ESP8266 kommerziell nutzen

Gast #4870673
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Hallo allerseits,

ich bin der elektronischen Welt leider noch nicht so erfahren, bastele 
aber gerne mit Mikrocontrollern, insbesondere dem ESP8266.
Ich bin momentan mit einem Projekt beschäftigt, das sich auf lange Sicht 
vielleicht auch kommerziell nutzen lässt, wobei ich momentan noch 
absolut nicht damit rechne.

Der ESP scheint mir, auch wenn ich teilweise anderes gelesen habe, recht 
stabil zu laufen und das auch auf längere Zeit. Ich habe bspw. eine 
indirekte RGB-Beleuchtung mit einem ESP82666 (1,70$ bei aliexpress, 
billiger gehts eigentlich nicht) gebaut, die jetzt schon über ein Jahr 
im Dauerbetrieb funktioniert. Der ESP wird vielleicht mal jedes halbes 
Jahr aus und wieder angemacht, wenn Stromausfall war oder wir in den 
Urlaub gefahren sind oder so.

Was mich jetzt stutzig macht ist, dass ich bisher nur sehr gute 
Erfahrungen damit gemacht habe. Auch was die Qualität von den Teilen aus 
China angeht, gut, die Pins sind mal etwas schief verlötet, aber alle 
funktionierten bisher tadellos.
Trotzdem bin ich ihm noch nie in kommerziellen Lösungen begegnet. Ich 
habe auch gegoogelt, wirkliche Produkte habe ich jedoch nicht gefunden.

Daher die Frage, lässt sich ein ESP8266 überhaupt auch in kommerziellen 
Produkten nutzen? Oder gibt's  da irgendwelche absoluten No-Gos, aus 
elektronischer Sicht oder von Richtlinien her? Was wird denn in 
kommerziellen Lösungen genutzt anstelle?

Danke schonmal fürs Lesen

Gruß Timo
Gast #4870827
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Oh, ok, vielen Dank schonmal.

Ist ja interessant. Irgendwie habe ich das dann wohl falsch gegoogelt.

Ist der ESP8266 denn eigentlich als solches erstmal "zugelassen"? 
Spricht von der Bundesnetzagentur zum Beispiel? Oder kann man 
dahingehend Probleme bekommen?

Kennt noch jemand mehr Beispiele?

Gruß Timo
Gast #4870888
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Hi,

gleich vorweg, ich habe mit den Espressif-Sachen nur miese Erfahrungen 
gemacht:

- Bei einigen sog. zertifizierten Modulen übelste Seitenbänder, die 
garantiert für Stress mit Netzagenturen sorgen.
- Fake FCC-Nummern
- Dann geht es weiter mit dem "OS": Grober Unfug bis Lizenzverstösse
- Miese Firmware, und eine Menge Bugs im ROM
- Verfügbarkeit des Chips nach industriellen Kriterien

Eine wirklich robuste Netzwerkoperation bei 100% Verfügbarkeit: nicht 
hinzukriegen. Bei FreeRTOS hatte das mit Malloc-Instabilitäten zu tun, 
beim Espressif-Murks mit Deadlocks unter gewissen Umständen. Die zu 
beheben ging nicht "legal", da Espressif sich weigert(e), den 
Lizenzbedingungen zu entsprechen und auch Bugs nicht als solche 
anerkennt (man erinnere sich an das "Bug bounty" programm).
Dann hat der Chip ein paar deftige Schönheitsfehler, was die Interfaces 
angeht, JTAG funktioniert nicht sauber, usw.

Fazit: Für Industriereife nix. Für Bastler, die ihre investierte Zeit 
nicht rechnen, mags hinhauen. Mich hat der Murks eine Menge Zeit 
gekostet.

Mag sein, dass sie's mit dem ESP32 besser hinkriegen, aber ob sich dafür 
in Europa noch ein Distributor und FAEs finden...
Gast #4874001
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Mhmmm, vielen Dank für die hilfreichen Infos.

Das war auch so ein wenig meine Befürchtung, dass die Dinger nicht ganz 
den Normen entsprechen und möglicherweise nicht zugelassen werden in 
Geräten.

Gruß Timo
Gast #4997720
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Hallo,

was ich bei Espressif bisher nicht gesehen habe ist ein offizieller 
Compiler,... . Man kann von der Website hede Menge Flash Tools runter 
laden, aber einen Compiler, habe ich nicht gefunden.

Wie bekomme ich einen offiziellen Compiler, Linker,... zum Laufen, 
Beispiele für Makefiles, etc. .

Vielen Dank,

Grüße

Seppel


P.S. Zuletzt habe ich die Arduino IDE verwendet,... aber wenn mand das 
in Produkten einsetzen will, nicht so schön
Beitrag #4997739 wurde von einem Moderator gelöscht.
Gast #4997752
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Hallo,

ja ein SDK, ist aber kein Compiler dabei oder? Man wird auf Github 
weiter geleitet, was ok ist, aber:

Requrements: You can use both xcc and gcc to compile your project, gcc 
is recommended. For gcc, please refer to esp-open-sdk.

Woher bekomme ich den xcc, den Tensilica Compiler?

Grüße

Seppel
Gast #4997956
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Bernd K. schrieb:
> Pete K. schrieb:
>> Die [Arduino] IDE ist nur ein besserer Editor.
>
> Eher ein schlechterer würd ich sagen.

