HF- Filter für Telefonleitung

OP #3280066
Ich suche Filter für analoge Telefonleitungen mit hoher Dämpfung im 100 
kHz- Bereich; die Fa. Siemens hatte dergleichen "früher" zum Einbau in 
Schirmräume. Wer weiß etwas? ( Details zum Einsatzbereich kann ich nicht 
geben, außer daß es nicht militärisch genutzt werden soll ).
Gast #3280177
Es gibt so einen Gebrauchtmessgeräte und Surplus-Händler, dessen Name 
mir aber gerade nicht einfällt... Der könnte sowas haben.
Sonst schau mal bei Rosenkranz oder so.
Gast #3280477
> Konzept Tiefpass bekannt?

Auf dem Papier funktioniert alles prima. Aber in der Praxis sieht es so 
aus, daß man es nicht mit idealen, sondern mit realen Bauelementen zu 
tun hat. Und die haben zum Beispiel auch Eigenresonanzen und weisen ein 
komplexes Verhalten auf. Schau dir zum Beispiel mal einen ganz normalen 
bedrahteten 100n-Kerko mit einem vektoriellen Analyzer an. Bei niedrigen 
Frequenzen ist alles bestens. Doch dann sinkt der kapazitive Anteil des 
Blindwiderstandes, bis der Kondensator dann plötzlich eine induktive 
Wirkung hat. Das sieht man ganz prima im Smith-Diagramm, was 
beispielsweise die Länge der Anschlußbeine für eine verheerende Wirkung 
hat. Und genauso ist es mit der gesamten Schaltung. Der Aufbau bestimmt 
das Verhalten. Viele sogenannte Tiefpässe verlieren bei höheren 
Frequenzen völlig ihre Wirkung. Und dann hört man so Aussagen wie: "Kann 
gar nicht sein, daß da Störungen durchkommen. Das ist doch ein Tiefpaß!" 
Darin unterscheidet sich dann die Theorie von der Praxis.

Insofern hat Jörg auf jeden Fall Recht!
Gast #3280525
Marc Oni schrieb:

> Wer weiß etwas?

Analoge Telefonleitungen dämpfen so Frequenzen von 100kHz schon von sich 
aus bis runter in homöpathische Dosen. Nicht umsonst war ein Telefonband 
auf 300..3400Hz beschränkt. Der Gebührenzählimpuls mit 16kHz ging im 
Ortsnetz mal eben so noch durch.

Es gab Sonderfälle, wenn ein Kunde mal z.B. neben einer starken 
Sendeanlage wohnte. Der bekam als Telefonapparat dann anstatt eines 611 
einen 613, der an der Mikrofonkapsel einen Frittschutzkondensator hatte. 
Die HF frittete die Kohleperlen im Mikrofon fest.
Gast #3280534
Das Spektrum meiner DSL-Leitung geht schon bis 1.7MHz, und ich hab 
wirklich eine relativ schlechte Leitung. Bei 100kHz ist nicht nur eine 
"homöpathische Dosis" vorhanden, sonst wäre es Essig mit DSL :-)
Angehängte Dateien:
Gast #3280716
Bei 100 kHz hast Du noch keinerlei DSL-Signale, die beginnen erst bei 
138 kHz (Upstream, Annex B vorausgesetzt, wie ja aus Deinem Bild 
ersichtlich).
Gast #3280727
> Bei 100 kHz hast Du noch keinerlei DSL-Signale, die beginnen erst bei
> 138 kHz (Upstream, Annex B vorausgesetzt, wie ja aus Deinem Bild
> ersichtlich).

Ja, da hast du Recht. Aber hier ging es ja nicht darum, ab wann die 
Signale Frequenzen übertragen werden, sondern daß Wilhelm gesagt hat, 
oberhalb von 100kHz würden Signale nur noch in "homöopathischen Dosen" 
durchgelassen. Also geht es hier nicht um die linke Seite, sondern um 
die rechte Seite des Diagramms. Und da kommen die Signale noch bis ca. 
1.7MHz durch.
Gast #3280757
In Deinem Fall ist das so. Die Dämpfung einer Cu-Doppelader ist von der 
Leitungslänge abhängig (linear), vom Adernquerschnitt und von der 
Frequenz, wobei die Frequenzabhänngigkeit der Dämpfung dem sog. 
Wurzel-f-Gesetz folgt:
Vierfache Frequenz -> Doppelte Dämpfung (in dB) bei gleicher 
Leitungslänge.

