Forum: Mikrocontroller und Digitale Elektronik Welchen Sinn haben diese Kondensatoren?


von Der Unwissende (Gast)


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Guten Abend,

ich möchte als Programmierschnittstelle für mein Pycom Modul (L01) einen 
FT234XD-R verwenden, um eine USB-to-UART Kommunikation zu realisieren. 
Ich habe in das Datenblatt des FTDI Chip nachgeschaut und habe eine 
Frage zu der USB Bus Powered Variante des Chips. Wozu braucht man 
eigentlich die 47pF Kondensatoren an den D+ und D- Leitungen? Vom Chip 
zur USB Buchse bilden sie ein RC-Glied. Und in die anderen Richtung als 
Pegelstabilisierung. Das wäre meine Erklärung.

MfG

von Jörg W. (dl8dtl) (Moderator) Benutzerseite


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Der Unwissende schrieb:
> Wozu braucht man eigentlich die 47pF Kondensatoren an den D+ und D-
> Leitungen?

Nicht sinnvoll. Wenn schon, dann sollte da eher ein Überspannungsschutz 
sitzen.

von Der Unwissende (Gast)


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Jörg W. schrieb:
> Nicht sinnvoll. Wenn schon, dann sollte da eher ein Überspannungsschutz
> sitzen.

Das denke ich auch. In meiner eigenen Schaltung habe ich die 
Kondensatoren nicht eingebaut und dafür einen USBLC6-2P6 von ST 
eingesetzt. Mich wundert nur die Schaltung aus dem Datenblatt.

von Niemand (Gast)


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als Dämpfungs-Glied gegen Störeinkopplungen der USB Leitung?

von Mario M. (thelonging)


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In der AN146 nennt sich das "edge rate control". Angesichts 
programmierbarer Slew Rate würde ich die als Angstkondensatoren 
bezeichnen.

von Stefan F. (Gast)


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Der Unwissende schrieb:
> 47pF Kondensatoren an den D+ und D- Leitungen?

So viel? Das kann nur ein Irrtum sein. Kondensatoren dieser 
Größenordnung kenne ich von ganz alten Druckerports, wo 
Übertragungsraten um 100kHz üblich waren.

von Brododüb (Gast)


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Niemand schrieb:
> als Dämpfungs-Glied gegen Störeinkopplungen der USB Leitung?

Da ist man mit speziellen Gleichtaktdrosseln besser dran.
Beispiel:
https://www.coilcraft.com/pdfs/0603usb.pdf

Aber wenn FTDI da Kondensatoren sehen will, dann wird das schon 
stimmen...

von Olaf (Gast)


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> Aber wenn FTDI da Kondensatoren sehen will, dann wird das schon
> stimmen...

Das glaube ich nicht so ganz. 47pF sind bei den Frequenzen auf dem 
USB-Bus ja schon eine ganz schoene Last. In serie mit einem 100R koennte 
ich das ja noch verstehen, aber nicht alleine.

Olaf

von Achim S. (Gast)


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Olaf schrieb:
> 47pF sind bei den Frequenzen auf dem
> USB-Bus ja schon eine ganz schoene Last. In serie mit einem 100R koennte
> ich das ja noch verstehen, aber nicht alleine.

So hoch sind die Frequenzen nun auch wider nicht, das Teil läuft ja 
maximal mit 12MBit/s. Für die Grundschwingung sind 47p also noch 
wesentlich höherimpedant als 100Ohm. Und die höheren Frequenzen soll der 
Kondensator ja allem Anschein nach ein Stück weit bremsen, wenn die 47p 
wirklich als Slew-Rate begrenzer gedacht sind.

Wobei es schon seltsam ist, wenn FTDI dem USB-Transceiver nicht gleich 
passende slewrates mit integriert hat. Aber ich weiß auch nicht, wann 
dieses IC designed wurde und ob FTDI das mit aktueller Technologie heute 
vielleicht nicht ganz anders machen würde.

Mario M. schrieb:
> Angesichts
> programmierbarer Slew Rate würde ich die als Angstkondensatoren
> bezeichnen.

Programmierbare Slew-Rates für den USB-Transceiver? Das fände ich dann 
gleich nochmal eine Nummer seltsamer. Soll sich der Treiber dann den 
passenden Wert aussucht, je nachdem, wie lange das verwendete USB-Kabel 
ist?

Die programmierbare Slew-Rate bezieht sich imho eher auf die IOs auf der 
"anderen" Seite des ICs (also auf den UART, nicht den USB-Transceiver).

von Soul E. (Gast)


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Achim S. schrieb:

> Wobei es schon seltsam ist, wenn FTDI dem USB-Transceiver nicht gleich
> passende slewrates mit integriert hat. Aber ich weiß auch nicht, wann
> dieses IC designed wurde und ob FTDI das mit aktueller Technologie heute
> vielleicht nicht ganz anders machen würde.

