keine sonderbar gute HF-Leitung!

Das erschwert die Analyse natürlich.

Ich finde einige der weiteren Antworten schon ziemlich gut auf den Punkt.
Wenn Du ein echter Spezialist in E-Spionage bist
Dein Auftraggeber dir bei Erfolg ein fettes Geldbündel hinlegt
Das gesuchte Endgerät schlecht gesichert ist (billiges Key-Code Schloss)
Deine Entfernung dazu klein ist Du die Störungen durch Netzteile durch Autokorrelation rausfilterst Dann denke ich, Du kannst die Übertragung durchaus "erkennen".

Du kannst auch einen teuren Meßempfänger von R&S da hinstellen: Du siehst nur einen Rauschteppich.

Das Signal zu decodieren, das wird die Kunst sein.
Meine Meinung, ich bin aber kein E-Spion

#8102089
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Ich freue mich über Erfahrungen, Ideen, Einschätzungen oder Hinweise. Viele Grüße Finn

Immerhin ist Dir schon bei Deinem ersten Beitrag gelungen das Forum zum üblichen Plappern zu bringen ohne das Du gleich durch die Art der Fragestellung paniert worden bist....

Respekt, schafft nicht jeder, selbst geübte Forumsquerulanten schaffen das nicht so glatt.

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