Hallo,
ich brauche mal Tipps weil ich gerade keine Idee mehr habe.
Ich habe hier einen Mission PCM7000 CD-Player. Der entspricht im wesentlichen dem Philips CD-650 (Mainboard).
Da gibt es einen SAA7220P/A mit einem Quarz für den Takt dieses Filters-ICs. Der Quarz hat 11.2896MHz. Der Filter hat auch einen Taktausgang wo der Takt an den Decoder SAA7210 weitergegeben wird. Der Takt fällt aus. Tot, ich messe dann ca. 2V gegen Masse. Auch an den beiden Anschlüssen für den Quarz.
Was ich gemacht habe:
Den Quarz, die beiden Lastkondensatoren (SMD, 47pF) und den Parallelwiederstand zum Quarz (SMD, 150kOhm) ausgelötet, die Lötaugen auf der Platine sauber gemacht und die Verbindungen zum IC durchgeklingelt (waren in Ordnung). Die beiden Kondensatoren hatten 45 und 43pF), der Widerstand 145kOhm.
Alles wieder eingelötet und immer noch kein Takt an Pin 9 vom SAA7220. An den Pins 10/11 (Quarz) auch nicht. Nur ca. +2V.
Neuen Quarz (von Mouser) eingelötet. Takt funktioniert.
Ein paar Tage Tage Musik gehört, der Takt ist wieder weg.
Den SAA7220 mit Kältespray und Lötkolben "behandelt". Takt bleibt weg. Die beiden Kondensatoren mit Kältespray behandelt. Takt wieder da. Da hab ich die Kondensatoren gegen 39pF ausgetauscht, ich hatte gerade keine anderen.
Ein paar Tage Tage Musik gehört, der Takt ist wieder weg.
Original alte Bauteile wieder eingelötet, Takt wieder da.
Am Taktausgang ein "Rechteck" mit ca 3.6Vpp, an den beiden Quarzanschlüssen einen Sinus mit ca. 2.7Vpp. Ein paar Tage Tage Musik gehört, der Takt ist wieder weg.
Jetzt hab ich das Ding hier liegen, hab die Verbindungen vom Quarz, von den Kondensatoren und vom Widerstand zum SAA7220 durchgeklingelt. Verbindung ist da, Takt aber weg. Kältespray auf den oben/rechts liegenden Kondensator gegeben, Takt wieder da.
Und jetzt die spannende Frage, was ist da defekt. Neue Kondensatoren und neuen Quarz war nicht die Lösung. Ist der SAA7220 defekt? Warum reagiert das Ding dann aber wenn ich den Kondensator mit Kältespray behandel, aber bei dem SAA7220 spielt die Temperatur keine Rolle.
Im Anhang der Schaltplanauschnitt und ein Foto von der Lötseite der Platine. Die beiden 47pF und der 150kOhm haben rote Pfeile. An dem Taktausgang (Pin 9) steht in ganz klein in rot CLK. Zwischen den beiden Anschlüssen des Quarzes sind schwarze Pfeile. Die beiden Drähte an Pin 9 und 12 sind zum Anklemmen des Scopes.
Wer hat hilfreiche Tipps? Vielen Dank schonmal im Voraus.
Nachtrag: Jetzt wo der Takt ok ist, verändert Kältespray auf dem SAAA7220, den Kondensatoren, dem Widerstand und den Lötstellen nichts. Der Takt bleibt.
Warum reagiert das Ding dann aber wenn ich den Kondensator mit
Kältespray behandel
Kondenswasser?
Das ist einseitige Presspappe, evtl. hast du einen Haarriss, und damit ein Temperaturproblem. Das beim Suchen nicht auffällt weil du mit der Messspitze genug Druck aufbringst das es sich wieder zusammenverbiegt.
Und: einen Quarz direkt zu messen ist nix für Luschen. Weißt du wie man das macht?
Das beim Suchen nicht auffällt weil du mit der Messspitze genug Druck
aufbringst das es sich wieder zusammenverbiegt.
Ja, deshalb hab ich versucht, möglichs keine Druck aufzubringen. Eigentlich hab ich die Bauteilpins nur "gestreichelt" und nicht auf dem Lötauge kontaktiert.
Ich könnte natürlich überall Fädeldraht anbringen.
Und: einen Quarz direkt zu messen ist nix für Luschen. Weißt du wie man
das macht?
Ich hab den Tastkopf auf 10x gestellt und das Scope hat im funktionieren Fall an beiden Quarzanschlüssen einen Sinus angezeigt. Reproduzierbar. Insofern war das nicht soo verkehrt?
Kondenswasser?
Das ist einseitige Presspappe, evtl. hast du einen Haarriss, und damit
ein Temperaturproblem.
Vielleicht ist es ein Haarriss oder eine schlechte Lötstelle.
Es muss aber nicht der Quarz oder die Kondensatoren schuld sein. Die hast du ja schon gewechselt mit unzuverlässigem Resultat (Für mich ist das Resultat daraus, dass sowohl der alte wie der neue geht, also muss die Ursache wo anders sein).
Ganz banal, der Takt geht auch nicht, wenn der SAA7220 keine Speisung hat. Also mal um Pin 24 und 12/13 suchen.
