Piezo Summer bringt Atmega durcheinander

Gast #3704641
Lesenswert?

Ist das normal, dass ein direkt an einem Atmega AVR angeschlossener 
Piezo-Summer diesen durcheinanderbringt?

Ich experimentier grade mit dem Aufbau einer Schaltung auf Breadboard. 
Ohne Piezo läuft alles robust. Wenn ich den Piezo an einem extra dafür 
reservierten Port des Atmega direkt gegen Vcc geschaltet betreibe 
(Variante A in der Skizze) gibt es immer mal Aussetzer.
Hab jetzt mal probehalber den Piezo über einen Transistor geschaltet 
(Variante B), dann läuft wieder alles andere stabil. Ich hab leider 
konkret kein Datenblatt des Piezo, der war aus so einer KEMO Wundertüte.
Bilde mir ein, ich hatte schon mal Schaltungen gesehen wo so ein Piezo 
direkt an einem Atmega dranhängt.

Liegt es eventuell nur am Breadboard-Effekt, oder würdet ihr so nem 
Summer auch nen Transistor spendieren?
Angehängte Dateien:
Gast #3704666
Lesenswert?

Nachtrag: wahrscheinlich schiesse ich mit der Transistor-Variante mit 
Kanonen auf Spatzen. Hab grad überlegt, dass ein Widerstand in Reihe zu 
dem Piezo (der ja eigentlich ein Kondensator ist) dessen anfänglichen 
Ladestrom begrenzt, irgendwas in der Größenordnung 500 Ohm müsste 
gehen...
Gast #3704781
Lesenswert?

stefanus schrieb:

> Selbst damit hat der AVR kein Problem, wenn den die Spannungsversorgung
> stabil genug ist.

Ähem, nö. Die Pins sind nicht dauerhaft kurzschlussfest (und so ein 
elektromagnetischer Summer ist de facto fast ein Kurzschluss).

Aber ja: der Pin wird mit großer Wahrscheinlichkeit nicht sofort 
abrauchen. Und wenn die Frequenz, mit der er angesteuert wird, nur hoch 
genug ist, wird er auch dauerhaft damit leben können, weil es dann eben 
kein Quasi-Kurzschluß mehr ist.

Aber Dauer-"Aktiv" wird den Pin mit ziemlicher Sicherheit irgendwann 
grillen. Da fehlt dann nach einige Betriebszeit nur der Zünder für den 
Latch-Up. Und der kommt im Moment der Abschaltung des Pins 
unfreundlicherweise vom Summer selber.

> Abblock-Kondensatoren nicht vergessen!

Die können im Allgemeinen nie schaden, können aber im Falle, daß es 
wirklich ein elektromagnetischer Summer ist, den bei unpassender 
Ansteuerung potentiell zu erwartenden bleibenden Schaden an der 
Treiberstufe des Pins sicher nicht verhindern.
Gast #3704798
Lesenswert?

> Die Pins sind nicht dauerhaft kurzschlussfest

Kann man das irgendwo nachlesen? IMHO gibt es eine Grenze für den 
maximal Zulässigen Strom über VCC, GND, sowie die Summer der Ströme von 
I/O Pins, die zu einer gewissen Gruppe gehören.

Aber einzelne Pins (also wenn die anderen unbelastet sind) sind immer 
Kuzschlussfest - dachte ich bislang.
Gast #3704848
Lesenswert?

c-hater schrieb:
>> Abblock-Kondensatoren nicht vergessen!
>
> Die können im Allgemeinen nie schaden, können aber im Falle, daß es
> wirklich ein elektromagnetischer Summer ist, den bei unpassender
> Ansteuerung potentiell zu erwartenden bleibenden Schaden an der
> Treiberstufe des Pins sicher nicht verhindern.
Es ist auch nicht die Aufgabe von Abblock-Kondensatoren, physikalische 
Schäden, hervorgerufen durch falsche Beschaltung, zu verhindern...
(Firma: TravelRec.) Persönliche Seite #3705087
Lesenswert?

