wenn heute nicht schon Wochenende wäre, würde ich mit meiner Frage direkt zum Finanz- oder Gewerbeamt laufen, aber so habe ich noch zwei Tage Zeit mir Gedanken zu machen und würde mich freuen, von Euren Erfahrungen zu profitieren.
Ich habe eine handwerkliche Ausbildung, bin durch meinen Master berechtigt den Titel des Ingenieurs zu tragen und kann programmieren.
Für alle drei Bereiche habe ich potenzielle Kunden, für die ich tätig sein könnte, nur was wäre eine sinnvolle Tätigkeitsbeschreibung?
Als Ing. kann ich die Rolle des Freiberuflers in Anspruch nehmen, aber:
1.) ist das sinnvoll (rechtlich, steuerlich) ?
2.) kann ich als freiberuflicher Ingenieur auch die Einrichtung für ein Ladenlokal herstellen?
3.) und was wäre mit Software (Webseiten, Applikationen) ?
Fang mal damit an: Abgrenzung Gewerbe von freiberuflicher Tätigkeit. Was du als freiberuflich tun kannst, hängt auch davon ab, was für ein Ing du bist.
Vor allem können die alle wirklich wichtigen Fragen nicht beantworten.
Wenn Du beim VDE oder VDI wärest, wäre Dir sowas wie ein Existenzgründerseminar geläufig, wo viele Fragen beantwortet werden.
Zum Finanzamt kannst Du laufen um Dir beantworten zu lassen in welchen Zeitfenster Du diese Seminarkosten vor der Gründung steuerlich absetzen kannst. Das Gewerbeamt kann vielleicht noch mitteilen, welche Buchführungsvariante sinnvoll sein könnte, wenn diese viel Zeit für Beratung haben. Es gibt aber Städte, da wartest Du locker drei Monate auf einen Termin.
Fragen ist nicht falsch. Aber ob das Finanzamt die beste Adresse ist?
So ganz verkehrt isses nicht. Die haben da z.b. so'n kleines Heftchen "Steuertipps zur Existenzgruendung". Da werden genau so Sachen wie Freiberuf vs. Gewerbe behandelt.
Fang mal damit an: Abgrenzung Gewerbe von freiberuflicher Tätigkeit. Was
du als freiberuflich tun kannst, hängt auch davon ab, was für ein Ing du
bist.
Maschinenbau mit Fachrichtung erneuerbare Energien.
Aber erstmal danke für die beiden Links.
Zumindest für den Anfang muss ich mir ja keine Gedanken um die Einordnung machen.
Fragen ist nicht falsch. Aber ob das Finanzamt die beste Adresse ist?
Die IHK wäre da schon sinnvoller.
Damals, als ich mich mit meinem Handwerk selbstständig gemacht habe, waren Finanz und Gewerbeamt meine einzigen Quellen und haben mich gut beraten und unterstützt.
Für alle drei Bereiche habe ich potenzielle Kunden, für die ich tätig
sein könnte...
Sehr schoen. Gib dir einen Namen, reserviere den domainnamen. Dann mach doch mal eine Webseite.
Wir koennen hier Beurteilungen abgeben wie die webseite rueberkommt. Das kannst du auch machen ohne einen definierten Termin der Selbstanedigkeit vorzugeben.
Als Ing. kann ich die Rolle des Freiberuflers in Anspruch nehmen, aber:
1.) ist das sinnvoll (rechtlich, steuerlich) ?
2.) kann ich als freiberuflicher Ingenieur auch die Einrichtung für ein
Ladenlokal herstellen?
3.) und was wäre mit Software (Webseiten, Applikationen) ?
Warum willsst du Freiberufler und kein Gewerbetreibender sein ?
Weil du dir auf die Art die Gewerbesteuer spatst ? Bergiss es, die wird nur auf televante Hewinne gâllig, wenn du die erwirtschaftest, zahlst du die Steuer gerne.
Weil du damit nicht in der Handwerkskammer steckst ? Sie hilft dir, z.B. wenn ein Lunde meckert. Aber sie fordert auch, adäquaze Ausbildung für deinen Beruf.
