Guten Morgen Leute,
ich bin recht neu auf dem Gebiet des Platinen selbst ätzen ;-)
Nun steh ich vor einem kleinen Verständnisproblem.
Es gibt ja unterschiedliche Methoden von Photoresistplatinen. Also
positive sowie negative.
Die meisten Tutorials die ich bisher gelesen habe handelten alle um die
Positive Methode. Allerdings muss das Lötstopplainat von Octamex Negativ
entwickelt werden.
Nun sehe ich es als ein wenig umständlich den Entwickler für
Leiterplatte und Stopplaminat einzelnd anzurühren.
Ist es dort möglich die gleiche Entwicklerlösung für die Leiterplatte
sowie für das Lötstopplaminat zu benutzen? (NaOH)
Gibt es eine bevorzugte Wahl zwischen den Verfahren (Positiv und
Negativ) für Leiterplatten und wenn ja wieso?
Vielen Dank schonmal
DerNeue schrieb:> Nun sehe ich es als ein wenig umständlich den Entwickler für> Leiterplatte und Stopplaminat einzelnd anzurühren.
Ist DAS unter den ca. 20 Schritten, die bei der Herstellung einer
Leiterplatte notwendig sein, das entscheidende Kriterium? Bei mir hält
die Natronlauge ein halbes Jahr und bei der Sodalauge kommt es auf die
Konzentration nicht besonders an, weil man den Prozeß gut beobachten
kann.
Ich sähe keinerlei Nutzen darin, eines von beidem einzusparen und
dadurch den Prozeß wieder von vorn abstimmen zu müssen.
DerNeue schrieb:> Gibt es eine bevorzugte Wahl zwischen den Verfahren (Positiv und> Negativ) für Leiterplatten und wenn ja wieso?
Ich verwende mit Positivlack beschichtete Platinen. Allzuviel
Unterschied zum Negativlack dürfte es nicht geben, ansonsten hätte sich
ein Verfahren durchgesetzt. In der Halbleiterfertigung gibt es meines
Wissens nach ebenfalls beide Lacktypen.
Da solltest du dir also nicht zu viele Gedanken darüber machen, du musst
einfach deinen Prozess hinbekommen, egal obs Negativ oder Positivlack
ist.
@Walter
Natürlich ist das zum gesamten Aufwand gesehen nur eine Kleinigkeit. Nur
ich sehe das so: Ich habe auf einem tisch stehen: Den belichter, Die
Ätzküvette und eine kleine Schale mit dem Entwickler.
Nun Entwickel ich meine Platine mit NaOH und Ätze das ganze und muss
dann zum Entwickeln der Lötstoppmaske wieder eine neue Mischung mit
einem anderen Entwickler anmischen anstatt die schon vorhandene zu
nutzen.
Vielleicht komme ich dort grade durcheinander, aber habe ich es denn
richtig Verstanden, dass man bei dem positiv- und negativ-Verfahren
unterschiedliche Entwickler brauch oder kann ich alles mit der gleichen
Suppe machen.
Wenn nicht würde sich ja anbieten dass ich das verfahren so wähle dass
ich alles mit der gleichen Brühe machen kann.
Gruß
Wie und mit welchen Aufwand willst du deine negativen Platinen machen?
Fertig zu kaufen gibt es da nichts.
Ein Fussel auf der neg. Platine macht eine Unterbrechung, das ist
schlimmer als eine Brücke, die es meist wegätzt.
@Michael_
Das ist ein guter Ansatz den ich auch schon im Sinn hatte.. Deswegen
würde ich gerne Fotopositive Leiterplatten nehmen... womit ich wieder
bei der Grundfrage mit dem negativen Laminat bin....
Hi,
DerNeue schrieb:> @Michael_>> Das ist ein guter Ansatz den ich auch schon im Sinn hatte.. Deswegen> würde ich gerne Fotopositive Leiterplatten nehmen... womit ich wieder> bei der Grundfrage mit dem negativen Laminat bin....
