Moin,
ich wollte heute von meinem Auto, einem VW Polo Coupe 86c, die
Hinterreifen nach Vorne montieren und umgekehrt um eine gleichmäßige
Abnutzung zu bekommen - Vorderradantrieb, Vorderreifen sind bisschen
abgenutzer als die Hinterreifen. Vorteil wäre dann natürlich auch etwas
mehr Grip beim Anfahren.
Nun meinte ein Kumpel zu mir, dass Reifen mit dem besseren Profil immer
nach hinten gehören, da diese das Fahrzeug stabilisieren. Ein anderer
meinte, das wäre nicht relevant und mein Ansatz mit dem Wechsel sei der
richtige.
Was Stimmt denn nun?
Grüße
Schlechtere Reifen vorn -> Auto neigt zum Untersteuern (fährt in Kurve
geradeaus)
Schlechtere Reifen hinten -> Auto neigt zum Übersteuern (Heck dreht ein)
Solange die Reifen nicht extrem unterschiedlich abgenutzt sind, ist
beides relativ unkritisch. Hast du aber vorn sehr gute und hinten sehr
schlechte Reifen, kann es bei Nässe zu plötzlichen Drehern kommen.
Untersteuern ist für den Durchschnittsfahrer leichter zu beherrschen,
daher wird allgemein empfohlen, die besseren Reifen hinten zu montieren.
Habe bei meinem Golf mal die Reifen von vorne nach hinten gewechselt.
Resultat: Ein Wummern bei ca. 30km/h war zu hören, wohl von einer
ungleichmäßigen Abnutzung. Hat man den Reifen (alle gleiches Modell
etc.) aber nicht angesehen.
Jetzt sind 4 neue Reifen drauf: kein Wummern mehr.
Sinnvoll wäre es wohl, die Reifen regelmäßig zu tauschen. Also alle paar
Monate hin- und her. Nur dann nutzen sie sich wirklich völlig
gleichmäßig ab. Aber wer will schon ständig einen auf Wagenheber machen?
Eine ähnlich salomonische Antwort hab ich mal vom ADAC gehört. Die
(alte) Idee, dass die guten Reifen auf die Antriebsachse gehören,
scheint jedoch nicht mehr so von allen getragen zu werden.
Moin,
dankeschön für die zahlreichen Antworten.
Habe eben nochmal nachgmessen: Vorderreifen haben ein Profil von ca.
~4,5mm Hinterreifen von ca. ~5,5mm.
Denke ich werde die Reifen nun so belassen wie sie sind. War ja nur eine
Überlegung wert :)
Grüße
Was der ADAC schrieb... als Anhang
Und hier das Anschreiben
>...anbei eine Stellungnahme zum Thema wohin mit den besseren Reifen, aus >der Sie
alles Wissenswerte erfahren können.
>>Die von Ihnen gemachte Aussage dass bei einem Neukauf von 4 Reifen nach >einer
Saison die Vorderreifen die schlechteren sind, kann natürlich nur für >einen
Frontantrieb gelten, nicht für einen Heckantrieb.
>>Die Empfehlung, die besseren Reifen hinten zu montieren, muss man unter dem >Aspekt Sicherheit sehen.>Freundliche Grüße...
Michael K-punkt schrieb:>>Die Empfehlung, die besseren Reifen hinten zu montieren, muss man unter dem>>Aspekt Sicherheit sehen.
Wobei die Wurst da auch zwei Enden hat. Mit den guten Reifen hinten wird
der weniger geübte Fahrer weitgehend von unfreiwilligen Pirouetten
verschont. Das wars aus meiner Sicht aber auch schon mit den Vorteilen.
Das Bremsverhalten, besonders auf nasser Fahrbahn, verschlechtert sich.
Nur ein einziger Meter macht manchmal den Unterschied zwischen "Uff..."
und "Bummms". Auch das Untersteuern kann unangenehm werden, wenn das
Auto partout nicht um die Ecke will. Im Winter rutscht man da fix mal
aus der Kurve oder in Richtung Gegenverkehr.
Ich montiere die besseren Räder grundsätzlich vorn, weil ich eher
übersteuerndes als untersteuerndes Fahrverhalten bevorzuge. Im Grenzfall
läßt sich ein Dreher durch Gegenlenken leicht abfangen. Bei einem aus
der Kurve drängenden Auto ist man dagegen fahrtechnisch hilflos.
In Fahrzeugen mit ESP wirkt sich die Reifenproblematik ohnehin nicht
gravierend aus, da die Elektronik dem Fahrer die Manöver abnimmt.
Icke ®. schrieb:> Michael K-punkt schrieb:>>>>Die Empfehlung, die besseren Reifen hinten zu montieren, muss man unter dem>>>Aspekt Sicherheit sehen.>> Wobei die Wurst da auch zwei Enden hat.
