Qualität heutiger Transistoren

Gast #2595970
Moin,

habe heute einen Fernseher repariert und den Transistor BU208A ersetzt. 
Soweit so ungut, der Transistor läuft in seiner SOA, nur hatte der Neue 
nur ein paar Minuten gehalten.

Ein Griff in die Bastelkiste brachte einen alten ausgelöteten BU208 zu 
Tage, der nun seit Stunden ohne Macken seinen Dienst tut.

Kein Trollthema, ist ernst gemeint:

Der neue war ein "Toshiba" mit rotem Aufdruck, hergestellt 09KW 2010
Der aus der Bastelkiste stammt aus den 80ern und hält.

Wie kann das sein? einzellfall, pech oder ist die Quali nicht mehr wie 
damals?


Mich ärgert sowas.
Moderator (Firma: Titel) Persönliche Seite #2596094
MaWin schrieb:
> Transistoren sind besser geworden, die Parameter streuen
> weniger, die Verstärkung und Bandbreite ist höher.
Und oft werden Parameter verbessert, die nicht explizit im Datenblatt 
standen, oder wo nur eine (in Zahlen 1) Grenze angegeben ist.
Dadurch kann es dann passieren, dass ein Transistor, der mindestens 1MHz 
konnte, jetzt viel schneller schaltet und so plötzlich EMV-Probleme 
produziert, die den Rest der Schaltung beeinflussen...   :-o
#2596120
Hallo,
so weit ich es beurteilen kann, dürfte MaWin recht haben.
In meinem engeren Umfeld arbeiten zwei Leute direkt bei der 
Halbleiterherstellung.

Beide haben immer wieder bestätigt dass die 
Halbleiter-Herstellungsprozesse um Größenordnungen stabiler geworden 
sind. Von beiden habe ich aber auch erfahren, dass so "altes Kleinzeugs" 
wie wir (Hobbyelektroniker) es verwenden sehr oft irgendwo auf der Welt 
auf einer beliebigen FAB produziert wird. QM ist dort nicht immer 
gewährleistet.

In einem anderen Zusammenhang habe ich erfahren, dass Bausteine nach der 
Herstellung spezifiziert werden, um dann richtig "gelabelt" zu werden. 
Von Transistoren habe ich das zwar noch nicht gehört jedoch spricht 
nichts dagegen dort genauso zu verfahren.

Ich kann noch meine aus meiner Erfahrungen bei der Suche nach "besonders 
stabilen Bauteilen" in meinem Fall Kleinsignaltransistoren berichten.

Solche Teile werden z.B. von Wehrtechnikherstellern angeboten. Dort hat 
mir ein Mitarbeiter mitgeteilt dass Sie (natürlich) nicht selbst 
produzieren sondern lediglich ganze Chargen aufkaufen und testen. Die 
robustesten Teile kommen dann ins Sortiment.

Zu guter letzt haben mir die beiden Halbleiterprofis bestätigt, dass 
besonders die schon in die Jahre gekommen Designs nicht mehr verändert 
werden. Artikel wie ein NE555 werden sehr oft noch auf alten 
Maskensätzen (Software!!) mit "alten Verfahren" produziert. Wenn sich 
dann tatsächlich jemand die Mühe macht ein Teil an neue Prozesse 
anzupassen wird daraus sehr schnell ein "spektakuär neues Teil" mit 
"revolutionären Eigenschaften".

Zusammenfassend kann gesagt werden: Moderne Bausteine sind tendenziell 
besser und stabiler als ältere Teile. Das Problem von Fälschungen und 
beseitigen von Lieferenpässen durch Umlabeln habe ich noch nicht genauer 
beleuchtet.

Schöne Grüße
Gast #2596230
Tja, es wird wohl einen Grund geben, wieso der Originaltransistor 
ausgestiegen ist. Solange dieses Problem weiterbesteht, bist Du vom 
Glück der Bauteilstreuung abhängig. Wieso Du ein derartiges 
unspezifisches Einsatzfeld wie einen halb defekten Fernseher, zur 
Qualitätsbeurteilung von Transen heranziehst, erschließt sich mir nicht 
wirklich.
Gast #2596512
> einzellfall, pech oder ist

Er könnte für diesen speziellen Zweck AUSGEMESSEN gewesen sein? Zwischen 
Stromverstärkung und Spannungsfestigkeit besteht gelegentlich ein 
kleiner Zusammenhang. Nicht jeder Hersteller muß 100% das Selbe liefern. 
Besonders Hochspannungstransitoren brauchen den richtigen Arbeitspunkt.

