Bourns 3296 Spindeltrimmer - Langzeit-Stabilität

OP #7699857
Lesenswert?

Hallo zusammen,

hat jemand Erfahrungswerte wie "stabil" die Bourns Spindeltrimmer sind, die er mit mir teilen möchte?

Hintergrund: ich brauche etwas um die Spannung an einem LM317 einzustellen. Ich hab erst an Festwiderstände gedacht, kann ja nicht so schwer sein auf einen Output von 12,1 V zu kommen - das Datenblatt machts möglich.

Ich hab das aber verworfen, weil gem. Datenblatt die Referenz-Spannung einen Min. und einen Max-Wert von 1,2 Volt bzw. 1,3 Volt bei einem Nominal-Wert von 1,25 Volt ausweist. Ich hab das mit den Min.-/Max.-Werten durchgerechnet und die Abweichung in der ausgegebenen Spannung ist mir zu groß. Ich möchte 12,1 Volt +- 0,1 Volt und mir ist nichts besseres eingefallen als dann halt eben einen Spindeltrimmer und einen 1 kOhm Widerstand zu verwenden. mit 1K und einem auf 8,35k eingestellten 10k-Poti komme ich auf die gewünschen 12,1 Volt und im Trimmer ist dann noch genug "Luft" um die Toleranz der Spannungsreferenz auszugleichen.

Das Procedere ist: ich stelle die Spannung ein mal ein, gemessen wird mit einem genauen DMM. Wenn die Spannung stimmt, mach ich einen Punkt mit Nagellack an die Schraube. Vermutlich wird der Widerstand genau einmal im Leben der Baugruppe eingestellt. Eventuell 2 oder 3 mal. Auf keinen Fall wird der Trimmer regelmäßig bewegt. Die Platine befindet sich in einem Gehäuse mit einem Lüfter, Temperatur-Schwankungen zwischen 10 und 40 Grad können vorkommen, i.d.R. ist es in der Kiste zwischen 20° und 30°C warm.

Nun hab ich quasi keine praktische Erfahrung mit Spindeltrimmern. Ja, auf dem Breadboard hab ich mal welche verwendet, aber nie in "echten" Anwendungen. Ich hab die immer vermieden, weil ich immer wieder gerüchteweise von der "notorischen Unzuverlässigkeit" von den Dingern gehört habe.

Darum ist die Frage: wie schlimm ist das wirklich mit der Zuverlässigkeit und Langzeit-Stabilität von Spindeltrimmern? Ich denk mir: hmm, einer von Bourns kostet bei JLC knapp 60 cent. Das ist für LCSC-Verhältnisse schon ein "stolzer Preis", Bourns ist ein weltweit bekannter Marken-Hersteller, wenn die "so viel Geld" für einen Poti (bei Reichelt 1,40 das Stück ...) haben wollen, dann sollte das eigentlich ja Qualitätsware sein, die über mehrere Jahre zuverlässig funktioniert. So ein 10 Cent 7812 funktioniert ja jahrelang problemlos ...

Hat da jemand Infos für mich? Vielen Dank!

Hinweis für Scherzkekse: ich weiß selber dass so ein Poti nicht stabil genug ist mein Gewicht zu tragen ;)

#7699907
Lesenswert?

Peter M. schrieb:

Danke für die Antwort, klingt irgendwie vielversprechend. Leider versteh ich nur Bahnhof, weil ich nicht in der Lage bin das Fach-Chinesisch zu übersetzen?

Gerne machen wir das

25K Temperatur Differenz in deiner Kiste machen bei deinem Trimmer+- 5 Promille Änderung. Ebenfalls reagiert dein lm317.

Da wir nicht wissen können wie warm der Chip wird, rechne mit weiteren 1..2 Prozent über den vollen Bereich. Die Langzeit Drift ist unter 2 Promille.

Das summierst du

#7699910
Lesenswert?

hier ein paar Infos vom Hersteller, es gibt statt Genauigkeitsklasse M = 1 % auch P = 0,1% und R = 0,01% / 1000h https://www.bourns.com/docs/technical-documents/technical-library/trimmers/technical-articles/qualified_parts_numbers.pdf

Wenn du mit Spindeltrimmer so ein Mehrgangpoti meinst das z.B. 10 Umdrehungen ermöglicht (3600° Drehwinkel). Das läßt sich ausreichend genau einstellen. Kann mir auch nicht vorstellen das da so ein Drift auftaucht, wenn das Ding nie bewegt wird.

