wir haben eine hübsche Waage (Soehnle Melody), die mir eigentlich noch immer gut gefällt: siehe Bilder im Anhang.
Nun baumelte gestern nach einer Hausputzaktion leider das rechte untere Wiege-"Bein" herum, sprich: die Verklebung hatte sich gelöst.
Also schnell wieder angeklebt und weiter im Takt - dachte ich jedenfalls.
Leider falsch gedacht:
Die Waage zeigt jetzt nur noch "0-Ld" an.
Internet-Recherche ergab, dass dies die Anzeige für "Überlast" ist.
Batterien raus, Batterien rein, mal 6,4V statt 6V angelegt - hat alles nichts gebracht, genausowenig wie ein langer Druck auf den einzigen Taster an der Unterseite der Waage (kg/lb-Umschaltung, ggf. Reset).
Das festgeklebte Beinchen habe ich inzwischen auch wieder gelöst - aber leider ohne Auswirkungen auf die Anzeige.
Jetzt bin ich gerade etwas ratlos ...
Wie funktioniert so eine Waage?
Ist das ein Dehnmessstreifen (DMS), der da auf dem runden Metallstück mit seiner eingestanzten "Zunge" klebt?
In diesem Fall würden die Füße der Waage genau auf diese Zunge drücken und diese Biegung wird dann vom DMS erfasst. Klingt für mich ganz stimmig - aber ist das auch richtig von mir geraten?
Könnte die "0-Ld" Anzeige ggf. von einer defekten/unterbrochenen Zuleitung stammen?
Aber warum hat der DMS 3 Anschlüsse? Im Internet fand ich nur DMS mit 2 Anschlüssen. Oder ist unter dem weißen Klecks auch noch ein Messverstärker versteckt?
Fragen über Fragen ...
Ich hoffe, Ihr habt ein paar Antworten und vielleicht sogar auch (Reparatur-)Ideen für mich ...
Ich denke, das ist eher eine Unterlast zur Zeit der automatischen Tarierung. Vermutlich fehlt dir eine Art Koppelelement welches die Last auf den DMS-Träger einleitet. Schau mal, ob noch irgendwo etwas ruliegt, was vorher herausgefallen ist.
Viele Grüsse
Ob eine Klebung die Kräfte aushält die da wirken?
Schau Mal ob die drei Anschüsse auch nicht im Gerät abgerissen sind.
Den Widerstand zwischen den Leitungen kann man ja messen.
Sind normal irgendwo im kiloohm Bereich soweit ich mich erinnere.
Ich denke, das ist eher eine Unterlast zur Zeit der automatischen
Tarierung.
Interessante Idee.
Habe jetzt die Wage nochmals mit etwas "Vorlast" auf dem DMS gestartet.
=> Leider nach wie vor dasselbe Ergebnis.
Vermutlich fehlt dir eine Art Koppelelement welches die Last
auf den DMS-Träger einleitet. Schau mal, ob noch irgendwo etwas ruliegt,
was vorher herausgefallen ist.
Kann ich zu 99% ausschließen.
Außerdem ist der Mechanismus so einfach (und gleichzeitig genial), dass auch vom reinen Nachvollziehen der Funktionsweise her betrachtet nichts fehlt.
Aber warum hat der DMS 3 Anschlüsse? Im Internet fand ich nur DMS mit 2
Anschlüssen. Oder ist unter dem weißen Klecks auch noch ein
Messverstärker versteckt?
Das könnte stimmen. Die Waage geht auch nur bis 150kg. Es fehlen die Gegenbeweise. ;o)
Reparieren sollte auf jeden Fall versucht werden, weil es nur noch wenige Waagen ohne weiteren Schnickschnack, wie Fettanzeige und ähnliches kaum noch zu bekommen sind.
Dort sind zwei verbaut. Zur Temperaturkompensation.
Prüf mal die Leitungen vermutlich hat eine einen Bruch /Abriss
Ah ... hochinteressant - das erklärt zumindest schon einmal die 3 Anschlüsse.
Danke!
Thomas B. (thombde) schrieb am 26.11.2023 16:14
Andreas S. schrieb:
Aber warum hat der DMS 3 Anschlüsse? Im Internet fand ich nur DMS mit 2
Anschlüssen. Oder ist unter dem weißen Klecks auch noch ein
Messverstärker versteckt?
Mal den Spannungsteiler durchmessen.
Rot ist der Mittelabgriff.
Ist ähnlich wie in dem Link oben.
Genialer Link, Danke, Thomas!
Und auch mal schauen ob irgendwo Kabelbruch ist.
