Filterschaltung mit Operationsverstärker berechnen

Gast #2251162
Lesenswert?

Hey Leute,
bin mich auf die in kürze kommenden Klausuren am vorbereiten und bin ein 
bisschen am rechnen. Nun hab ich hier eine Aufgabe an der ich nicht 
weiter komme. Ich möchte das Bode Diagramm (Phasen und Amplitudengang) 
für die angehängte Schaltung zeichnen.
Dazu brauche ich ja die Übertragungsfunktion Ua/Ue. Nun komme ich nicht 
weiter. Für mich steckt das Problem darin, dass der Kondensator hinter 
R2 zu Masse geht und ich daher nicht weiss wie ich diesen behandeln 
soll.

Es ist auf jedenfall ein Spannungsteiler an dem die Kondensatorspannung 
für die Ausgangsspannung verantworlich ist
Ua = Uc * v".

v ist für einen invertierenden Verstärker ja
v = - (R1/R2).

Uc ist ja wegen dem Spannungsteiler mit Kondensator
Uc = Ue*Xc /(R2+Xc).

Wenn ich diese Formeln nun in Ua einsetze kommt
Ua = Ue * Xc / (R2+Xc) * -(R1/Rs) raus.

Nun ist ja diese Übertragungsfunktion von der Kreisfrequenz die in dem 
Xc steht abhängig. Also stelle ich die Formel nach wc um.
1/(j* wc * C) = (Ua*R2^2) / (-Ue  R1  -Ua * R2)
wc = jC * (-Ue  R1  -Ua * R2) / (Ua*R2^2)

Ist das so überhaupt richtig? Oder liege ich im Ansatz total falsch?
Angehängte Dateien:
Gast #2251186
Lesenswert?

>Nun hab ich hier eine Aufgabe an der ich nicht weiter komme. Ich möchte >das Bode 
Diagramm (Phasen und Amplitudengang) für die angehängte >Schaltung zeichnen.

Witzig, daß ihr eine Schaltung ausrechnen sollt, die im realen Leben so 
nie aufgebaut würde, weil sie instabil ist.
Angehängte Dateien:
Gast #2251191
Lesenswert?

Es geht eigentlich nur um das Bode Diagramm und um das Rechnen. Ob das 
nun in der Praxis so funktioniert ist dem Autor wohl egal gewesen ^^.

Mit welchem Tool ist denn das Simuliert? Kann man damit auch den Phasen 
und Amplitudengang darstellen? Wäre als Vergleicht ganz hilfreich.
Gast #2251207
Lesenswert?

>Es geht eigentlich nur um das Bode Diagramm und um das Rechnen. Ob das
>nun in der Praxis so funktioniert ist dem Autor wohl egal gewesen ^^.

Ja, aber ihr müßt auch lernen, wie eine vernünftige Schaltung aussieht 
und was ein dickes No-No ist. Naja, vielleicht ist ja Sinn dieser Übung 
diese Schaltung als gefährlich zu entlarven...
Gast #2251208
Lesenswert?

Habe mal nun mal die Übertragungsfunktion Ua/Ue gebildet, die wie folgt 
lautet:
v= Ua/Ue = Xc/(Xc+R2) * - (R1/R2)

Im Anhang ist das Diagramm, welches ich noch geexcelt habe. Eigentlich 
sieht es sehr realistisch aus. (Hoffe ich) den die Grundverstärkung ohne 
Kondensator müsste ja v=-(R1/R2)=-10 sein. Dies kann man in dem Diagramm 
ja sogar sehen und mit ansteigender Frequenz müsste ja v runtergehen.

Stimmt mir da jemand zu oder alles in den Müll und neu rechnen?

Falls es richtig ist. Wie komme ich auf den Phasengang?
Angehängte Dateien:
Gast #2251211
Lesenswert?

Ina schrieb:
>>Es geht eigentlich nur um das Bode Diagramm und um das Rechnen. Ob das
>>nun in der Praxis so funktioniert ist dem Autor wohl egal gewesen ^^.
>
> Ja, aber ihr müßt auch lernen, wie eine vernünftige Schaltung aussieht
> und was ein dickes No-No ist. Naja, vielleicht ist ja Sinn dieser Übung
> diese Schaltung als gefährlich zu entlarven...

Was macht die Schaltung denn genau so gefährlich? Ausser das sie wild 
schwingt? Wie kommt das Schwingen zu stande? Hängt das mit dem Auf-und 
Entladeprozess des Kondensators zusammen?
Gast #2251219
Lesenswert?

>Was macht die Schaltung denn genau so gefährlich? Ausser das sie wild
>schwingt? Wie kommt das Schwingen zu stande? Hängt das mit dem Auf-und
>Entladeprozess des Kondensators zusammen?

Die Gegenkopplung mit dem Cap verursacht eine gefährliche 
Phasenverschiebung vom Ausgang des OPamp zum "-" Eingang ("phase lag"), 
die die "phase margin", also die Phasenreserve praktisch aufbraucht und 
zu erheblicher Schwingneigung führt. Wie du der Simulation entnehmen 
kannst, ist die Schaltung unmittelbar vor dem Schwingungseinsatz.

-> Niemals so große Caps direkt vom "-" Eingang nach Masse schalten!
Gast #2251259
Lesenswert?

Im Bodediagramm muß man sich zur Klärung mal die Phasenreserve bei 
Verstärkung 1 ansehen. Die Sprungantwort zeigt Überschwinger, sobald die 
Phasenreserve kleiner als 90° ist. Wenn dann die Verstärkung mit der 
Gegenkopplung >1 ist, fängt das ganze an, schwingwillig zu werden.
Moderator #2251296
Lesenswert?

