Platine von analoger Uhr wieder in Ordnung bringen

#7705485
Lesenswert?

Hallo zusammen, vielleicht kann mir hier irgendjemand weiterhelfen. Ich habe dieses Uhrenelement in meinem Auto verbaut, die digitale Anzeige (Datum etc.) funktioniert einwandfrei, die analoge Uhr ist stehengeblieben. Ich habe das Teil heute zerlegt und mir die Uhr genauer angeschaut. An sich scheint sie ja keinen Schaden zu haben, lässt sich über den Stift händisch drehen. Die Platine hatte an den Lötstellen der Spule einiges an Korrosion, diese habe ich beseitigt. Nun dreht sie leider immer noch nicht :(. Bin kein Experte was Platinen angeht und hoffe hier vielleicht noch auf ein paar Tipps um die Uhr doch noch zum laufen zu bringen. Grüße

#7705525
Lesenswert?

Michi schrieb:

Entschuldigt...

In den meisten Fällen des Ausfalls so alter Instrumente ist der hauchdünne Draht der Spulen vom Antrieb abgegammelt wegen den damals verwendeten korrosiven Flussmittel, und wie Murphy es will meist vom inneren Anfang der Spule so dass man nicht einfach aussen eine Windung abwickeln kann und neu anlöten kann.

Miss also den Widerstand der Antriebsspule ob er plausibel ist (meist hunderte von Ohm bis einige Kiloohm).

Bei Defekt wohl eine Uhr vom (eBay) Schrott holen.

#7705539
Lesenswert?

http://www.datamath.org/Chips/TMS1000.htm Daten zum TMS1170 ist auch rar, hier steht, der hat Ausgangstreiber für VFD-Anzeigen. https://de.wikipedia.org/wiki/Fluoreszenzanzeige

Man sieht das Datum 8143, die 43.Woche von 1981. Rechts daneben könnte ein CD4022BE von "223" also 23.Woche 1982 ? sein. https://pdf1.alldatasheet.com/datasheet-pdf/view/26871/TI/CD4022BE.html

Angehängte Dateien:
#7705574
Lesenswert?

Schrittspulenanschlüsse suchen und mit Oszi messen, ob Ansteuerung vorhanden ist. -Wenn nein liegt der Fehler davor. Wenn keine Unterlagen zum IC verfügbar sind, Elkos auf Verdacht tauschen. -Wenn ja und die Schrittspule noch Durchgang hat, bleibt nur die Mechanik. Vielleicht verharztes Öl. Selber reinigen oder Uhrmacher.

Frage an alle: welche Spannung, Pulsbreite und Frequenz kann man an der Schrittspule erwarten?

(Firma: matzetronics) #7705657
Lesenswert?

Wolf17 schrieb:

Frage an alle: welche Spannung, Pulsbreite und Frequenz kann man an der Schrittspule erwarten?

3-8V, 100-200ms, 1Hz, Polarität bei jedem Puls wechselnd. Der Lavetmotor ist der mit dem gelben Zahnrad. Im Foto habe ich mal die vermutlichen Anschlüsse markiert, wobei es wahrscheinlich nicht drei, sondern nur 2 sind. Der alte TMS1000 ist vermutlich unschuldig, wenn das LED noch geht. Die hat Texas damals aus dem Vollen gefräst.

Angehängte Dateien:
(Firma: Jasinski) #7705669
Lesenswert?

Michi schrieb:

vielleicht kann mir hier irgendjemand weiterhelfen (...) Bin kein Experte was Platinen angeht und hoffe hier vielleicht

Deswegen wirst Du auch die kalten Lötstellen nicht sehen und erkennen – alles (sic!) erstmal schön nachlöten, wenn man die expliziten Stellen nicht sehen kann. Dieser Vorgang sollte aber auch von einer löterfahrenen Person durchgeführt werden, denn die Lötaugen können sich – aufgrund des Alters und falscher Heransgehensweise – sehr schnell in „Luft auflösen”. Erst danach könnte man sich an die einzelnen, eventuell verdächtigen Bauteile wagen.