Der Begriff "homöopathische Dosis" von dem anderen Autor ist natürlich 
unbestimmt. Wenn die Leitungslänge kurz genug ist, kommen auch noch 
Frequenzen bis in den Bereich mehrerer MHz durch, so wird ja VDSL2 
betrieben.
OP #3280963
Herzlichen Dank für die beiden praxisnahen Quellenangaben, den anderen 
sei gedankt für den Unterhaltungswert der Beiträge.
Zur Konkretisierung: es geht darum, eine analoge Telefonleitung mit 
allen ihren Eigenschaften und Bedürfnissen bzgl. Symmetrie, Dämpfung, 
Übersprechen gegen ein benachbartes 100 kHz- Feld zu schützen, Filterung 
bis Gigahertz ist nicht gefordert.
Ich hatte selber noch einen englischen Hersteller gefunden.
Gast #3281092
ich schrieb:
> Auf dem Papier funktioniert alles prima. Aber in der Praxis sieht es so
> aus, daß man es nicht mit idealen, sondern mit realen Bauelementen zu
> tun hat. Und die haben zum Beispiel auch Eigenresonanzen und weisen ein
> komplexes Verhalten auf. Schau dir zum Beispiel mal einen ganz normalen
> bedrahteten 100n-Kerko mit einem vektoriellen Analyzer an. Bei niedrigen
> Frequenzen ist alles bestens. Doch dann sinkt der kapazitive Anteil des
> Blindwiderstandes, bis der Kondensator dann plötzlich eine induktive
> Wirkung hat. Das sieht man ganz prima im Smith-Diagramm, was
> beispielsweise die Länge der Anschlußbeine für eine verheerende Wirkung
> hat. Und genauso ist es mit der gesamten Schaltung. Der Aufbau bestimmt
> das Verhalten. Viele sogenannte Tiefpässe verlieren bei höheren
> Frequenzen völlig ihre Wirkung. Und dann hört man so Aussagen wie: "Kann
> gar nicht sein, daß da Störungen durchkommen. Das ist doch ein Tiefpaß!"
> Darin unterscheidet sich dann die Theorie von der Praxis.
>
> Insofern hat Jörg auf jeden Fall Recht!

Ich bin schon davon ausgegangen, dass man dann auch geeignete Bauteile 
einsetzt, d.h. SMD Bauteile hoher Güte von namhaften Herstellern, die 
auch mal Spezifikationen bis mehrere GHz angeben. Das ganze dann auch 
ein wenig Impdanzkontrolliert aufgebaut.
Wenn man da einfach Bauteile aus der Grabbelkiste nimmt und die 
irgendwie zusammenbaut, wird das natürlich eine Lotterie im GHz-Bereich.

Ich wehre mich aber gegen die Aussage, dass es nicht möglich sei einen 
Tiefpass mit 100 kHz zu bauen, der im GHz Bereich noch ausreichend 
dämpft. Zur Not muss da noch eine zweite oder dritte Stufe 
nachgeschaltet werden, die dann im GHz Bereich ausreichend dämpfen.

Und für das Praxiswissen von Jörg: Das geht auch mit einfachen Dingen, 
schau Dir mal die Bias-Tees bis 50 GHz an, z.B. von SHF-Elektronik. Da 
steckt nicht viel an Bauteilen drin...
Moderator Persönliche Seite #3281146
Car schrieb:
> Ich wehre mich aber gegen die Aussage, dass es nicht möglich sei einen
> Tiefpass mit 100 kHz zu bauen, der im GHz Bereich noch ausreichend
> dämpft.

Für 100 dB?

Da hat man im GHz-Bereich schon zu tun, erstmal eine passende Kiste
zu finden, die bereits ohne irgendwelche Kabeldurchführungen so viel
dämpft.

> Zur Not muss da noch eine zweite oder dritte Stufe
> nachgeschaltet werden, die dann im GHz Bereich ausreichend dämpfen.

Der lapidar hingeschmissene Brocken suggerierte, dass es ein simpler
Tiefpass täte.  Dass man mit hinreichend großem Aufwand (also dann
mehrere Tiefpässe) alles mögliche erreichen kann, steht außer Zweifel.