Da für den Opamp kein Typ angegeben ist, ist er wohl als ideal
anzunehmen. Ein idealer Opamp stellt sich bei Vorhandensein eines
Gegenkopplungszweigs so ein, dass die Spannungsdifferenz zwischen den
beiden Eingängen 0 ist. Damit ist auch die Spannung am Kondensator 0,
weswegen er weggelassen werden kann. Übrig bleibt ein invertierender
Verstärker mit Verstärkung -10. Die Phase ist bezogen auf das
Eingangssignal für jede Frequenz 180°.

Es gibt manchmal Aufgaben, da muss man gar nicht viel rechnen ;-)

Das mit der Praxisorientierung solcher Aufgaben wurde ja schon
diskutiert.
Gast #2251307
Lesenswert?

Yalu X. schrieb:
> Da für den Opamp kein Typ angegeben ist, ist er wohl als ideal
> anzunehmen. Ein idealer Opamp stellt sich bei Vorhandensein eines
> Gegenkopplungszweigs so ein, dass die Spannungsdifferenz zwischen den
> beiden Eingängen 0 ist. Damit ist auch die Spannung am Kondensator 0,
> weswegen er weggelassen werden kann. Übrig bleibt ein invertierender ...

Genau daran hab ich auch schon gedacht! Aber ich kann mir nicht 
vorstellen, dass die Aufgabe so einfach sein soll? Besoders weil noch 
angegeben ist, dass man
1. die Kreisfrequenz
2. Amplitudengang
3. Phasengang
berechnen soll.
Gast #2251800
Lesenswert?

Ich sehe es auch so wie yalu.
Der OP ist sicher als idealer OP gedacht, damit kann der Kondensator 
vernachlässigt werden und ist nur zur Sinnesvernebelung dort eingebaut.
Wenn es nicht so wärem dann würde mich die Musterlösung wirklich einmal 
interessieren.
#2251803
Lesenswert?

Die Lösung ist ganz einfach, wenn man einen idealen Opamp annimmt.
Offene Verstärkung unendlich
Phasenverlauf der offenen Verstärkung 0°
Bandbreite unendlich

Ua/Ue = -R2/R1

Wie schon erwähnt macht die Aufgabe so nicht viel Sinn.

Stand da nichts von endlicher Bandbreite des Verstärkers?
Gast #2251832
Lesenswert?

Gut dann lag ich wohl mit meiner ersten Vermutung richtig. Konnte mir 
nur nicht vorstellen, dass die Aufgabe so einfach sein soll :D

Werde ja das gesamte Ergebnis sehen, sobald ich die Musterlösung 
besitze.

Danke Leute :)
Moderator #2251896
Lesenswert?

Wenn das eine Fangfrage hätte sein sollen, wäre wahrscheinlich nur nach
dem Bodediagramm gefragt worden, da sich die Frage nach der Grenzfre-
quenz nicht sinnvoll beantworten lässt (höchstens mit "unendlich") und
die Berechnung von Amplituden- und Phasengang ja keine Herausforderung
mehr darstellt, wenn man das Bodediagramm erst einmal richtigt gezeich-
net hat.

Da wollte wahrscheinlich jemand aus einem invertierenden Verstärker
einen Tiefpass 1. Ordnung zaubern, hat aber den Kondensator an die
falsche Stelle gemalt (parallel zu Rf wäre richtig).

Wahrscheinlich ist das so ein Fall, wo man aus der offiziellen Lösung
die Aufgabe rekonstruieren muss ;-)
Gast #2252844
Lesenswert?

>Die Aufgabe wurde mit Absicht so gestellt, es sollte darin erkannt
>werden, dass bei einem idealen OP der Kondensator vernachlässigbar ist.

Und dem erfahrenen Elektroniker dreht sich beim Anblick des Caps der 
Magen um!

Also, ich finde es total schwachsinnig, solche Aufgaben zu stellen. Da 
ist der Begriff des "idealen" OPamp ad absurdum geführt worden. Warum? 
Wenn ich gewöhnlich unterscheide zwischen realem und idealem Verhalten 
eines OPamps, dann behält in beiden Fällen die konkrete Beschaltung 
immer ihre Funktionalität. Ich unterscheide dann nur zwischen mehr oder 
weniger marginalen Unterschieden, gewissermaßen Schmutzeffekten, oder 
gewissen Abweichungen vom Ideal. Beispielsweise, wenn die 
Offsetspannnung gleich Null angenommen wird.

Hier wird die Funktionalität der Schaltung aber auf den Kopf gestellt, 
weil eine reale Schaltung mit einem solchen Cap, nicht etwa nur 
geringfügig weniger gut arbeitet, sondern überhaupt nicht mehr!

Für den Lernenden ist diese Lehrmethode verhängsnisvoll: Hat er nur ein 
paar Mal diese schwachsinnige Schaltung zu Gesicht bekommen, wird er die 
Sensibiliät für ein solches völliges No-No verlieren. Er hat sich so an 
den Anblick gewöhnt, daß ihm im Gegensatz zum erfahrenen Elektroniker 
kein Blitz mehr durch den Rücken schießt, wenn er solchen Bull-Shit 
sieht.

Tja, Lehrer, setzen, 6.

Antwort schreiben

Bitte melde dich an, um einen Beitrag zu schreiben.

oder

Mit Google-Account einloggen

Die Registrierung ist kostenlos und dauert nur eine Minute.

Jetzt registrieren