bei Reparaturen von alten HiFi Geräten gibt es immer wieder Kandidaten mit zB. defekten/eingebluteten LCDs.
Oft gibt es keine Möglichkeit zur Wiederbeschaffung der Displays(da custom) und falls doch, dann extrem teuer.
Manchmal findet man mechanisch kompatible Displays mit passender Segmentzahl günstig - diese sind aber auch wieder kundenspezifisch und die Anordnung von Segment/COM Pins variiert erheblich.
Ich hab mich schon oft gefragt, wie eine „Übersetzung“ vom Display-uC zu einem neuen LCD aussehen könnte. Kann man hier einen Mikrocontroller zwischenschalten, der die Signale des alten LCDs zum Neuen passend übersetzt?
100€ für 5 Stück, also 20€ pro Stück, Rest an Bedürftige weiterverkaufen, wirst du kaum mit einem Neudesign unterbieten.
Ich hab es auch noch nicht ausprobiert, obwohl ich 2 Geräte habe deren LCD langsam schwarz wird,,aber man kann sie noch ablesen.
Ein nicht-gemultiplextes LCD kannst du mit Digitaleingängen erfassen, man braucht halt nur viele Eingänge.
Gemultiplexte LCD müssen nicht in 3 oder 4 Spannungsstufen erfasst werden, es reicht 2 zu unterscheiden also 1 Eingang pro Anschluss, aber man kann dazu nicht die Schaltschwelle der Digitaleingänge nutzen sondern braucht Komparatoren. Viel Aufwand der selten in den verfügbaren Platz passt, zumal LCD bevorzugt bei batteriebetriebenen Geräten eingesetzt wird und jede Elektronik zusätzlich an der nuckelt.
Selbst wenn auf die 100€ Porto und Zoll und MWSt drauf kommt, bleibt das attraktiv.
Kann ja nicht so schwer sein, das vorhandene LCD auszumessen und abzuzeichnen, dazu die Art und Thresholdspannung und fertig ist der Auftrag.
Kann man hier einen Mikrocontroller zwischenschalten, der die Signale
des alten LCDs zum Neuen passend übersetzt?
Nur mit erheblichem Aufwand, weil LCD mit Wechselspannung betrieben
werden
Ja, ich weiß bereits, dass LCDs mit AC (meist 100Hz - 1KHz) betrieben werden.
Meine Frage war eher, wie die Umsetzung in der Praxis aussehen kann.
Braucht man immer Mikrocontroller, oder reichen manchmal auch Schieberegister/Demultiplexer, oder gibts spezielle ICs, mit denen sowas umgesetzt werden kann?
„Gemultiplexte LCD müssen nicht in 3 oder 4 Spannungsstufen erfasst werden, es reicht 2 zu unterscheiden also 1 Eingang pro Anschluss, aber man kann dazu nicht die Schaltschwelle der Digitaleingänge nutzen sondern braucht Komparatoren.“
Das hieße also, man liesst die LCD-Steuersignale aus (füttert damit einen uC mit Komparatoren) und gibt mittels desselben uC ein neues Multiplexing Signal aus? Wie komplex im Programmaufwand wäre das bei ca. 15 Segment und 3/4 COM Pins?
An ein neu designtes LCD nach Originalvorlage hab ich natürlich überhaupt nicht gedacht, sehr interessant.
Die Schieberegister stecken im Grafikcontroller, und der sitzt üblicherweise auf der LCD-Platine. Die Eingangssignale könnte man sicher anzapfen, in einem Grafikspeicher ablegen und von dort simultan passend zum neuen Display wieder ausgeben. Ein schneller Mikrocontroller könnte das schaffen, ohne allzu großen Zeitverzug.
Das passiert alles noch vor der Umwandlung in "Wechselspannung". Die (und das Multiplexen) passieren üblicherweise in EXORs direkt vor den einzelnen LCD-Anschlüssen.
Die Schieberegister stecken im Grafikcontroller, und der sitzt
üblicherweise auf der LCD-Platine. Die Eingangssignale könnte man sicher
anzapfen, in einem Grafikspeicher ablegen und von dort simultan passend
zum neuen Display wieder ausgeben. Ein schneller Mikrocontroller könnte
das schaffen, ohne allzu großen Zeitverzug.
Das passiert alles noch vor der Umwandlung in "Wechselspannung". Die
(und das Multiplexen) passieren üblicherweise in EXORs direkt vor den
einzelnen LCD-Anschlüssen.
Hab hier einen Fall, wo das Signal (6 stelliges 7 Segment LCD mit Sonderzeichen, 4x COM) direkt als mehrphasiges Rechteck AC an das LCD Glas geht (Sony Discman aus 1988).
Wie komplex im Programmaufwand wäre das bei ca. 15 Segment und 3/4 COM
Pins?