Prinzipiell kannst du auch die üblichen Negativresists (und Lacke) mit
NaOH statt mit Natriumcarbonat entwickeln. Entscheidend ist alleine der
PH Wert.
1g NaOH auf 1l Wasser ergibt allerdings eine viel stärkere Lauge als 1g
Natriumcarbonat auf 1l Wasser.
Daher ist die Lösung zum Enwickeln des Positivlacks für das Laminat
eigendlich zu Scharf. Es kann funktionieren wenn man schnell genug ist -
aber ohne Garantie das das Lötstopplaminat danach noch Widerstandsfähig
genug ist. (Das Entschichten des Laminats bei fehlbelichteten Platinen
erfolgt ja mit NaOH!) Wollte man auf Nummer sicher gehen könnte man die
1% NaOH Lösung noch weiter verdünnen bis der gewünschte PH Wert erreicht
ist.
Ausserdem darf man ja nicht vergessen das die Natriumcarbonatlösung ca.
30-40 Grad warm sein sollte. Der Positiventwickler ist hingegen besser
nicht zu warm... Damit müsstest du die NaOH Lösung nach dem Verdünnen
noch erwärmen.
Aber ehrlich gesagt: DA ist es genauso einfach jeweils beide Lösungen
anzurühren. Zumal das Natriumcarbonat die deutlich harmlosere Substanz
ist. Die Natriumcarbonatlösung kann man vor gebrauch ja problemlos mit
warmen Wasser aus dem Hahn ansetzen.
Gruß
Carsten
99% machen im Heimbereich die Platinen mit Positivplatinen.
In der DDR gab es am Anfang nur Negativlack. Eigentlich kein Problem.
Aber woher bekommst du heute noch Negativlack?
Und Photoresist, wie willst du das aufbringen? An einer Hochschule im
Labor konnte ich das besichtigen. Die Geräte und das Resist dazu sind
nicht billig.
Resist kriegst du nur als Rollenware mit Mindestbestellmenge.
Und wenn es nur um die Verwechslung der Flaschen geht, mußt du mal was
für deine Nerven tun.
Nicht das du mal die Bierflasche mit der Essigflasche verwechselst :-).
Hi,
Michael_ schrieb:> 99% machen im Heimbereich die Platinen mit Positivplatinen.
Also vorweg: Ich denke auch das für jemanden der einfach nur ein paar
Platinen machen will die mit Positivlack vorbeschichteten Platinen die
beste Lösung sind. Besonders wenn sich jemand schon gedanken darum wie
er denn den Schritt Natriumcarbonatlösung anzusetzen wegoptimieren kann
weil ihm der Aufwand stört.
> In der DDR gab es am Anfang nur Negativlack. Eigentlich kein Problem.> Aber woher bekommst du heute noch Negativlack?
Photostrukturierbarer Negativlack ist heute noch relativ Problemlos
verfügbar! In der Industrie durchaus das Übliche Verfahren.
Mindestbestellmenge ist etwa 1kg für grob 25-30 Euro.
Verglichen mit den Sprühdöschen Positivlack oder der Schnittware an
Laminat ist das günstig. Wobei der nomale Bastler das wohl kaum auch nur
annähernd aufbrauchen kann bevor der Lack tatsächlich verdorben ist. Von
der offiziellen Haltbarkeit ganz zu schweigen...
> Und Photoresist, wie willst du das aufbringen? An einer Hochschule im> Labor konnte ich das besichtigen. Die Geräte und das Resist dazu sind> nicht billig.
Zuerst: Ich denke du meinst hier mit "Resist" das Laminat, oder?
Denn "Resist" meint bei der Leiterplattenfertigung nicht Speziell das
Laminat sondern alle Arten von Mitteln zur Oberflächenstrukturierung die
man Aufbring um Ätzen oder das Auftragen von Kupfer an diesen Stellen zu
verhindern.