Allerdings wissen wir ja inzwischen, dass es um die Dämpfung von exakt
100 kHz geht.  Da könnte man sicher auch was mit Sperrkreisen bauen,
aber der TE will offenbar eher was fertiges kaufen.  Ob man nun gerade
Sperrkreise für 100 kHz irgendwo zu kaufen bekommt, dürfte Glückssache
sein.
Moderator Persönliche Seite #3281170
Car schrieb:
> Genau dieses Produkt gibt es zu kaufen, wie weiter oben geschrieben und
> zwar für den Einbau in abgeschirmte Antennenmesskammern.

Wieviel kostet sowas eigentlich?

> Das das zu lösende Problem eigentlich ein anderes ist, ist ja
> mittlerweile klar.

Wobei das Teil ja sein Problem trotzdem lösen würde (sofern es
erschwinglich ist).
(Firma: Nisch-Aufzüge) Persönliche Seite #3284602
Imho scheint dort ja ein "Designfeheler" bei der Leitungsführung bzw. 
beim 100kHz Feldschleudergerät vorzuliegen sonst wäre eine 100db 
Dämpfung für die Telefonstrippe wohl kaum nötig, oder ?

Also Ursache für das Übersprechen ausräumen statt der Symptome und Ruhe 
ist.

Sollte das Feld solche Ausmaße haben, dass ein anderer Leitungsweg nicht 
hilft, dann ist es wohl ein gröberes EMV-Problem welches früher oder 
später noch andere Gestörte auf den Plan rufen dürfte.

soviel von meiner Glaskugel dazu.

Namaste
OP #3284643
Das ist ebensowenig ein "Designfehler" wie das Auftreten höherer 
Feldstärken in der Nachbarschaft von Rundfunksendern. Es handelt sich um 
eine Einrichtung, die bestimmungsgemäß ein sehr kräftiges H- Feld im 100 
kHz- Bereich erzeugt. Alle "anderen" Leitungen sind bereits hinlänglich 
gefiltert, nachträglich wurde aber der Wunsch geäußert, dort auch ein 
analoges Telefon zu betreiben, dessen Verbindung zur Telefonzentrale 
natürlich nicht parasitär 100 kHz- Anteile verschleppen soll.
Aufgrund der Kosten für diese Einrichtung spielt 1 Kilo-Euro mehr oder 
weniger keine nennenswerte Rolle, sofern - und dafür hatte ich 
Unterstützung gesucht - ein derartiges Filter überhaupt beschafft werden 
kann.
Gast #3284673
>nachträglich wurde aber der Wunsch geäußert, dort auch ein
>analoges Telefon zu betreiben

ist dort Internet vorhanden ? - dann Telefon an Voip Adapter
Gast #3284721
dann würde ich über eine bessere Verkabelung nachdenken und wenn nichts 
anderes geht bleibt immer noch LWL

>2. Die vorhandene analoge Telefonanlage muß benutzt werden.
wenn die nicht erweiterbar ist lässt sich immer noch ne kleine Voip 
Anlage danebenstellen
#3284745
Hallo,

> Bestimmungsgemäß 100kHz H-Feld (nichtmilitärisch) welches mit bis zu
> 100dB in eine nicht andesverlegbare Telefonleitung kracht.

Das 100dB wären 100000 Volt, ist das wirklich so? Wie groß ist die 
Spannung tatsächlich und wie groß muss sie nach dem Filter sein?

Um Gleichtaktstörungen zu unterdrücken, wird ein Bezugspunkt/Erde mit 
niedriger Impedanz benötigt, gegen den gefiltert werden kann oder es ist 
eine galvanische Trennung notwendig. Einfach ein Filter "in die Luft" zu 
hängen, bringt kaum mehr als 20 dB. Bei so einem Feld ist möglicherweise 
auch die Erdung verseucht.

Die 100 dB Dämpfung können bei einer Zuführung in ein abgeschirmtes 
Gehäuse/faradayschen Käfig mit Mühe erreicht werden. Es führt jedoch 
keine Leitung in ein abgeschirmtes Gerät, sondern die Leitung geht 
weiter und soll keine Störungen mehr befördern. Falls dort, wo das 
Filter angeordnet wird, noch ein 100kHz Feld vorhanden ist, fängt sich 
die Leitung sofort wieder neue Störungen ein.