Ein Piezo-Summer funktioniert in beide Richtungen. Legt man eine 
(Wechsel-)Spannung an, piepst er. Klopft man dagegen, erzeugt das Teil 
eine Spannung, die weit über der des Controllers liegen kann. In 
Resonanz betrieben kann die Spannung über dem Piezo für den Controller 
gefährliche Ausmaße annehmen. Daher ist die Variante mit dem Transistor 
auf jeden Fall sicherer und robuster und auch am lautesten - gegenüber 
einer Frickellösung mit Serienwiderstand.
#3705155
Lesenswert?

Knut Ballhause schrieb:
> Ein Piezo-Summer funktioniert in beide Richtungen. Legt man eine
> (Wechsel-)Spannung an, piepst er. Klopft man dagegen, erzeugt das Teil
> eine Spannung

So weit korrekt.

> die weit über der des Controllers liegen kann. In
> Resonanz betrieben kann die Spannung über dem Piezo für den Controller
> gefährliche Ausmaße annehmen.

Aber hier wirds albern. Normale [1] CMOS Ein- und Ausgänge haben jeweils 
Schutzdioden gegen Vcc und GND. Wenn die Spannung am Piezo betragsmäßig 
die Betriebsspannung des µC überschreitet, wird die Energie die der 
Piezo liefert, in die Spannungsversorgung der Schaltung abgeleitet. Und 
weil der Piezo nur ein paar µA liefern kann, besteht da keine Gefahr. 
Ein "nacktes" MOSFET Gate wäre etwas anderes.

> Daher ist die Variante mit dem Transistor
> auf jeden Fall sicherer und robuster und auch am lautesten - gegenüber
> einer Frickellösung mit Serienwiderstand.

Es ist überhaupt kein Problem, einen Piezo direkt von einem CMOS-Ausgang 
gegen GND oder Vcc (wahlweise, vollkommen egal) zu treiben. Wenn man es 
lauter braucht, zwischen zwei im Gegentakt schaltenden Pins. Wenn es 
beim TE nicht funktioniert, dann liegt es mit an Sicherheit grenzender 
Wahrscheinlichkeit an fehlenden Abblock-Kondensatoren und/oder zu hohen 
Impedanzen auf den Vcc/GND Verbindungen, Breadboards haben leider sehr 
oft Kontaktprobleme sobald sie nicht mehr neu sind.


XL

[1] bekannte Ausnahme beim AVR: der Reset-Pin, wegen HVSP
(Firma: TravelRec.) Persönliche Seite #3705278
Lesenswert?

Axel Schwenke schrieb:
> Aber hier wirds albern. Normale [1] CMOS Ein- und Ausgänge haben jeweils
> Schutzdioden gegen Vcc und GND. Wenn die Spannung am Piezo betragsmäßig
> die Betriebsspannung des µC überschreitet, wird die Energie die der
> Piezo liefert, in die Spannungsversorgung der Schaltung abgeleitet. Und
> weil der Piezo nur ein paar µA liefern kann, besteht da keine Gefahr.

Aha. Ich erinnere mich an eine Schaltung (nicht meine), bei der ein 
Kunde über Geräteausfälle berichtet hatte. Wie sich herausstellte, waren 
alle Geräte betroffen, die mal von der Tischkante gefallen waren und bei 
denen der Summer in die Rückwand geklebt war und direkt am Controller 
hing. Die Ausfälle gingen von Summerdefekt bis komisches Verhalten des 
Controllers, der wohl durch Überspannung Schaden genommen hatte. Das 
Verhalten war reproduzierbar. Die "Schutzdioden" im AVR können lediglich 
0.5mA ableiten.
Moderator Persönliche Seite #3705303
Lesenswert?

Knut Ballhause schrieb:
> Aha. Ich erinnere mich an eine Schaltung (nicht meine), bei der ein
> Kunde über Geräteausfälle berichtet hatte. Wie sich herausstellte, waren
> alle Geräte betroffen, die mal von der Tischkante gefallen waren und bei
> denen der Summer in die Rückwand geklebt war und direkt am Controller
> hing. Die Ausfälle gingen von Summerdefekt bis komisches Verhalten des
> Controllers, der wohl durch Überspannung Schaden genommen hatte. Das
> Verhalten war reproduzierbar. Die "Schutzdioden" im AVR können lediglich
> 0.5mA ableiten.

Interessanter Beitrag - vielen Dank.

Also hatte offenbar der heftige Aufprall für eine extreme 
Spannungsspitze gesorgt.