Die neueren haben das ja drin. FT232BL/FT245BL brauchten noch externe 27 
Ohm Widerstände (und ggf Kondensatoren, falls die Kabelkapazität nicht 
reicht) zur Flankenformung, FT232R/FT245R steuern die slew rate aktiv.

von Brododüb (Gast)


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Olaf schrieb:
>> Aber wenn FTDI da Kondensatoren sehen will, dann wird das schon
>> stimmen...
>
> Das glaube ich nicht so ganz. 47pF sind bei den Frequenzen auf dem
> USB-Bus ja schon eine ganz schoene Last. In serie mit einem 100R koennte
> ich das ja noch verstehen, aber nicht alleine.
>
> Olaf

Naja, wir reden hier von Fullspeed. Das sind 12MBd. Rein Impedanzmässig 
hätten die Kerkos da 280 Ohm. Das ist niederohmig, aber noch nicht irre.

Natürlich verziehen sie das Signal, aber auch das ist nicht so schlimm. 
Die Zeitkonstante mit den 27Ohm ist ja nur 1,2ns, bei einer Länge von 
83ns für ein Bit.
Ich bezweifle, dass man nennenswerte Verzerrungen merken wird.

Fullspeed ist recht tolerant. Ich betreibe das regelmässig über 
Bredaborads, Lochraster, Flachbandkabel, Relais und dergleichen mehr.

Bei Highspeed (landläufig USB-2, wobei das nicht korrekt ist) oder 
Superspeed sieht die Sache aber wirklich komplett anders aus, das muss 
man auch erwähnen. Da kann schon ein Tastkopf reichen, um den Link zu 
töten.

von Thomas R. (Gast)


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Der Ferritkern, die 27R und die 47pF sind sinnvoll um die EMV zu 
verbessern.
Besonders mit einem ungeschirmten USB-Kabel (wirkt wie eine Antenne) 
wird die BER verbessert.

von Mario M. (thelonging)


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Achim S. schrieb:
> Programmierbare Slew-Rates für den USB-Transceiver? Das fände ich dann
> gleich nochmal eine Nummer seltsamer.

Die AN146 sagt dazu:

"This timing can be modified through a programmable setting stored in 
the same external EEPROM that is used for the USB descriptors.  Timing 
can also be changed by adding appropriate passive components to the USB 
signals."

von Achim S. (Gast)


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Mario M. schrieb:
> This timing can be modified through a programmable setting stored in
> the same external EEPROM that is used for the USB descriptors.

Hast du auch noch einen Tipp für mich, welche konkreten 
Konfigurations-Settings beim FT234 einen Einfluss auf die Slewrates des 
USB-Transceivers haben sollen? Ich lerne gerne dazu. Aber ich habe mir 
die öffentlich verfügbare Beschreibung des FT234 angesehen und finde 
beim besten Willen nur Slewrate-Einstellungen für die IO-Seite des Chips 
(UART/DBus und CBus). Ich finde keine Einstellungsmöglichkeit für die 
Slewrate der USB-Transceiverseite.

Aber nicht alle Einstellungsmöglichkeiten des ICs sind öffentlich 
dokumentiert. Vielleicht weißt du ja mehr, als das Datenblatt sagt, oder 
vielleicht bin ich einfach blind und übersehe die von dir gemeinten 
Einstellungsmöglichkeiten im Datenblatt.

Ich kann mir durchaus vorstellen, dass FTDI selbst Anpassungswerte im 
EEPROM ablegt, um unterschiedlich schnelle Hardware aus verschiedenen 
Prozessfenster USB-konform zu kriegen. Beim FT234 ist das EEPROM ja 
integriert und ein Teil davon ist nur durch den Hersteller, aber nicht 
durch den Anwender des ICs überschreibbar. Und der FT234 ist 
offensichtlich wirklich nicht mehr der jüngste, und vielleicht waren mit 
der damals genutzten Technologie solche Tricks noch notwendig.

Aber Nutzer-programmierbare Einstellungen für die Slewrate des 
USB-Transceivers finde ich bei dem IC keine. Von daher bleibe ich bei 
meinem Widerspruch:

Mario M. schrieb:
> Angesichts
> programmierbarer Slew Rate würde ich die als Angstkondensatoren
> bezeichnen.

Nein: keine Angstkondensatoren, sondern der vom IC-Hersteller 
vorgegebene Weg, um sein Produkt USB-konform zu betreiben.

Brododüb schrieb:
> Rein Impedanzmässig
> hätten die Kerkos da 280 Ohm

Tatsächlich wäre es sogar doppelt so viel (560 Ohm). Denn die 12MBit/s 
im Fullspeed sind NRZI kodiert. Die schnellste mögliche Bitfolge hat 
demnach eine Grundfrequenz von 6 MHz.

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