Das alte Thema Fälschung:Beitrag "Gefälschte Transistoren!"
Gast #2596643
Hallo,

natürlich habe ich den ursprünglichen Fehler im Fernseher behoben, sonst 
wärs ja Schwachsinn.

Ich habe jetzt einen weiteren "Toshiba" getestet (der erste ist nach C-E 
leitend), denen fehlt die Diode. Das ist das Geheimnis.

Der alte hat laut Messgerät eine "protection Diode betw. E-C")

Ich habe mich schon anfangs gewundert, warum ein japanischer Hersteller 
einen "BU" im Programm hat anstatt den üblichen 2Sxx.

Habe beim Google Bilder gefunden, da hat jemand die Transis aufgesägt 
und als Fäschung entlarvt. Schon frech, ich dachte selber immer, wenn 
BU208 draufsteht, sollte das auch drin sein. Traurig sowas.

Kann sein, dass der Trans. sonst gut geht, aber in der 
Horizontalablenkung muss er halt schon was schaffen...

Werde jetzt besser aufpassen bei den Halbleitern.
Gast #2596837
> Der alte hat laut Messgerät eine "protection Diode betw. E-C")

Ein BU208A hat niemals eine Diode,
dazu muß er BU208D heissen.

Das hat nichts mit Fälschung oder minderer Qualität zu tun,
sondern einfach vorher mal in ein Datenblatt gucken.
Gast #2596930
Sieht Dein Ersatztransistor etwa so:

http://www.ebay.de/itm/BU208A-Silicon-NPN-Transistor-/370295526073?pt=LH_DefaultDomain_3&hash=item56375552b9

aus?

Dem BU208A fehlt neben der E-C Schutzdiode auch noch ein interner 
Widerstand zwischen Basis und Emitter.

Abhängig von der Schaltung der Horizontalendstufe "hört" ein BU208A 
anstelle eines vorgesehenen BU208D von Anfang an das Lied vom Tod.

Den Umstand, daß ein so hemmungslos gequälter BU208A erst nach Minuten 
seine Löffel für immer legt, ist keineswegs ein Zeichen minderer 
Qualität, sondern mehr ein Qualitätsmerkmal.
#2596945
Johann Gerner schrieb:
> In einem anderen Zusammenhang habe ich erfahren, dass Bausteine nach der
> Herstellung spezifiziert werden, um dann richtig "gelabelt" zu werden.
> Von Transistoren habe ich das zwar noch nicht gehört jedoch spricht
> nichts dagegen dort genauso zu verfahren.

Wurde schon lange gemacht da der unterschied oft bei A B C Transistoren 
die Verstärkung war welche gemessen wurde und dann einsotiert wurde.
Gast #2597221
es geht um
 BU208A und
einen alten ausgelöteten BU208

Der einzige Unterschied zwischen den beiden ist die Sättigung zwischen C 
und E, die bei der A-Variante 1V beträgt.

 > Ich habe mich schon anfangs gewundert, warum ein japanischer
 > Hersteller einen "BU" im Programm hat

Ich frage mich nicht, warum amerikanische Hersteller BU herstellen.
Gast #2597234
> Wenn ich es
> hinbekomme, werde ich ein Foto hochladen.

Mach dir nichts draus. An dieser schwierigen Aufgabe sind in diesem 
Forum schon viele Leute gescheitert.
Gast #2597528
Günther N. schrieb:
> MiWan schrieb:
>> In DDR Farbfernseher waren gerne die BU208A u.a. von Toshiba verbaut
>> wurden, falls die SU160 nicht lieferbar waren.
>
> Genauso war es,sogar mit rotem Aufdruck.

Die in Rot hat man in den sozialistischen Ländern am liebsten genommen!

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