Hallo,
ich habe eine defekte Waschmaschine (AEG Elektrolux Lavamat Turbo
16850A) zerlegt, weil ich den Motor für den Antrieb einer alten
Drehmaschine nutzen wollte. Nun habe ich keinen Reihenschlussmotor
sondern einen Asynchronmotor mit FU gefunden. An sich nicht schlecht,
aber ich bekomme ihn nicht zum Laufen.
Nun habe ich mehrere Fragen:
1. Ich finde keine Infos zum Motor (siehe Bild vom Aufkleber). Sind
meine Annahmen richtig?:
Cos(phi) und Eta (Wirkungsgrad) schätze ich mal mit 0,8 - kann das
passen? Die Abgabeleistung wäre dann
Pwirk = 195V 3A Sqrt(3) * Cos(phi) * Eta = ca. 650W
Da ich ihn regeln will, komme ich z.B. bei halber Drehzahl auf 325W. Ist
das soweit realistisch?
2. Der FU ist auf einer eigenen Platine mit normalem MikroProz aufgebaut
(siehe Teil-Schaltplan). Der Leistungsteil ist wohl Standard. Die
Nieder-Spg bekommt er von der Haupt-Platine (wieder mit einem
MikroProz). Nur eine einzige Leitung (Anschluss 3) ist für die
Kommunikation vorhanden (Vorgabe der Drehzahl usw.). Ich habe diesen
Schaltungsteil mit eingezeichnet. Über den Opto-Koppler wird wohl die
Info eingespeist. Nach ein bisschen Pegelanpassung und Verriegelung
kommt ein Digital-Signal im FU heraus.
Bei normaler Versorgung tut sich gar nichts. Auch Einspeisung einer
Frequenz bringt nichts. Meine Vermutung ist, das irgend ein serielles
Protokoll für die Kommunikation vorgesehen ist. Frage: gibt es eine
Chance, dem FU das Laufen beizubringen - ein Standard-Protokoll oder so?
3. Natürlich ginge es mit einem anderen FU. Damit kenne ich mich noch
nicht sonderlich aus. Z.B. müsste der als maximale Spg 195V 3-phasig bei
300Hz vorgeben. Das ist ja die Spannung, die für einen Zwischenkreis aus
220V-Gleichrichtung herauskommt, aber sicher keine Standardfrequenz.
Welcher FU (für kleines Geld) würde da passen?
Ich sehe im Augenblick keine Chance, das vermutlich proprietäre
Protokoll herauszubekommen. Aber es wäre schade um den Motor mit
fertigem FU. Vielleicht habt ihr Ideen.
Gruß Hermann
Wenn du nicht die Kommunikation in funktionierender Umgebung abhören
kannst, hast du wohl schlechte Karten.
Sicher dass es ein Asynchronmotor ist und kein BLDC mit Sensoren oder
BackEMF?
17500RPM passen bei 300Hz sehr gut zu ASM und schlecht zu BLDC.
Die Spannung muß ein Frequenzumrichter immer an die Frequenz anpassen,
und normalerweise kann man U/f Verhältnis als Parameter eingeben. Ob man
den Parameter so weit drehen kann sollte man vorher überprüfen. Das wird
von Modell zu Modell unterschiedlich sein.
@ MaWin: Danke für die Antwort.
Es ist mit Sicherheit ein Asynchronmotor, deutlich erkennbar an dem
Kurzschlussläufer. Theoretisch könnte ich eine funktionierende Umgebung
herstellen, da alle Teile vorhanden sind (siehe Familienfoto). Aber
funktionieren bedeutet Waschen simulieren!! Der Motor läuft ja nur wenn
allen Sensoren zufrieden sind: Temperaturen, Füllstand, usw. Dann der
Aufwand, das Protokoll zu entschlüsseln ... Das ist es mir nicht Wert.
Die Daten des Motors sind dann wohl OK, sonst hättest Du`s gesagt. Und
mal einen Standard-FU nehmen läuft wohl auch nicht.
Die Anfrage war ja auch nur ein Notanker - die Antwort habe ich
erwartet.
Weil ich mir schon mal die Mühe gemacht habe, sende ich noch den etwas
vollständigeren Schaltplan. Für mich waren einige Details interessant:
- die Nieder-Spg wird mit einem DC-DC-Konverter gemacht, der direkt die
gleichgerichtete Netzspannung heruntersetzt (LNK305). Hier über einen
Trafo, der je 2 Spg bezogen auf 220V AC und 220V DC macht.