Ich denke mal, Du wirst die Waage offnen müssen.
Yep - der Patient liegt schon auf dem Operationstisch und wird gleich geöffnet ...
Volker B. (Firma: L-E-A) (vobs) schrieb am 26.11.2023 16:21
Achim H. schrieb:
Dort sind zwei verbaut. Zur Temperaturkompensation.
Vermutlich vier, in jedem Fuss eine DMS-Halbbrücke, schließlich nimmt
nicht jeder Fuss den selben Anteil der Gewichtskraft auf.
Prüf mal die Leitungen vermutlich hat eine einen Bruch /Abriss
Das würde ich auch vermuten. Die vier Halbbrücken sind sehr kunstvoll zu
einer einzigen Vollbrücke verschaltet, siehe:
Beitrag "Wie funktioniert meine Personenwaage?"
Wow - die Links werden immer besser!
Dickes Dankeschön auch an Dich, Volker für die Mühen der Recherche!
Du solltest den Sensor in die Mulde legen und mit dem Finger die Biegelasche betätigen. Dabei sollte das Gewicht sich ändern. Das wäre ein Test, ob der Sensor noch irgendwie erfasst wird.
Volker B. (Firma: L-E-A) (vobs) schrieb am 26.11.2023 16:21
Das würde ich auch vermuten. Die vier Halbbrücken sind sehr kunstvoll zu
einer einzigen Vollbrücke verschaltet, siehe:
Beitrag "Wie funktioniert meine Personenwaage?"
Dickes Dankeschön auch an Dich, Volker für die Mühen der Recherche!
Kein Problem. Ich hatte auch schon Probleme mit meiner Personenwaage.
Die "vergaß" ihre Kalibierdaten. Leider zeigte sich der (angeblich deutsche) "Hersteller" nicht im Geringsten kooperativ, so dass ich meine eigene Auswerteelektronik mit einem ATmega16 basteln musste (eine kurze Beschreibung findet sich auf meiner Homepage: https://www.dr-bosch.com/volker/reparatur/index.html#Personenwaage).
Im Rahmen dieses Projekts stieß ich auf den oben zitierten Thread, dessen URL Bestandteil der Projekt-Dokumentation ist.
Du solltest den Sensor in die Mulde legen und mit dem Finger die
Biegelasche betätigen. Dabei sollte das Gewicht sich ändern. Das wäre
ein Test, ob der Sensor noch irgendwie erfasst wird.
Nun ja - so weit hatte ich auch schon gedacht.
Aber erst einmal muss die Waage überhaupt etwas anzeigen (außer "0-Ld").
Reparieren sollte auf jeden Fall versucht werden, weil es nur noch
wenige Waagen ohne weiteren Schnickschnack, wie Fettanzeige und
ähnliches kaum noch zu bekommen sind.
Sehe ich genauso.
Und SOEHNLE ist jetzt keine Billigmarke.
Bei meiner Waage mit Fettanteilanzeige,
mache ich 3 Messungen (wiegen) und bekomme
3 verschiedene Messwerte.
Ich suche mir immer den besten Wert aus, lol :-)
Ah - Volker B. hat kurzerhand die Elektronik seiner Waage durch einen Eigenbau ersetzt.
Auch keine schlechte Idee - dann könnte ich auch direkt Bluetooth zur Fernüberwachung des Gewichts meiner anderen Familienmitglieder sowie einen kleinen Stromschlaggenerator einbauen - nur für den Fall, dass irgendwer mal wieder mehr wiege als der BMI erlaubt :-)
Bis dahin aber erst einmal 2 Bilder des geöffneten Patienten - siehe Anlagen.
Es scheint, als halte sich meine Waage an Eure verlinkten Schaltpläne - so jedenfalls mein erster Eindruck.
> ROT - SCHWARZ: 993,06 Ohm (gleicher Wert in beide Richtungen)
2
> ROT - WEIß: 495,15 Ohm (gleicher Wert in beide Richtungen - DMS1)
3
> Weiß - SCHWARZ: 499,43 Ohm (gleicher Wert in beide Richtungen - DMS2)
4
>
Das schaut (leider) nicht nach einem Kabelbruch aus ...
Aber ziemlich unsymmetrisch. Kann das sein, dass der Kraftsensor in Folge eines Sturzes aus dem Fuß gebrochen ist? Die Reste der Plastikstifte, die den Sensor halten und offensichtlich abgebrochen sind, deuten m.E. darauf hin.