Bisher hatten wir mit unseren Piezos kein großes Problem (Gegentakt über 
Transistoren), aber es ist vielleicht eine Überlegung wert, eine 
passende Schutzdiode über den Piezo zu setzen.
Gast #3705693
Lesenswert?

Dachte ich melde mich noch mal kurz. Vielen Dank für die zahlreichen 
Tips und Meinungen.
Hatte auch noch mal einen Bekannten gefragt, der ein sehr ambitionierter 
Bastler ist (Grant Searle). Der hat bestätigt, dass er mit einem direkt 
an den Atmega auf GND oder Masse angeschlossenen Piezo schon mal 
Probleme bezügl. Stabilität festgestellt hat. Bei Umspringen der 
Spannung fliesst da wohl initial ein Strom, den der Atmel nicht mag. 
Grants Lösung war dann auch die simple Variante, einen 220 Ohm 
Widerstand in Reihe zu schalten. Hab ich inzwischen auch probiert - 
läuft stabil.
Ich denk ich werd dann auch die einfachere Lösung mit dem 
Reihenwiderstand nehmen - gut genug für meinen Zweck, der Piepser ist 
lediglich dazu gedacht zu signalisieren dass Daten übertragen werden, 
muss also nicht HiFi sein ;-)
#7950641
Lesenswert?

Chris D. schrieb:

Knut Ballhause schrieb:

Aha. Ich erinnere mich an eine Schaltung (nicht meine), bei der ein Kunde über Geräteausfälle berichtet hatte. Wie sich herausstellte, waren alle Geräte betroffen, die mal von der Tischkante gefallen waren und bei denen der Summer in die Rückwand geklebt war und direkt am Controller hing. Die Ausfälle gingen von Summerdefekt bis komisches Verhalten des Controllers, der wohl durch Überspannung Schaden genommen hatte. Das Verhalten war reproduzierbar. Die "Schutzdioden" im AVR können lediglich 0.5mA ableiten.

Interessanter Beitrag - vielen Dank. Also hatte offenbar der heftige Aufprall für eine extreme Spannungsspitze gesorgt. Bisher hatten wir mit unseren Piezos kein großes Problem (Gegentakt über Transistoren), aber es ist vielleicht eine Überlegung wert, eine passende Schutzdiode über den Piezo zu setzen.

Sorry, dass ich hier den alten Thread ausgrabe, aber das Thema ist interessant.

Geht es hier um Piezos oder Piepser mit Schwingspule? Ich hab das mal am Oszi getestet. Es entstehen beim Aufprall (Piepser mit Schwingspule) um die +-1,5V. Wie berechne ich die ungefähre Stromstärke, die die internen Schutzdioden abbekommen? Müsste es strenggenommen immer eine Diode über dem Piepser sein, oder reicht auch ein Serienwiderstand?

Angehängte Dateien:
#7950643
Lesenswert?

Alexander H. schrieb:

Geht es hier um Piezos oder Piepser mit Schwingspule?

Meinst du nicht, dass du in der Lage gewesen wärest, das selber festzustellen? Im Titel steht "Piezo" und dann hat der Bürovorsteher vor gut 11 Jahren "elektromagnetische Summer" in die Runde geworfen.

Präsens ist also sicher nicht angebracht und um Mikrocontroller oder digitale Elektronik handelt es sich auch eher nicht ;-)

: Bearbeitet durch User
Moderator (Firma: Titel) Persönliche Seite #7950657
Lesenswert?

Alexander H. schrieb:

aber das Thema ist interessant.

Zum Hintergrund siehe den Beitrag "Re: Alarmton/Buzzer-Dreiklang erzeugen"

Alexander H. schrieb:

Wie berechne ich die ungefähre Stromstärke

Du berechnest gar nichts, du misst stattdessen.

Schließe zwischen den Pins des Summers einen 1 Ohm Widerstand an und messe die Spannung, die dann beim Klopfen auftritt. Wegen I = U/R entspricht dann die gemessene Spannung dem fließenden Strom. Weil der Summer einen Innenwiderstand von 50 Ohm hat, addierst du noch 2% dazu. Fertig.

Das wäre dann der theoretisch maximale Strom, den der Summer ausgeben kann.

Alexander H. schrieb:

Wie berechne ich die ungefähre Stromstärke, die die internen Schutzdioden abbekommen?