Eher einfach. Man liest halt regelmässig (Interuptroutine gesteuert von COM) die Segmente aus.
Man muss nicht mal alle COM anschliessen, es reicht bei der üblichen Ansteuerung 1 und die restlichen zeitgleich verteilt per timer, so dass man beim 4. wieder beim ersten landet.
Dann kame die Umsetzung auf das neue LCD, das wohl eine andere Anordnung von Segmenten und Backplanes hat (wen alles gleich wäre, könnte man es ja direkt einlöten) oder gar ein Graphik-LCD.
Und dann gibt man die dort aus, per extra Ansteuerchip oder in timer-Routinen über die I/O vom uC selbst wobei man für die 4 Spannungsstufen der Backplanes 2 Ausgänge pro Backplane braucht, fur 3 Spannungsstufen der Segmente reicht ein Ausgang high low tri-state.
Oh, also ist das Ganze schon realisierbar, wenn auch mit Aufwand.
Danke Michael für die ausführliche Antwort.
Ich bin gerade am raustesten der Pinbelegung meines LCDs
(Philips LPH 2673-1) und noch am Rätseln, was die COM Pins angeht.
Bereits mit einer AC-Verbindung nur an den Segmentpins leuchten Segment(-kombinationen, daher definitiv Multiplex-LCD) auf.
Auf welchen Effekt ist das zurückzuführen?
Normalerweise müsste doch COM (backplane) + Segment mit +-AC verbunden werden?
Ein nicht-gemultiplextes LCD kannst du mit Digitaleingängen erfassen,
man braucht halt nur viele Eingänge.
Ja, bei LCDs mit nur einer Backplane hat man wirklich nur das Problem der Pinzahl.
Gemultiplexte LCD müssen nicht in 3 oder 4 Spannungsstufen erfasst
werden, es reicht 2 zu unterscheiden also 1 Eingang pro Anschluss, aber
man kann dazu nicht die Schaltschwelle der Digitaleingänge nutzen
sondern braucht Komparatoren.
Das ist nicht mehr ganz korrekt. Es gibt ja inzwischen Devices, bei denen man die Schaltschwelle der digitalen Eingänge manipulieren kann. Aber klar: es hängt natürlich stark von den Eigenschaften des ursprünglichen Displays ab, ob sich dieses Feature wirklich für den Zweck nutzen läßt.
Interessanter ist vielleicht, dass man prinzipiell jeden digitalen Eingang auch für Analogmessungen (mit relativ geringer Genauigkeit) fit machen kann. Man benötigt einen zusätzlichen kleinen Kondensator, sprich: der Schaltungsaufwand ist doch sehr überschaubar.
Die Software für so eine Anwendung (insbesondere mit vielen Anschüssen) ist allerdings nicht ganz trivial. Da herrschen sehr harte Echtzeit-Anforderungen.
Softwaremässig deutlich entspannter würde es werden, wenn man bestimmte Hardware dafür nutzen könnte, z.B. den PTC neuzeitlicher AVR, denn der macht im Prinzip (fast) genau das, was hier auch nötig wäre. Leider ist dieser PTC aber nicht dokumentiert.
danke für die Info, der Beitrag im Roboternetz ist super!
Damit könnte man vielleicht schon abschätzen, wie schwer es wird, oder?
Mir gehts auch nur um die 6 Ziffern für die Funktion, alle Sonderzeichen vom Originaldisplay sind eher unwichtig.
Damit könnte man vielleicht schon abschätzen, wie schwer es wird, oder?
Das Sony-Display hat vier Backplanes, das Philips-Display aber nur drei. Alle vier des Sony-Displays werden aber für die Segmente der Ziffern genutzt (siehe rechtes Bild "Common").
Michael, ich lese gerne deine Beiträge. Du schreibst gut und klar und hast auch viel Wissen. Aber hier mauserst du dich so langsam zum H.Hinz2. :-)
Tolles Video!
Damit könnte man vielleicht schon abschätzen, wie schwer es wird, oder?
Das Sony-Display hat vier Backplanes, das Philips-Display aber nur drei.
Alle vier des Sony-Displays werden aber für die Segmente der Ziffern
genutzt (siehe rechtes Bild "Common").
Was heißt das für das Vorhaben(K.O.-Kriterium?)?
Wenn die zusammengefassten Segmente schon nicht übereinstimmen (was der erste Grund für den Aufwand mit externen uC ist) und man ja eh diesen zusätzlichen Mikrocontroller verwenden will, müsste sich das damit doch lösen lassen.
Die Information für die Anzeige von 6 Ziffern (Track+Zeit) ist ja trotzdem da, nur das Multiplexing ist anders aufgeteilt, oder?
Die in Serie geschalteten Segmente sind doch per COM 1/2/3 auch einzeln ansteuerbar, so dass man zB. das Einzelsegment der 1. Stelle (a1) mit Sg2 (a1/f1/e1) + Pin19 (COM3) einschalten kann (ohne gleich die drei Segmente a1/f1/e1 mit einzuschalten)?