Falls es sich um eine Industrie-Anlage wie z.B. eine Induktionsheizung 
handelt, muss genügend geerdetes Metall in der Nähe sein, gegen welches 
gefiltert werden kann. Dann würde ich einfach zweimal filtern, ein paar 
Meter von der Störung entfernt und ~20m weiter nochmal. 2 x 50 dB 
ergeben auch 100 dB. Eventuell macht es Sinn, die Leitung zu schirmen 
und beim Filter zu erden.

Dann befindet ein Telefon im starken Feld. Gibt es da spezielle 
Telefone? Kann ein Mensch dort überhaupt telefonieren? Deponiere dort 
doch einfach ein Handy.
OP #3284761
B e r n d W. schrieb:
> Das 100dB wären 100000 Volt, ist das wirklich so?

Interessante Rechnung... Um jegliche Neugier zu befriedigen: das Feld 
wird natürlich in einem Schirmraum erzeugt, ALLE anderen Leitungen ( 
Versorgung, Steuer-, Sensor-... ) sind natürlich hinlänglich gefiltert, 
NACHTRÄGLICH muß dort ein analoges Telefon, und zwar nur ein solches, 
betrieben und die Leitung gefiltert nach draußen verbracht werden. 
"Analoges Telefon" bedeutet strikte Einhaltung der niederfrequenten 
Impedanz und -symmetrie, um an der nachfolgenden Anlage keine Probleme 
zu verursachen.
Also, Jungs, wenn ihr einen Hersteller solcher Telefonleitungsfilter 
kennt: her damit... Danke.
Gast #3285333
Hallo Marc,

hier ist der Link zu einem Hersteller von HF-Kabinen.
Dieser vertreibt auch die Filter, die zu einer Kabine gehören.
Es sind Filter, die von außen auf die Kabine befestigt werden und
eine Schirmdämpfung bis in die 10GHz einhalten.

http://www.siepel.com/en/siepel-international/siepel-international

Am besten setzt Du dich per Mail mit dem Unternehmen in Verbindung.
Du wird einige hundet Euro einplanen müssen.

Gruß,

Clemens
#3285476
Hallo Winfried

>>> Bestimmungsgemäß 100kHz H-Feld (nichtmilitärisch) welches mit bis
>>> zu 100dB in eine nicht andesverlegbare Telefonleitung kracht.
>> 100dB wären 100000 Volt, ist das wirklich so?
> Interessante Rechnung.

Immerhin stammt diese Aussage von Dir. Und der TO hat sich auch nicht 
beschwert.
(Firma: Nisch-Aufzüge) Persönliche Seite #3285501
B e r n d W. schrieb:
> Hallo Winfried
>
>>>> Bestimmungsgemäß 100kHz H-Feld (nichtmilitärisch) welches mit bis
>>>> zu 100dB in eine nicht andesverlegbare Telefonleitung kracht.
>>> 100dB wären 100000 Volt, ist das wirklich so?
>> Interessante Rechnung.
>
> Immerhin stammt diese Aussage von Dir. Und der TO hat sich auch nicht
> beschwert.

nene die Zahl stammt vom TO himself

Beitrag "Re: HF- Filter für Telefonleitung"

;)
#3285672
>>> mit 80 bis 100 dB Dämpfung.
>> zu 100dB in eine nicht andesverlegbare Telefonleitung kracht.
> nene die Zahl stammt vom TO himself

Mooment, das ist nicht das Selbe. Kann sein, die Leitung fängt sich 10 
Volt ein und er will mindestens auf 1 mV runterkommen.
(Firma: Nisch-Aufzüge) Persönliche Seite #3285709
eben

 deshalb habe ich keine Spannung erwähnt, da ich die 
bezugspannung(filterziel) ja nicht kenne. Und es mich neugierig machte 
wo solche Felder
auftreten das mann die leitung derat dämpfen muss.

Was auch noch unklar ist, wie sieht es mit den Harmonischen der 100kHz 
aus? ....
OP #3285727
Die Fehlinterpretation der 100 dB hat sich ja mittlerweile aufgeklärt; 
ich hatte das in meiner zurückhaltend- freundlichen Art auch nicht 
bösartig, sondern leicht ironisch kommentiert...
Harmonische der 100 kHz gibt es nicht ( d.h., leitungsgebunden unterhalb 
jeglicher Grenzwerte ).
Und danke für das Siepel- link, die Firma ist mir geläufig, ich hatte 
einfach (noch) nicht daran gedacht.

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