Du machst dir unnötige und völlig theoretische Sorgen, denn wenn du den elektromagnetischen Summer an die Portpins angeschlossen hast und beide Ausgänge aktiv treiben, dann fließt über die Schutzdioden kein Strom, sondern über die eingeschalteten Mosfets des Pintreibers.

Und wenn du den Summer inaktiv schaltest, indem beide Portpins auf "low" oder "high" geschaltet werden, dann fließt der Strom über die beiden Low-seitigen Mosfets und die jeweilige Versorgungsschiene:

1
  µC                     µC   
2
 Pintreiber              Pintreiber 
3
--o-----------------------o----- Vcc
4
  |                       |
5
-|        Hi-Mosfet        |-
6
  |                       |
7
  o---------Summer--------o 
8
  |                       |
9
-|        Lo-Mosfet        |-
10
  |                       |
11
--o-----------------------o---- GND

Dieser Strom fließt dann über Vcc bzw. GND, ohne dass er den µC überhaupt verlässt.

Alexander H. schrieb:

Die Begriffe werden bei dem Thema eh oft durcheinander geworfen

Nein, diese beiden Bauarten lassen sich sehr exakt unterscheiden. Wenn Laien das dann gleichsetzen, dann ist das was anderes. Aber für alle anderen ist ein Piezo ein Piezo und damit diametral von einem magnetischen Summer entfernt.

Nachdem das geklärt ist: warum fragst du? Bekommst du Probleme beim Runterwerfen des Geräts oder wenn du draufschlägst?

: Bearbeitet durch Moderator
#7950671
Lesenswert?

Die Frage war erstmal allgemein zu verstehen, nicht mit Bezug auf den verlinkten Thread.😊 Theoretisch ist das eine ungewöhnliche Fehlerquelle, wenn Ausfälle bei Herunterfallen auftreten, wie oben geschildert. Wenn man das weiß, kann man es ja verhindern. Es wäre wichtig zu wissen, ob der Fall nur bei Piezos auftritt. 1 Ohm, das wäre bei ausgeschaltetem Ausgang, oder? Aber was passiert, wenn bei aktiven Ausgängen eine Spannung rückinduziert wird?

Die obige Antwort vom Knut, auf die ich dann geantwortet habe bezieht sich doch auf Summer. (…waren alle Geräte betroffen, die mal von der Tischkante gefallen waren und bei denen der Summer in die Rückwand geklebt war..“)

Warum ich frage? Naja, das ist ein Forum.

: Bearbeitet durch User
#7950682
Lesenswert?

Alexander H. schrieb:

Es wäre wichtig zu wissen, ob der Fall nur bei Piezos auftritt.

So ziemlich überall, wo elektrische Energie in Bewegungsenergie umgesetzt wird, ist der Effekt umkehrbar (man kann auch Lautsprecher als Mikrofone benutzen...) Irgendwelche Wechselstrommaschinen (ohne Magneten) mal ausgenommen.

Alexander H. schrieb:

Aber was passiert, wenn bei aktiven Ausgängen eine Spannung rückinduziert wird?

Induktion erfolgt nur bei Spulen.

: Bearbeitet durch User
Moderator (Firma: Titel) Persönliche Seite #7950724
Lesenswert?

Alexander H. schrieb:

1 Ohm, das wäre bei ausgeschaltetem Ausgang, oder?

In meiner Beschreibung des Messaufbaus war gar kein Ausgang beteiligt, sondern nur Summer, Widerstand und Oszi.

Aber was passiert, wenn bei aktiven Ausgängen eine Spannung rückinduziert wird?

Dann fließt ein Strom durch den grade aktiv eingeschalteten Mosfet.

Wenn man das weiß, kann man es ja verhindern.

Man kann sich auch zu Tode schützen.

Es wäre wichtig zu wissen, ob der Fall nur bei Piezos auftritt.

Es ist nur dann wichtig, etwas zu tun, wenn auch etwas passieren kann. Bei solchen "Spezialproblemen" tut man gut daran, einfach mal zu warten ob überhaupt was passiert.

: Bearbeitet durch Moderator

Antwort schreiben

Bitte melde dich an, um einen Beitrag zu schreiben.

oder

Mit Google-Account einloggen

Die Registrierung ist kostenlos und dauert nur eine Minute.

Jetzt registrieren