Diese Einzelsegmente (beim sechstelligen LCD insgesamt 42) könnte man als Tabelle vom alten LCD aufs Neue übersetzen.
Was passiert denn noch beim Multiplexing?
Hier ein Beispiel:
a1 alt: SEG4 + COM0
wird zu>
a1 neu: Sg2 + Com3
Die beim Neuen fehlende vierte backplane (COM3) stört nicht, oder hab ich wieder einen Denkfehler?
Das wäre für d1:
SEG4 + COM3 (lcd alt)
= Sg3 + Com1 (lcd neu)
Nicht ganz uralte Geräte habe oft schon Display-Controller mit serieller Ansteuerung. Da sollte man einfach mitlauschen können.
z.B. bei meinem Onkyo mit VFD.
Erzählt der auch was sinnvolles oder sind die 31min wieder mal nur pure
Zeitverschwendung?
Du hättest es dir ja auch angucken können.
Aber Nein, Peda weiss ja auch so, dass alles was nicht von ihm kommt, Scheisse sein muss. Krankhaftes Ego.
Das Problem am Video ist, dass der Alibaba-Link zu 404 führt.
Man muss sich also selbst eine Firma suchen, die samples zu attraktiven Preisen anbietet. Das funktioniert natürlich besser, wenn man als gewerblicher Kunde auftritt, mit Steuernummer und EORI Zollanmeldung.
Nicht ganz uralte Geräte habe oft schon Display-Controller mit serieller
Ansteuerung. Da sollte man einfach mitlauschen können.
Nicht ganz, uralte Geraete haben oft nur einen Display controller
dessen Ansteuerung man natuerlich problemlos anzapfen kann.
Mittelalte, also ab den 90ern haben dann aber in aller Regel
einen Microcontroller an der Front welcher das LCD ansteuert.
Und zwar deshalb weil der dann gleich so Sachen wie IR-FB oder
die Uhr mit erledigt.
Natuerlich muss man bei seinem dediziertem Geraet immer selber im
Servicemanual schauen wie es da gerade geloesst ist.
Und natuerlich laesst sich das immer machen! Allerdings ist der
Zeitaufwand den man da reinstecken muss immer erheblich.
Das "lohnt" also nur wenn man es fuer sich selber macht und man
sein Geraet ganz doll lieb hat. Oder es sind krasse Ausnahmen
aus der Messtechnik. Ich hab hier z.B einen Marconi 2024 mit
Quarzofen der auch dafuer bekannt ist das es Probleme mit dem
LCD gibt. Bei sowas lohnt sich das dann natuerlich weil es
neuere Geraete mit derselben Funktion sicher nur vierstellig gibt.
Bei einer ollen Hifikiste die man bei Ebay fuer 50-200Euro kaufen
kann eher nicht.
Ausserdem haben alte Hifigeraete ja ueblicherweise ein VFD das zum
einen fast unkaputtbar ist und das man aus Designgruenden sicher
nicht durch ein LCD ersetzen will. Bei tragbaren Devices, wie
den hier angesprochenen Diskmans ist das natuerlich anders.
Aber da wird man dann Platzprobleme bekommen. In den Geraeten gibt
es ja praktisch keine Luft. Da hat Sony sogar zwei Platinen verwendet
die so zusammengesteckt sind das die Bauteile der ober und der unteren
Platine miteinander verzahnen. Viel Spass da noch einen Controller
mit reinzuquetschen...
Die in Serie geschalteten Segmente sind doch per COM 1/2/3 auch einzeln
ansteuerbar, so dass man zB. das Einzelsegment der 1. Stelle (a1) mit
Sg2 (a1/f1/e1) + Pin19 (COM3) einschalten kann (ohne gleich die drei
Segmente a1/f1/e1 mit einzuschalten)?
Diese Einzelsegmente (beim sechstelligen LCD insgesamt 42) könnte man
als Tabelle vom alten LCD aufs Neue übersetzen.
Was passiert denn noch beim Multiplexing?
Hier ein Beispiel:
a1 alt: SEG4 + COM0
wird zu>
a1 neu: Sg2 + Com3
Die beim Neuen fehlende vierte backplane (COM3) stört nicht, oder hab
ich wieder einen Denkfehler?
Das wäre für d1:
SEG4 + COM3 (lcd alt)
= Sg3 + Com1 (lcd neu)
Durch meine Versuche bin ich etwas verwirrt :)
Sind meine Überlegungen grob falsch?
Dann könnte ich auf diese Weise eine Tabelle anfertigen.
Der noch vorhandene Platz im Discman ist knapp, aber für einen SMD-Mikrocontroller (+ Beschaltung und Leitungen) ist auf jeden Fall noch genug Luft.