Hi Leute,
ich bin kein Konstrukteur, aber dennoch mache ich grade ein paar
mechanische Fertigungszeichnungen für eine Komponente.
Und zwar handelt es sich um ein spezielles Frästeil, in welches ein paar
Taschen gefräst werden müssen, wo man Sensoren vergiessen wird, und auf
einer Seite der Platte, welche aus Aluminium gefertigt werden soll, wird
ein Peltier Element montiert und mittels M4 Schrauben angeklemmt. Soweit
so gut, ich habe nach der 1. Version der Zeichnung ein paar Prototypen
herstellen lassen, und es hat alles wunderbar geklappt, ABER die
Oberfläche, wo das Peltier hin kommen soll, war nicht schön genug
gefräst. Da ich natürlich keine besondere Oberfläche spezifiziert hatte,
sondern nur einen Ra 1.6 vorgegeben habe, hat der CNC Operateur die
Oberfläche offensichtlich mit dem selben Fräser gefräst, mit dem er auch
die Konturen des Werkstücks gemacht hat (offenbar ein 10er Fräser).
Dadurch ist die Rauhheit der Oberfläche zwar in etwa O.K. (mit Rugo-Test
verifiziert), ABER man sieht deutlich die Bahnen, die er mit dem 10er
Fräser fahren musste, um die ganze Werkstückbreite (ca. 60mm) plan zu
fräsen. Und man kann, wenn man mit dem Finger über die Fläche fährt,
auch die Fräserbahnen deutlich spüren! Das ist jetzt nicht tragisch, da
ich für 5 Teile das schnell selber plan machen konnte (Abziehstein hat
genügt), dennoch möchte ich jetzt meine Zeichnung anpassen, sodass die
Planarität (Planheit? Planarheit?) für diese eine Fläche, wo das Peltier
drauf muss, spezifiziert ist. Am liebsten wäre es mir, man würde diese
eine Fläche mit einem 70er oder noch grösser Stirnfräser (die mit den
Wendeplatten drin) überfräsen, damit habe ich immer die besten
Ergebnisse erzielt und es wäre für den Fertiger ja auch schneller, da er
nur einmal drüber fräsen muss.
Was muss ich also in meiner Zeichnung eintragen, damit das eindeutig
ist? ist es üblich, dass man in die Zeichnung schreibt: "diese Fläche
mit einem 70er Fräser fräsen"? das kann doch auch nicht sein, ich will
ja dem Fertiger nicht die zu verwendenden Werkzeuge vorgeben, ich will
nur halt eine schöne Fläche haben! wie würdet ihr es machen?
Das würde ich da eben schon reinschreiben, sonst weiss der das nämlich
nicht. Also z.B. "Möglichst glatte Oberfläche benötigt, bitte
entsprechendes Werkzeug verwenden, danke" und das dann z.B. mit Pfeil an
den Rand der Zeichnung.
Und dann kann er sich selber entscheiden, ob er einen frischen
Messerkopf, gut geschliffenen Schlagzahn oder wasauchimmer nimmt,
solange es von der Form her passt.
Du hast nur Ra spezifiziert, das ist der arithmetische
Mittenrauheitswert. Für deine Anwendung sind aber einzelne Spitzen schon
schädlich, weil die das Peltier abheben, richtig? Der Ra kann passen,
und trotzdem gibt es solche Spitzen.
Hierfür ist der Wert Rt (bzw. Rmax) der richtige. Er gibt die maximale
vertikale Abweichung von der Mitte an. Es gibt auch noch den Traganteil
bzw. Materialanteil (Rmr). Der könnte für deine Anwendung auch sehr
interessant sein.
Nur: Man kann viel spezifizieren, aber der Fertiger (und du!) muss(t)
auch die Möglichkeit haben, das zu prüfen.
Was ich machen würde: In die Zeichnung eine Bemerkung machen, dass die
Oberfläche in einem Durchgang zu schlichten ist. Und zusätzlich den
Fertiger anrufen, und ihm erklären worum es geht. Messerkopf ist gut.
Wenn man Zeit hat, ergeben Schlagzahnfräser auch schöne Oberflächen.
Besser:
http://www.technisches-zeichnen.net/technisches-zeichnen/diverses/rauheitswerte.php
Ra ist wohl nicht das, was Du festlegen willst. Rt eher. Rz ist das
üblichere.
Eventuell ist es sinnvoll, den Bereich mit besonderen
Rauhigkeitsanforderungen noch einmal gesondert einzuzeichnen. Die
Kontaktfläche des Sensors nimmt ja üblicherweise nicht die komplette
Oberfläche ein.
Der Finger ist kein Maßstab. Und auch nicht die Optik.
Mit dem Finger kann man 1 µm spüren, kein Problem. Und wie die
Fräserspuren aussehen sagt Null über die Ebenheit (so nennt sich das)
aus.
rt, rz, $whatever sagt auch nichts über die Ebenheit aus. Dafür gibt es
die Toleranz "Ebenheit"
http://www.technisches-zeichnen.net/technisches-zeichnen/grundkurs-04/form-und-lagetoleranzen.php
Auch mit einem Messerkopf kann man problemlos eine krumme Fläche machen.
Geht besonders gut in Alu das in der Randzone oft hohe Spannungen hat.
Einmal drübergefräst und Banane. Nochmal drüber geschlichtet, eben.
Ausgespannt, Banane.
Gruß,
Nick
Hallo hallo,
herzlichen Dank für eure Hinweise. Den Tipp von butsu fand ich am
besten - ich werde jetzt einen Ra spezifizieren, und bei der Oberfläche
mit einem Pfeil eine Bemerkung hinmachen: in einem Durchgang schlichten!
das finde ich sehr gut, und trifft den Nagel genau auf den Kopf, was ich
will.
Herzlichen Dank!