Auf gut Glück Fädeldraht einlöten ist für mich auch OK, schadet ja nicht, wenn der Fehler anders wo ist.
Ganz banal, der Takt geht auch nicht, wenn der SAA7220 keine Speisung
hat. Also mal um Pin 24 und 12/13 suchen.
Ja, das ist richtig. Allerdings ist es dann merkwürdig das der Takt nach Einsprühen eines Kondensators mit Kältespray wieder funktioniert. Aber ich werde im Fehlerfall nochmal die Versorgung messen.
150kOhm parallel zum Quarz scheint mir zu wenig, ich hätte da eher
1MOhm erwartet.
Schau mal ins Datenblatt, was da vorgeschlagen wird.
Im Datenblatt unter "Fig. 9 Crystal oscillator circuit" steht tatsächlich 1MOhm. Und als Last-C 33pF. Siehe Anhang. Das könnte ich ja ändern.
Allerdings weshalb funktionieren "alle" CD-Player mit den von Philips eingebauten Werten seit Jahren und weshalb haben Sie das geändert? Vor allem die vorgeschlagenen 33pF auf 47pF erhöht? Ich hätte eher weniger erwartet wenn sie anders sein sollen. Wollten sie damit die Frequenz trimmen? Ist das Fusch am Bau?
Das Datenblatt hab ich auch angehangen. Bei mir ist ein SAA7220p/A verbaut. Die "P/B" und "P/C" haben eine andere Filtercharakteristik.
Stimmt auch wieder. Danke.
Mit 47pF ist die Frequenz ~400Hz zu hoch. Also ~35ppm Abweichung.
Gemessen mit HP5316B mit Quarzofen. Vor 15 Jahren war die Kalibrierung noch OK ;)
weshalb funktionieren "alle" CD-Player mit den von Philips eingebauten
Werten seit Jahren und weshalb haben Sie das geändert
Philips hat da ja nur einen oder zwei von verkauft, da haben die bestimmt keine 5 Minuten dran überlegt, damit die Freuquenz tatsächlich exakt 11,2896MHz ist.
Liegt ja auch ein wenig am Quarz selbst.
Wichtig ist am Ende die Freq und der Drive Level, nicht die verbauten Teile.
Ja, nur der originale Quarz, wie der beschaltet werden will, bekomme ich
wohl kaum noch raus.
Das dürfte relativ schnurz sein, denn wenn der falsch oder gar nicht schwingt ist Ruhe.
Bei "laut" passt das schon. Außer dir fällt auf das die Leute alle wie Mickymaus singen.
Tja, dann hat mir mein Ausbilder scheiße erzählt.
Der Widerstand zwingt den üblicherweise digitalen Inverter der den Oszillator bildet in den analogen Betrieb, damit der überhaupt in analoger Manier sinusförmig schwingen kann.
Ohne den geht's je nach interner Schaltung des Chips auch, und ein hoher Widerstand belastet den Inverter weniger, macht aber auch weniger Effekt was die "Analogisierung" angeht.
Meint: ein kleiner Widerstand macht ihn sicher analog, überlastet (oder "erstickt") ihn aber evtl., ein großer Widerstand überlastet ihn sicher nicht, hat aber evtl. nicht genug Arbeitspunktverschiebung zur Folge so das er nicht oder nicht immer/nicht zuverlässig schwingt.
Von daher sind Werte im M-Ohm-Bereich üblich verbreitet, und niedrigere machen den Oszillator betriebssicherer (Temperaturbereich, Quarzstreuungen) belasten den Treiber aber mehr.
Die gefundenen 150k könnten also einfach ebenso wie die zu hohen Kapazitäten eine Anpassung an schlechte Quarze oder Chips sein.
Vielleicht ist es ein Haarriss oder eine schlechte Lötstelle.
Das Foto was du angehangen hast und die gerissene Lötstelle zeigt, ist mit sehr hoher Wahrscheinlichkeit das Problem. Das ist eine Drahtbrücke, die für die Masseversorgung des SAA7220 sorgt. Genau rechts daneben auf meinem Foto ist das andere Ende der Brücke. Und da kommt Masse her. Hab die Brücke extra ausgelötet um das zu prüfen. Und diese Brücke ist auf der anderen Seite der Platine über die gesamte Länge mit der Massefläche dort verlötet. Ich nehme an, thermische Spannungen haben der von dir gezeigte Lötstelle den Riss verpasst.
Kannst du tatsächlich ein 1206er Teil zielgenau einsprühen und nix
anderes treffen? ;)
Nein, ich nehem an, dass ich die hier eben erwähnte Lötstelle, sie liegt dicht an dem SMD-Kondensator damit getroffen habe, und damit die Masseverbindung kurzzeitig wieder hergestellt wurde.
Christoph danke für dein genaues hinsehen. Mir war das tatsächlich nicht aufgefallen, dieser kleine schwarze Rand in der Lötstelle.
Ich gehe davon aus, dass mir der Player jetzt wieder viele Stunden Musik beschert :)
Allen anderen auch danke für Ihre Hinweise.
Nachtrag: Es gibt noch mehr Drahtbrücken die auf der anderen Seite der Platine mit der Massefläche verlötet sind. Fast alle zeigten diesen dünnen schwarzen Kreis in der Lötstelle. Hab sie jetzt alle nachgelötet.