Ladenbauer ist im Endeffekt Tischler mit untergeordnetem Elektriker und Wasserrohrberlegung. Keine Ahnung ob deine handwerkliche Ausbildung das kann, du verschweigst sie ja absichtlich. Dein Studium hilft dir kedenfalls nicht.
Als Freiberufler darf man keinen Finger krumm machen.
Erzähl das mal einem Arzt.
Der Einwurf mag berechtigt sein oder nicht, mit Medizinern
als Freiberufler habe ich mich nicht befasst.
Ein begutachtender Arzt "veranlasst" Untersuchungen und
wertet sie dann aus.
Fuer den TO mag es als einfache Faustregel aber huelfreich sein.
Und ganz stimmt sie ja auch nicht.
Ich kann zu meiner Meinungsbildung Messungen ausfuehren und
sogar Prototypen bauen. Aber das Ziel der Leistung ist eben
nicht der Prototyp, sondern daraus abgeleitete Erkenntnisse.
Beim TO sehe ich eine reine Taetigkeit als Freiberufler aber
eher nicht.
wenn heute nicht schon Wochenende wäre, würde ich mit meiner Frage
direkt zum Finanz- oder Gewerbeamt laufen,
Hoffnung nicht laufen lassen kein Stress und NICHT die Tage zählen.
Also für die anderen hier mit ähnlichen Fragen gilt Zeit lassen und Recht finden. Die gute Nachricht - nichteinmal die Rechtssprechung ist einheitlich und wandelt sich in der Zeit wie die Berufung beim Juristen.
Meine Meinung zuerst - weiter unten ist eine IHK-Meinung mit Quelle
In DE ist die (Schein-) Selbständigkeit wie ein sogenannter "freier" Beruf oft eine Lotterie, wie die Anmeldepflicht dazu auch - im Zweifel Amtsberatung in Anspruch nehmen, prüfen wies in anderen (Bundes- oder EU-) Länder bei ähnlichem Beruf ist, den Angestellten dann selbst Nachhilfe geben und sich beim FA ggf. nicht abweisen lassen und bei Steuerzahlung in einem zweifelhaften Beruf auf die Erteilung der Steuernummer bestehen - das wirkt Wunder und spart über die Jahre einen Haufen Kies.
Eine Steuernummer zu haben kann im Einzelnen äußerst sinnvoll sein, z.B. bei der selbständigen Ausübung ehemals vollkontrollierter (EX- Angestellten) Berufe.
Einzelne Berufe, die z.B. vor zwanzig Jahren i.d.R. nur unselbständig waren oder nichteinmal so bezeichnet existierten, verregelten sich innerhalb weniger Jahren, da ist nochmals Zweifeln - also Vierteln vor dem Achteln Pflicht.
Phantasie ist nicht gefragt, sondern erfindungspflichtig
----eine IHK Meinung:
Freie Heilberufler
1
Arzt
2
Zahnarzt
3
Tierarzt
4
Apotheker
5
Heilpraktiker
6
Krankengymnasten
7
Hebammen
8
Heilmasseure
9
Diplom-Psychologen
10
Psychotherapeuten
11
Krankenpfleger
12
Logopäden
13
Beschäftigungs- und Arbeitstherapeuten
14
Ergotherapeuten
Von der Rechtsprechung nicht anerkannt wurde:
1
Fußpfleger
Freie rechts-, steuer- und wirtschaftsberatende Berufe
1
Rechtsanwalt/Rechtsbeistände
2
Notar
3
Patentanwalt
4
Wirtschaftsprüfer
5
Vereidigter Buchprüfer
6
Steuerberater
7
Steuerbevollmächtigter
8
beratende Volks- und Betriebswirte
Von der Rechtsprechung nicht anerkannt wurden:
1
Anlageberater
2
PR- und Versicherungsberater
3
Zollberater
Freie technische und naturwissenschaftliche
1
Architekt
2
Beratende Ingenieure
3
Erfinder
4
Hauptberuflich-technische Sachverständige
5
Handels-Chemiker
6
Lotse
7
Umweltgutachter
8
Vermessungsingenieur
9
Markscheider
10
Baustatiker
11
Kfz-Sachverständiger
12
Gartenarchitekt
Von der Rechtsprechung nicht anerkannt wurden:
1
Bauleiter
2
Elektro- Anlagenplaner
3
Konstrukteur
4
Schiffssachverständiger
Freie künstlerische, publizistische und pädagogische Berufe
Und das FA fragt man nicht. Man teilt ihm allenfalls mit.