#7705677
Lesenswert?

Vielleicht verharztes Öl

Das wäre auch meine Vermutung. Der transparente Kunststoff ist leider schnell mit Lösungsmitteln zu zerstören. Schon Brennspiritus kann zuviel sein, schon gar kein Aceton.

Ein Tröpfchen dünnes Öl quasi mit einer Stecknadelspitze auf die Motorachse auftragen. Molybdändisulfid könnte passen, Handelsnamen Mo oder Caramba: https://de.wikipedia.org/wiki/Molybd%C3%A4n(IV)-sulfid

Den Begriff Lavetmotor kannte ich nicht, aber die Achse mit dem kleinen gelben Zahnrad hätte ich auch als erstes zu drehen versucht. Dass die Zeiger sich noch verstellen lassen sagt nichts, wenn etwas klemmt ist es der Motor selbst.

(Firma: matzetronics) #7705711
Lesenswert?

Michi schrieb:

Also wenn ich an den Zeigern direkt drehe, dreht sich auch das gelbe Zahnrad problemlos noch mit

Wenn du eine rote, grüne oder gelbe LED und einen 100Ohm - 1kOhm Vorwiderstand rumliegen hast, kannst du die mal an die Anschlüsse des Motors halten. Wenn der Taktgeber und die Endstufe in Ordnung sind, sollte das regelmässig blitzen.

Wenn nichts blitzt, LED mal umpolen. Blitzt es immer noch nicht, könnte der Treibertransistor putt sein. Wenns blitzt, ist es der Motor selber.

#7705901
Lesenswert?

Matthias S. schrieb:

Wenn nichts blitzt, LED mal umpolen. Blitzt es immer noch nicht, könnte der Treibertransistor putt sein. Wenns blitzt, ist es der Motor selber.

Wenn blitzt aber sich nicht bewegt: Elkos der Ansteuerung prüfen. Wenn die müde werden und das Werk durch Alter schwergängig wird reicht der Puls nicht mehr um den Anker zu bewegen. Hatte ich schon zweimal an VDO-Uhren

Jörg

(Firma: Q3) #7718231
Lesenswert?

  1. Feststellen, ob Motor noch "zuckt"
  2. Prüfen, ob Getriebe für Zeiger noch funktioniert
  3. Prüfen, ob Steuerelektronik noch Impulse sendet

... je nach festgestelltem Problem entsprechend handeln:

zu 3 (wenn 1 u 2 ok), eigene Elektronik mit Uhrenquarz aufbauen, gibts auch als Einchip-Lösung (z.B. alter DDR-IC U114)

1 oder 2 ist kaum reparierbar. Hier würde ich einen billigen "analogen" Quarzwecker schlachten und mal sehen, was man ersetzen kann. Wahrscheinlich das gesamte Uhrwerk ...

#7718666
Lesenswert?

Frank E. schrieb:

1 oder 2 ist kaum reparierbar. Hier würde ich einen billigen "analogen" Quarzwecker schlachten und mal sehen, was man ersetzen kann. Wahrscheinlich das gesamte Uhrwerk ...

Kaum heißt aber nicht, das da doch was geht.

Gerade auf dem Basteltisch: Taschenuhr mit springender Sekunde. Eigentlich eine Leiche, aber Aufgeben ist keine Option. (Läuft schon wieder). Baujahr ca. 1850.

So funktioniert das: https://watch-movements.eu/blog/2022/06/04/eine-springende-sekunde-140-jahre-alt/

Grüße Bernd

Angehängte Dateien:

Antwort schreiben

Bitte melde dich an, um einen Beitrag zu schreiben.

oder

Mit Google-Account einloggen

Die Registrierung ist kostenlos und dauert nur eine Minute.

Jetzt registrieren