Hi,
vergebens habe ich bereits nach einer schlüssigen Erklärung gesucht. Wie
erzeugt der Treiber eine um VCC als das Highpotential höhere
Gatespannung für den Highside FET, wenn nach dem Abschalten des Lowside
Fets das Potential am Switchnode bei ca. -1V bis 0V beträgt, was eben
auch == das LOW-Potential des Bootstrap C´s ist.
Das 2. Bild ist meine Schaltung für einen Abwärtswandler, wodurch sich
die Frage ergeben hat Oo
gruss
Axel
@ Axel Krüger (axel)
>Wie>erzeugt der Treiber eine um VCC als das Highpotential höhere>Gatespannung für den Highside FET, wenn nach dem Abschalten des Lowside>Fets das Potential am Switchnode bei ca. -1V bis 0V beträgt, was eben>auch == das LOW-Potential des Bootstrap C´s ist.
Eben WEIL es ein Bootstrap ist. Wenn der obere FET sperrt und der untere
durchschaltet, liegt der Ausgang (der hier getrennte Pins sind, welche
aber verbunden werden müssen) auf LOW, praktisch nahezu 0V. Damit liegt
Source vom oberen FET auch auf 0V. Über die Diode wird der
Bootstrapkondensator auf ~VCC geladen. Wenn jetzt der untere FET sperrt
und der obere anfängt durchzuschalten, drückt es das Sourcepotential des
oberen FETs nach "oben". Der Treiber des oberen FETs istvom
Bootstrapkondensator gespeist und hat praktisch kaum eine Verbindung zur
normalen Masse, er schwimmt auf dem Sourcepotential des oberen FETs.
Damit hat man nahezu eine potentialfreie Versorgung für diesen, man kann
ihrn sich als eine kleine Batterie vorstellen. Nachteil ist die
begrenzte Stromlieferfähigkeit, denn Leckströme im oberen Treiber und am
Gate vom MOSFET entladen ihrn. Deshalb brauchen solche Bootstrap-Treiber
immer einen PWM-Takt, sie können statisch nicht HIGH schalten, nur LOW.
MfG
Falk
Danke für die ausführliche Erläuterung, aber es hakt bei mir immer noch
an Folgendem:
Falk Brunner schrieb:> Wenn jetzt der untere FET sperrt> und der obere anfängt durchzuschalten, drückt es das Sourcepotential des> oberen FETs nach "oben".
Wenn der untere Fet abschaltet fliesst ja trotzdem noch kurzzeitig der
Drosselstrom (jetzt bezogen auf den Abwärtswandler) durch die Bodydiode
des unteren Fets wenn der Spulenstrom nicht lückt und somit ist ja eben
das Sourcepotentiol des oberen Fets immer noch auf GND minus der
Diodenforwardvoltage. Wie kann in diesem Fall überhaupt erst der obere
Fet leitend werden wenn das High Potential des Bootstrap C´s mit ~VCC
niedrieger ist als das Drainpotential des oberen Fets?
gruss
Axel
@ Axel Krüger (axel)
>Wenn der untere Fet abschaltet fliesst ja trotzdem noch kurzzeitig der>Drosselstrom (jetzt bezogen auf den Abwärtswandler) durch die Bodydiode>des unteren Fets wenn der Spulenstrom nicht lückt und somit ist ja eben>das Sourcepotentiol des oberen Fets immer noch auf GND minus der>Diodenforwardvoltage.
Nur sehr kurz, eben solange wie die eingebaute Totzeit des Treibers ist,
typisch um die 500ns.
> Wie kann in diesem Fall überhaupt erst der obere>Fet leitend werden wenn das High Potential des Bootstrap C´s mit ~VCC>niedrieger ist als das Drainpotential des oberen Fets?