Man teilt ijm mit, was man macht und fragt/fordert die Erteilung einer
Steuernummer und nach einer UmsatzsteuerID.
Na ja, man fragt das FA zwar nicht direkt, aber indirekt schon, denn das FA informiert direkt oder indirekt das Gewerbeamt, und die zusammen kommen dann zu einer (ersten) Einschätzung über die Anerkennung der Freiberuflichkeit. Um das gehts hier ja wohl, denn nur in dem Fall spricht man zuerst das FA an.
Im Falle einer Gewerbeanmeldung muß man eh direkt zum Gewerbeamt.
Ich kann zu meiner Meinungsbildung Messungen ausfuehren und
sogar Prototypen bauen. Aber das Ziel der Leistung ist eben
nicht der Prototyp, sondern daraus abgeleitete Erkenntnisse.
Der bei dir anklingende Plural "Prototypen" wuerde einen
Steuerpruefer wohl in den erweiterten Suchmodus schalten.
Und vermutlich bist du genauso ahnungslos wie der TO, weil eine
UmsatzsteuerID
braucht der Freiberufler nicht. Da ihm gewerbliche Arbeit fremd
ist :), bekommt er sie auch nicht.
Eine Steuernummer vergibt das Finanzamt dagegen praktisch auf
Zuruf ohne jedwede weitere Pruefung.
Und vermutlich bist du genauso ahnungslos wie der TO, weil eine
UmsatzsteuerID
braucht der Freiberufler nicht. Da ihm gewerbliche Arbeit fremd
ist :), bekommt er sie auch nicht.
Ähem…
Da solltest du dann doch nochmal genauer nachlesen. Bekommen kann die auch ein Freiberufler, und benötigen tut der die unter den gleich Umständen wie Gewerbetreibende. Ob man die braucht oder nicht, hat nichts mit Freiberuflichkeit zu tun, sondern schlicht damit, ob man seine Leistungen im europäischen Ausland anbietet oder nicht.
Steuerlich hat der Status als Freiberufler nicht mehr so grosse Vorteile wie früher, da die Gewerbesteuer seit vielen Jahren zum grossen Teil die Einkommenssteuer mindert.
Bei entsprechender Grösse des Umsatzes und/oder Gewinns entfällt die Pflicht zur Bilanzierung, man kann ber der EÜR bleiben.
Ansonsten fallen mir nicht so viele Vorteile ein, die für den Status als Freiberufler sprechen.
Wenn dem Freiberufler bei seiner Berufsausuebung "gewerbliche
Taetigkeit" nachgewiesen wird, wird er den Status Freiberufler
auch bald aufgeben koennen.
Weil eben "gewerbliche Taetigkeit" nicht konform mit den
Grundsaetzen freiberuflicher Taetigkeit vereinbar ist.
Ich bediene mich fuer "gewerbliche Aktivitaeten" externer Firmen,
mit denen ich nicht verwandt, verschwaegert oder verfilzt bin.
Die rechnen dann auch gegenueber dem Endkunden und nicht mir ab.
unter den gleich Umständen wie Gewerbetreibende
Welche da waeren? Wenn der Freiberufler keine gewerbliche
Taetigkeit ausuebt? Ich kann zunindest keine diese gleichen
Umstaende erkennen.
