Guten Abend,
ich möchte als Programmierschnittstelle für mein Pycom Modul (L01) einen
FT234XD-R verwenden, um eine USB-to-UART Kommunikation zu realisieren.
Ich habe in das Datenblatt des FTDI Chip nachgeschaut und habe eine
Frage zu der USB Bus Powered Variante des Chips. Wozu braucht man
eigentlich die 47pF Kondensatoren an den D+ und D- Leitungen? Vom Chip
zur USB Buchse bilden sie ein RC-Glied. Und in die anderen Richtung als
Pegelstabilisierung. Das wäre meine Erklärung.
MfG
Der Unwissende schrieb:> Wozu braucht man eigentlich die 47pF Kondensatoren an den D+ und D-> Leitungen?
Nicht sinnvoll. Wenn schon, dann sollte da eher ein Überspannungsschutz
sitzen.
Jörg W. schrieb:> Nicht sinnvoll. Wenn schon, dann sollte da eher ein Überspannungsschutz> sitzen.
Das denke ich auch. In meiner eigenen Schaltung habe ich die
Kondensatoren nicht eingebaut und dafür einen USBLC6-2P6 von ST
eingesetzt. Mich wundert nur die Schaltung aus dem Datenblatt.
Der Unwissende schrieb:> 47pF Kondensatoren an den D+ und D- Leitungen?
So viel? Das kann nur ein Irrtum sein. Kondensatoren dieser
Größenordnung kenne ich von ganz alten Druckerports, wo
Übertragungsraten um 100kHz üblich waren.
Niemand schrieb:> als Dämpfungs-Glied gegen Störeinkopplungen der USB Leitung?
Da ist man mit speziellen Gleichtaktdrosseln besser dran.
Beispiel:
https://www.coilcraft.com/pdfs/0603usb.pdf
Aber wenn FTDI da Kondensatoren sehen will, dann wird das schon
stimmen...
> Aber wenn FTDI da Kondensatoren sehen will, dann wird das schon> stimmen...
Das glaube ich nicht so ganz. 47pF sind bei den Frequenzen auf dem
USB-Bus ja schon eine ganz schoene Last. In serie mit einem 100R koennte
ich das ja noch verstehen, aber nicht alleine.
Olaf
Olaf schrieb:> 47pF sind bei den Frequenzen auf dem> USB-Bus ja schon eine ganz schoene Last. In serie mit einem 100R koennte> ich das ja noch verstehen, aber nicht alleine.
So hoch sind die Frequenzen nun auch wider nicht, das Teil läuft ja
maximal mit 12MBit/s. Für die Grundschwingung sind 47p also noch
wesentlich höherimpedant als 100Ohm. Und die höheren Frequenzen soll der
Kondensator ja allem Anschein nach ein Stück weit bremsen, wenn die 47p
wirklich als Slew-Rate begrenzer gedacht sind.
Wobei es schon seltsam ist, wenn FTDI dem USB-Transceiver nicht gleich
passende slewrates mit integriert hat. Aber ich weiß auch nicht, wann
dieses IC designed wurde und ob FTDI das mit aktueller Technologie heute
vielleicht nicht ganz anders machen würde.
Mario M. schrieb:> Angesichts> programmierbarer Slew Rate würde ich die als Angstkondensatoren> bezeichnen.
Programmierbare Slew-Rates für den USB-Transceiver? Das fände ich dann
gleich nochmal eine Nummer seltsamer. Soll sich der Treiber dann den
passenden Wert aussucht, je nachdem, wie lange das verwendete USB-Kabel
ist?
Die programmierbare Slew-Rate bezieht sich imho eher auf die IOs auf der
"anderen" Seite des ICs (also auf den UART, nicht den USB-Transceiver).
Achim S. schrieb:> Wobei es schon seltsam ist, wenn FTDI dem USB-Transceiver nicht gleich> passende slewrates mit integriert hat. Aber ich weiß auch nicht, wann> dieses IC designed wurde und ob FTDI das mit aktueller Technologie heute> vielleicht nicht ganz anders machen würde.
Die neueren haben das ja drin. FT232BL/FT245BL brauchten noch externe 27
Ohm Widerstände (und ggf Kondensatoren, falls die Kabelkapazität nicht
reicht) zur Flankenformung, FT232R/FT245R steuern die slew rate aktiv.