1. Danke für das Zitat, welches aber korrekterweise vom ADAC stammt.
2. Über die Reifen wird ne Menge boha gemacht. Dies täuscht so manchen
darüber hinweg, dass letzten Endes die Fahrweise Einfluss auf das
Unfallgeschehen hat und die Reifen allenfalls eine unterstützende
Funktion haben. (Klar, wer mit abgefahrenen Sommerreifen in den
Tiefschnee kommt macht sich nich viele Freunde). So steigt der Bremsweg
ja quadratisch mit der Geschwindigkeit, daher bringen ein paar km/h
weniger vielleicht deutlich mehr als ein Wechsel auf Marke Super-duper.
3. Die Reifen werden alle im Neuzustand getestet. Für den Nutzer, der
seine Reifen 4, 5 oder auch 6 Jahre fährt (länger ist wohl schon länger
nicht mehr angesagt) wäre ja auch mal interessant, was der Prügel nach
einem oder zwei Jahren noch kann. Oder wie sich der Reifen verändert,
wenn halt 1 mm weniger Profil drauf ist. Pneus, die im ersten Jahr
Spitze sind und im zweiten Jahr schon halb ausgetrocknet daherkommen
nutzen uns sicher wenig.
> Bei einem aus> der Kurve drängenden Auto ist man dagegen fahrtechnisch hilflos.
Die Gesetze der Physik sind halt nicht nach dem
Motto "Du sollst nicht..." gestrickt sondern nach dem
Muster "Du kannst nicht..."
Michael K-punkt schrieb:> 1. Danke für das Zitat, welches aber korrekterweise vom ADAC stammt.
Ich weiß, deswegen ja auch mit ">>" zitiert. Hoffentlich gibts wegen der
fehlenden Quellenangabe jetzt keine Plagiatsvorwürfe =8-|
> So steigt der Bremsweg ja quadratisch mit der Geschwindigkeit, daher> bringen ein paar km/h weniger vielleicht deutlich mehr als ein Wechsel auf> Marke Super-duper.
Würde ich so nicht unterschreiben. Die Unterschiede zwischen guten und
schlechten Reifen sind zum Teil erheblich, vor allem auf Nässe und
Schnee. Da gehts nicht nur um ein zwei Meter, sondern manchmal 10 m oder
mehr. Ist mir ein Rätsel, wie manche Hersteller das Kunststück fertig
bringen, weiche und rasant verschleißende Gummimischung mit
hundsmiserablem, auf Nässe regelrecht gefährlich niedrigem Grip zu
kombinieren. 10€ mehr pro Reifen sind eine wirklich gute Investition.
Die Physik läßt aber trotzdem nicht austricksen, das ist schon richtig.
Icke ®. schrieb:> Wobei die Wurst da auch zwei Enden hat. Mit den guten Reifen hinten wird> der weniger geübte Fahrer weitgehend von unfreiwilligen Pirouetten> verschont. Das wars aus meiner Sicht aber auch schon mit den Vorteilen.> Das Bremsverhalten, besonders auf nasser Fahrbahn, verschlechtert sich.
Was bringt dir eine gute Bremsleistung auf der Vorderachse, wenn das
Fahrzeug gleich nach Einleitung der Bremsung die Spur verliert und sich
dreht, weil die Reifen auf der Hinterachse schlecht sind?
Michael Buesch schrieb:> Was bringt dir eine gute Bremsleistung auf der Vorderachse, wenn das> Fahrzeug gleich nach Einleitung der Bremsung die Spur verliert und sich> dreht, weil die Reifen auf der Hinterachse schlecht sind?
Die Räder der Hinterachse müssen blockieren, damit beim Bremsen das Heck
ausbricht. Passiert aus eigener Erfahrung nur bei sehr stark
unterschiedlichem Grip und auf nasser Fahrbahn. Zum Beispiel vorn
Neureifen, hinten auf 1-2 mm abgenutzt. So würde ich nicht rumfahren.
Wenn ich den ADAC/Michelin-Artikel richtig verstehe, wurde dort absicht-
lich mit stark unterschiedlich abgefahrenen Reifen für vorne und hinten
getestet. Speziell das Fahrverhalten in Kurven ist aber dann am neutral-
sten, wenn alle Räder etwa die gleiche Griffigkeit (egal ob gut oder
schlecht) haben, denn darauf ist das Fahrwerk herstellerseitig optimiert
worden.
Deswegen ist es IMHO schon sinnvoll, die Räder hin und wieder (bspw.
beim Sommer-/Winterreifenwechsel) zwischen vorn und hinten zu tauschen,
um einen größeren Unterschied in der Profiltiefe gar nicht erst entste-
hen zu lassen. So etwas schreibt ja auch der ADC im letzten Absatz.
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