Leistungen im europäischen Ausland
anbietet [ ]
oder nicht [x]
1.) Wie schon andere bemerkten, bist Du offenbar noch nicht so weit, wirklich zu starten (das ist ja nichts Schlimmes). Es ist alles sehr schwammig, Du bist Dir noch sehr unsicher. Ich habe das Gefühl, Du weisst noch gar nicht genau, was Du überhaupt anbieten möchtest. Da könnte man, da ginge vielleicht etwas. "Potenzielle Kunden" hatte ich auch viele - echte Kunden dann deutlich weniger ;-)
Du solltest am Anfang erstmal auf einen Bereich setzen, in dem Du wirklich Aufträge hast und dann erstmal in diesem arbeiten. Nicht direkt auf drei Hochzeiten gleichzeitig arbeiten - das kannst Du dann machen, wenn Du einen Kundenstamm hast.
2.) Gewerbe gegen Freiberuflich hat sich mMn spätestens mit der fast kompletten Anrechenbarkeit der Gewerbesteuern erledigt (hängt aber vom Hebesatz der Gemeinde ab - nachfragen!). Gewerbe bietet deutlich mehr Möglichkeiten (echte, auch industrielle Produktion, kein ständiges "Darf ich den Auftrag annehmen?" usw.)
Dazu kommt noch, dass Du auch erstmal ordentlichen Gewinn haben musst, bevor Gewerbesteuer anfällt. Anfangs ist es oft so, dass man Rücklagen hat und ordentlich investiert. Da bleibt man oftmals ein, zwei Jahre unter der Schwelle von 24500€ Gewinn.
Ich habe damals direkt auf Gewerbe gesetzt, um schlicht sofort alles machen und später auch Masse verkaufen zu können - jetzt sowieso. Die Teilezahlen u.a. im Spritzguss entsprechen eher nicht Prototypenmengen ;-)
Man ist einfach deutlich freier in der Arbeits- und Produktgestaltung.
IHK ist übrigens keine schlechte Anlaufstelle. Leider nutzen viel zu wenige deren Dienste, man jammert lieber über den Beitrag. Dabei kostet mich jede zweistündige Rechtsberatung schon mehr als dieser Jahresbeitrag. Gleiches gilt für Import/Export-Fragen. Zumindest in Koblenz sitzen da richtig gute Leute (u.a. Juristen), die einem immer weiterhelfen können. Selbst wenn sie es selbst nicht wissen, dann machen sie sich schlau oder haben Kontakte. Die IHK hilft übrigens auch schon in der Vorgründungsphase oft kostenfrei. Nutzen!
Edit:
Gewerblich bist Du natürlich auch viel freier darin, steuersparend einzukaufen, einfach weil man gewerblich üblicherweise deutlich mehr Investitionen tätigt. Im Prinzip kannst Du dir da fast alles auf Lager legen - es könnte ja für ein neues Produkt notwendig sein. Interessant ist das natürlich besonders bei EÜR.
Wer das in einem Forum so fragt, keine eigenen Ideen, Produkte oder
Kontakte mitbringt, sollte das lieber sein lassen.
Das meinte ich weiter oben. Zumindest im Moment erscheint mir das zu unausgegoren.
Wenn er geschrieben hätte: "ich habe in dem Bereich X konkrete Anfragen, in dem Bereich Y Anfragen für eine Kleinserie, die ich sofort starten könnte", dann wäre der Zeitpunkt richtig.
Ich hab Ihre ungequirlte Bullenscheiße jetzt nicht im Detail gelesen, ich bezieh mich nur auf die Frage des TO.
Ich kann zu meiner Meinungsbildung Messungen ausfuehren und
sogar Prototypen bauen. Aber das Ziel der Leistung ist eben
nicht der Prototyp, sondern daraus abgeleitete Erkenntnisse.
Der bei dir anklingende Plural "Prototypen" wuerde einen
Steuerpruefer wohl in den erweiterten Suchmodus schalten.