Olaf schrieb:>> Aber wenn FTDI da Kondensatoren sehen will, dann wird das schon>> stimmen...>> Das glaube ich nicht so ganz. 47pF sind bei den Frequenzen auf dem> USB-Bus ja schon eine ganz schoene Last. In serie mit einem 100R koennte> ich das ja noch verstehen, aber nicht alleine.>> Olaf
Naja, wir reden hier von Fullspeed. Das sind 12MBd. Rein Impedanzmässig
hätten die Kerkos da 280 Ohm. Das ist niederohmig, aber noch nicht irre.
Natürlich verziehen sie das Signal, aber auch das ist nicht so schlimm.
Die Zeitkonstante mit den 27Ohm ist ja nur 1,2ns, bei einer Länge von
83ns für ein Bit.
Ich bezweifle, dass man nennenswerte Verzerrungen merken wird.
Fullspeed ist recht tolerant. Ich betreibe das regelmässig über
Bredaborads, Lochraster, Flachbandkabel, Relais und dergleichen mehr.
Bei Highspeed (landläufig USB-2, wobei das nicht korrekt ist) oder
Superspeed sieht die Sache aber wirklich komplett anders aus, das muss
man auch erwähnen. Da kann schon ein Tastkopf reichen, um den Link zu
töten.
Der Ferritkern, die 27R und die 47pF sind sinnvoll um die EMV zu
verbessern.
Besonders mit einem ungeschirmten USB-Kabel (wirkt wie eine Antenne)
wird die BER verbessert.
Achim S. schrieb:> Programmierbare Slew-Rates für den USB-Transceiver? Das fände ich dann> gleich nochmal eine Nummer seltsamer.
Die AN146 sagt dazu:
"This timing can be modified through a programmable setting stored in
the same external EEPROM that is used for the USB descriptors. Timing
can also be changed by adding appropriate passive components to the USB
signals."
Mario M. schrieb:> This timing can be modified through a programmable setting stored in> the same external EEPROM that is used for the USB descriptors.
Hast du auch noch einen Tipp für mich, welche konkreten
Konfigurations-Settings beim FT234 einen Einfluss auf die Slewrates des
USB-Transceivers haben sollen? Ich lerne gerne dazu. Aber ich habe mir
die öffentlich verfügbare Beschreibung des FT234 angesehen und finde
beim besten Willen nur Slewrate-Einstellungen für die IO-Seite des Chips
(UART/DBus und CBus). Ich finde keine Einstellungsmöglichkeit für die
Slewrate der USB-Transceiverseite.
Aber nicht alle Einstellungsmöglichkeiten des ICs sind öffentlich
dokumentiert. Vielleicht weißt du ja mehr, als das Datenblatt sagt, oder
vielleicht bin ich einfach blind und übersehe die von dir gemeinten
Einstellungsmöglichkeiten im Datenblatt.
Ich kann mir durchaus vorstellen, dass FTDI selbst Anpassungswerte im
EEPROM ablegt, um unterschiedlich schnelle Hardware aus verschiedenen
Prozessfenster USB-konform zu kriegen. Beim FT234 ist das EEPROM ja
integriert und ein Teil davon ist nur durch den Hersteller, aber nicht
durch den Anwender des ICs überschreibbar. Und der FT234 ist
offensichtlich wirklich nicht mehr der jüngste, und vielleicht waren mit
der damals genutzten Technologie solche Tricks noch notwendig.
Aber Nutzer-programmierbare Einstellungen für die Slewrate des
USB-Transceivers finde ich bei dem IC keine. Von daher bleibe ich bei
meinem Widerspruch:
Mario M. schrieb:> Angesichts> programmierbarer Slew Rate würde ich die als Angstkondensatoren> bezeichnen.
Nein: keine Angstkondensatoren, sondern der vom IC-Hersteller
vorgegebene Weg, um sein Produkt USB-konform zu betreiben.
Brododüb schrieb:> Rein Impedanzmässig> hätten die Kerkos da 280 Ohm
Tatsächlich wäre es sogar doppelt so viel (560 Ohm). Denn die 12MBit/s
im Fullspeed sind NRZI kodiert. Die schnellste mögliche Bitfolge hat
demnach eine Grundfrequenz von 6 MHz.