Ich möchte einen Verstärker für Gleichspannung bauen, der am Ausgang
relativ hohe Spannungen ausgeben kann. In der Simulation wird eine
Eingangsspannung von +-10V auf +-100V verstärkt. Später soll daraus noch
mehr werden. Die beiden Schaltungen im Anhang funktionieren, zumindest
in der Simulation. Habt ihr noch Tipps, Verbesserungsvorschläge,
Anregungen, um die Schaltungen zu verbessern, bevor ich eine Platine
mache, um sie real zu testen?
Diese Symmetrie mit Q7/Q8 ist doof, denn die können niemals beide
denselben Strom liefern.
Echte Audioverstärker sind auch nicht so gebaut.
In- und In+ sind hoffentlich nur Messpunkte.
Auch ist es ungünstig, den Ruhestrom nicht einstellen zu können, sondern
je nach Temperatur einen anderen zu bekommen.
Natürlich merkt man das in der Simulation nicht.
Warum nicht ein PA240 oder LTC6090 ?
> Diese Symmetrie mit Q7/Q8 ist doof, denn die können niemals beide> denselben Strom liefern. Echte Audioverstärker sind auch nicht so gebaut.
Diese Symmetrie ist genau richtig und die können auch genau den selben
Strom liefern, lass dir da mal nichts einreden. Der Leach-Amp (und gute
Audio-Amps) ist genau so gebaut und vor ein paar Tagen war der für MaWin
auch noch gut.
Was aber gar nicht geht, sind R10/R15/R16/R19/C1/C2. Und du wirst noch
auf eine andere Art eine Überraschung erleben.
Weshalb kommen die Leute bei Verstaerker immer auf Audio. Zumindest die
Eingangswellenform sugeriert anderes.
Etwas mehr an spezifikation wuerde schon drinliegen. Bandbreite,
Anstiegsgeschwindigkeit, Nennlast oder Impedanz, Eingangsimpedanz.. usw.
Schau dir auch mal die Schaltung von X- und Y-Verstärkern in
Oszilloskopen an. Die liefern nicht besonders viel Strom, haben aber
hervorragenden Frequenzgang und hohe Ausgangsspannungen.
Alles symmetrisch aufzubauen garantiert noch lange nicht, dass die
Schaltung sich symmetrisch verhält. Es sei denn, du selektierst wirklich
exakt komplementäre Transistoren manuell. Da reicht es nicht, NPN/PNP
Päärchen mit ähnlichen Artikelnummern zu kombinieren.
Ich würde dazu auf andere Methoden setzen, wie Regelung durch Feedback.
Dann ist mir noch aufgefallen, dass die BC327 / BC337 keineswegs
geeignet sind. Sie vertragen nur 45V, du willst aber mit 200V (2x100V)
arbeiten. .
Rechne mal durch, wie hoch die Ausgangsspannung bei maximalem Hub werden
kann. Du bist da ziemlich weit von den 100V entfernt, hast also hohe
Verluste. Soll das so sein?
Bist Du sicher, dass an den Dioden D1-D4 genug Spannung abfällt? Es muss
etwas mehr sein, als an den B-E Strecken der Transistoren. Ansonsten
wird kein Ruhestrom fließen. Es darf aber auch nicht zuviel sein. Wo
wird der Ruhestrom geregelt? Ich vermisse zumindest ein Trimmpoti. Wo
ist die Temperatur-Kompensation? Die Transistoren werden wärmer, als die
Dioden und dann steigt der Ruhestrom. Und dann steigt die Temperatur
noch weiter an -> Teufelskreis.
Es fehlen noch ein paar wichtige Angaben um eine Empfehlung zu
treffen...
Wie steht es mit der benötigten Bandbreite des Verstärkers? Und der
Ausgangsstrom? Art der Last - also kapazitiv (Piezo), induktiv oder rein
resistiv? Das wären die zentralen Fragen.