Man verwendet aber in Zusammensetzung mit -bau nicht den Singular. Falls du dich aber lieber mit Krümelkacken statt mit Faktbasierter Analyse beschäftigen willst, dann sag halt Musterbau. Oder Erstellung Demonstrator. Und natürlich baut der Freiberufler nicht nur für einen Kunden einen einzelnen Prototypen, sondern mehrere um ggf. Tests parallel fahren zu können.
Und vermutlich bist du genauso ahnungslos wie der TO, weil eine
UmsatzsteuerID
braucht der Freiberufler nicht. Da ihm gewerbliche Arbeit fremd
ist :), bekommt er sie auch nicht.
Ich spar mir jetzt mal das Scannen des Schreibens, das mir das hiesige FA damals mit der Umsatz-ID geschickt hat.
Klar ist auf der Honorarnote des Freiberuflers die MwSt getrennt aufgeführt. Ne UStID ist zwar in dem Fall (nur Inland) nicht verpflichtend, aber dennoch von Vorteil (Stichwort: Vorsteuer). Gewerbe ist für ne UStID nicht nötig. Auch der Stundensatz für ne Dienstleistung kann mit getrennte MwSt. abegegebe werden. Du könntest beispw. mal auch die letzte Rechnung von deinem Steuerberater schauen (ich geh mal davon aus, das Du Dich nicht "schwarz" beraten läßt.
Vielen Dank Chris für die ausführliche Antwort.
Damit haben sich fast alle meine Fragen geklärt und ich lass das mit den freiberuflichen Tätigkeiten einfach.
Konkrete Anfragen habe ich aber tatsächlich aus allen drei Bereichen und könnte Montag loslegen.
Dieses Forum ist einfach wie eine Goldmine, tonnenweise Abraum beiseite schaffen, um ein paar Flocken zu finden. Manchmal hat man Glück und es ist ein Nugget dabei.
Das hatte ein Bekannter ebenfalls als Freiberufler. Dann hatte eine Kundenfirma fusioniert. Dann hatte er nur noch zwei. Von den zwei hat dann auch noch einer den Auftrag abgebrochen, weil er Angst hatte es könnte ihn wegen Scheinselbständigkeit erwischen. Der letzte war dann deshalb auch weg. Nur als Hinweis, das es auch so ungünstig laufen könnte. Dafür solltest Du immer auch einen Plan B in der Schublade liegen haben.
Dieses Forum ist tonnenweise Abraum beiseite
schaffen, um ein paar Flocken zu finden. Manchmal hat man Glück und es
ist ein Nugget dabei.
Weil Du hier einen Vergleich mit einem armen Bergarbeiterschwein in einem Drecksbergwerk ziehst - warum tust Du Dir dann das Forum an ?!
Zum Thema Selbstständigkeit gibt es doch nicht nur gute Literatur (auch auf Niveau "Unbedarftes Landei" -> ISBN: 978-3527710676), sondern auch VHS-Kurse,Steuerberater, Existenzgründerseminare, Podcasts, mediathek dokus ...
Und schließlich gilt immer noch: "Probieren geht über studieren". Oder kannst Du nur "Forum"?!
Von zwingend war keine Rede. Bisher habe ich das allerdings bei allen mir bekannten Kleinunternehmen (bis 10 MA) so erleben können. Die durchschnittliche Lebensdauer war so um die zehn Jahre, irgendwann ging es abwärts. Erst weniger MA, dann gar keine mehr.
Bei mir läuft es jetzt 20 Jahre. Aus Altersgründen werde ich allerdings nicht mehr expandieren :-) Ich betreibe die Firma jetzt auf Verschleiß, d.h. keine Investitionen und auch keine Ersatzinvestitionen mehr.
Und als Selbständiger immer dran denken, dass jede Firma irgendwann
einmal ihren Zenit überschreitet.
Der TE spricht von freiberuflicher Selbständigkeit. Das hat mit "Firma" und Zenit nichts zu tun. Das kann man Start<->Stop betreiben. Letzten Monat ist z.B. ein Freiberufler hier in der Abteilung fest eingestiegen, weil sie einen PL gesucht und in ihm gefunden haben. Der hat nun einen 3J-Vertrag mit Verlängerung.