Dann könnte sich der Biegebalken ebenfalls verbogen haben und zeigt nun einen Offset an. Ich würde die Anschlussleitungen (bzw. 2 der 3 Leitungen) ablöten und noch mal nachmessen. Dann das selbe mit den anderen Sensoren. Die Werte sollten dann weitgehend identisch sein.
Kaum zuppelt man etwas an dem verdächtigen Messfuß (nein, es war nicht der abgefallene Fuß, sondern der gegenüberliegende Fuß), da kommt folgendes zu Tage: siehe Bild im Anhang !!
Jetzt ist eigentlich nur noch die Frage, wie ich diesen Fuß herausbekomme, um den Draht wieder anzulöten (wenn das denn überhaupt noch möglich ist).
Mal schaun ...
So - den Fuß konnte ich erfolgreich herausoperieren und die abgebrochene Litze ist nun gut sichtbar - siehe Bild.
Allein - ich weiß nicht, wie ich das Rest-Fitzelchen Litze des DMS aus dem Harz herausgepuhlt bekomme, um es wieder mit dem Rest der Litze zu verbinden.
Ich fürchte gerade, dass dies das Ende meiner Reparatur sein könnte.
Super ärgerlich - wo die Lösung doch quasi direkt vor meiner Nase liegt - und trotzdem unerreichbar unter Harz verborgen ...
So - den Fuß konnte ich erfolgreich herausoperieren und die abgebrochene
Litze ist nun gut sichtbar - siehe Bild.
Das sieht doch gar nicht so schlecht aus! Immerhin sind noch ein paar mm der Anschlussleitung vorhanden.
Allein - ich weiß nicht, wie ich das Rest-Fitzelchen Litze des DMS aus
dem Harz herausgepuhlt bekomme, um es wieder mit dem Rest der Litze zu
verbinden.
Mit Wärme. Wenn das Epoxid ist, sollte es so bei knapp 200°C weich werden.
Ideal wäre ein Heißluft-Lötgerät (vulgo Hot Air Pencil). Den Rest des Kleberklekses würde ich mit Alufolie abdecken.
Evtl. könntest Du auch mit einer (alten) Lötkolbenspitze versuchen den Kleber vorsichtig zu erweichen.
Anschließend alles schön vergießen. Mein favorisiertes Mittel dafür ist Pattex.
Schneide es 5mm mit einem Messer ein dann kannst du die Litzen durch den
Schnitt anheben.
Quasi wie man sich einen Stachel aus der Haut operiert, wenn man mit
einer Pinzette nicht heran kommt.
Guter Tipp, Steve van de Grens, hab's getan wie Du gesagt hast:
Aldi (Niederlande) sei dank, hatte ich mir vor ca. 2 Jahren einmal diese superscharfen Messerstifte (oder wie auch immer die Dinger heißen) gekauft - siehe 1. Bild.
Die kamen nun gerade zum Einsatz - mit Erfolg ... siehe 2. Bild.
Viele Grüße
Igel1
PS: das Schwarze im Hintergrund von Bild 2 ist nur ein Stückchen schwarzes Papier meiner Bitterschokoladenpackung, damit Ihr die abisolierte Litze auf dem Bild besser erkennen könnt.
Isoliere das aber gegen die Grundplatte, man weiß ja nie.
Vielleicht passt ja noch Schrumpfschlauch.
Und dann alles fixieren, wie Volker oben schon schrieb.
schön Schrumpfschlauch drauf (siehe 2. Bild - habe ihn erst später "geschrumpft)
schön Pattex drauf (siehe 3. Bild - bereits nach Einbau geknippst)
Das Ergebnis dieses, ich würde sagen virtuellen, gemeinsamen Teamworks, seht Ihr im letzen Anhang - es ist ein 7-Sekunden Video und zeigt unseren gemeinsamen Erfolg!
Fazit: wir haben gemeinsam der Erde wieder ein bisschen Müll erspart (zumindest für die nächsten 10-20 Jahre) und Ihr habt mir eine riesen Freude gemacht.
D A N K E an alle, die mitgemacht haben!
Und einen besonderen Dank an:
Volker B.
Thomas B.
Steve van de Grens
Achim H.
Ihr seid wirklich klasse und ich werde nun jeden Morgen beim Gang auf die Waage an Euch denken!
Nicht so schnell aufgegeben und durchgezogen. Es sind oft nur Kleinigkeiten, die das Leben solcher Sachen erheblich verlängern können.
Manchmal ist es noch hilfreich nach der Ursache des Fehler zu schauen, dass es nicht so schnell wieder passiert oder sich an den anderen Füßen wiederholt...