Allgemein kann ich Dir nur schon dazu raten einen Operationsverstärker
einzusetzen. Apex Microtechnology hat auf jeden Fall den passenden OpAmp
für die Anwendung: http://www.apexanalog.com/
Einige andere Herstelle haben inzwischen auch Hochspannungs-OpAmps im
Lieferprogramm - jedenfalls wenn die Spannung nicht in den kV-Bereich
geht sondern es sich nur um knapp 100V handelt.
Wenn der Verstärker mehr Strom liefern muss, dann ist es eine gute
Möglichkeit so einem OpAmp einfach eine Stromverstärkungsstufe
nachzuschalten. In der einfachsten Variante braucht es eben ein
komplementäres NPN/PNP-Transistorpaar (oder auch p-/n-Channel-FETs).
Aber selbst bipolare, komplementäre Transistorpärchen lassen sich für
recht hohe Ströme (~10A) und entsprechend hohen Spannung (>400V)
problemlos auftreiben.
Ansonsten, FETs gibt es in dem Spannungs/Leistungsbereich ja zur genüge
- man muss nur darauf achten keine Trench-FETs zu benutzen, die nicht
gut damit klarkommen im linearen Bereich betrieben zu werden.
Die Hochspannungs-OpAmps von Apex sind zwar nicht gerade günstig, aber
wenn ich mir anschaue was für eine komplexe Schaltung Du gedenkst
aufzubauen, kommst Du selbst mit den teureren Vertretern der Apex-OpAmps
im Endeffekt sicher günstiger bei weg. Wobei die OpAmps für den von Dir
vorgegebenen Spannungsbereich gar nicht so teuer sind - aber ohne mehr
Daten (Bandbreite, Ausgangsstrom, ...) kann ich zu nichts konkretem
raten.
Ich habe übrigens meine eigenen Erfahrungen mit Hochspannungsverstärkern
gemacht - dazu noch ausgelegt für recht garstige Lasten - Piezos.
Ich habe in der ersten Version eine recht eigenwillige Konstruktion mit
zwei N_Kanal FETs (oder waren es bipolare NPN-Transisoren?!) und
separater Ansteuerung der beiden realisiert, durchgängier
Klasse-AB-Betrieb.
Die Anforderungen waren recht diffus - der Verstärker wurde für bis zu
350V(unipolar) ausgelegt, wird letztendlich aber nur bis 120V betrieben
und macht auch nicht mehr als eine bandbreitenbegrenzten Impuls mit
beliebieger Länge (~100µs Anstiegs/Abfallzeit und eine Impulslänge von
minimal einigen Millisekunden) auszugeben - eben auf einen Piezo. Ist
natürlich recht suboptimal, die ganze Topologie - Versorgungsspannung
von 300V für einen Impuls mit max. 120V...
Naja, die zweite Version (anderer Einsatzzweck) ist eine optimierte
Weiterentwicklung welche in etwa den selben Impuls ausgeben soll (mit
der gleichen Last, ein recht hochkapazitiver, dazu mechanisch stark
belasteter, Piezo. 120V Impulsspannung mit einem maximalen Strom von 6A.
Dieser Verstärker soll im Labor aber auch für andere Aufgaben einsetzbar
sein - ich hatte noch ein paar PA85 von Apex zur Hand und habe deshalb
beschlossen die maximalen Betriebsparameter auf jene des PA85
auszulegen, zudem bipolare Ausgangspulse zu ermöglichen.
Die Stromverstärkerstufe ist mit komplementären Bipolartransistoren
aufgebaut, hier mögliche Modell (die auf für Deinen Verstärker in Frage
kämen, wenn ein entsprechender Strom gefordert ist):
1. Wahl - MJL4281A (NPN), MJL4302A (PNP) - 350V/15A
2. Wahl - MJW0281A (NPN), MJW0302A (PNP) - 260V/15A
3. Wahl - MJW3281A (NPN), MJW1302A (PNP) - 230V/15A
Grüße
Sascha