Vielleicht ist das mit dem Freiberuflersein auch nicht so toll.
Firma scheint mir noch schwieriger. Kann man keine Pausen machen, muss Leute beaufsichtigen und durchfüttern.
Kann man keine Pausen machen, muss
Leute beaufsichtigen und durchfüttern.
Das haste als Freiberufler mit Familie auch ;-)
Aber eigentlich gibt es keinen wesentlichen Unterschied zwischen Freiberufler, Angestellter, Inhaber.
Man muss in allen Fällen dafür sorgen, das mehr Geld reinkommt als verbraucht wird und die eingegangenen Risiken kleiner als die gebildeten Rücklagen bleiben.
Eventuell ist aber die Angst vor der eigenen Firma eher ein "Wohlstandsproblem".
Der Opa-Generation nach dem Krieg erschien Familienunternehmen betreiben oder Werkstatt gründen nicht so absurd wie deren wohlbehütet aufgewachsenen Enkeln heute.
Und im Anglo-Sächsischen Gebiet ist der "Gründergeist" auch etablierter als in Deutschland, dem Land der Gründer-muffel:
Von zwingend war keine Rede. Bisher habe ich das allerdings bei allen
mir bekannten Kleinunternehmen (bis 10 MA) so erleben können. Die
durchschnittliche Lebensdauer war so um die zehn Jahre, irgendwann ging
es abwärts. Erst weniger MA, dann gar keine mehr.
Bei mir läuft es jetzt 20 Jahre. Aus Altersgründen werde ich allerdings
nicht mehr expandieren :-) Ich betreibe die Firma jetzt auf Verschleiß,
d.h. keine Investitionen und auch keine Ersatzinvestitionen mehr.
das scheint mir auch normal zu sein. Denke aber das hat mehrere Gründe. Von auslaufenden Produkt(en), über fehlende Fachkräfte bis hin zu Taschen sind voll genug...lass die Firma sterben.
Als ich mich über die Themen erkundigt hatte schien der "10 Jahre Ryhtmus" etwas herauszustechen.
Wohl ein guter Zeitpunkt zu schließen/verkaufen.
Besonders im Hinblick auf das Gesamtpaket.
(Möglichkeit auf sehr frühe Rente)
Für den Verkaufspreis muss man für eine grobe Einschätzung.
Gewinn vor Steuer letzten drei Jahre + Gewinn kommende drei Jahre) : Kapitalisierungszinssatz (~11%).
bei 100k pro Jahr kommen ja. 5.5 Mio raus. Also selbst wenn es etwas weniger ist und viel Steuer fällig wird schließt man vorzüglich für sich privat ab.
Man sollte sich also schon früh überlegen was später mal sein soll.
D.h. der Käufer hat sein Geld nach 55 Jahren wieder erwirtschaftet?
Das lohnt sich ja echt mal.
Wenn alles sehr gut läuft und die Bilanzen der letzten drei bis fünf Jahre den Gewinn als stabil ausweisen, kann man etwa den fünffachen Jahresgewinn erwarten.
Wenn man einen solventen Käufer findet.
"Und als Selbständiger immer dran denken, dass jede Firma irgendwann einmal ihren Zenit überschreitet."
Das hört sich schon so an, als würde das auf jeden Fall eintreffen ;-)
Bisher habe ich das allerdings bei allen
mir bekannten Kleinunternehmen (bis 10 MA) so erleben können. Die
durchschnittliche Lebensdauer war so um die zehn Jahre, irgendwann ging
es abwärts. Erst weniger MA, dann gar keine mehr.
Bei mir läuft es jetzt 20 Jahre. Aus Altersgründen werde ich allerdings
nicht mehr expandieren :-) Ich betreibe die Firma jetzt auf Verschleiß,
d.h. keine Investitionen und auch keine Ersatzinvestitionen mehr.
Das ist dann aber eher so, wie es auch Max beschreibt: man hat genug verdient, findet vielleicht niemanden mehr und lässt die Firma langsam austrudeln.