Egal ob als Laminat oder flüssig.. (Resist von Resistor == Widerstand!)
Laminat Speziell wird als Trockenresist, DryFilm (resist) oder direkt
einem Produktnamen wie "Tenting Resist(Bungard)" bezeichnet.
Das Auftragen von Trockenresist kann man im Heimbereich mit einem
normalen Laminator machen. Wird der TE ja mit dem Lötstopplaminat wohl
auch bereits so machen...
Flüssigresist kann man mittels eines improviesiertem Siebdruckrahmens
auftragen. Habe ich anfangs so gelöst: Siebdruckgewebe gekauft, ein
halber Quadratmeter für 5 Euro. Dann einen Einfachen Din A4 Rahmen aus
Latten vom Baumarkt zusammengezimmert. (2,60 Euro) Dann ein Passendes
Stück Siebdruckgewebe zurechtgeschnitten und aufgespannt. Als Rakel
dient eine Abgelaufene Kreditkarte...
Wenn ich mal das reinigen verschwitzt habe oder das Gewebe beschädigt
wird weil der Rahmen mal wieder ungünstig herumlag nehme ich ein neues
Stück Gewebe vom Vorrat. Funktioniert 1A. Da es nur um den ganzflächigen
Lackauftrag geht spielt die schlechte Spannqualität keine Rolle.
Fertige Siebe mit "Professioneller Bespannung" gibt es übrigens bereits
für 20 Euro, allerdings hat man da den Nachteil das diese nur sehr
schwer selbst zu bespannen sind. Wenn man dann mal vergessen hat zu
reinigen oder das Gewebe beschädigt wird muss man den erst mal wieder
neu bespannen lassen. (Ab 10Euro + Transport von und zur Fachfirma)
Für den Ätzvorgang bei Durchkontaktierten Leiterplatten bin ich noch am
Überlgen wie ich weiterhin arbeiten werde. Mit dem Tenting Resist von
Bungard das die zu erhaltenden Strukturen (Insbesondere DUKOs)einfach
abdeckt, oder mit dem Flüssigresist das die zu entfernenden Strukturen
beim Verzinnungsprozess abdeckt und vor dem Ätzen bereits entfernt wird.
(Zinn stellt hier das eigendliche Ätzresist dar!)
Der erste Prozess ist deutlich einfacher und ich habe die freie Auswahl
bei den Ätzmitteln. Falls aber eine Bohrung nicht 100% abgedeckt ist
weil die etwas verrutscht ist oder die Laminatabdeckung beschädigt wird
(durch den Heimprozess ist die gefahr ja größer) habe ich öfter mal
defekte DuKos wenn die Löscher dann Leergeätzt werden.
Der Prozess mit Zinn als Ätzresist ist Aufwendiger, Ich habe auch
erhebliche Einschränkungen beim Ätzmittel was sich auf die
Beschaffungssituation auswirkt. Ganz Kurzfristig Ätzmittel beschaffen
oder wenn alle Stricke reissen doch ausnahmsweise mal HCL+H2O2 zu nehmen
scheidet da aus. Lieferzeit um die 10 Tage und nur mit nachgewiesener
Sachkunde...
Dafür habe ich da eine Ausfallrate von NULL! Ich brauche als nicht mehr
die Bohrungen mit dem Mikroskop einzeln begutachten um defekte Manuell
mit Draht zu brücken(geht schneller als Durchpiepen oder Fehlersuche in
der bestückten Schaltung)
Beim Lötstopp bin ich aber komplett vom Laminat runter!
Da lohnt meiner Ansicht nach die erheblich bessere Qualität des
Ergebnisses den erhöhten Aufwand für das Flüssigprodukt (1Kg unter 30
Euro)
Auch kann ich da andere Farben wählen...
(Geringere Schichtdicke, ERHEBLICH Widerstandsfähiger, keine Probleme
mit Unterwanderung und Ablösung durch Lötzinn wenn an einer Stelle der
Laminierdurck des Bürolaminators mal nicht hoch genug war...