Stimmt, ber bei einfacheren sachen kommt man damit durchaus schnell ans 
Ziel. Und man kann (mit den vorgefertigten Bibliotheken) auch 
hingerotztes schnell zum laufen bringen

Fitzebutze schrieb:
> - Bei einigen sog. zertifizierten Modulen übelste Seitenbänder, die
> garantiert für Stress mit Netzagenturen sorgen.
...muss erstmal einer Nachmessen. Eine geschickt dimensionierte 
(=schmalbandige) Antenne mit wenig Gewinn ist hier hilfreich.

> - Fake FCC-Nummern
...in Europa egal. FCC gibts hier nicht!

> - Dann geht es weiter mit dem "OS": Grober Unfug bis Lizenzverstösse
> - Miese Firmware, und eine Menge Bugs im ROM
Solange es läuft: egal. Und was als Nullserie beschwerdenfrei läuft, 
wird auch als richtige Serie laufen.

> - Verfügbarkeit des Chips nach industriellen Kriterien
Einfach ne Kiste voll auf Lager legen.
Gast #4998045
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Pete K. schrieb:
> Seppel schrieb:
>> P.S. Zuletzt habe ich die Arduino IDE verwendet,...
> Was spricht dagegen? Die IDE ist nur ein besserer Editor.
Ich erinnere mich an keinen schlechteren Editor als jenen der 
Arduino-IDE.

Etwas mehr ist sie aber schon, nämlich die komplette Umgebung zum 
Kompilieren und Hochladen auf den µC, gerne auch per ISP.

Mit überschaubarem Aufwand kann man den Notepad++ einsetzen, der den 
Namen Editor verdient hat, und die IDE nur für Kompilieren und Upload 
verwenden.
Gast #4998074
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Bei der Anzahl von Leuten die sich mit den Espressifprodukten 
beschäftigen ist das nur eine Frage der Zeit mit der breiteren 
kommerziellen Nutzung. Arduino ist inzwischen ja auch bei den Großen 
angelandet z.B. in der  Simatic IoT2020.

m.f.G.
Dieter Graef
Gast #4998138
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Fitzebutze schrieb:
> Eine wirklich robuste Netzwerkoperation bei 100% Verfügbarkeit: nicht
> hinzukriegen.

Kann sein das die Stromversorgung häufig unterdimensioniert ist. USB 2.0 
Anschlüsse liefern max. 500mA. Der ESP8266 kann unter Last aber bis zu 
800mA ziehen.
Ohne genug Strom reicht die Sendeleistung nicht.
Gast #4998140
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Ti schrieb:
> Der ESP8266 kann unter Last aber bis zu 800mA ziehen.

So ist das Internet, jeder haut auf die Ergebnisse, die er so find, noch 
was drauf.

Wenn ich nur fein genug messe, finde ich bei jedem CMOS-IC Stromspitzen 
bis in den Amperebereich. Daher brauchen sie einen Stützkondensator von 
einigen nF. Ein ESP läuft an einem USB Anschluß mit einem vernüftigen 
Regler und einem gängigigen MLCC Kondensator einwandfrei. Möglicherweise 
aber nicht mehr, wenn man den internen Regler eines USB-TTY Chips 
benutzt.

Schreiber schrieb:
>> - Verfügbarkeit des Chips nach industriellen Kriterien
> Einfach ne Kiste voll auf Lager legen.

Man kann es auch wie die Profis machen: mit einem authorisierten Distri 
oder dem Hersteller reden und einen Vertrag machen, so mit NDA über 
Internas, Bestellmenge, Lieferfristen, Langzeitverfügbarkeit, 
Informationen über Änderungen im Chip etc.

MfG Klaus
Gast #4998156
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Chris K. schrieb:
> Timothy3001 schrieb:
>> Ist der ESP8266 denn eigentlich als solches erstmal "zugelassen"?
> Siehe
> http://www.esp8266.com/wiki/doku.php?id=esp8266-module-family
> ESP 12
>
> Da aber ein Modul wieder verwendet wird muss auch das Komplettgerät
> nochmal die Zertifizierungsprozedur durchlaufen.

Und da liegt der Hase im Pfeffer.
Der ESP ist schön (auch ich benutze ihn - für Basteleien), aber für ein 
Verkaufsfähiges Produkt benötigt man die ganzen Funkzertifikate, und das 
ist sehr teuer.

Es ist (bei mittleren bis kleinen Stückzahlen) einfach günstiger, ein 
fertig zertifiziertes Modul z.B. von Murata oder Microchip zu nehmen und 
zu verlöten. Da gibts genug, die alle Zertifikate schon haben.

Ich persönlich würde es mich aber nicht trauen, den in einem 
Serienprodukt zu verwenden. Da ist das Vertrauen in Hersteller wie 
Murata oder Microchip schon höher. Bei einem richtigen Hersteller kann 
ich im Notfall den Support kontaktieren, und bei Microchip und Murata 
kommt da auch eine Antwort. Beim Chinesen?
Meine Erfahrung sagt nein. Ich kämpfe gerade mit ein paar LCD-Panels vom 
freundichen Asiaten. Support -> Tonne :-(
Gast #5013810
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OT: Nur so am Rande zum Thema IDE: Ich verwende seit neuestem 
"platform-io". Im Grunde ist das ein aufgeputschter Atom-Editor mit 
Arduino-Integration. Das ist zwar anfangs noch mehr Gefummel, vor allen 
Dingen das Ding erstmal ans Laufen zu bekommen, aber um einiges 
angenehmer damit zu arbeiten.

Und tatsächlich läuft es bisher stabil, es gibt regelmäßig Updates und 
man kann Projekte gescheit verwalten.

MFG Timo

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