Aber das muss ja nicht so sein. Ich hatte auch überlegt, mit 50 aufzuhören, aber eigentlich macht mir das alles viel zu viel Freude, gerade weil das Finanzielle jetzt in den Hintergrund tritt und man einfach Dinge anschaffen kann, ohne über Geld nachdenken zu müssen. Geld war für mich nie der Grund der Selbstständigkeit - da wäre es doch schade, gerade jetzt aufzuhören, wo ich mein Ziel erreicht habe: Entwicklung und Forschung, ohne auf das Finanzielle achten zu müssen. Und es muss daraus auch kein verkaufbares Produkt (mehr) werden.
Vielleicht ist das bei mir auch etwas anders, weil ich mir nach einigen Jahren immer völlig neue Gebiete ausgesucht habe. Quasi ein Startup in einem laufenden Unternehmen. Das gibt dann vermutlich den nötigen neuen Schwung.
berechtigt biste erst nach Bestehen der Ingenieursprüfung in einer anerkannten Hochschule.
Darüber hinaus ist das Ganze hier Ländersache, da kann man nicht davon ausgehene, das einen der Wisch der Южно-Уральский госуΔарственный университет gestattet rechtmäßig einen etablierten westeuropäischen Titel zu tragen.
berechtigt biste erst nach Bestehen der Ingenieursprüfung in einer
anerkannten Hochschule.
Steht zumindest auf meinem Abschlusszeugnis 😉
Ingenieur ist etwas anderes als Diplom-Ingenieur. Das kapiert aber nicht jeder.
Beispiel IngG NRW
"§ 1
(1) Die Berufsbezeichnung ,,Ingenieur/Ingenieurin" allein oder in einer Wortverbindung darf führen,
wer
a) das Studium einer technischen oder naturwissenschaftlichen Fachrichtung an einer deutschen Hochschule mit der Dauer von mindestens drei Studienjahren oder
b) das Studium an einer deutschen öffentlichen oder hinsichtlich des Studienabschlusses rechtlich gleichgestellten deutschen privaten Ingenieurschule mit einer Dauer von mindestens drei Studienjahren oder
c) einen Betriebsführerlehrgang einer deutschen staatlich anerkannten Bergschule
mit Erfolg abgeschlossen hat oder
wem durch die zuständige Behörde das Recht verliehen worden ist, die Bezeichnung ,,Ingenieur (grad.)/Ingenieurin (grad.)" zu führen."
Für alle drei Bereiche habe ich potenzielle Kunden, für die ich tätig
sein könnte, nur was wäre eine sinnvolle Tätigkeitsbeschreibung?
Mittlerweile habe ich eine andere Meinung vom Glück. Aber ich Frage mich gerade ernstaft wie das geht. Du hast potentielle Kunden aber offensichtlich kein Plan.
Im Normalfall hat man diese Situation erst mit sehr guten Kontakten oder man erarbeitet sich das mühselig. Trotzdem selbst dann ist es schwer, in der heutigen Zeit um das x-Fache.
Jetzt hast du gleich Kunden und in alle Richtungen. Wie ist denn die Akquise gelaufen??
Ich würde ein klassisches "Ing.-Büro" aufmachen und alle weiteren Leistungen darüber anbieten. Das Problem dabei ist, dass die Gesellschaft zu geradlinig denkt und es kann unseriös wirken. Dann musst du halt dein Marketing adaptieren. Früher war es normal Generalist zu sein.
Viel Glück!
Wenn jemand schonmal einen Nicht-IT-Beruf gelernt hat und nun programmieren kann (das empfehle ich immer Umschülern), dann soll er sich einen Job in diesem Umfeld suchen, um Beides zu vereinen.
Jede Branche hat ihr eigenes Vokabular, ihre eigenen Prozesse und Technologien, die ein studierter "Nur-IT-Mensch" üblicherweise nicht ansatzweise kennt.
Es ist ein unschätzbarer Vorteil in beiden Welten zuhause zu sein.