Absolut Lösemittelfest) Verarbeitung wie beim Ätzresist. Entwicklung für
Lötzstopp und dem Negativen Ätzresist mit 1% Natriumcarbonat.
Aber noch einmal: Nur für gelegentliche Anfertigung von ein paar
Platinen ohne Duko usw. würde ich mir den Aufwand mit dem Negativresist
nie Antun. Egal ob Fest oder flüssig. Fertig Beschichtete Platinen von
Bungard oder Rademacher und man ist auf der sicheren und bequemen
Seite...
Falls man allerdings sehr sehr feine Strukturen hat ist die Überlegung
beim Lötstopp zum Flüssigen Produkt zu greifen hingegen auch für
Hobbyisten zumindest nicht abwegig. Das funktioniert auch mit Bauteilen
wie TQFP100+ noch hervorragend!
Wer nur THT oder maximal SMD in SOIC, vielleicht noch TQFP44 macht, der
kann natürlich auch beim Laminat bleiben.
Gruß
Carsten
Carsten schrieb:> habe ich öfter mal> defekte DuKos wenn die Löscher dann Leergeätzt werden.
Du machst also zuhause Durchkontaktierungen? Sportlich, allerdings
sicher nicht typisch für Hobbyisten.
Gruss Reinhard
Harald Wilhelms schrieb:> Michael_ schrieb:>>> Und Photoresist, wie willst du das aufbringen?>> Mit der Sprühdose?
Ich hatte von dem auf der Rolle gesprochen.
Das Problem war das Aufbringen auf Kupferfolie mit Plasteträger >30cm.
Also flexible Platinen.
Da kannst du deine Sprühdose vergessen. Schon bei Platinen wird das
ungleichmäßig.
Und das aus der Sprühdose nennt sich bei mir immer noch Photolack.
Michael_ schrieb:> Und das aus der Sprühdose nennt sich bei mir immer noch Photolack.
Alles was dem Ätzen widersteht, ist ein Resist. Dabei ist es
unerheblich, ob es aus ner Sprühflasche, von der Rolle, oder aus nem
Laserdrucker kam.
> Ausserdem darf man ja nicht vergessen das die> Natriumcarbonatlösung ca. 30-40 Grad warm sein sollte.> Der Positiventwickler ist hingegen besser nicht zu warm...> Damit müsstest du die NaOH Lösung nach dem Verdünnen noch erwärmen.
Wenn die NaOH Lösung doch ohnehin aggresiver ist als Natriumcarbonat,
reicht es da nicht auch aus das ganze dann mit warmen wasser zu
verdünnen und die Temperatur nicht bis auf 30° zu treiben?
Eigentlich wollte ich den Schritt der Temperaturerhöhung sowieso
"wegoptimieren" (wie Carsten es so schön ausgedrückt hat) aber das hat
sich sowieso erledigt da ich als Ätzmittel Natriumpersulfat gewählt
habe, da FeCl3 mir eine zu grosse Sauerei und Schäden verursachen KANN
(ich weiss man könnte auch einfach aufpassen aber dafür kenn ich mich zu
gut) und Salz- und Salpetersäure mir zu agressiv sind.
(Oder hab ich das NonPlusUltra der Ätzmittel übersehen?)
Aerdings geschiet dieses Erhitzen in einer Ätzküvette und ich müsste
somit für den Entwickler eine weitere Hitzequelle basteln.
> Das Auftragen von Trockenresist kann man im Heimbereich mit einem> normalen Laminator machen. Wird der TE ja mit dem> Lötstopplaminat wohl auch bereits so machen...
Jap genau richtig.. So wirds ja meist auch von den Herstellern
vorgegeben.
DerNeue schrieb:> (Oder hab ich das NonPlusUltra der Ätzmittel übersehen?)
Das ist der Fall, aber damit befindest Du Dich immerhin in reichlich
Gesellschaft...;-)
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