- der µP der Steuerplatine hängt an -5V bezogen auf einen Pol der
220V-Versorgung. Der Grund ist die vielfache Verwendung der AC-Switches
der Serie ACS von ST (z.B. ACS110), sie können direkt vom µP geschaltet
werden, wenn sie negativen Steuerstrom ziehen. Diese Switches schalten
alle Magnetventile, Lüfter, Pumpen, ...
Ich werde die nächsten WaschMasch schlachten, bis ich einen
Reihenschlussmotor finde - dann wird alles ganz einfach.
Hallo Hermann
Ich denke, dass der gezeigte Motor ein sogenannter Spindelmotor ist.
Also für eine Fräsanwendung oder ähnliches. Die gibt/gab es in der Tat
mit solch krummen Spannungen. Diese wurden früher mit
Motor/Generatoreinheiten umgewandelt. Heute nimmt man dafür FUs.
Als Marke die deine Anforderungen beherrscht fällt mir
SiemensMicromaster oder Mitsubishi ein. Ich gehe aber davon aus, dass
das mittlerweile alle modernen Geräte entsprechend parametrierbar sind.
SEW war bei seiner 31C Serie allerdings auf ein paar Festwerte
beschränkt so dass diese sicher nicht verwendbar sein werden. Das müsste
man vor dem Kauf durch einen Blick ins jeweilige Handbuch abklären.
Du brauchst für deinen Motor einen FU mit 230V Versorgung. Dann sollte
der FU mehr Motorstrom liefern können als der Motor zieht.
ichbin
ichbin schrieb:> Ich denke, dass der gezeigte Motor ein sogenannter Spindelmotor ist.> Also für eine Fräsanwendung oder ähnliches. Die gibt/gab es in der Tat> mit solch krummen Spannungen.
Ich denke eher, der Motor ist speziell für die WaschMasch gemacht -
deshalb findet man auch kein Datenblatt. Die max Drehzahl passt mit der
Riemenübersetzung genau für die Schleuder-Drz (1600) und die "krumme"
Spg kommt genau heraus, wenn man die gleichgerichten 220VAC=310VDC ohne
Tricks zu einem Sinus macht:
Spitzenwert ±155V / Sqrt(2) = 110Veff
Spg zwischen den Phasen = Veff *Sqrt(3) = 190Veff
Danke für die Info, dass es wohl doch passende FU gibt.
hinz schrieb:> Nö, ist doch eine Drehstromvollbrücke, also +/-310V
Dachte ich auch erst. Jeder Phansenanschluss bekommt aber nur
Spitze/Spitze 310V. Das sind ±155V auf einen virtuellen Nullpunkt
bezogen. Genau nachlesen kann man das hier auf S.71-73:
http://www.gützold.com/Downloads/Allgemeine_Informationen_zu_Danfoss_Produkten/Wissenswertes_ueber_Frequenzumrichter.pdf
Es ist von der Wirkung her keine Vollbrücke, da die andere Phase nie
gleichzeitig das gegenteilige Potential annimmt - es ist eben eine
3-phasige Sinus-Spg. Verwirrt hat mich das auch. Die Seiten auf dem Link
musste ich 3 Mal lesen.
Hermann schrieb:> ich habe eine defekte Waschmaschine (AEG Elektrolux Lavamat Turbo> 16850A) zerlegt, weil ich den Motor ...> aber ich bekomme ihn nicht zum Laufen.
Manche Teile die man aus defekten Geräten Ausschlachtet sind defekt. ;-)
Hast Du diese Möglichkeit zuverlässig ausgeschlossen?
Denn darüber kann ich hier nichts finden.
Carsten R. schrieb:> Manche Teile die man aus defekten Geräten Ausschlachtet sind defekt. ;-)
Ja, das habe ich geprüft. Die Maschine ist vom Nachbarn. Sie hat bis zum
Schluss gewaschen, aber nicht abgepumpt. Wegen solcher kleinen Fehler
landen die schönsten Geräte auf den Schrott.
hinz schrieb:> Man gibt schon lange keinen Sinus mehr auf den Motor
Das mag ja stimmen, weil man meistens Standardmotoren verwendet. Meine
Angaben bezogen sich ja ausdrücklich auf Sinus-Erzeugung ohne Tricks. Da
bei den 195V ca. 12% am 220V-Standard fehlen, nimmt man z.B. den Trick
mit der 3. Oberwelle (siehe S.73 unten in meinem Link) und erreicht
damit eine Erhöhung der Ausgangsspannung. So verstehe ich auch den
letzten Satz im Wiki.
Für den Motor mit 195V-Nenn-Spg ist das aber überflüssig und der direkt
erzeugte Sinus passt schon.