Aber am sichersten wäre eben ein Spannungsteiler mit Festwiderständen, da bekommst du bessere Werte (Temperaturstabilität und Abweichungstoleranz) günstiger zu kaufen als bei einem Poti.

Die Beispiele mit besserer Ripple Unterdrückung verwenden aber niederohmigere Spannungsteiler einen Kondensator zwischen dem Spannungsteiler und einer zusätzlichen Diode vom Kondensator gegen den Ausgang.

OP #7700045
Lesenswert?

Danke für die vielen hilfreichen Hinweise! Jetzt weiß ich bescheid.

Nein, es muss nicht "super genau" werden, ich will nur definitiv mehr als 12 Volt aber halt auch nicht deutlich mehr als 12 Volt. Die Platine nach der Produktion dann noch selbst mit abgeglichenen Festwiderständen zu bestücken wäre in dem Fall zu viel Aufwand. Ja, dann kann ich das ggf. auf das Micro-Volt abgleichen, aber das brauche ich nicht. Mir würde im Prinzip auch ein 12-Volt Regler reichen der spezifiziert ist mit Min. 12 Volt, max. 12.2 Volt. Aber so einen hab ich nicht gefunden. Die haben dann eine symmetrische Toleranz von 12 +- 0.2 oder so ...

Der Hinweis Festwiderstände mit einem kleinen Poti zu kombinieren ist richtig & wichtig (TM) ;) ... so werde ich es machen.

Ein paar Promille Toleranz ist mehr als ausreichend. Ich hab auch keine besonders rauhe Umgebung, das Ding kommt in einen Schaltschrank irgendwo in der Industrie. Wenn der Wandler dann nach 5 Jahren 12.02 Volt rausgibt anstelle der ehemals eingestellten 12.11 Volt, dann ist das völlig OK, und wenn er 12.3 Volt rausgibt anstelle der eingestellten 12.11 Volt ist das auch völlig OK.

Und wenn der bei Erwärmung des Gehäuses 1/10 Volt mehr rausgibt ist das auch kein Problem. Die Schwankungen durch Temperatur und Alterung sollten halt im Bereich von ~0.25 Volt liegen, aber ich denke das bekomme ich bei entsprechender Auslegung nun hin.

Danke an alle, die geantwortet haben, ihr habt mir weiter geholfen.

#7700491
Lesenswert?

Die alten kommerziellen elektronischen Geräte hatten grundweg Analog-Netzteile, was anderes gabs nicht. Für präzise Spannung mit Drahtpoti und Vorwiderständen zum Einstellen. Da mußte man auch nach 30 Jahren nichts nachstellen. Spindeltrimmer waren in fast jeder Op-Verstärker-Peripherie zu finden. Auch da mußte man nichts nachstellen, so viel zur Langzeitstabilität.

#7700502
Lesenswert?

Besonders mit kleinen Potiwerten ist die Langzeitzuverlässigkeit besser, wenn man sie bei Spannungsreglern nicht als einstellbaren Widerstand, sondern als Spannungsteiler einsetzt. Weil da eine Erhöhung des Schleiferkontaktwiderstandes kaum in die Ausgangspannungsgenauigkeit eingeht.

#7701139
Lesenswert?

Typisch braucht man keine super genauen Versorgungsspannungen. Oft geht das auch nicht, man hat durch die Ströme der Verbraucher auch merkbare Spannungsabfälle. Für genaue Spannungen zum Messen nimmt man daher Referenzen. Z.B. der bekannte REF02B liefert 4,990V .. 5,010V ganz ohne Abgleich.

#7701148
Lesenswert?

Peter D. schrieb:

Für genaue Spannungen zum Messen nimmt man daher Referenzen. Z.B. der bekannte REF02B liefert 4,990V .. 5,010V ganz ohne Abgleich.

"ganz ohne Abgleich" - weshalb mich direkt auf Seite 1 des Datenblattes ein Poti anschaut?

Es geht eh an der Frage vorbei: Der TO möchte einen LM317 justieren, also die Versorgung eines Systems, das ist etwas Anderes als eine Referenz.

Zur Sinnhaftigkeit hast Du auch etwas gesagt: Peter D. schrieb im Beitrag #7701139:

Typisch braucht man keine super genauen Versorgungsspannungen.

Also Haken dran, der Peter M. sucht ein Problem, was er garnicht hat.

Angehängte Dateien:

Antwort schreiben

Bitte melde dich an, um einen Beitrag zu schreiben.

oder

Mit Google-Account einloggen

Die Registrierung ist kostenlos und dauert nur eine Minute.

Jetzt registrieren