Nach der Totzeit schaltet der obere FET durch, gespeist aus dem
Bootstrap-Kondensator. Weil jetzt Strom dort durchfließt, kommutiert
(wechselt) der Stromfluss von der Bodydiode des unteren FETs zum oberen
FET. In diesem Umschaltmoment muss die Diode schnell sperren, also eine
möglichst kurze Sperrerholzeit haben (reverse recovery time, t_rr), denn
in der Zeit fließt der Strom aus der Versorgung durch den oberen FET
durch die Diode nach Masse. Das gibt einen ordentlichen Strompuls, der
möglichst kurz sein sollte. Das ist auch einer der Punkte bei der
Optimierung von Schaltreglern, der allseits bekannte Lothar hat das
schon oft erklärt und dargestellt.
http://www.lothar-miller.de/s9y/categories/40-Layout-Schaltregler
Stichwort "Recovery-Pfad"
Falk Brunner schrieb:> Nach der Totzeit schaltet der obere FET durch, gespeist aus dem> Bootstrap-Kondensator.
Das ist der Punkt. Das Lowpotential des Bootstrapkondensators liegt zu
dem Zeitpunkt immer noch auf rund ~GND. Wenn bspw. der IR2110 nun die
Verbindung vom Bootstrap Highpotential zum Gate des HighsideFET
schaltet, liegt dort nur das niedrige VCC Potential an, was der
Ladespannung des Bootstrap Cs entspricht. D.h. der obere Fet sollte
eigentlich garnicht durchschalten können.
Sinn würde es machen, wenn das Bootstrap-C Lowpotential vor dem
Ansteuern des HighsideFets vom Switchnodepotential auf das
Drainpotential des HighsideFets geschaltet wird, aber das ist ja laut
Schaltung nicht der Fall - es existiert garkeine Verbindung vom
TreiberIC zum HighFet Drainpotential, was im Falle des IRF2110 ~ 500Volt
betragen kann.
Ich habe aber die Schaltung mit dem Datenblatt, diversen Appnotes zu
IRFxxx und Beiträgen im Forum verifiziert und die sollte eigentlich
stimmen.
@ Axel Krüger (axel)
>> Nach der Totzeit schaltet der obere FET durch, gespeist aus dem>> Bootstrap-Kondensator.>Das ist der Punkt. Das Lowpotential des Bootstrapkondensators liegt zu>dem Zeitpunkt immer noch auf rund ~GND.
Ja.
> Wenn bspw. der IR2110 nun die>Verbindung vom Bootstrap Highpotential
Du meinst VB, wo auch der Bootstrapkondensator dranhängt.
> zum Gate des HighsideFET>schaltet, liegt dort nur das niedrige VCC Potential an, was der>Ladespannung des Bootstrap Cs entspricht.
Das reicht doch, das sind praktisch um die 10V.
> D.h. der obere Fet sollte>eigentlich garnicht durchschalten können.
Doch! Denn der Massebezug des Bootstrapkondensator liegt an der Source
des oberen FETs! Wie eine potentialfreie 9V Batterie. Nur wenn der
untere hart auf 0V durchschaltet, ist die Masse vom Bootstrapkondensator
= Systemmasse.
>Sinn würde es machen, wenn das Bootstrap-C Lowpotential vor dem>Ansteuern des HighsideFets vom Switchnodepotential auf das>Drainpotential des HighsideFets geschaltet wird,
Keine Sekunde. Warum auch?
> aber das ist ja laut>Schaltung nicht der Fall - es existiert garkeine Verbindung vom>TreiberIC zum HighFet Drainpotential, was im Falle des IRF2110 ~ 500Volt>betragen kann.
Muss es auch gar nicht, der Schalter drückt sich selber hoch, ala
Münchhausen. Das ist ja der Trick der Bootstrap-Schaltung! Der
schweinbar potentialfreie, schwimmede Treiber + Kondensator für den
oberen FET.
oh man jetzt hab ichs geschnallt :S Ich habe zuvor einen Abwärtswandler
mit nur einem highside P-Kanalfet gebastelt und dort lag der Source
immer am hohen Highpotential und darauf war die Gatespannung bezogen und
nun liegt ja der Sourceanschluss "unten" und die Gatespannung muss ja
nur um ~VCC höher sein als Source - egal wie hoch die Drainspannung
ist.
Danke! gruss Axel